PenPlot: War of the Worlds

Ein Plot einer der tollen Illustrationen von Henrique Alvim Corréa für H.G. Wells „The War of the Worlds“ für die französische Ausgabe von 1906.

Was habe ich gelernt? 

  • Der Eleksmaker A3 Pro kann auch über A4, aber erschreckenderweise trotz des Namens nicht wirklich A3 malen* In größer wirken einige Bilder deutlich besser* Theoretisch dürfte es auch „kein“ Problem sein, den Plotter nochmal zu vergrößern. Die Metallschienen, auf denen er rollt, sollte es auch in größer geben und den Zahnriemen auch. Von daher ist es technisch eigentlich kein Problem, ihn auf A2, A1 oder gar noch schlimmer zu vergrößern, aber das ist ein Bauprojekt für später
  • Da der Lidl farbigen Tonkarton im Angebot hatte, habe ich ihn direkt gekauft – die dünne, schwarze Tinte säuft hier auf dem Grau zwar etwas ab, aber dafür ist der Bildeindruck hoffentlich ein anderer. Hier wäre ein etwas dickerer Stift besser gewesen
  • DrawingbotV3 neigt dazu, dunkle Flächen mit wirklich, wirklich vielen Linien zu übermalen. Das Papier hält das in diesem Fall aus, weil der Algorithmus das mitmacht – hier ist der Cubic gewählt und daher schraffiert er nicht so eng auf nassem Papier wie beim Line-Algo
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Penplot: „Freiburg“


Ein kleiner Versuch ein Foto des Freiburger Münsters zu plotten. Was glaube ich ganz ordentlich gelungen ist.

Was habe ich gelernt? 

  • Da der PenPlot einfarbig ist, benötigt auch das Foto klare Kontraste. Ohne klare Kontraste funktioniert die Schwarz-Weiß-Umwandlung nicht richtig und dann wird leider auch nichts aus dem PenPlot. Hier heben sich das Münster und der Baum wunderbar vom Himmel ab. Ein Foto eines Waldes würde hier nicht gut funktionieren.
  • Schwarz auf Weiß ist zwar einfach, aber irgendwie auch etwas langweilig – dieser Plot könnte von etwas Farbe profitieren. Vielleicht muss ich doch mal in farbige Tinte „investieren“.
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PenPlot: Freiburger Stadtansichten

Zwei Freiburger Stadtansichten im minimalistischen Stil

Sta Metallic 6551-0 auf schwarzem Tonkarton
Platinum Preppy 0.2 mit Pelikan Brilliant-Schwarz auf gelbem Tonkarton

Was habe ich gelernt? Sehr viel, auch wenn die Bilder selbst recht minimalistisch aussehen und sicherlich einiges an Verbesserungspotential haben. Es ist aber eine wahre Freude, was für ein gigantischer Quatschaufwand im Hintergrund stand, um diese Bilder zu erstellen:

Schritt 1: Scanne die gesamte Freiburger Innenstadt in 3D
Schritt 2: Lerne eine höchst komplexe 3D-Profisoftware (Blender), um damit ein SVG in der gewünschten Perspektive zu rendern
Schritt 3: Bearbeite dieses SVG in Inkscape nach
Schritt 4: Male es mit Hilfe einer obskuren Maschine
Schritt 5: ???
Schritt 6: Profit!

Advanced Quatschfug! Ich bin mir sicher, dass das jemand mit nur wenigen Tagen künstlerischer Ausbildung besser Freihandzeichnen kann. Einfach so, ohne diesen ganzen technischen Overkill im Hintergrund. Aber … mir macht gerade dieses „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ richtig Laune und demnächst baue ich mir einen Teilchenbeschleuniger, um Chicken Nuggets zu braten ;)

