PenPlot: Ridgeline

Ein Ridgeline-Plot Deutschlands. Platinum Preppy 0.2 mit schwarzer Pelikan-Tinte auf weißem Karton.

Was habe ich gelernt?

  • Die Daten stammen aus dem großartige PeakMap, welches einem erlaubt solche Karten im Stile des berühmten Joy Division-Covers zu erstellen
  • Die deutschen Alpen sehen völlig absurd aus

Dann irritierten mich dieses Norddeutschland, denn irgendwie sieht das ja anders aus. Nach etwas Recherche und einem erneuten Check der Daten stellt sich heraus, dass das wirklich ein Höhenplot Norddeutschlands ist. PeakMap nutzt für die Erstellung der Ridgelines die Höhe über dem Meeresspiegel, was auch wirklich sinnvoll ist. Es stellt sich nur heraus, dass weite Teile Norddeutschlands unter dem Meeresspiegel liegen. Außerdem kann man gar nicht einfach die Höhengrenze etwas absenken, da das Wattenmeer natürlich auch nicht besonders tief ist. Tja.

  • Entsprechende Ridgelines lassen sich z.B. auch wunderbar für Europa erstellen oder für andere Gegenden erstellen
  • Ein Plot auf schwarzem Tonkarton oder auf einem anderen Hintergrund könnte auch sehr großartig wirken
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George Orwell – Reise durch Ruinen

Es gibt im Onlineshopping so eine ganz spezielle Form des zielgruppenspezifischen Marketings, bei dem Produkte auf Bestellung produziert werden und so extrem genau auf noch so kleine Zielgruppen zugeschnitten werden können. T-Shirts mit Aufdrucken wie „Industriekaufmänner aus Sulzburg mit blonden Haaren sind die besten“ oder Harley-Fahrer aus Görlitz mit blauen Augen haben am meisten Spaß“ sind dafür nicht ansatzweise die schlimmsten Beispiele.
Das Buch „Reise durch Ruinen – Reportagen aus Deutschland und Österreich 1945“ von C.H. Beck textura fühlt sich so an – es ist fast unverschämt, wie genau es auf meine Interessen passt. George Orwell? Ich bin ein großer Fan. Und historische Reportagen? Die sammel ich sogar in meinem Wiki. Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit? War Schwerpunkt meines Geschichtsstudiums. Eine Sammlung von Reportagen von George Orwell aus seiner Tätigkeit als Kriegsreporter zum Kriegsende? Das musste ich direkt kaufen.
Die wirklich bemerkenswerteste Leerstelle des gesamten Bandes ist das völlige Fehlen des Holocausts. Orwell schreibt (erstaunlich abfällig) über die Displaced Persons, aber die systematische und industrielle Ermordung der Juden spielt in seiner Analyse Deutschlands und der Weltlage keine Rolle. Das ist umso bemerkenswerter als dass die Verbrechen der Nazi-Konzentrationslager gerade mit ihrer Befreiung natürlich die Welt beschäftigt haben. Es ist kaum davon auszugehen, dass George Orwell etwa die Befreiung von Bergen-Belsen durch die britische Armee Mitte April, aber auch etwa die zahlreichen Endphaseverbrechen nicht kannte. In seinen Berichten tauchen diese nur selten auf.
George Orwell ist also nicht der schärfste Beobachter der Lage in Deutschland. Seine Berichte sind auch immer genau den einen Tacken zu kurz – gerade, wenn es irgendwie interessant wird, sind sie auch schon vorbei. Immer, wenn er etwas in die Tiefe gehen könnte, ist er auf die Länge eines Zeitungsartikels begrenzt. Das ist schade.
Hier gibt es scharfsinnigere Beobachter der Lage. Saul Padovers großartiges „Lügendetektor“ ist hier sicherlich die interessantere Lektüre, wenn man den Blick von außen auf das zusammengebrochene Nazideutschland lesen will. 
Da die Reportagen nur 52 schmale Seiten füllen, hat der Verlag auch noch zwei interessantere Essays hinzugefügt: Einmal eine Rezension von „Mein Kampf“ aus dem Jahr 1940 und einmal eine Analyse der Weltlage 1945. Das Nachwort kann man sich sparen, es gehört zur unangenehmeren Textgattung, welche nur die vorhergehenden Reportagen (die man gerade ja gelesen hat!) nacherzählt ohne wirklich bedeutsames zur Einordnung in Orwells Biographie zu sagen. Es wäre schon spannend gewesen zu untersuchen, ob und wie seine Erlebnisse im Nachkriegsdeutschland dann einen Niederschlag in Animal Farm oder 1984 gefunden haben oder ob Orwell sich jenseits seiner Reportagen dazu geäußert hat.
Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass Orwells Kriegsreportagen erneut aufgelegt worden wären, wenn er nicht später Animal Farm und 1984 geschrieben hätte. Es fühlt sich leider etwas nach Resteverwertung an, um jetzt nachdem seine Werke gemeinfrei geworden sind, schnell noch ein Buch zu füllen.
Gemeinfrei ist natürlich auch ein Stichwort: Die Werke Orwells sind seit Beginn des Jahres für alle ohne urheberrechtliche Einschränkungen zu nutzen. Die entsprechenden Reportagen finden sich daher auch einfach so im englischen Original im Internet. Hier die Rezension zu „Mein Kampf“, den Rest der Artikel kann man sich eher sparen.

