Ausgestorben

Seit Anfang März und seit Beginn der Krise war ich nicht mehr in der Freiburger Innenstadt. Ich war erst normal im Büro arbeiten und sitze jetzt im HomeOffice. Kurz später wurden praktisch alle Geschäfte dicht gemacht und es gab noch weniger Gründe, sich nach Freiburg zu begeben.

Und es ist merkwürdig, ganz merkwürdig. Auf dem Weg in die Innenstadt sind die Parks voll, die Leute sitzen dort im gebührenden Abstand. Fahrradfahrer und Spaziergänger sind überall und das Inlineskaten scheint ein Revival zu feiern. Die Innenstadt aber ist leer wie an einem verregneten Sonntag. Es ist Mittwoch, 18 Uhr, Bombenwetter und am August sitzt kein Mensch.

Das Bermudadreieck? Menschenleer! Wo sonst hunderte Leute in den Cafés sitzen und sich ordentlich einen reinlöten, ist jetzt keiner. Alles ausgestorben. Hier tobte immer das Leben, Studenten trafen auf das feierwütige Volk aus dem Umland, Touristen trafen auf Einheimische, die nur etwas Essen wollten, die Copyshops kopierten bis alle eine Staublunge bekamen und da hinten gab es die besten Fritten in der Innenstadt und im Rombach immer was feines zu lesen. Jetzt ist alles ausgestorben.

So ist die ganze Innenstadt – wie ein Sonntag im November, nur mit Wetter, das definitiv nicht November ist. Es ist genau wie diese ganze Zeit einfach extrem irritierend und merkwürdig. Also auf geht’s zurück und da ich auf dem Gravelbike unterwegs bin, lockt der Schönberg:

Raus durch Vauban, nach Merzhausen und dann am Jesuitenschloss vorbei hoch in die Matten. Dort gibt es heute enormen Andrang, zig Leute laufen den Berg hoch und gehen spazieren. Aus den Deutschen ist fast über Nacht ein Volk der Fahrradfahrer und Spaziergänger geworden – ich bin mal gespannt, ob das bleibt und ob diese Krise wirklich größere Veränderungen mit sich bringt.

Oder setzen sich „danach“ wieder alle schön brav in ihr Auto und pendeln wie gehabt zur Arbeit und sitzen im Büro? Wird Netflix nach dem großen Boom dann Bust gehen, weil alle furchtbar genervt vom Serienglotzen sind? Bleibt das regelmäßige Spazierengehen, weil man gemerkt hat, dass es einem gut tut?

Der Aufstieg ist knackig – von Merzhausen aus geht es fast ohne Pause den Berg hoch, aber am Ende lohnt es sich. Ein wunderbarer Blick über Freiburg, den Schauinsland und runter ins Hexental entschädigen für die Strapazen.

Fotos können solche Ausblicke immer nur schlecht einfangen.

Wenn man den Berg erstmal bezwungen hat, wird man richtig belohnt. Der Weg da oben ist richtig toll und bietet tolle Ausblicke und einiges an Fahrtspaß.

Zudem ist er manchmal schon etwas herausfordernd und sicherlich nichts für Omas altes Hollandrad.

Die Berghäuser Matten sind gerade ein echtes Paradies. Die Obstbäume blühen, die Sicht rüber zu den Vogesen ist spitze und die Sonne scheint. Hier ist die Welt wirklich noch in Ordnung.

Blühende Kirschbäume und eine kurze Pause.

Dann geht es den gewohnten Weg durch den Wald rüber nach Pfaffenweiler, wo ein wirklich großartiger Sonnenuntergang über den Vogesen wartet.