  • Es gibt ein von der Stadt Freiburg erstelltes 3D-Modell der Stadt, welches die gesamte Innenstadt als Level of Detail 2 abbildet. Dieses ist noch etwas älter und daher ist z.B. noch das Baugerüst auf dem Münster abgebildet, was diese komische Form des Münsterturms erklärt.
  • Ich hatte bislang keine Berührungen mit 3D-Programmen und Renderingprogrammen. Von daher war das jetzt der beste Anlass, sich einmal mit dem Thema zu beschäftigen. Wenn man dann mit Blender startet, ist es erstmal ein völliger Schlag vor den Kopf. Ich hab es anfangs nicht einmal hinbekommen die Sicht zu verändern. Nach einiger Einarbeitung hat das dann aber funktioniert.
  • SVGs lassen sich in Blender mit dem „Freestyle“-Renderingstyle und dem Addon „Freestyle SVG Export“ erstellen. Aber Achtung: Wenn man unter Win10 arbeitet, dann muss man zuvor in einem gut versteckten Untermenü den Exportordner manuell auswählen. In meiner Version stand dieser im Standard auf dem Linuxordner /tmp/ , welchen es unter Windows nicht gibt. Das Ergebnis: Das Programm stürzt kommentarlos ab. Bemerkt habe ich das auch nur, weil ich dann testweise parallel Ubuntu gebootet habe, der Export dort funktionierte und ich ihn dann gesucht habe.
  • Die exportierten SVG sind nicht perfekt – es gibt dort definitiv eine Art „Medienbruch“, welcher sich darin äußert, dass die exportierten SVG mit kleineren Fehlern geplottet werden. Ich bin noch am Recherchieren, wo das Problem liegt bzw. wie man es beheben kann.
  • Diese Variante der Vorlagenerstellung bietet aber noch Potential für andere, ganz großartige Experimente. Ich experimentiere gerade mit den 3D-Modellen von Scan the World und daraus werden auch ganz großartige Dinge entstehen.
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Westdeutsche Worte: Autowandern

Werbung aus der ADAC-Motorwelt 6/1962

Es gibt einige Worte, die so westdeutsch sind, dass sie mittlerweile fast komplett aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Heute: Autowandern. Autowandern ist etwas, das sich eigentlich selbst widerspricht. Ein Auto fährt. Ein Mensch wandert mit seinen Beinen. Ein Auto wandert nicht, denn es hat keine Beine. Wandern ist eng mit dem Naturerlebnis verbunden, beim Wandern geht der Mensch in die Natur, will den Wald und die Höhen erleben und erfahren. Wandern macht man in der Natur. Im Gewerbegebiet wandert keiner und entlang einer Bundesstraße auch nicht. Der Wanderweg ist gewissermaßen das Gegenteil einer Straße – er ist nicht befestigt, naturnah, schmal und mitten in der Natur. Eine Straße ist genau das Gegenteil. Ein Einschnitt in die Natur. Breit. Asphaltiert. Man fährt schnell drüber und entdeckt keine Kleinigkeiten am Wegesrand. Der rationale Weg von A nach B.

Aber in Westdeutschland wurde geautowandert. Das, was man heute „Road Trip“ nennt, gibt es auch in 70er Jahre-Mief mit ausgewiesenen Ferien- und Touristenstraßen wie der „Deutschen Uhrenstraße“ oder der „Deutschen Märchenstraße“. Der ADAC definiert sie als „eine auf Dauer angelegte Reiseroute mit einem speziellen Thema bezeichnet, die den Zweck verfolgt, das Gebiet der Streckenführung touristisch besser zu vermarkten“. Der Wikipedia-Artikel zu diesen Autowanderrouten beinhaltet so wunderbare Sätze wie „Zur Kennzeichnung von Ferienstraßen findet in Deutschland insbesondere das in Braun mit weißer Schrift gehaltene amtliche Richtzeichen 386-51 Verwendung (Größe: 200 mm × 750 mm oder 200 mm × 1000 mm)“ und „Die Lehm- und Backsteinstraße westlich der Mecklenburgischen Großseenlandschaft erhielt 1999 als bislang einziges deutsches Projekt den „To Do!-Preis“ des „Ammerland-Studienkreises für Tourismus“

Der Autowanderer bewandert diese touristischen Straßen auf eine ganz prosaische Art und Weise:

„Das Bereisen touristischer Straßen erweist sich als ein Mix aus Bauwerksbesichtigung, Museumsbesuch und Landschafts- bzw. Stadtbesichtigung, möglicherweise verbunden mit einem Eventbesuch. Eine Rolle spielen vor allem bei denjenigen Routen, die Lebensmitteln gewidmet sind, auch die Verkostung und der Erwerb regionsspezifischer Produkte wie Bier, Wein oder Käse.“

Man kann vor seinem geistigen Auge schon die ganzen VW Käfer mit Heinz Erhardt am Steuer sehen, wie sie sich die Schwarzwaldhochstraße entlangquälen, immer auf der Suche nach einem modernen, autogerechten Urlaub und hintendran die leicht bleiblaue Abgasfahne. Der Picknickkorb auf dem Parkplatz mit dem Brot mit der Gesichtswurst, die Frauen tragen Kleider und die Männer auch in der Freizeit diese Anzüge und vielleicht einen Hut mit Krempe.

