Noch eine Burg

Es gibt ja gerade nichts zu tun, also fahre ich Fahrrad. Freunde treffen geht nicht, Veranstaltungen sind alle abgesagt, das kulturelle Leben liegt brach und wirklich tolle Ausflüge kann man auch nur in die Natur machen. Es ist nämlich eher creepy bei schönem Wetter durch diese leeren Innenstädte zu schleichen, in denen eigentlich das Leben pulsieren sollte. Das macht keinen Spaß – und da es gerade auch nicht wirklich gut ist, mit dem Zug irgendwo hin zu fahren, bleibt nur die nähere Umgebung übrig für eine Radtour.

Hier herrscht bei mir purer Luxus – das Markgräflerland ist nämlich ein wunderbarer Wohnort für Fahrradfahrer. Der Hochschwarzwald bietet knackige Steigungen und abgelegene Waldwege, die Weinberge sind wunderschön, der Kaiserstuhl ist nicht fern und es gibt sogar genügend Flachland, um das Rennrad ausfahren zu können. Nur die Kanäle & Wälder des Elsass und die Vogesen sind gerade nicht erreichbar und die geplanten Touren durch das Schweizer Jura müssen auch warten.

Also los, diesmal ging es zur Burgruine Rödelsburg zwischen Ehrenkirchen, Staufen und Münstertal.

Nach einem schnellen Sprint rüber nach Ehrenkirchen ging es direkt in den Wald. Hier ist die Strecke noch schön.

Ab hier entpuppte sie sich aber als absolute Arschlochstrecke. Im düsteren Tal ist der Frühling noch nicht angekommen, es ist echt kühl, irgendwie garstig und es geht einfach nur stumpf geradeaus steil den Berg hoch. Das ist Radfahren Mann vs. Berg, aber nicht gerade spaßig.

Selbst der Schwarzwald ist hier düster wie sonst selten. So ein Schwarz zwischen den Bäumen sieht man selten.

Hübsch ist es woanders. Wenn ich nicht wie ein Bescheuerter Radfahren würde, wäre ich niemals hier her gekommen und ich hätte auch wenig verpasst.

Der Arschlochweg zur Burg ist natürlich der linke. Wie könnte es auch anders sein?

Nach ewigen Höhenmetern im düsteren Tal wird es jetzt endlich besser. Es ist immer schön, den Belchen zu sehen.

Im Wald wird gerade mit Hochdruck gearbeitet. In den letzten zwei Jahren hat der Borkenkäfer gewütet und das Holz muss jetzt aus dem Wald. Entsprechend trifft man aktuell häufiger auf gesperrte Wege wegen Waldarbeiten – blöd, wenn man da her will, aber nicht zu verhindern.

Zum Glück war diese Absperrung genau nach der Abzeigung hoch zur Ruine Rödelsburg. Der Aufstieg ist knackig und die dort liegenden bemoosten Steinbrocken sind toll.

Fahren kann man hier nicht mehr. Experten-Mountainbiker vllt, aber ich hab keine Chance und der Abhang ist auch zu krass.

Ja, hier ist ein Weg. Ich lasse das Rad aber zurück und gehe zu Fuß weiter, denn hier ist kein Durchkommen auf zwei Rädern.

Wirklich nicht!

Ist das nicht ein toller Baum? Und dieses Licht!

Das … ist die Burgruine. Die Treppe. Und die paar Brocken nebendran. Mehr ist nicht übrig geblieben.

Die Umgebung ist aber richtig, richtig toll. Diese bemoosten Steine!

Jetzt geht es wieder zurück. Bergauf hab ich geschoben, aber bergrunter erweist sich das als durchaus fahrbarer Trail.

Noch ein netter, anspruchsloser Trail auf dem Rückweg.

Es ist auch gut, dass ich auf dem Rückweg bin. Die Sonne geht so langsam über den Vogesen unter, der Anblick ist wildromantisch, aber im Dunkeln auf mehreren Hundert Höhenmetern im Wald zu stecken, ist nicht gerade überzeugend.

Die Radfahrt runter ins Tal ist wie üblich richtig Spaßig. Diese „Waldautobahnen“ für die Holzernte sind echt gut zu fahren und das Grandurance fühlt sich auf solchen Strecken wirklich fein.

Das Schneckental ist erreicht.

Bleibt gesund 🙂

Fazit der Tour: Die Burgruine ist zwar praktisch nicht zu sehen, aber der Gipfel dort ist trotzdem sehr cool. Dort würde ich gerne mal bei Nebel hin – aber ich würde diesmal einen anderen Anfahrtsweg nehmen, denn die Auffahrt durch den Norsinger Grund war nicht wirklich überzeugend.