Tile Hunting #6 – Gestrandet in Mersch

Bislang bin ich bei größeren Touren (fast) immer von Pannen verschont geblieben. 2013 ist mir mal auf dem Weg nach Enschede ein Pedalarm abgefallen, den ich dann dank der freundlichen Hilfe auf einem nahe gelegenen Bauernhof wieder reparieren konnte. Diesmal ging aber alles schief. Ich war auf der Jagd nach diesen Tiles hinter Drensteinfurt bei Mersch:

Die Tour begann mit einem High Speed-Effort entlang der Bundesstraße nach Drensteinfurt. Diese hat richtig feinen Asphalt ohne Schlaglöcher, Hubbel und sonstige Unangenehmlichkeiten und ist zudem auch so breit, dass man recht gefahrlos auf ihr fahren kann. Es war bullenheiß und die erkundete Gegend um Mersch herum so lala.

Mersch selbst erwies sich als völlig unspektakuläre Siedlung an der Bahnstrecke Münster-Hamm. Das laut Wikipedia sehenswerte Wasserschloss Haus Venne habe ich natürlich gnadenlos übersehen, weil ich mich im Vorfeld nicht über die Gegend informiert habe. Naja.

Es ist mal wieder diese Zeit, an der die Radwege plötzlich nur noch halb so breit sind, weil die umliegende Vegetation sich breit macht:

Aber wie soll man es sagen: Auch wenn die Gegend da oben mich jetzt irgendwie nicht überzeugt hat, nett ist sie doch. Sie ist nur halt so dermaßen unspektakulär Münsterland, dass es einfach schönere Ecken gibt, die etwas fotogener sind.

Aber dann, nach 25 km Fahrt und dann… eine Panne. Die Kette hat sich irgendwie so festgefressen, dass sie komplett blockiert. Sie steht unter höchster Spannung, die Schaltung macht nichts mehr und die Pedale drehen sich nicht mehr. Nichts geht mehr – und da das Hinterrad als Diebstahlssicherung keinen Schnellspanner hat, kann ich es auch nicht einfach mal schnell rausnehmen, um die Kette wieder zu richten. Einen Maulschlüssel habe ich natürlich auch nicht dabei.

Es ist gerade keiner im Lande, der mich schnell mit dem Auto abholen könnte. Also schnell in Google Maps geschaut – ich bin 10 km von zu Hause entfernt. Ein Fußmarsch von 2 Stunden. Ich mache mich also auf den Weg und laufe erstmal längere Zeit wie ein bescheuerter an einem Pättken entlang, das anscheinend als geheimer Schleichweg dient. Der Autoverkehr ist auf jeden Fall enorm und die Straße gerade so breit, dass ich mit dem Rad an den Rand gedrängt werde, um das Auto vorbei zu lassen. Mit dem großen Rennrad konnte ich auch leider keinen fragen, ob er mich mitnimmt. Das Klapprad hätte in jeden Kofferraum gepasst, das Rennrad nicht.

Nach ein paar Kilometern wird das Laufen dann schmerzhaft: Die Radsandalen sind nicht gerade für lange Wanderungen geeignet und so hat sich eine dicke Blase unter dem rechten Schuh gebildet. Ich habe zwar zum Glück immer ein Pflaster im Geldbeutel, aber das ist natürlich trotzdem nur eine Zwischenlösung. Das war dann der Moment, an dem ich mir fast ein Taxi gerufen hätte. Aber: Am Horizont tauchen einige Plattenbauten auf, die ich da nicht unbedingt erwartet hätte. Es stellt sich heraus, dass ich doch deutlich näher an Hamm-Heessen bin als gedacht. Und von da aus fährt jede halbe Stunde ein Zug nach Ahlen. Und als großer, großer Bonus erreiche ich bald den Truppenübungsplatz und von da aus geht es bis zum Bahnhof Heessen nur noch bergab – und zwar so stark, dass das Rad auch ohne Pedalantrieb erstaunlich schnell den Berg runterrollt. Mit bis zu 35 km/h geht es also schneller als erwartet voran.

Ergebnis der ganzen Aktion: 5,00 € für das Bahnticket gezahlt, dank der Blase humpel ich gerade so vor mich hin, das Rad ist zuhause schnell wieder gefixt worden und nach 25 Kilometern Radfahren und 7 Kilometern Fußmarsch in der glühenden Hitze war ich gut kaputt.