Wie sehr das Auto unsere Kultur prägt, zeigt auch das schöne Wort Autofahrerrundwanderweg. Wie wiederum Wikipedia informiert, führten bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die ausgewiesenen Wanderwege meistens von einem Ort zu einem anderen. Die An- und Abreise erfolgte mit dem Zug und daher konnte man die Strecke einfach zwischen zwei Bahnhöfen wandern. Wenn man allerdings das Auto auf einem Wanderparkplatz parkiert, dann will man die Wanderung auch dort wieder beenden. Das Ergebnis ist, dass „in Deutschland […] mehrere hunderttausend Kilometer als Autofahrerrundwanderwege in der Landschaft markiert“ sind.

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PenPlot: Amsterdam

Ein „Amsterdam„-Turtle in blau-metallic auf schwarzem Tonpapier

Was habe ich gelernt? 

  • Erstaunlich wenig – das Bild ist das Ergebnis von etwas Herumspielen mit dem (großartigen) TurtleToy
  • Blau-Metallic auf Schwarz sieht super aus und ich werde in Zukunft auch weitere Plots in dieser Art versuchen
  • Meine frühneuzeitlichen Stadtansichten funktionieren nicht – dafür ist dann leider der Metallic-Stift zu dick und einen Metallic-Stift mit 0,2er Breite scheint es nicht zu geben. 
  • Die unendliche Weisheit des großen Internets empfiehlt, dass man den Plotter mehrfach fahren lässt. Dies würde dann zu einem kräftigeren Farbergebnis führen, weil mehr Farbe auf dem Schwarz liegt
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PenPlot: Ridgeline

Ein Ridgeline-Plot Deutschlands. Platinum Preppy 0.2 mit schwarzer Pelikan-Tinte auf weißem Karton.

Was habe ich gelernt?

  • Die Daten stammen aus dem großartige PeakMap, welches einem erlaubt solche Karten im Stile des berühmten Joy Division-Covers zu erstellen
  • Die deutschen Alpen sehen völlig absurd aus

Dann irritierten mich dieses Norddeutschland, denn irgendwie sieht das ja anders aus. Nach etwas Recherche und einem erneuten Check der Daten stellt sich heraus, dass das wirklich ein Höhenplot Norddeutschlands ist. PeakMap nutzt für die Erstellung der Ridgelines die Höhe über dem Meeresspiegel, was auch wirklich sinnvoll ist. Es stellt sich nur heraus, dass weite Teile Norddeutschlands unter dem Meeresspiegel liegen. Außerdem kann man gar nicht einfach die Höhengrenze etwas absenken, da das Wattenmeer natürlich auch nicht besonders tief ist. Tja.

  • Entsprechende Ridgelines lassen sich z.B. auch wunderbar für Europa erstellen oder für andere Gegenden erstellen
  • Ein Plot auf schwarzem Tonkarton oder auf einem anderen Hintergrund könnte auch sehr großartig wirken
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George Orwell – Reise durch Ruinen

