Der Etzenbacher Höhenweg

Mein Osterurlaub ist nicht ausgefallen. Ich musste ihn nehmen, aber konnte leider aus bekannten Gründen nicht nach Südfrankreich. Experten erwarten für das gesamte Jahr einen Boom im innerdeutschen Tourismus, weil die beliebten Urlaubsdestinationen im Süden während der Sommerferien entweder noch im Lockdown sind oder wenige Leute sich ernsthaft mit zighundert anderen Leuten in ein Flugzeug quetschen wollen. Und wer will schon nach Ägypten, wenn da eine Seuche tobt? Urlaub in Deutschland könnte eine Alternative sein – ich bin also quasi zwangsweise Trendsetter und der Schwarzwald ist auch ein gutes Los. Andere Leute müssen in Bitterfeld oder Krefeld urlauben.

Die heutige Tour führte von Horben aus über die Sonnhalde die Etzenbacher Höhe entlang nach Staufen. Ich hatte den Vorteil eines Shuttles bis Staufen, dann ging es aber nochmal schnuffelige 400 Höhenmeter den Berg hoch.

Das Wetter ist bombastisch. Man kann weit in die Rheinebene rüber ins Elsass blicken und im ganzen Schwarzwald bricht gerade der Frühling aus und da alle zuhause geblieben sind, hindert ihn auch keiner daran.

Der Blick auf Freiburg von unterhalb des Geiersnests ist einfach gigantisch. Schon alleine dafür lohnt sich der Weg.

Auf diese Idee sind auch andere gekommen: Der Parkplatz ist voll wie selten. Feiertag, schönes Wetter und Social Distancing sind natürlich der perfekte Anlass, dort mit dem Auto hoch zu fahren und eine Wanderung zu machen. Hier muss ich den Mitmenschen ein großes Lob aussprechen: Auch wenn hier natürlich einige Leute unterwegs sind, sie alle halten den entsprechenden Abstand ein und auf den Wanderwegen entzerrt sich das alles vorbildlich.

Der Etzenbacher Höhenweg ist übrigens nur mit einem Mountainbike wirklich zu befahren. Selbst mit dem Gravelbike hätte ich einige Probleme bekommen und mit einem normalen Stadtrad braucht man es gar nicht erst versuchen. Diese Bank oben am Geiersnest ist übrigens ideal, um Abends den Sonnenuntergang über den Vogesen zu betrachten. Absoluter Ausflugstipp, aber seid nicht böse, wenn da schon jemand sitzt. Ich zum Beispiel 😉

Weiter geht es über die großartigen Wiesen am Fuße des Schauinslands.

Ist das nicht eine wirklich schöne Kurve?

Ab jetzt geht es erstmal durch den Wald. Zwischen den Bäumen gibt es immer wieder einen großartigen Blick in Richtung Horben.

Der Wald ist übrigens auch großartig. Zuerst geht es eine Weile eine dieser typischen „Waldautobahnen“ bergauf bis wir den eigentlichen Höhenweg erreichen.

Und hier geht es dann richtig los. Es geht auf engeren Pfaden einmal vom Schauinslandmassiv den Höhenweg in Richtung Staufen entlang. Links das Münstertal, rechts der Schönberg.

Der Weg führt mitten über die Wiesen der Sonnhalde.

Von hier aus hat man immer wieder großartige Einblicke ins Münstertal.

Unter uns liegt der Kohlerhof, hinten erkennt man den Schönberg, Kaiserstuhl und die Vogesen.

Es ist ein gar großartiger Weg.

Definitiv einer meiner nächsten Ausflugsziele: Diese gigantisch hoch aufsteigende Wiese im Münstertal. Der Wahnsinn!

Nun wird der Weg etwas enger und vor allem wurzeliger. Ohne Mountainbike wird es schwierig.

Der Weg wird auch steiniger und führt wirklich mitten am Berghang entlang.

Es ist wirklich wildromantisch hier und durchaus anspruchsvoll zu fahren.

Ist das nicht toll?

Nicht nur der Weg ist toll, sondern auch die Ausblicke ins Tal überzeugen.

Im Wald stehen immer wieder Denkmäler für gestorbene Waldarbeiter: „Ein Baum hat mir den Kopf zerdrückt und Gott hat meine Seel erquickt“

Wir kommen auf dem Weg auch an der Rödelsburg vorbei. Da ich dort aber schon vor ein paar Tagen war, spare ich mir den erneuten Aufstieg. Wer den Weg aber zum ersten Mal begeht, kann gleich zwei (abgegangene) Burgen mitnehmen.

Die Etzenbacher Höhe ist erreicht und der Blick reicht nach Grunern, zum Fohrenberg und zum Kastellberg in die Rheinebene runter. Ein toller Ort!

Das sind die Reste der alten Burg. Sie sind wenig spektakulär

Wenig spektakulär ist auch dieser Aussichtspunkt. Der ist zwar nett gemeint und hätte auch eine super Aussicht, aber seit Errichtung sind anscheinend die Bäume zu groß geworden und man schaut nur noch ins Gestrüpp. Das ist ein generelles Problem im Schwarzwald: Es stehen sehr häufig Aussichtsbänkle am Wegesrand und sehr häufig starrt man einfach auf Fichten.

Wenn keine Bäume im Weg stehen, kann man erahnen, wie gut die Aussicht früher gewesen sein muss. Hier der Schönberg mit Berghäuser Matten und Hexental. Im Hintergrund kann man Merzhausen und Freiburg erahnen.

Die Abfahrt ist streckenweise nicht fahrbar. Vielleicht mit einem Fully und besserer Federung, aber für mein Rad ist das nicht drin.

Nun geht es gemütlich auf einer Waldautobahn nach Hause. Zwischendrin gibt es schon einen tollen Blick auf das Ziel: Da hinten, am Batzenberg, liegt Pfaffenweiler.

Zwischendrin im Wald noch etwas Kultur: Hier sieht man ein alamannisches Steinkistengrab.

Kurz vor Ehrenstetten komme ich dann aus dem Wald und dann ist es nur noch ein schneller Sprint nach Hause.

Fazit: Eine tolle Tour. Aber man braucht ein Mountainbike. Streckenweise ist der Weg nur schwer fahrbar und man sollte sich auch nicht überschätzen. Wenn man auf den engen Wegen kippt, kippt man den Berg runter, was natürlich das Gegenteil von toll ist. Als Alternative bietet sich eine Wanderung an: Man könnte entweder mit dem Bus nach Horben und dann hoch laufen oder etwas Abkürzen und an der Bergstation der Schauinslandbahn starten. Von Staufen kommt man dann mit dem Zug wieder zurück nach Freiburg.