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Zwei PenPlots: Dortmund und Freiburg

Zwei Plots – einmal erneut Freiburg und dann Dortmund aus dem alten Merian-Holzschnitt.

 
Was habe ich gelernt? 

  • Die Software ist entscheidend – ich habe für diese Plots jetzt DrawingbotV3 verwendet, welches speziell für die Erstellung von Vorlagen für Penplotter gedacht ist. Dieses liefert deutlich bessere Ergebnisse als die in Inkscape integrierten Tools. Diese stürzen nämlich beim Line Tracing bei solch komplexen Grafiken stumpf ab.
  • DrawingbotV3 bietet zig Optionen und ist eine Wissenschaft für sich.
  • Mit den falschen Einstellungen frisst der Plot Papier – es werden zu viele Linien auf eine Stelle geplant und dann zerreißt der Stift das nasse Papier.
  • Ich habe den Druck jetzt in schwarzer Tinte gesetzt und das wirkt deutlich besser als das vorherige Blau. Höchstwahrscheinlich, weil man bei Holzschnitten ja eh die schwarze Farbe gewohnt ist.
  • Manuelle Nachbearbeitung ist hilfreich – die Bilder haben doch noch einige störende Linien, die man natürlich manuell in Inkscape entfernen kann. Dies verbessert das Outcome gewaltig – im Falle der Stadtansicht Dortmunds ist z.B. die Schrift noch deutlich zu verbessern.
  • Die Pipeline und der Workflow für’s Plotten von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtansichten stimmt jetzt auf jeden Fall und entwickelt sich in die richtige Richtung. Es gibt noch Optimierungspotential, aber grundsätzlich stimmt es.
  • Frühneuzeitliche Stadtansichten besitzen unglaublich viele Details, die auf A4 kaum zu malen sind. Hier gerät der Drawingbot-Algo selbst mit dem dünnen 0,2mm Platinum Preppy doch an seine Grenzen – lässt man ihn in Originaler Auflösung rechnen, bekommt man ein unglaublich detailliertes Bild heraus, welches aber dann locker die A3-Größe überschreitet. Will man dieses plotten, wird der Stift das tintennasse Papier zerfetzen.
  • Als nächstes wäre es sicherlich interessant, zu testen wie Holz- und Kupferstiche mit anderen Motiven funktionieren. Mal schauen, was ich da schönes finde.
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PenPlot: Über dem Nebelmeer

Caspar David Friedrichs „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ als reduzierte LineArt in Metallic Gold auf schwarzem Tonkarton

Was habe ich gelernt?

