Abenteuer im 3D-Druck

Eigentlich war es ja klar, dass nach dem Stiftplotter und ersten Gehversuchen mit 3D-Programmen hier irgendwann auch ein 3D-Drucker ins Haus kommt. Dafür sind die Techniken doch zu nah verwandt und daher habe ich bei einem passenden Angebot zugeschlagen: Der Anycubic i3 Mega S für 149€ war als Angebot einfach zu günstig.

In den letzten Wochen habe ich daher intensiv mit dem Drucker gespielt und dafür dann auch das Stiftplotten schändlich vernachlässigt.

Zuerst die wichtigste Erkenntnis: Das ist alles gar nicht so schwer wie gerne getan wird. Wenn man versucht sich in den Bereich einzulesen, stolpert man sofort über schlimmstes Fachkauderwelsch, irgendwelche Druckerupdates, obskure Probleme mit komplizierten Lösungswegen oder verschiedene Drucktechniken. Umso überraschter war ich, dass das Gerät einfach so out of the box funktioniert. Man nimmt es aus dem Paket, baut es innerhalb von kürzester Zeit mit einer bebilderten Anleitung zusammen und dann kann man auch schon direkt den ersten Druck von der mitgelieferten SD-Karte starten. Nach einer halben Stunde Bastelzeit fließt auch schon das erste Plastik durch die Düse – und wer irgendwie etwas Ahnung von Technik hat, wer in der Lage ist ein Windows zu installieren oder gar eine Grafikkarte in einem Rechner zu installieren, der kann auch 3D-drucken.

Und das ist richtig cool! Ich war nie wirklich gut im Handwerken – wenn man mir eine Säge, Holz und diverse Schrauben gibt, dann bekomme ich kein Vogelhaus gebaut. Und wenn, dann eins, das schief und krumm ist und nicht nur von Vögeln verlacht würde. Mit dem Drucker könnte ich jetzt ein wunderbares Vogelhaus produzieren. Das macht Spaß und öffnet gleich neue Bahnen der Kreativität.

Wobei Kreativität gar nicht nötig ist: Man kann den Drucker auch einfach als Star Trek-Replikator nutzen. Es gibt diverse Plattformen wie Thingiverse, auf denen es zehntausende Druckvorlagen in allen auch nur denkbaren Varianten gibt. Egal ob praktische Helferlein, Ersatzteile oder lustige Spielereien, es gibt für alles etwas. Die Szene ist auch von einer enormen Offenheit geprägt – da wird gerne geteilt, CC-Lizenzen sind der Standard und es wird auch fleißig an anderen Designs verbessert und remixt.

Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Drucks durchaus lange dauern können. Wenn man komplexere und größere Drucke probiert und die feinste Schichtdicke für das beste Druckbild wählt, dann können die gerne mehrere Tage dauern. Wer sich jetzt gedacht hat, dass er in die industrielle Massenfertigung einsteigen kann, der hat sich getäuscht.

Ebenfalls zum Thema „industrielle Massenfertigung“: Man sieht den fertigen Objekten an, dass sie 3Dgedruckt sind. Sie haben nämlich ganz feine Schichten, irgendwo zwischen 0,1mm und 0,3mm, welche man sieht und z.T. auch spürt. Wer wirklich elegante Teile drucken will oder ganz feine Details wie bei Tabletop-Figuren, der benötigt eine andere Technik als den FDM-Druck.

Ein Nachteil ist auf jeden Fall zu erwähnen: Die Dinger stinken. Im Endeffekt schmilzt man ja Plastik und spritzt dann das geschmolzene Plastik in Form. Also hat man Plastikdämpfe in der Wohnung – und die sind im Zweifelsfall nicht gerade gesund und angenehm. Man sollte also die nötigen räumlichen Voraussetzungen haben. Den Bastelkeller, die Abstellkammer mit eigener Lüftung oder den ungenutzten Nebenraum. Ansonsten werden spätestens die Mitbewohner irgendwann rebellieren.

Will man nicht nur von anderen gefertigte Modelle drucken, sondern auch eigene Dinge erstellen, dann wird das Projekt zu einer ganz anderen Herausforderung: Ich bin gerade erst in den Anfängen davon mit CAD-Programmen herumzuspielen und die Lernkurve ist sportlich. Ich sitze jetzt seit bald 35 Jahren vor Computern herum und mache sogar beruflich was mit Computern, aber das ist ein ganz eigenes Genre. Da fühlt man sich dann wirklich wie Karlheinz (58), der in Word daran verzweifelt einen Text fett zu setzen. Selbst simpelste Dinge fallen einem extrem schwer und es ist unglaublich schwer etwas, was man im Kopf hat, dann auch umzusetzen. Das ist eine Lektion in Demut – gerade da sie es einem sehr nahebringt, wie andere Menschen vor Computern sitzen.

Ansonsten ist der 3D-Druck ein recht günstiges Hobby: Den Drucker habe ich für 150€ bekommen und 1kg Filament kostet um die 20€. Plastik ist bekannterweise leicht und daher bekommt man aus dem Kilo einiges heraus. Dazu kommen dann noch die Stromkosten und das war es. Das kann man machen und erschreckenderweise refinanziert sich das sogar recht schnell, wenn man ein paar Ersatzteile druckt, für die Hersteller ja gerne Mondpreise nehmen.

Zum Schluss möchte ich noch festhalten, dass ich natürlich keinerlei Ahnung habe. Es ist ja ein generelles Problem im Internet, dass jeder jeden Blödsinn reinschreiben darf und dass gerade Experten in ihrem Gebiet meist gut damit beschäftigt sind, vielgefragte Experten zu sein und daher keine Blogbeiträge oder YouTube-Videos erstellen. Ich hab den Drucker erst einen Monat und höchstwahrscheinlich würde ich in einem Jahr einen völlig anderen Artikel schreiben. Falls also jetzt jemand Lust hat sich ebenfalls einen 3D-Drucker zu kaufen, dann hört nicht auf mich.

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