Les Baux

Les Baux de Provence ist an diesem Ostertag leider völlig unbesuchbar. Die Autos parken die Straße entlang bis zum Fuß des Berges und die gesamte Stadt ist brechend voll.

Also besichtige ich diesmal nicht Les Baux – ich war schon mehrfach in der eigentlich sehr lohnenswerten Burgruine, aber man muss sich ja nicht mit tausenden anderen Menschen durch eine Geisterbahn für Touristen prügeln.

Die Stadt selbst ist nur noch eine Touristenbespaßung in alten Gemäuern. Die Einwohnerzahl beträgt aktuell nur 361 – und die leben nicht im mittelalterlichen Stadtkern.

Die D27 von Les Baux nördlich aus den Alpilles heraus durch das Val d’Enfer gehört zu den schönsten des südlichen Frankreichs. Leider ist sie heute vollkommen zugeparkt.

Aber die Aussicht auf Les Baux lohnt sich:

Unten gibt es die „Carrières de Lumières“, eine Lichtshow in einem alten Steinbruch. Fährt man hoch, kann man ohne Wartezeiten direkt mit dem Fahrrad durch einen ähnlichen Steinbruch fahren.

Weiter geht es den Berg hinab:

Am Nordrand der Alpilles blüht am Wegesrand überall der Mohn und es ist wunderschön:

Weiter geht es durch die wunderbaren Alleen dieser Gegend, die zwar wunderschön sind, aber leider doch etwas eng, vielbefahren und ohne Seitenstreifen.

St. Etienne 

Tarascon ist erreicht und erweist sich genau wie die Nachbarstadt Beaucaire als eine sehr merkwürdige Stadt.

Die Innenstadt ist… ausgestorben. Leer. Wie nach einer mittelalterlichen Pestepidemie, nur ohne herumliegende Leichen.


Die Altstadt ist in schlechtem Zustand: Die Häuser bröckeln, sie werden sicherlich nicht von den oberen Bevölkerungsschichten bewohnt und es gibt viel Leerstand.

Die ehemals „belebteste Marktstraße der Region“, wie ein Schild des Tourismusbüros verrät, ist komplett ausgestorben. Es gibt auch praktisch keine Geschäfte dort und die wenigen Läden sind geschlossen und machen einen eher zweifelhaften Eindruck.

In der Altstadt laufen nur einige einzelne Touristen umher, die der Reiseführer hier hin gelockt hat und die ebenfalls etwas irritiert wirken. Ich bin noch nicht mal in der Mittagszeit unterwegs, sondern Nachmittags.

Die lokale Burg ist aber eine sehr beeindruckende Burg. Von der Burg in Beaucaire wirkt sie nicht sehr beeindruckend, aber die hohen Mauern sind es, wenn man unter ihnen steht. 

Ich besichtige die Burg aber nicht, denn es geht weiter die Rhône entlang:

Oben auf dem Berg trohnt die Abbaye de Saint-Roman, ein ehemaliges Höhlenkloster mit beeindruckender Aussicht, das aber schon im letzten Urlaub besichtigt wurde und daher heute unbesucht bleibt.

Hier stoße ich mehr oder weniger aus Zufall (ok, da steht ein Schild) auf einen brandneuen Bahntrassen-Radweg – mit Tunnel!

Der Weg ist so neu, dass er praktisch nirgendwo eingezeichnet ist – Google Maps hat ihn noch nicht und OpenStreetMap ebenfalls nicht. Das ist einfach mal eine gute Überraschung!

Pferd am Wegesrand

Der Weg wird aber prächtig angenommen – sogar so gut, dass man streckenweise echt aufpassen muss. Fußgänger und andere Radfahrer tummeln sich hier in Massen. Ganze Familien fahren und laufen hier und es ist auf keinen Fall eine Strecke, auf der man ohne Störungen einfach Watt in die Pedale geben kann.
Ansonsten ist die Strecke … ja, irgendwie langweilig. 
Sie führt schnurgerade geradeaus, wie Bahntrassenwege nunmal sind. Sie hat keine Steigungen, keine spektakulären Kurven und auch landschaftlich ist sie nett, aber natürlich kein Vergleich zu den Alpilles oder sonstigen Bergstrecken der Region. Aber was beschwere ich mich – der Weg ist perfekt ausgebaut, autofrei und führt direkt nach Hause. Was will man mehr?