  • Es macht Spaß mit anderen Materialien und Stiften herumzuspielen und das fertige Produkt wird trotz gleicher Druckvorlage extrem beeinflusst. Der gleiche Druck als dünne blaue Linie auf weißem Papier würde z.B. recht unterwältigend aussehen.
  • Mit Metallic-Stiften wäre wohl auch ein Plot auf einem anderen Untergrund möglich. Ein Experiment mit Holz oder Porzellan wäre sicherlich interessant.
  • Es lohnt sich wirklich, das Bild vor dem Vektorisieren zu bearbeiten. Ich habe hier vorher den kompletten Hintergrund rausgelöscht, denn der Algo hat sich (zurecht) an den ganzen Bergen und am Nebel verschluckt bzw. wollte diese natürlich mit ins Bild nehmen
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Westdeutsche Worte: Fremdenzimmer

This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.	
Attribution: Colin Smith
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Es gibt einige Worte, die so westdeutsch sind, dass sie mittlerweile fast komplett aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Heute: Fremdenzimmer

Der Begriff „Fremdenzimmer“ ist ehrlich. Statt sich mit umschreibenden, schmeichelnden Bezeichnungen wie „Gästezimmer“ oder „Ferienwohnung“ die bittere Wahrheit zu übertünchen, haut das Fremdenzimmer dem Reisenden genau das ins Gesicht, was er eigentlich nicht hören will: Er ist fremd. Er ist nicht von hier. Er gehört nicht dazu. Ein Fremdenzimmer ist für Fremde.

Das ist gewissermaßen eine wohltuende Abgrenzung zu unserem heutigen Tourismus, der das Authentische in den Vordergrund stellen will und dabei das zerstört, was der Tourist sucht. Das Drama des modernen Touristen ist es, dass er in die fremden Kulturen eintauchen will, in der Fremde aber nur ein hohles Schauspiel und ein dreckiges Schmierentheater vorfindet. Der Erste, der fremde Regionen bereist, wird noch gastfreundlich aufgenommen und bekommt einen authentischen Eindruck in die Kultur und Lebensweise der Menschen. Die Menschen vor Ort kommen  aber schnell auf den Kieker, dass Touristen Geld bringen. Dann wird die kleine, urige Kneipe schnell zur Touristenfalle, in die kein Einheimischer mehr geht. Eine leere Kulisse wie eine Piratenbar in einem Freizeitpark. Und das schnuckelige kleine Örtchen wird schnell von einem ganz spezifischen Typ von Unternehmer okkupiert: Postkarten, Souveniers, Nippes, lokal hergestellter Blödsinn und völlig überteuerte Mitbringsel. Die Boutique mit Klamotten, die sich kein Einheimischer leisten kann und schon gar nicht anziehen würde.

Das Fremdenzimmer weist dem Touristen seine Rolle ganz anders zu: Er ist der Fremde. Er kann zwar ein Zimmer mieten, aber er ist nicht Gast. Er ist nicht Besucher. Es wird zwar sein Geld genommen, aber er ist nicht überall willkommen. Du bist fremd, hier kannst du übernachten, lass uns in Ruhe, mach deinen Krams alleine. Das unterscheidet das Fremdenzimmer von den heutigen Gästezimmern, Bed & Breakfasts, Hostels, AirBNBs und wie sie alle heißen, die versuchen den Gast möglichst zu umschmeicheln. Der moderne „Gast“ will eben Gast sein und nicht Kunde, er sucht das Authentische, er sucht den Kontakt zu den Locals und er steht immer vor der Tragik, dass die Locals ihn eigentlich nicht wollen, wenn er in Massen auftaucht. Außer, er zahlt Geld für seine Experience. Aber das wäre wieder nicht authentisch. Daher hasst der Tourist andere Touristen und findet andere Touristen schrecklich. Gleichzeitig ist er auch Teil der Masse der Touristen, macht touristische Digne und hasst sich gewissermaßen selbst.

Das Fremdenzimmer verhält sich zum Gästezimmer wie der Doppelkorn zum Aperol Spritz – statt der modernen Scheinwelt Tourismus ist es einfach ehrlich. Du bist der Fremde. Die Locals wollen dich nicht kennenlernen, sondern deine Kohle. Schönen Urlaub!

