Tile Hunten am Rhein

Die erste lange Tour des Jahres konnte dank des guten Wetters bereits im Februar stattfinden und war eigentlich recht unspektakulär. Geplant war sie als recht kurzer 30-40km Run von Auggen den Rhein hoch nach Basel. Das neue Gravelbike wollte ausgeführt werden, dank des Sturms Anfang der Woche war es auch keine gute Idee hoch in die Wälder zu fahren und dort warteten noch ein paar Tiles auf mich.

Los ging es zuerst mit dem Zug nach Auggen, der Grenze des Regiotickets. Mittlerweile sind die fehlenden Tiles so weit weg, dass schon die Anfahrt per Rad eine ordentliche Tagestour wäre. Also spare ich mit die 25km bekannter Strecke und fahr vom Bahnhof in Auggen direkt zum Rhein. Dort führt ein durchgehender rechtsrheinischer, geschotterter Pfad mindestens von Basel bis hoch nach Straßburg. 

Diese Strecke erweist sich als recht schrecklich. Sie ist zum einen recht langweilig – es geht immer geradeaus, links Bäume und Wald, rechts meistens gut versteckt Wald. Abwechslung ist selten, wirklich fotogene Ecken auch.

Kleiner Abstecher runter zum Fluß.

In dieser Gegend werden gerade riesige Hochwasserrückhaltebecken gebaut und es ist alles furchtbar. Das Rheinufer wird großflächig abgebaggert und gruselige Kiesbecken erstellt. Bei Hochwasser läuft das Wasser hier rein und fließt unten in Köln nicht mehr in die Keller, aber das ist trotzdem grausam.

Es ist erstaunlich, dass es hier wenig Protest gibt. Jedes Windrad im Schwarzwald wird sofort wütend bekämpft, aber das hier?

Selbst die fertigen Becken mit etwas Natur sind einfach fake. So als ob ein Haufen Bauarbeiterorks versucht hat eine Modelleisenbahn zu bauen. Irgendwas stimmt da einfach nicht.

Furt. 

Weil am Rhein mit dem großen Wehr ist erreicht.

„Clickbait“ gibt es jetzt auch für historische Gedenktafeln.

Bis hier stand der Plan. Aber irgendwie war der unbefriedigend. Es war wunderbar warmes Wetter, die Beine waren gerade in Fahrt und ich hatte überhaupt keine Lust jetzt durch den Stadtverkehr in Basel zu düsen, nur um dann im Zug zurück nach Freiburg zu sitzen. Also ganz spontan nach einem Blick auf die Karte entschlossen einen alten Bekannten zu besuchen. Der Canal du Huningue ist nämlich nur eine Brücke entfernt! Also schnell rübergehüpft und ab hier wurde es dann eine richtig feine Tour. 

Entlang des Kanals

Am Kanal selbst war aber recht viel Verkehr. Ausflügler. eBike-Rentner. Spaziergänger. Radfahrer. Und alle so unglaublich langsam – das Gravelbike will einfach mehr Geschwindigkeit als realistisch gesehen bei dem Verkehr dort möglich war. 

Dann ein Wegweiser und eine Eingebung: „Forêt de la Harth“. Der Harthwald. Das Rennradparadies ist direkt neben mir. Und hier hätte ich nachdenken müssen, denn ich hatte schon 50km in den Beinen, die Wasserflasche war fast leer und Verpflegung hatte ich für den kurzen Trip auch nicht eingepackt. Und logischerweise gibt es mitten im Wald auch nix zu essen zu kaufen und wie Bear Grylls irgendwelches Gestrüpp und Maden zu Essen macht sicherlich auch keinen Spaß. Aber egal:

Der Harthwald ist als Rennradparadies praktisch nicht zu übertreffen. 30km, einfach sturr geradeaus, mitten in der Natur. Ohne Autos. Nur ein paar Kreuzungen. Kaum Spaziergänger. Nur wenige andere Leute. Es ist eine Wonne!
Heute ist übrigens auch ein Tag mit perfekter Sicht. Auf der Pont du Bouche sieht man rechts den Schwarzwald und links die Vogesen perfekt. 

Und dann wieder diese schnurgerade Asphaltstrecke! Kilometerweit!

Aber so langsam machen sich Durst und Hunger bemerkbar. Die Kilometer werden etwas zäher. Die Rettung gab es dann erst am Ausgang des Waldes in Blodelsheim. Hier gibt es einen Kiosk, der eiskalte Cola und Süßigkeiten verkauft. 

Dann folgte der altbekannte Weg zurück. Vorbei am zum Glück bald abgeschalteten Atomkraftwerk Fessenheim, über den Rhein, durch Bremgarten und Schlatt nach Bad Krotzingen und nach Hause. 

Am Ende standen dann satte 102 Kilometer auf dem Tacho und ein sehr hungriger Magen.