Schauinsland

Als ich vor Jahren in Freiburg studiert habe und das Fahrradfahren für mich entdeckt habe, war der Schauinsland immer ein quasi unerreichbares Fernziel. Mein damaliges Rad war das alte Damenrad meiner Mutter mit 3 Gängen und das war absolut berguntauglich. Einmal habe ich es in einem Anflug von Wahnsinn hoch nach Horben getreten, was ein wahnsinniger Kraftakt war und bei der Abfahrt ist dann der Rücktritt gnadenlos überhitzt und wäre fast ausgefallen. Mit dem nächsten Rad wurde es dann auch nicht gerade besser – bis zum Geiersnest hab ich es mit Mühe und Not und viel Schweiß gerade noch geschafft. Der Gipfel war aber unerreichbar.

Nach diversen Jahren im münsterländischen Flachland bin ich natürlich auch völlig berguntauglich und musste mir das alles im letzten Jarh wieder antrainieren. Aber: Es hat geklappt, es war sehr anstrengend und es war absolut großartig.

Eigentlich war der Plan nur, etwas durch den Ehrenstettener Grund zu fahren und keine große Tour zu machen. Daher war ich auch vollkommen unzureichend unterwegs – trotz zweier Flaschenhalter am Rad hatte ich nichts zu trinken dabei und auch keinerlei Verpflegung. Geschweige denn Werkzeug, Pumpe, Ersatzschläuche und so weiter.

Los ging es von Pfaffenweiler nach Ehrenstetten und dort zur Streicherkapelle, die ganz wildromantisch in der Landschaft steht.

Danach warteten die Berge und die Anstiege hier im Hochschwarzwald sind immer wieder fordernd. Es ging mitten durch den Wald einfach nur steil hoch.

Der Kohlerhof war mein eigentliches Ziel. Aber da es so schön war, die Beine topfit waren und es einfach Spaß gemacht hat, entschied ich mich spontan dazu, den Schauinsland in Angriff zu nehmen.

Und der ist ganz schön steil.

Aber schön.

Und steil. Es ist echt bemerkenswert, was ein anderes Fahrrad ausmacht. Mit dem Rennrad wäre ich bestimmte Steigungen kaum hochgekommen.

Aber nach 20 Kilometern mit mehreren hundert Höhenmetern haben sich dann doch etwas Durst und Hunger eingestellt – zum Glück gab es oben auf dem Giesshübel einen echt netten Musikhock mit Bier, Fritten und Blasmusik. 

Beste Aussicht. 

Weiter geht es hoch – und jetzt wurde der Weg kriminell. Das hier ist noch eine der besseren und breiteren Strecken mit weniger Steigung.

Aber der Gipfel ist fast erreicht und die Aussicht oben auf dem Schauinsland ist wie üblich absolut genial.

Geschafft! An Christi Himmelfahrt war es da oben wie zu erwarten war brechend voll. Also ging es nach einer kurzen Pause direkt wieder nach unten. 

Und geschafft – am Ende standen 52 Kilometer und 1587 Höhenmeter auf dem Tacho. Den Rest des Tages konnte man einfach nichts mit mir anfangen, ich war einfach nur kaputt und platt. Aber: Geil war es und das wird nicht die letzte Bergtour gewesen sein.