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Wenn das Restaurant den Anwalt schickt

In diversen Foren häufen sich momentan die Nutzerbeiträge, in denen berichtet wird, dass sie von einer Anwaltskanzlei zum Löschen einer negativen Bewertung bei Google Maps & Co aufgefordert wurden. Was steckt dahinter?
Negative Bewertungen haben natürlich enorme Konsequenzen für ein Unternehmen – ein Hotel mit einer 2,4 Sterne-Bewertung auf Google Maps, Booking.com oder Yelp wird es schwieriger haben Gäste zu gewinnen als eins mit soliden 5 Sternen. Ein Restaurant, in dessen Bewertungen die Kunden nur so schäumen, weil es dreckig ist oder das Personal unverschämt, wird es auch nicht lange machen.
Und was macht man dann als Besitzer eines dreckigen Restaurants? Putzen? Nein, die Kunden verklagen! 
Es gibt mittlerweile einen ganzen Zoo an LegalTech-Startups und Anwaltskanzleien, die aus der Löschung negativer Bewertungen ein Geschäftsmodell gemacht haben. Die Masche ist simpel: Man verspricht den Bewerteten die Löschung und schickt dann Briefe an die Bewerter, in denen mit der gesamten Gravität der juristischen Sprache Maßnahmen angekündigt werden. Der Bewerter soll nun seine negative Bewertung löschen oder die angekündigten Kritikpunkte mit konkreten Belegen untermauern. Oder erstmal nachweisen, dass er überhaupt in diesem Restaurant war – und natürlich scheitert ein Großteil der Leute daran, nachzuweisen, dass sie irgendwann im Mai 2017 in der Pizzeria Palermo essen waren. Noch schwieriger wird dann der Nachweis, dass das Personal unfreundlich war oder dass es dreckig war. Konnte man diese Ratte, die durch den Gastraum des Gasthauses Bären gehuscht ist, mit der Handykameratechnologie des Jahres 2007 nicht vernünftig fotografieren, wird der geforderte „Beweis“ nur schwer zu erbringen sein.

Werbung eines LegalTech-Startups


Dazu kommt dann noch ein Faktor, den die beteiligten Anwälte sicherlich ganz vehement abstreiten würden, aber: Die Nutzer, die in den Foren auftauchen, sind massiv eingeschüchtert. Sie haben keine Ahnung von Juristerei. Sie wurden meistens noch nie verklagt, haben selbst noch keinen verklagt, waren noch nie vor Gericht und der einzige Kontakt mit der bunten Welt der Paragraphen war ein Strafzettel wegen Geschwindigkeitsübertretung. Dann löschen sie wie gefordert die Bewertung und fertig. 
Auch aus genereller Zeitökonomie ist es natürlich die beste Lösung, wenn man einfach löscht – statt die alte Kreditkartenrechnung aus dem Goldenen Adler zu suchen und zu überlegen, wie man nachweisen soll, dass die Bedienung im Vapiano Darmstadt am 3. Februar 2013 pampig und unfreundlich war kann man auch einfach die Bewertung löschen, den Laden auch in Zukunft meiden und ein gutes oder schlechtes Buch lesen.
Google & Co machen sich hier einen schlanken Fuß – die Apps fordern fleißig zum Bewerten auf, aber die Nutzer werden mit dem produzierten Ärger dann alleine gelassen. Die entsprechenden Löschanfragen werden weitergereicht und fertig. Das milliardenschwere Unternehmen zieht sich auf den bequemen Standpunkt zurück, dass man ja eine „Plattform“ sei und daher mit den Inhalten selbst nichts zu tun hätte. 
Was bleibt? Zuerst die Erkenntnis, dass man niemals nie nicht ohne Bezahlung für einen Milliardenkonzern arbeiten sollte. Eine Plattform mit vielen Benutzerbewertungen ist einer ohne deutlich überlegen und es ist gerade die Stärke von Google Maps, dass es dort so viele gibt. Man sollte sich nicht als dummes Klickvieh missbrauchen lassen, das willig kostenlose Inhalte liefert und das sich dann ohne Support mit Anwälten herumärgern muss. Das würde besser gehen.
Und das nächste ist natürlich, dass dies ein massiver Einschnitt in die Meinungsfreiheit ist. Es ist natürlich völlig von ihr gedeckt, wenn man öffentlich verkündet, dass man den Service in einem Restaurant schlecht fand, das Essen fade war oder man eine Bäckerei schmutzig fand. Auch wenn die entsprechenden Anwaltsbriefe etwas anderes vermitteln wollen: Die Grenze zu einer ungerechtfertigten Schmähkritik ist hoch.
Und zum Schluss zeigt dies, dass man einfach nichts auf Bewertungen geben darf. Die anwaltliche Löschung ist ja nur ein Element von vielen, mit denen man Bewertungen beeinflussen kann. Amazon hat ein großes Problem mit Fake-Bewertungen, bei denen entweder mit massenhaft gefälschten Accounts agiert wird oder Leuten Produkte gegen positive Bewertungen angeboten werden. Alle Freunde und Familie bewerten natürlich positiv. Und im eigenen Onlineshop kann man eh agieren wie man will – im Endeffekt haben alle Shopsoftwares Features zum Freischalten und Selbstschreiben von Kommentaren integriert. 

