Der Alpine Pfad am Feldberg

Manchmal packt man sich an den Kopf und wundert sich. Ich habe vor einer Weile einen Wanderführer Südschwarzwald im Lidl gekauft, weil er günstig war und ich nun mal am Rand des Schwarzwaldes wohne. Als absolutes Wanderhighlight wurde hier der Alpine Pfad am Feldberg beschrieben und da ich über Ostern virenbedingt den Urlaub zuhause verbringen musste, ging es auf eine Wanderung. Die dann doch etwas wild wurde.

Der Alpine Pfad ist – wenn man das Internet befragt – gewissermaßen legendär. Der Name verrät es schon, der Pfad hat zum einen alpinen Charakter und zum anderen wird er auch nicht mehr vom Schwarzwaldverein betreut und verwildert zunehmend. Von privater Seite wird er wohl noch halbwegs in Schuss gehalten, aber der Pfad verspricht etwas Abenteuer jenseits der gut ausgebauten „Rentnerwanderwege“. Das perfekte Programm also für einen sonnigen Donnerstag! Und was für ein Abenteuer es dann geworden ist!

Los ging es auf einem ganz normalen Waldweg, aber bereits nach wenigen Hundert Metern zweigt eine steile Stiege ab, die sich mal eben gemütliche 400 Höhenmeter die Flanke des Feldberges hinauf schlängelt.

Es ist unglaublich schwierig, Steigungen auf einem Foto richtig einzufangen. Es ist steil.

Aber der Wald ist schon hier toll. Die Hänge im Hochschwarzwald zu laufen, ist immer ein Erlebnis. Das ist schweißtreibend, aber auch gut.

Der Eingang des Alpinen Pfades ist nicht markiert, aber wer sich vorher eine OpenStreetMap auf’s Handy gezogen hat, der findet ihn problemlos. Dort ist der Pfad natürlich eingezeichnet. Übrigens ist das ein schönes Beispiel dafür, warum man sich tief im Wald niemals auf OpenStreetMap als Quelle für Wege verlassen sollte. Denn der Alpine Pfad ist zwar ein Weg, aber halt auch nichts, was man so unbedarft gehen sollte, nur weil da ein paar Striche auf der Karte sind.

Jetzt beginnt der eigentliche Pfad und die Treppe in dem Zustand ist jetzt noch eine der am besten begehbaren Dinge auf dem Pfad.

Soweit so gut – man sieht, dass der Pfad sich schön am Steilhang entlangschlängelt. Links geht es steil bergauf und rechts geht es steil bergab. Soweit erstmal Schwarzwald-Standard – man muss etwas schwindelfrei sein und einen „guten Tritt“ haben, wie das so schön heißt.

Und wildromantisch ist das auch noch!

Der Pfad wird nicht mehr gepflegt und liegt in einem Bannwald, in dem das Totholz nicht mehr entfernt wird. Also tauchen nach kurzer Zeit die ersten Baumstämme auf, die den Weg versperren. Fröhliches Klettern über Baumstämme ist angesagt und das werden nicht die letzten des Tages bleiben.

Rechts geht es übrigens schön steil runter.

Ja, man braucht einen sicheren Tritt, aber gerade das macht an dieser Stelle (noch) Spaß.

Ich mache auf den Felsen eine kurze Pause, die nach 400 Höhenmetern jetzt auch dringend nötig ist.

Weiter geht’s!

Der Pfad wird großartiger!

Dafür gibt es immer wieder nette Ausblicke runter in’s Tal.

Und jetzt wird es wirklich weniger witzig und kriminell. Der Weg führt genau hier runter. So ca. 2-2,5m stumpf den Felsen runter. Der Wanderführer aus dem Lidl spricht von einem Seil, das hier die Stelle begehbar macht. Dieses ist aber nicht mehr vorhanden.

Irgendwie geht es doch runter, aber es ist kriminell. Hier sieht die Stelle sogar recht harmlos aus, aber wer den Weg geht, sollte sich dringend ein Seil mitnehmen. Hier abzurutschen ist kein Spaß, dann fällt man nämlich erstmal 100 oder 200 Meter den Hang herunter, was der allgemeinen Gesundheit sicherlich nicht gerade zuträglich ist.

