Random House verliert gegen Goebbels-Erben

Die Familie von Joseph Goebbels hat ihren Rechtsstreit gegen Random House gewonnen. Der Verlag muss Tantiemen für Peter Longerichs Goebbels-Biographie zahlen. In dieser wurde logischerweise ausführlich aus den Goebbels Tagebüchern zitiert und das rief die Erben auf den Plan. Random House/Siedler wollte nicht zahlen, weil sie den Urheberrechtsanspruch der Erben bezweifelten. Weiterhin wollten sie aus moralischen Gründen nicht an die Nachfahren eines Massenmörders für dessen Werke zahlen. Das OLG München hat dies jetzt abgelehnt und den Verlag zur Zahlung verdonnert. Für die Goebbels-Tagebücher fließen bereits fleißig Tantiemen vom Piper-Verlag.

Die Erlöse der Goebbels-Urheberrechte gingen lange in recht zweifelhafte Kreise: Jahrzehnte lagen die Rechte bei François Genoud, einer Gestalt, die man sich nicht ausdenken kann: Schweizer Bankier, Nazi-Fluchthelfer, Holocaustleugner, zahlreiche Geheimdienstverstrickungen, intensive Kontakte zum internationalen Terrorismus und Freund von Ilich Ramirez Sanchez.

Cordula Schacht, Tochter des früheren Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht, an die die Urheberrechte nach Genouds Tod gingen, war Genoud freundschaftlich verbunden und lehnte den Vorschlag des Verlages, die Tantiemen an eine Holocaust-Stiftung zu zahlen, ab.

Der Spuk ist zum Glück recht bald vorbei: Am 1.1.2016 laufen die Goebbels-Urheberrechte aus und es ist aus mit Tantiemenzahlungen an Nazi-Nachfahren, Holocaustleugner und Terrorfreunde. Andere Nazis überlebten den Krieg und deren Nachfahren dürfen weiter kassieren. Verbrechen lohnt sich also doch – zumindest für die Nachfahren, wenn man vorher ein Buch geschrieben hat.

Dieser Beitrag wurde unter Bücher veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Random House verliert gegen Goebbels-Erben

  1. Pingback: Planet History (@Planet_History)

Kommentare sind geschlossen.