Am Berg

Es gibt manchmal Radtouren, die im Rückblick etwas druff erscheinen. So auch diese. Eigentlich hatte ich den Plan, ein Seitental des Münstertals zu erkunden. Simple Sache: Nach Bad Krozingen radeln, den Zug das Münstertal hoch nehmen und von da aus dann das Seitental hoch und dann über ein weiteres Tal wieder runter. Soweit der Plan. Dann aber erstmal schön in Bad Krozingen Ost den Zug verpasst. Spontan umgeplant, zum normalen Bahnhof gedüst und dann dort doch nicht abgefahren, sondern doch wieder in Richtung Staufen gefahren. Dort war dann … der nächste Zug da. Also dann wieder spontan doch dazu entschlossen, das Seitental in Angriff zu nehmen. Das ist jetzt wirklich uninteressantes Gebrabbel, das keinen interessiert.
Die Burg in Staufen mit Zug:

742 Höhenmeter auf 9,4 Kilometer sind für einen ehemaligen Flachlandbewohner eine Hausnummer und mein Rennrad ist auch kein Rad, das sich im Gebirge wirklich zuhause fühlt. Es wurde vom ursprünglichen Besitzer als Flachlandrakete aufgebaut und hat für wirkliche Steigungen einfach die falsche Übersetzung. Aber ich tue ja manchmal noch erfolglos als wäre ich jung

Ich weiß nicht, ob dieses Schwarzwald-Seitental wirklich schön ist. Einige Schwarzwaldtäler sind wildromantisch oder bieten tolle Ausblicke, aber dieses hier ist eher schmal und unspektakulär. 

In Freiburg kann man so viel erleben, in Münsterhalden sollen wieder Wölfe leben. Hier mache ich einen strategischen Fehler, der einfach nur dumm war: Ich nehme spontan das, was auf der Karte nach einer Abkürzung aussah. Das ist im Gebirge eigentlich nie eine gute Idee. Der Weg führt noch steiler den Berg hoch und wird irgendwann zu einem schlammigen Feldweg. Aber irgendwie bin ich schon zu hoch geklettert, um jetzt wieder umzukehren und dann den Berg über den richtigen Weg erneut zu erklimmen. Strapazen aus Faulheit

Neben dem Feldweg fließt ein wunderschöner Bach voller Schmelzwasser. 

Das Schmelzwasser fließt aber nicht nur durch den Bach (wie preußisches Schmelzwasser es tun würde!), sondern bald auch durch meine Schuhe. Denn so nett es ist, so lustige Haken unter den Schuhen zu haben, mit denen man sich in die Pedale klemmen kann: Wirklich wasserdicht ist das System nicht.

Ich komme dann in Höhen, in denen noch Schnee liegt und spätestens hier stelle ich dann fest, dass das ganze doch eine recht blöde Tour geworden ist: Ich stehe nur mit Radfahrtrikot und T-Shirt 20 Kilometer entfernt auf einem Hang in zighundert Metern Höhe auf einem steilen, schlammigen Feldweg, aufden mir das Wasser in die Schuhe läuft. Klügere Menschen schauen Samstags um die Uhrzeit Fußball oder mähen ihren Rasen. Der völlig bescheuerte Mensch, der hier schreibt, kehrt aber natürlich nicht um. Das wäre zu einfach. Er fährt weiter diesen verdammten Berg hoch, weiter hoch vorbei am Schnee.

Und weiter hoch.

Und dann wieder runter.

Auch das nicht so klug – so eine Abfahrt über mehrere hundert Höhenmeter macht richtig Laune, ist aber natürlich auch etwas gefährlich. Ich hatte keinen Helm dabei und dann mit 55km/h den Berg herunterzufahren ist toll, aber auch nicht klug. Naja, ich hab überlebt und das nächste Mal wird die Tour in die Berge etwas besser geplant.