Durch den Kaiserstuhl

Ich habe ja dieses merkwürdige Hobby, dass ich Kacheln jage. Das Strava-Addon Veloviewer unterteilt die gesamte Welt in ca. 1 Quadratkilometer große Kästchen und markiert, wenn man mit dem Rad durch eins gefahren ist. Mehr Informationen findet Ihr hier in meinem Wiki.

Im Kaiserstuhl war ich lange nicht mehr mit dem Rad. Ich bin damals im Studium vor über 10 Jahren mal mit dem Rad einmal quer durchgefahren und sonst war ich 1-2 mal mit dem Auto dort, aber ansonsten war ich lange nicht mehr dort. Dieses „Loch“ gilt es zu stopfen.

Los ging es in Achkarren. Zum Start der Tour hatte ich mir erstmal einen knackigen Anstieg gegönnt, hoch auf den Totenkopf, den höchsten Berg des Kaiserstuhls mit seinem markanten Funkturm.

Der Anstieg von Achkarren aus beginnt schon knackig, bietet aber eine tolle Aussicht auf die terrassenförmigen Weinberge. Die Leute hier sind so irre, dass die ihre ganzen Berge geplättet und abgetragen haben, um dort Wein anzubauen.

Nach erfolgreichem ersten Anstieg bietet sich ein phänomenaler Ausblick auf die Ihringer Weinberge, den Tuniberg und den im Hintergrunddunst etwas verschwindenden Schwarzwald. Und im Vordergrund? Wild wachsende Orchideen!

Auch der Blick nach Achkarren und rüber in die Vogesen ist großartig.

Ab hier wird es steil und offroad. Und es ist nicht mehr realistisch fahrbar – was hier auf dem Bild wie ein sich gemütlich in den Wald schlängelnder Pfad aussieht, ist in Wirklichkeit eine brutale Steigung, auf der das Hinterrad nicht mehr genügend Grip findet. Schieben ist angesagt – und irgendwann mache ich mal einen Fotokurs, in dem ich lerne, Steigungen richtig zu fotografieren.

Oben angelangt, folgt ein wirklich toller Pfad. Ein Traum für das Gravelbike!

Oben auf dem Totenkopf gibt es auf 556 Metern Höhe zwei Türme. Der Fernsehturm ist leider nicht zugänglich, aber der Neunlindenturm ein paar Meter weiter bietet gigantische Ausblicke in die Ebene. Und erstaunlicherweise ist er trotz Coronakrise nicht geschlossen, sondern zugänglich. Das funktioniert wunderbar – der Turm ist zwar das Ziel diverser Ausflügler, aber alle halten den nötigen Abstand ein und der Turm wird immer nur von einer Gruppe gleichzeitig betreten. Gut gemacht, Mitbürger!

Leider ist es heute etwas diesig, hier muss ich fürchte ich nochmal bei richtig guter Sicht hin.

Der Fernmeldeturm. Es wäre eigentlich eine schöne Quizfrage für ein Pubquiz in Freiburg zu fragen, welche Farbe dieser Turm hat.

Jetzt geht es wieder den Berg herunter über die eigentliche Zufahrtsstraße zum Turm. Diese erweist sich als eher wenig spaßige Abfahrt – leider ist der Asphalt dort doch etwas arg ramponiert, so dass regelmäßig starke Schlaglöcher, Hubbel und raue Stellen auftreten. Die Bergabfahrt ist daher nicht wirklich spaßig, sondern erfordert höchste Konzentration.

Blick auf Vogsburg, dessen Bewohner die kompletten umliegenden Berge wild verformt haben. Menschen sind schon komische Wesen.

Der weitere Verlauf der Strecke erwies sich als Rennradparadies. Ist das nicht eine richtig tolle, großartige Straße? Wenig Verkehr, kaum Motorräder und doch einige Höhenmeter erwarten einen hier.

Fundstück am Wegesrand: Dieser Schaukasten mit einem „ZImmernachweis“ ist so dermaßen Retro-BRD, dass er direkt unter Denkmalschutz gehört.

Tolle Straße – wenn man sie von der anderen Seite fährt. Sonst quält man sich diese Steigung hinauf.

Nach einer rasanten Abfahrt und einem Wanderparkplatz, an dem sich an diesem sonnigen Tag die Autos stauten, grüßen die sanften Ausläufer des Kaiserstuhls in Richtung Bahlingen. Die Obstbäume blühen, die Weinreben bekommen langsam Blätter und man hat einen tollen Blick auf den Kandel.

Der gesamte Kaiserstuhl begeistert mit seinen Hohlwegen. Immer wieder fahre ich durch richtig tolle Gassen, die vor Leben nur so sprudeln.

Alleine diese ganzen Insektenlöcher in der Wand zeigen, was für ein einzigartiger Lebensraum der Kaiserstuhl ist. So was wird normalerweise in Insektenhotels im Garten nachgeahmt, aber so sieht das in freier Wildbahn aus!

Endingen ist erreicht und gönnt sich mal so richtig hart ein monumentales Kriegerdenkmal. Da ist alles dabei: Der Heilige Georg in riesig, ein erlegter Drache, gruselige Waschbetonkübel und eine riesige Liste an Toten. Endingen selbst hat heute ca. 10.000 Einwohner und ist in den letzten Jahrzehnten im Speckgürtel Freiburgs ordentlich gewachsen. Man kann sich die Auswirkungen nur kaum vorstellen, die so eine Todeszahl auf eine kleine Gemeinde hat.

Großartig ist, dass die gesamte Stadt im Rahmen einer Anti-Corona-Aktion mit „Alles wird gut“-Bannern versehen ist, um Mut zu schöpfen. Und irgendwie funktioniert das auch.

Der nördliche Kaiserstuhl ist Obstanbaugebiet und aktuell blühen die Obstbäume, dass es eine wahre Freude ist.

Nun folgt noch ein weiterer Anstieg, denn da gibt es noch ein Kästchen zu besuchen.

Dann führt die Route wieder bergab und in Richtung Rhein. Die Auwälder dort sind gerade richtig toll.

Der Rhein liegt dort gerade so ruhig wie selten – der Schiffsverkehr ist deutlich zurückgegangen, es ist gerade nicht sehr windig und daher macht Vater Rhein den Eindruck eines kleinen Sees.

Der Rheinuferweg ist wie geschaffen für ein Gravelbike. Astreiner, glatter und kleinkrümmeliger Schotter ohne große Steine, flach und es ist wenig los. Perfekt, um zum Schluss der Tour nochmal ein paar Kilometer richtig in die Pedale zu treten.

Die Auwälder sind ein kleines Paradies – eine meiner nächsten Touren wird definitiv ins Taubergießen führen.

Burkheim mit Schlossruine.

Zum Schluss überrascht noch ein kleiner Entwässerungsgraben mit glasklarem Wasser, Fischen und Idylle

Ist das nicht ein feiner Weg?

Der letzte Blick auf den Kaiserstuhl vor Erreichen des Ausgangspunktes. Diesen Berg dahinten habe ich bezwungen und es war eine richtig tolle Tour.

Fazit: Die Tour darf man definitiv nachmachen. Gerade die Kombi aus tollen Ausblicken, toller Natur (wilde Orchideen!) und abwechslungsreichem Untergrund hat Spaß gemacht.