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Fahrrad mit Truchet Lines

Ein Mashup einer alten Fahrradanzeige und truchet lines von TurtleToy.
Was habe ich gelernt?

  • Das gewählte Hatching ist wirklich wichtig – die ansonsten entstehenden „Löcher“ machen den Bildeindruck falsch. Das Hatching kann nicht allgemein einmal erfolgen, sondern muss genau auf die Dicke des gewünschten Stiftes abgestimmt sein. Hier lohnt es sich, mehrere SVGs abzuspeichern und v.a. eins vor dem Hatching-Prozess zu sichern.
  • Gleichzeitig ist ein zu dicker Stift auch nicht ideal für kleine Details, da diese zermatschen. Das erkennt man wunderbar an der Figur auf dem Schutzblech.
  • Das Plotten verbraucht Stifte wahnsinnig schnell – hier ist mir mitten im Plot der Stift leer gegangen und daher habe ich den Plot durch einen Farbwechsel gerade noch retten können
  • Wenn man am Rand Linien vergisst zu löschen, tauchen diese im Plot auf. D’oh
  • Grundsätzlich gefällt mir die Idee, alte Fahrradbilder mit geometrischen Mustern zu verbinden, extrem gut. Da wird es in Zukunft mehr von geben.
  • Die Verbindung geometrischer Muster mit alten Stadtansichten könnte auch extrem interessante Bilder produzieren.
  • Für mehrfarbige Plots benötigt man logischerweise zwei verschiedene Stifte. Hier ist es essentiell, dass man beim Einspannen nicht die Kalibrierung zerlegt. Das aktuelle Bild ist bewusst so gewählt, dass es recht egal ist, ob das Fahrrad jetzt ein paar Millimeter weiter rechts oder links ist. Will man aber präzise zwei verschiedenfarbige Linien nebeneinander zeichnen, wird dies schwieriger und mein aktuelles Setup würde das wirklich schwieriger machen . Hierfür müsste man den Stifthalter verbessern.
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Buch: Adrian Daub – What tech calls thinking

Adrian Daub hat ein höchst kluges Buch geschrieben: „What Tech calls thinking – an inquiry into the intellectual bedrock of Silicon Valley“ macht genau das, was der Titel verspricht. Daub ist Professor für Comparative Literature and German Studies an der Standford University und ist damit in der privilegierten Situation, dass er das Geschehen und Denken im Silicon Valley zugleich sehr direkt und dann auch distanziert betrachten kann. Ein Großteil der Startups und Techfirmen wird von Stanford-Absolventen gegründet, aber natürlich studieren diese zuvor seltener vergleichende Literaturwissenschaften. Er ist also nah dran – aber eben nicht so nah, dass er keine distanzierte Haltung hätte.

