Durch die Gorges du Gardon

Die letzte Wanderung des Urlaubs war gleichzeitig auch die schönste. Hätte ich das vorher geahnt, hätte ich eine der anderen Wanderungen gestrichen und wäre hier zweimal her gegangen. Irgendwie ärgere ich mich auch, dass ich jetzt schon 
mindestens 5x am Pont du Gard war und nicht durch die Gorges gewandert bin.

Tja, irgendwann lernt man was. Gestartet bin ich in Sanilhac und die Wanderung ging zuerst durch’s Gebirge hin zum Fluss und dann den Fluss hinab nach Collias. In Sanilhac gibt es einen Bäcker, dessen Backwaren so großartig sind, dass sie eine absolute Empfehlung von mir bekommen. Die Käse-Schinken-Stange ist umwerfend gut. Wenn andere Bäcker wüssten, wie gut die schmeckt, würden sie sich wegen ihrer eigenen Produkte schämen. Es lohnt sich also dort Proviant einzukaufen!

Der Weg führt dann kurz über Felder „hoch“ in die Berge – es geht zwar kurz etwas aufwärts, aber die Steigungen sind doch moderat. Und dann geht es lange abwärts zum Fluß. Der Gard hat sich tief in das Karstgestein gefressen und der 
Wanderer ist überrascht, wie weit er hinabsteigen muss, um den Fluss zu erreichen.

Blick auf La Baume.

Der Weg ist felsig – ordentliches Schuhwerk lohnt sich. 

Geschafft – der Fluss ist erreicht. Die Kletterei ist aber nicht vorbei, denn es geht direkt wieder hoch zur Einsiedelei Saint-Vérédème, welche erstaunlicherweise aus dem 8. Jahrhundert stammt und das älteste christliche Gebäude der 
Region ist. Kaum vorzustellen, wie hier früher jemand völlig in der Einsamkeit gewohnt hat. Es hat etwas wildromantisches und jeder Bürohengst hat sicherlich genau mit dem Gedanken gespielt: Einfach alle Idioten hinter sich lassen, 
allen Stress und einfach irgendwo in einer Höhle mitten in der Natur leben und die tolle Landschaft genießen. Ein Traum für Menschenhasser!

Gleichzeitig will man sich gar nicht vorstellen, wie unglaublich karg das Leben hier gewesen sein muss. Wirklich was anbauen kann man hier nichts, man kann Fischen und vllt. Jagen, aber im Winter muss es bitterkalt geworden sein.
Hinter der Einsiedelei befindet sich eine Höhle – und was für eine! Sie ist zwar komplett leer und bietet keine spektakulären Tropfsteine oder begegnungen mit wilden Höhlenbären und Drachen, aber dafür ist sie auch komplett unbeleuchtet. Wer hier durch will, braucht eine Taschenlampe oder ein Handy. Sonst ist es zappenduster – und es ist ein unglaubliches Gefühl, alleine in einer komplett stockdusteren und Höhle ohne Geräusche zu stehen und absolut nichts 
zu sehen oder zu hören.

Der Abstieg von der Höhle wieder runter zum Fluß ist sportlich steil – wer sich das nicht zutraut, kann auch einfach wieder zurück gehen und am Fluß entlang stapfen. 

Ab hier führt der Wanderweg dann relativ ebenerdig den Fluss entlang. Wer will, kann auch direkt von Collias aus den Fluss hochwandern – von dort bis nach La Baume sind es gemütliche 5,5km

Ab hier kann ich gar nicht so viel erzählen – der Wanderweg ist beeindruckend schön.

Aber soll ich jetzt zu jedem Foto schreiben, dass der Weg beeindruckend schön ist? 

Auch wenn er wirklich beeindruckend schön ist, das wiederholt sich schnell.

Am Ende ist Collias erreicht. Wer es sich jetzt richtig dreckig geben will, kann sich dort ein Kanu mieten und den Fluß weiter nach Remoulins paddeln. Oder man macht es wie ich: Man hört auf mit dem Wandern und auch mit dem ganzen 
Urlaub – am nächsten Tag ging es zurück nach Freiburg, wo Regen bei garstigen 12°C warteten. Schön war’s am Pont du Gard 🙂