Kurvenlos durch’s Elsass

Der Februar zeigt sich auch weiterhin von seiner besten Seite. Die Temperaturen sind warm, die Sonne im Breisgau hat schon Kraft und gleichzeitig ist der Himmel so blau wie ein Ersti in der Einführungswoche.

Nachdem ich bereits im letzten Sommer von Basel aus an einem Teilstück des Canal du Rhône au Rhin, dem Canal du Hunigue unterwegs war, hat mich jetzt der nördliche Teil gereizt: Es war zwar warm, aber noch nicht wirklich extrem warm und so früh in der Saison ist die Fitness auch noch nicht wieder ganz hergestellt. Daher habe ich die Strecke etwas mit dem Zug abgekürzt und bin bis Herbolzheim mit dem Zug gefahren – Experten erkennen natürlich direkt, dass dies das Ende des Geltungsbereiches des RegioTickets ist.

Am Bahnhof in Schallstadt sind die ersten Störche bereits zurück aus dem Winterquartier und bauen an ihrem Nest:

Die Tour ging aus von Herbolzheim über Rust nach Kappel. Eigentlich wollte ich ein schickes Bild des Europaparks machen – und habe dabei kläglich versagt. Das hier ist das beste:

Weiter ging es durch herrlich flache Landschaft

Und dann durch einen Teil des Naturschutzgebietes Taubergießen:

Dieses ist auf jeden Fall auch ein weiteres Ziel für den Sommer. Bei Kappel ging es über den Rhein – mit einer gewissen Zwangspause, denn hier verkehrt nur eine (kostenlose) Fähre in gemächlichem Tempo. Bootsfahren ist toll!

Auf der anderen Seite in Rhinau steht dieses riesige, verfallene Fabrikgebäude am Stadtrand.

Die Geschichte dahinter führt in den Zweiten Weltkrieg: Hier sollte ab 1940 ein gigantisches Produktionszentrum mit 10.000 Arbeitern entstehen. Entsprechend wurde dieses Fabrikgebäude in die Landschaft gesetzt, auch mit Hilfe von Zwangsarbeitern, die in einem eigenen Lager untergebracht waren. Der ganze Plan scheiterte dann mit dem vorrücken der Alliierten Truppen Ende 1944. Die Fabrik ging dann nach dem Krieg an die Gebrüder Schlumpf (die mit der völlig abgedrehten Autosammlung in Moulhouse) und steht jetzt leer und bröckelt vor sich hin.

Nach ca. 15 Kilometern ist endlich der Kanal erreicht. Der Canal du Rhône au Rhin verbindet – wie der Name schon sagt – Rhône und Rhein und ist ernsthaft alt: Mit dem Bau wurde 1784 begonnen, fertiggestellt wurde er 1833. Dieses Teilstück führte von Moulhouse hoch nach Basel, ist aber mittlerweile nicht mehr in Betrieb. Der Kanal ist zu klein für die großen Schiffe und der kommerzielle Schiffsverkehr ist auf den neuen Rheinseitenkanal gewandert. Nun dient er dem Spaß: Touristen fahren in Hausbooten durch das Elsass. Im Februar macht dies natürlich keiner. Auf der gesamten Fahrt bin ich keinem fahrenden Schiff begegnet.

Der Radweg ist erste Sahne. Er führt 25km einfach stumpf geradeaus in Richtung Strasbourg. Die einzigen „Kurven“ gibt es an den Schleusen.

Wer also mal richtig Gas geben will, ist hier richtig.

Es ist auch kaum etwas los – im Sommer bei gutem Wetter kann dies anders aussehen, jetzt im Februar ist der Kanal  fast verwaist. Während des gesamten Trips habe ich kein einziges fahrendes Boot gesehen.
Der Kanal führt schnurgerade durch die Landschaft und führt von Basel über Moulhouse nach Strasbourg. Leider ist nicht alles direkt problemlos mit dem Rad zu erfahren. Von Basel bis Moulhouse kommt man problemlos, aber zwischen Rhinau und Neuf-Brisach/Moulhouse gibt es anscheinend keinen ausgebauten Radweg, sondern maximal eine Schotterpiste. Das wäre nichts für das Rennrad. Die genauen Details muss ich noch recherchieren, vielleicht gibt es noch ein weiteres befahrbares Stück.

Fundstück am Wegesrand: Dieses Mofa lag im Kanal.

Dies ist eine Zuckerfabrik:

Es ist praktisch unmöglich, eine Radtour durch das Elsass zu machen und keine Überbleibsel der kriegerischen Vergangenheit zu finden. Auch der Kanal ist mit Bunkern gesichert:

Kurz vor Strasbourg liegen die Überreste eines alten Forts. Wie es sich gehört, mache ich Pause und klettere da hinein.

Die Fahrt geht weiter in die Außenbezirke von Strasbourg – immer noch zieht sich der Kanal schnurgerade in die Stadt hinein:

Die Innenstadt ist erreicht:

Strasbourg ist eine immer wieder beeindruckend schöne Stadt:
Gerade das Münster ist schon alleine die Tour wert, es ist ein so dermaßen beeindruckendes Bauwerk. Alleine mit der Betrachtung und Analyse der Fassade könnte man Wochen verbringen – jede Figur hat eine eigene Geschichte, ist ein Heiliger mit eigener Hagiografie, ein lokaler Würdenträger, ein Apostel, eine religiöse Figur. Die Fassade ist voll damit, es sind hunderte oder tausende. Der Experte kann hier wochenlang erzählen – ich leider nicht so wirklich.

Meine Kamera ist kaputt, die neue gerade in der Post und das Handy kann den Innenraumeindruck nicht einfangen. Die Bilder sind zu hell, zu flach, das unglaubliche Licht und die Farben werden verschluckt.
Innen beeindruckt die astronomische Uhr. Was für ein technisches Meisterwerk!

Was soll man noch sagen? Bei strahlendem Sonnenschein ist Strasbourg einfach wunderschön!

Ebenfalls sehr beeindruckend: Saint-Pierre-le-Jeune protestant mit seinen uralten Fresken aus dem 14. Jahrhundert.

Dann ging es aus Strasbourg heraus in Richtung Kehl. 

Hier habe ich mich dann etwas verzockt: Den Fasnet-Umzug in Kehl hatte ich nicht auf dem Radar und es ist nicht gerade schön, wenn plötzlich beim Warten auf den eh viel zu kleinen Zug eine ganze Fasnet-Kapelle die Bahnhofstreppen hinauf kommt mit zig Leuten im Schlepptau. Zum Glück hat doch noch alles geklappt und ich bin mit dem Rad in den Zug gekommen – aber auch im Zug nach Freiburg ging es närrisch zu. Die nächsten Touren per Bahn gibt es dann erst ab Aschermittwoch.

Die Marketingabteilung des TGO hat es übrigens geschafft, eine der schlimmsten Kundenansprachen überhaupt zu gestalten:
Dann ging es noch gemütlich von Freiburg aus 11 Kilometer zurück nach Hause. Am Ende des Tages standen 76 Kilometer auf dem Tacho.

Fazit: Tolle Strecke, die ich auf jeden Fall nochmal fahren werde. Strasbourg ist auch eine tolle Stadt, deren Museen ich bislang noch nicht ausführlich erkunden konnte.