Wird der Großteil der Startups wirklich von Stanford-Absolventen gegründet? Von wegen, denn natürlich gehört es zur richtigen Heldenerzählung eines erfolgreichen Firmengründers, dass er seine Firma bereits während des Studiums gegründet und dann das Studium abgebrochen hat. Doch was hat man als Student überhaupt gelernt bis zum typischen „Gründungsabbruch“? In welchem Semester erfolgt dieser? Wie greift dies die klassischen Aussteiger-Erzählungen der Gegenkultur der 60er Jahre auf? Wo sind die Zusammenhänge? Und woher kommt diese Faszination des Silicon Valley mit dem „Genie“? Das Silicon Valley gibt ja nichts auf die klassisch-deutsche Gründungsbiographie: Erst irgendwie Studium oder Ausbildung fertig zu bekommen und dann mehrere Jahre Berufserfahrung zu sammeln und dann auf Basis dieser eine eigene Firma gründen. Die klassischen Tech-Gründer sind jung, ehrgeizig und in der Selbstdarstellung „Genies“ oder „Wunderkinder“ oder „Wizz Kids“. Überflieger, die durch die pure Kraft ihrer Fähigkeiten milliardenschwere Firmen aus dem Nichts erschaffen. Im Wohnheimszimmer, neben dem Studium.

Oder nehmen wir diese Dualität der Techkonzerne: Sie gelten zum einen als die besten Firmen, für die man arbeiten kann und sie gelten auch als brutale Ausbeuter und Firmen, für die man definitiv nicht arbeiten will. Der Entwickler in der Amazon-Zentrale wird fürstlich, gar königlich bezahlt, bekommt ein Büro der Luxusklasse gestellt mit kostenlosem Fitnessstudio, mehreren kostenlosen Mensen und vielleicht auch dem Klischee-Kickertisch. Der arme Tropf im Amazon-Lager hingegen ist einer stetigen Leistungskontrolle ausgesetzt und darf noch nicht mal auf die Toilette gehen. Bei anderen Firmen ist es ähnlich: Oben eine gehätschelte und verwöhnte Elite, unten ein ausgebeutetes Klickprekatiat. Wo kommt dies her? Und was hat das mit den Theorien von Marshall McLuhan zu tun? Daub erklärt es.

Und nicht nur das: Was ist eigentlich diese „Disruption“, welche die Startups betreiben wollen und was für Ideen stecken dahinter? Was sagt der Slogan „Fail better“ aus und was hat er mit Karl Marx zu tun? Daub schlägt messerscharfe Analysen in den Nebel der Corporate-PR, die täglich aus dem Silicon Valley herüberprasselt. Das macht das Buch höchst lesenswert.

Es ist allerdings ein schmaler Band mit etwas über 100 Seiten – an einigen Stellen hätte ich mir mehr „Fleisch“ gewünscht, denn es ist doch ein Buch für Insider. Wer sich bislang mit dem Silicon Valley weniger beschäftigt hat, der wird höchstwahrscheinlich eher etwas verloren durch die Seiten schwimmen. Zu viele Firmen, Ideen, Personen und intellektuelle Konzepte branden in wenigen Seiten auf einen ein. Und wer im 3. Semester sein Studium abgebrochen hat, um eine Firma zu gründen, wird umgekehrt auch nicht den geistesgeschichtlichen Background haben, um jetzt eine kurze Zusammenfassung dieser komplexen Theorien ergründen zu können, auf denen sein Denken basiert. Hier wäre ein etwas dickeres Buch wünschenswert gewesen.

Aber auch so: Da das Buch recht schmal ist, liest es sich schnell und es erweitert den Geist, wenn es um diese Tech-Ideen geht. Und da diese nicht nur im Silicon Valley gefeiert werden, sondern aufgrund dessen Erfolg so nach und nach in noch verdrehterer Form auch in unsere Arbeitsleben sickern, lohnt sich die Lektüre. Denn wenn dein Chef plötzlich einen Kickertisch in den Aufenthaltsraum stellt und sich trotzdem nichts ändert, dann kommt das aus dem Silicon Valley.