Es gibt im Onlineshopping so eine ganz spezielle Form des zielgruppenspezifischen Marketings, bei dem Produkte auf Bestellung produziert werden und so extrem genau auf noch so kleine Zielgruppen zugeschnitten werden können. T-Shirts mit Aufdrucken wie „Industriekaufmänner aus Sulzburg mit blonden Haaren sind die besten“ oder Harley-Fahrer aus Görlitz mit blauen Augen haben am meisten Spaß“ sind dafür nicht ansatzweise die schlimmsten Beispiele.
Das Buch „Reise durch Ruinen – Reportagen aus Deutschland und Österreich 1945“ von C.H. Beck textura fühlt sich so an – es ist fast unverschämt, wie genau es auf meine Interessen passt. George Orwell? Ich bin ein großer Fan. Und historische Reportagen? Die sammel ich sogar in meinem Wiki. Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit? War Schwerpunkt meines Geschichtsstudiums. Eine Sammlung von Reportagen von George Orwell aus seiner Tätigkeit als Kriegsreporter zum Kriegsende? Das musste ich direkt kaufen.
Die wirklich bemerkenswerteste Leerstelle des gesamten Bandes ist das völlige Fehlen des Holocausts. Orwell schreibt (erstaunlich abfällig) über die Displaced Persons, aber die systematische und industrielle Ermordung der Juden spielt in seiner Analyse Deutschlands und der Weltlage keine Rolle. Das ist umso bemerkenswerter als dass die Verbrechen der Nazi-Konzentrationslager gerade mit ihrer Befreiung natürlich die Welt beschäftigt haben. Es ist kaum davon auszugehen, dass George Orwell etwa die Befreiung von Bergen-Belsen durch die britische Armee Mitte April, aber auch etwa die zahlreichen Endphaseverbrechen nicht kannte. In seinen Berichten tauchen diese nur selten auf.
George Orwell ist also nicht der schärfste Beobachter der Lage in Deutschland. Seine Berichte sind auch immer genau den einen Tacken zu kurz – gerade, wenn es irgendwie interessant wird, sind sie auch schon vorbei. Immer, wenn er etwas in die Tiefe gehen könnte, ist er auf die Länge eines Zeitungsartikels begrenzt. Das ist schade.
Hier gibt es scharfsinnigere Beobachter der Lage. Saul Padovers großartiges „Lügendetektor“ ist hier sicherlich die interessantere Lektüre, wenn man den Blick von außen auf das zusammengebrochene Nazideutschland lesen will. 
Da die Reportagen nur 52 schmale Seiten füllen, hat der Verlag auch noch zwei interessantere Essays hinzugefügt: Einmal eine Rezension von „Mein Kampf“ aus dem Jahr 1940 und einmal eine Analyse der Weltlage 1945. Das Nachwort kann man sich sparen, es gehört zur unangenehmeren Textgattung, welche nur die vorhergehenden Reportagen (die man gerade ja gelesen hat!) nacherzählt ohne wirklich bedeutsames zur Einordnung in Orwells Biographie zu sagen. Es wäre schon spannend gewesen zu untersuchen, ob und wie seine Erlebnisse im Nachkriegsdeutschland dann einen Niederschlag in Animal Farm oder 1984 gefunden haben oder ob Orwell sich jenseits seiner Reportagen dazu geäußert hat.
Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass Orwells Kriegsreportagen erneut aufgelegt worden wären, wenn er nicht später Animal Farm und 1984 geschrieben hätte. Es fühlt sich leider etwas nach Resteverwertung an, um jetzt nachdem seine Werke gemeinfrei geworden sind, schnell noch ein Buch zu füllen.
Gemeinfrei ist natürlich auch ein Stichwort: Die Werke Orwells sind seit Beginn des Jahres für alle ohne urheberrechtliche Einschränkungen zu nutzen. Die entsprechenden Reportagen finden sich daher auch einfach so im englischen Original im Internet. Hier die Rezension zu „Mein Kampf“, den Rest der Artikel kann man sich eher sparen.

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Zwei PenPlots: Dortmund und Freiburg

Zwei Plots – einmal erneut Freiburg und dann Dortmund aus dem alten Merian-Holzschnitt.

 
Was habe ich gelernt? 

  • Die Software ist entscheidend – ich habe für diese Plots jetzt DrawingbotV3 verwendet, welches speziell für die Erstellung von Vorlagen für Penplotter gedacht ist. Dieses liefert deutlich bessere Ergebnisse als die in Inkscape integrierten Tools. Diese stürzen nämlich beim Line Tracing bei solch komplexen Grafiken stumpf ab.
  • DrawingbotV3 bietet zig Optionen und ist eine Wissenschaft für sich.
  • Mit den falschen Einstellungen frisst der Plot Papier – es werden zu viele Linien auf eine Stelle geplant und dann zerreißt der Stift das nasse Papier.
  • Ich habe den Druck jetzt in schwarzer Tinte gesetzt und das wirkt deutlich besser als das vorherige Blau. Höchstwahrscheinlich, weil man bei Holzschnitten ja eh die schwarze Farbe gewohnt ist.
  • Manuelle Nachbearbeitung ist hilfreich – die Bilder haben doch noch einige störende Linien, die man natürlich manuell in Inkscape entfernen kann. Dies verbessert das Outcome gewaltig – im Falle der Stadtansicht Dortmunds ist z.B. die Schrift noch deutlich zu verbessern.
  • Die Pipeline und der Workflow für’s Plotten von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtansichten stimmt jetzt auf jeden Fall und entwickelt sich in die richtige Richtung. Es gibt noch Optimierungspotential, aber grundsätzlich stimmt es.
  • Frühneuzeitliche Stadtansichten besitzen unglaublich viele Details, die auf A4 kaum zu malen sind. Hier gerät der Drawingbot-Algo selbst mit dem dünnen 0,2mm Platinum Preppy doch an seine Grenzen – lässt man ihn in Originaler Auflösung rechnen, bekommt man ein unglaublich detailliertes Bild heraus, welches aber dann locker die A3-Größe überschreitet. Will man dieses plotten, wird der Stift das tintennasse Papier zerfetzen.
  • Als nächstes wäre es sicherlich interessant, zu testen wie Holz- und Kupferstiche mit anderen Motiven funktionieren. Mal schauen, was ich da schönes finde.
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PenPlot: Über dem Nebelmeer

Caspar David Friedrichs „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ als reduzierte LineArt in Metallic Gold auf schwarzem Tonkarton

Was habe ich gelernt?

