Nach dem Feierabend durch Frankreich

Manchmal kommen einem die besten Ideen etwas später: Wenn ich schon ein Klappfahrrad und ein Regioticket habe, dann muss ich auch nicht immer direkt von der Arbeit nach Hause fahren, sondern ich kann auch erst woanders hin fahren und von dort nach Hause radeln. Ohne Abwechslung wird das Pendeln irgendwann doch langweilig. Also zuerst mit dem Zug von Freiburg nach Müllheim. Von dort ging es über wenig überzeugende Straßen dann nach Neuenburg, das auch wenig überzeugte. Es ist eine Grenzstadt, die gefühlt nur aus Tankstellen und Tabakläden besteht und völlig an den Autoverkehr verloren gegangen ist. Dann ging es über die Rheinbrücke nach Frankreich.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Franzosen es schaffen, so unwirtliche und ungemütliche öffentliche Plätze zu schaffen. Das hier soll wohl eine Raststation für Radtouristen sein und bietet eigentlich alles, was man braucht: Sitzmöglichkeiten, Design, Infoschilder, Radständer – aber es wirkt trotzdem einfach wenig einladend.
Weiter ging es auf der D52 parallel zum Rhein in Richtung Fessenheim. Die Straße hat zwar keinen Radweg, ist aber wenig befahren. Das Klapprad fühlt sich hier zuhause, aber das Rennrad würde sich hier so richtig pudelwohl fühlen.
Kann man auch machen: Statt einem simplen Kreuz einfach einen kompletten Grabstein an die Straße stellen:
Die Straße führt direkt am Sorgenkind des Rheintals vorbei: Das marode französische Atomkraftwerk Fessenheim. Hier gibt es keine Fotos, denn im Zweifelsfall finden das die Sicherheitskräfte an den Videoüberwachungsmonitoren hinter ihren stacheldrahtversehenen Zäunen nicht so witzig, wenn man die Sicherheitsanlagen knipst. Fotos kann man dann am Pro-Atomkraft-Propagandahaus machen, in dem einem erzählt wird, wie toll Strom ist, wie sicher die Atomkraft ist und so weiter. Hier kann man eine Rast einlegen, es ist aber viel schöner, wenn man diesen Rastplatz links liegen lässt und wenige Meter weiter auf der Rheininsel am Rheinufer pausiert.
Interessanter ist der Blick auf das Wasserkraftwerk am Rhein:
Das kann man auch „besichtigen“ bzw. es gibt einen Aussichtspunkt, von dem aus man in das Turbinenhaus blicken kann.
Fessenheim besitzt eine Rheinbrücke und ist daher auch der Ort, von dem aus es wieder zurück ging. Diese Brücke überzeugt mit perfekter Flächengerechtigkeit: 50% der Brücke sind Radfahrern vorbehalten, 50% den Autos. Die zwei Fahrradspuren sind baulich abgetrennt, so dass auch kein Autofahrer auf dumme Gedanken kommt. So einfach kann es sein – gerade diese simple und kostengünstige Form der Trennung gefällt mir. Das könnten sich deutsche Städte ruhig abschauen, denn über diese Kante fährt so schnell kein Auto. Damit wird dann effektiv das nervige Radwegparken und das gefährliche Mitbenutzen der Radspur durch PKW & LKW verhindert.
(So perfekt ist die weitere Umgebung übrigens nicht: Die Rheininsel besitzt z.B. nur einen extrem engen Radweg)
Der Rückweg ging dann über Bremgarten, Schlatt, Bad Krotzingen und Ehrenkirchen. Die Grundidee, nach Feierabend einen kleinen Ausflug mit dem Rad zu machen, hat sich auf jeden Fall schon bewährt und das werde ich in Zukunft auch weiter machen.