Danke an Helen für diesen Buchtipp!

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Freiburg im Breisgau, nach dem Holzschnitt von Hans Rudolf Manuel Deutsch aus 1549

Freiburg im Breisgau, nach dem Holzschnitt von Hans Rudolf Manuel Deutsch aus 1549. Geplottet mit einem Platinum Preppy 0.2 und Mont Blanc Royal Blue.

Hier die nächste Stadtansicht nach einem alten Holzschnitt aus Sebastian Münsters Cosmographia. Was habe ich gelernt?

  • Wenn man den Plotter nicht perfekt ausrichtet und auch das SVG nicht perfekt in der Mitte des Blattes platziert, dann wird der Druck schief. Das ist jetzt nicht besonders schlimm, außer man möchte das Bild rahmen
  • Bei wirklich wichtigen Elementen wie dem Turm des Freiburger Münsters, die direkt in der Bildmitte liegen, lohnt sich eine manuelle Nachbearbeitung. Denn der Turm ist nicht perfekt gelungen und leider halt das zentrale Element des Bildes
  • Die Konvertierung mittelalterlicher Städteansichten steht und fällt mit der verfügbaren Auflösung des Scans – hier ist sie doch etwas zu niedrig gewesen. Eine Auflösung von 1900px Kantenlänge ist bei so vielen filigranen Details einfach zu wenig. Dann bekommt auch der Plot in der Detailansicht Schwächen
  • Das gilt gerade für kleine Schriften – der Holzschnitt benennt bestimmte Gebäude, das ist aber im Plot nicht mehr zu lesen.
  • Hochauflösende Freiburger Stadtansichten sind im Internet schwer zu finden. Wer welche hat, darf sich gerne bei mir melden.
  • Eine Optimierung und Verschlankung des Drucks ist dringend nötig – das hat jetzt satte 11 Stunden benötigt.
  • Der Platinum Preppy 0.2 ist wirklich ein feiler Füller zum Plotten. Die gemalten Details sind aufgrund der dünnen Strichstärke richtig toll.
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Warendorf. Zwei PenPlots nach dem Kupferstich von Johannes Gigas aus dem Jahr 1616

Zwei PenPlots der historischen Stadtansicht nach dem Kuperstich von Johannes Gigas aus dem Jahr 1616.

Was habe ich gelernt?

  • Die Stiftauswahl ist enorm wichtig und beeinflusst das Ergebnis massiv. Auf dem oberen Bild ist es ein normaler Stabilo Fineliner 0.4, auf dem unteren Bild ein Platinum Preppy 0.2 Füller. Man sieht deutlich, wie der dickere Stift die Details verschwinden lässt, dafür die Flächen besser füllt. Auf dem Füller-Bild erkennt man ganz deutlich die Hatchet-Füllung – das sind diese geschwungenen Linien, welche diese Flächen füllen. Ein PenPlotter kann ja keine Flächen malen, sondern nur Linien. Daher kann man so ein Muster einfügen, aber wenn der Stift zu fein ist und die Tinte nicht ins Papier gesaugt wird, dann ist entsteht ein ganz eigener Bildeindruck
  • Und ganz basal: Die Vorlage ist entscheidend. Hier gibt es noch viel in der SVG-Konvertierung alter Holzschnitte zu erforschen – denn es sind nicht alle Details der Vorlage im Plot angekommen. Hier gibt es wohl das größte Optimierungspotential – nach viel Bastelei funktioniert der Eleksmaker jetzt zuverlässig und er zieht auch die filigransten Linien. Jetzt geht es daran, diese filigranen Linien zu erstellen.
  • Und wenn man im Jahr 2006 einen Kupferstich scannt und auf die Commons lädt, dann ärgert man sich im Jahr 2021 dass man keine höhere Auflösung verwendet hat.
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