  • Es macht Spaß mit anderen Materialien und Stiften herumzuspielen und das fertige Produkt wird trotz gleicher Druckvorlage extrem beeinflusst. Der gleiche Druck als dünne blaue Linie auf weißem Papier würde z.B. recht unterwältigend aussehen.
  • Mit Metallic-Stiften wäre wohl auch ein Plot auf einem anderen Untergrund möglich. Ein Experiment mit Holz oder Porzellan wäre sicherlich interessant.
  • Es lohnt sich wirklich, das Bild vor dem Vektorisieren zu bearbeiten. Ich habe hier vorher den kompletten Hintergrund rausgelöscht, denn der Algo hat sich (zurecht) an den ganzen Bergen und am Nebel verschluckt bzw. wollte diese natürlich mit ins Bild nehmen
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Westdeutsche Worte: Fremdenzimmer

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Attribution: Colin Smith
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Es gibt einige Worte, die so westdeutsch sind, dass sie mittlerweile fast komplett aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Heute: Fremdenzimmer

Der Begriff „Fremdenzimmer“ ist ehrlich. Statt sich mit umschreibenden, schmeichelnden Bezeichnungen wie „Gästezimmer“ oder „Ferienwohnung“ die bittere Wahrheit zu übertünchen, haut das Fremdenzimmer dem Reisenden genau das ins Gesicht, was er eigentlich nicht hören will: Er ist fremd. Er ist nicht von hier. Er gehört nicht dazu. Ein Fremdenzimmer ist für Fremde.

Das ist gewissermaßen eine wohltuende Abgrenzung zu unserem heutigen Tourismus, der das Authentische in den Vordergrund stellen will und dabei das zerstört, was der Tourist sucht. Das Drama des modernen Touristen ist es, dass er in die fremden Kulturen eintauchen will, in der Fremde aber nur ein hohles Schauspiel und ein dreckiges Schmierentheater vorfindet. Der Erste, der fremde Regionen bereist, wird noch gastfreundlich aufgenommen und bekommt einen authentischen Eindruck in die Kultur und Lebensweise der Menschen. Die Menschen vor Ort kommen  aber schnell auf den Kieker, dass Touristen Geld bringen. Dann wird die kleine, urige Kneipe schnell zur Touristenfalle, in die kein Einheimischer mehr geht. Eine leere Kulisse wie eine Piratenbar in einem Freizeitpark. Und das schnuckelige kleine Örtchen wird schnell von einem ganz spezifischen Typ von Unternehmer okkupiert: Postkarten, Souveniers, Nippes, lokal hergestellter Blödsinn und völlig überteuerte Mitbringsel. Die Boutique mit Klamotten, die sich kein Einheimischer leisten kann und schon gar nicht anziehen würde.

Das Fremdenzimmer weist dem Touristen seine Rolle ganz anders zu: Er ist der Fremde. Er kann zwar ein Zimmer mieten, aber er ist nicht Gast. Er ist nicht Besucher. Es wird zwar sein Geld genommen, aber er ist nicht überall willkommen. Du bist fremd, hier kannst du übernachten, lass uns in Ruhe, mach deinen Krams alleine. Das unterscheidet das Fremdenzimmer von den heutigen Gästezimmern, Bed & Breakfasts, Hostels, AirBNBs und wie sie alle heißen, die versuchen den Gast möglichst zu umschmeicheln. Der moderne „Gast“ will eben Gast sein und nicht Kunde, er sucht das Authentische, er sucht den Kontakt zu den Locals und er steht immer vor der Tragik, dass die Locals ihn eigentlich nicht wollen, wenn er in Massen auftaucht. Außer, er zahlt Geld für seine Experience. Aber das wäre wieder nicht authentisch. Daher hasst der Tourist andere Touristen und findet andere Touristen schrecklich. Gleichzeitig ist er auch Teil der Masse der Touristen, macht touristische Digne und hasst sich gewissermaßen selbst.

Das Fremdenzimmer verhält sich zum Gästezimmer wie der Doppelkorn zum Aperol Spritz – statt der modernen Scheinwelt Tourismus ist es einfach ehrlich. Du bist der Fremde. Die Locals wollen dich nicht kennenlernen, sondern deine Kohle. Schönen Urlaub!

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