Per Rad zum Atomwaffenlager

Mit dem Fahrrad kann man so diverses entdecken, warum also man nicht durch ein ehemaliges Atomwaffenlager fahren? Auf geht’s zur ehemaligen Sonderwaffenlager Fischbach in der Pfalz. Zuerst geht es über einen recht gut ausgebauten Radweg an in Richtung Fischbach, der dann zu einer Schotterpiste wird. Mit dem Rennrad hätte ich hier Probleme bekommen, das Klapprad kämpft, kommt aber durch. Gefährlich sind aufgefüllte Schlaglöcher, in denen das Rad gerne mal wegrutscht.

Und weiter geht es über die Waldautobahn. Schotterpisten sind eigentlich nicht der Lieblingsuntergrund des Rads.

Jetzt wird der offiziell ausgeschilderte Radweg wirklich abstrus, denn nach einer Straßenquerung verengt er sich zu einem kleinen, schottrigen Trampelpfad. Das Klapprad mit seinen 20″-Reifen fühlt sich hier definitiv nicht zuhause.

Dann aber verbreitert sich der Pfad und führt über einen gigantischen Holzsteg, der fleißig beim Drüberfahren klappert. Erstaunlich, welchen Unterschied ein paar Meter machen.

Nach ein paar weiteren Kilometern zeichnen sich im Gewerbepark Fischbach die ersten Zeichen einer militärischen Installation ab – kein anderer wäre so bescheuert, so viele Laternen in den Wald zu bauen. Die ganze Gegend ist von gut ausgebauten, breiten Asphaltwegen durchzogen und unterscheidet sich in vielen, kleinen und subtilen Details von einem „normalen“ Wald.

Keiner außer dem Militär würde so dermaßen gigantische Asphaltflächen in einen Wald hauen. Und kein anderer dürfte das wohl und keiner würde so viel Geld ausgeben, um Waldwege so dermaßen flächig zu asphaltieren.

Das Ziel ist erreicht!

Wir sind am ehemaligen Sonderwaffenlager Fischbach („Area One“) angekommen. Hier lagerten ab 1956 alle möglichen unangenehmen Dinge: Atomminen, nukleare Artilleriegranaten, Pershing- und LANCE-Sprengköpfe und jede Menge konventioneller Munition. Die US-Truppen waren darauf vorbereitet, dass der Kalte Krieg auch heiß und nuklear werden konnte und haben hier (und an zahlreichen anderen Orten in der BRD) ihre Feuerkraft gelagert. Die Pfalz als eine der abgelegensten und am weitesten vom Warschauer Pakt entfernte Gegend Westdeutschlands bot sich wunderbar an – zudem grenzt dieses Sonderwaffenlager praktisch direkt an Frankreich.

Nach dem Abzug der US-Truppen und der Atomwaffen sollte das Gelände eigentlich komplett abgerissen werden, aber durch die IG Area One konnte dies verhindert werden. Heute ist das Gelände öffentlich zugänglich und mit Infotafeln versehen – und natürlich völlig frei von irgendwelcher Radioaktivität und sämtlichen Atomwaffen.

Die Pfalz selbst ist durchzogen von Festungsbauwerken – kaum eine Erhöhung ohne mittelalterliche Burg(ruine), der französische Festungsbaumeister Vauban baute in Landau, Lichtenberg oder Bitche, auf der französischen Seite in den Nordvogesen sind z.B. in Lembach die mächtigen Festungsbauwerke der Maginot-Linie zu besichtigen und auf der deutschen die Reste des Westwalls. Das Sonderwaffenlager fügt sich als „moderne Burg“ wunderbar in diese militärisch stark genutzte Landschaft ein und bietet v.a. eine Art „Lost Places“-Feeling für Leute, die keine Lust haben, nachts heimlich in irgendwelche Gebäude einzubrechen.

Das Wachgebäude selbst ist praktisch völlig entkernt – zu entdecken gibt es leider nichts mehr und auch auf den Wachturm kann man (verständlicherweise) nicht mehr klettern.

Hier haben wir den ersten Atomwaffenbunker. Massive Betonmauern, von Erde überdeckt, ein dickes Stahltor und ein massives Gitter vor dem eigentlichen Tor sorgten dafür, dass der Zugang wirklich schwierig und vor allem für eventuelle Angreifer zeitaufwändig war.

Hier sieht man das eigentliche Tor zu den Atomwaffen mit einem leicht anderen Gittermodell:

Und noch einmal mit Fahrrad:

Die meisten Bunker sind verschlossen, aber zwei Bunker sind offen und betretbar. Sie sind vollkommen leer und unbeleuchtet. Und ja, sie sind so groß, dass man darin mit dem Fahrrad fahren kann und natürlich habe ich das gemacht. Gebt es zu, Ihr würdet das auch machen!

Ansonsten holt die Natur sich nach und nach das Gelände zurück. Bäume und Sträucher wachsen. Die Bunker sind mittlerweile von hohen Bäumen bewachsen. Und ohne Pflege durch den Menschen würde man von diesem Lager nur noch wenig erkennen.

Jetzt geht es wieder zurück und zwar mitten durch Frankreich. Von der Area One führt eine tolle Straße nach Schönau und von dort aus in Richtung Lembach.

Kurz nach der Abzweigung nach Fleckenstein führt ein kleiner, heftiger Anstieg den Berg hinauf und wieder in Richtung Nothweiler. Die perfekt ausgebaute Waldautobahn entschädigt für den Anstieg.