Weiter geht’s und es wird wüster.

Ja, da ist ein Weg.

Was für eine Stelle! Tote Bäume ragen in den blauen Himmel, weiße kahle Stümpfe, zwischen ihnen liegen die schon gefallenen Kameraden. Eine beeindruckende Stelle, die auf einem Foto fast nicht einzufangen ist.

Der Weg führt dann mitten durch einen Bach. Heute ist er ok, aber bei Regen will man nicht plötzlich vor einem wilden Sturzbach stehen.

Die Gefahr besteht übrigens an diversen Stellen, man läuft wirklich den Hang entlang und natürlich muss da das Wasser irgendwie durch. Bei Regen, Regengefahr oder wenn es die letzten Tage geregnet hat und es noch feucht ist, sollte man den Weg ganz dringend neigen. Dieser Bach ist jetzt sogar trockenen Fußes zu überqueren, aber wie Schwarzwaldbäche so sind wird er nach ein paar ordentlichen Schauern anschwellen und gefährlich werden. Man sollte dringend einen Blick auf den Wetterbericht haben und wenn irgendwas mit Niederschlag angesagt ist, lieber woanders her gehen: Die Felsen stelle ich mir in nass und rutschig richtig fies vor und an der Flanke des Berges will man wirklich nicht von einem Gewitter überrascht werden.

Blick hoch zum Stübenwasen, wo streckenweise noch Schnee liegt.

Ja, das ist der Weg.

Hier endet der Weg. Laut Wanderführer führt der Weg noch weiter, aber er ist neuerdings gesperrt. Ein frisches Schild sperrt aus Naturschutzgründen den weiteren Weg. Damit sind übrigens alle Wanderführer (auch der aus dem Lidl und alle im Internet) gnadenlos veraltet. Ihr habt es hier zuerst gelesen.

Der Ausstieg ist… moorig. Hier liegen ein paar Stämme, ohne die hier wirklich kein Durchkommen wäre. Dieser Pfad hat wirklich alles. Abgründe. Felsen. Umgestürzte Bäume. Wasserfälle. Ein Moor. Und…

Schnee!

Wo unten schon Frühling ist, liegt hier im schattigen Wald noch Schnee.

Der Natur hier oben geht es wirklich nicht gut.

Der weitere Weg war dann wirklich schwer zu finden. Alle Markierungen waren vom Schnee bedeckt und mit bloßem Auge war auch nicht zu erkennen, dass hier der Weg entlang führt. Ohne Handy mit Karte wäre das schwierig geworden.

Zivilisation! Der Feldberggipfel mit Türmen taucht auf!

Und plötzlich bin ich wieder in der wohlbehüteten Wanderwelt des Schwarzwald Tourismus am Feldberg. Breite, geschotterte Wege. Wegweiser. Ein Picknicktisch. Ich mache erst mal eine längere Pause.

Weiter geht es über eine zuerst noch völlig verschneite Strecke in Richtung Stübenwasen.

Hier über den Hang bin ich geklettert. Sieht von hier aus echt unspektakulär aus, nicht wahr?

Pff, was für ein Wanderweg für Menschen, die gerade erst entdeckt haben, dass sie Füße haben! Hier kann ja ein Kleinkind lang laufen! Ich wünsche mir ein Fahrrad.

Kurz vor der „längsten Panoramaliege der Welt“ (als ob es eine andere geben würde) gibt es einen tollen Blick ins Wiesental runter.

Jetzt geht es an den Abstieg und der ist dann nach den ganzen Höhenmetern und den ganzen Kilometern auch etwas hart. Ich wünsche mir hier wieder ein Fahrrad.

Auch hier gibt es immer wieder tolle Dinge am Wegesrand zu entdecken.

Nun ist es fast geschafft – es geht noch eine ganze Weile über eine Wiese den Berg hinab. Tolle Landschaft, anstrengend, aber hier macht mein Handy dann schlapp.

Auf dem Parkplatz stehen Autos mit doch sehr ländlichen Aufklebern.

Fazit: Ich würde den Alpinen Pfad nicht nochmal wandern. Er ist mittlerweile doch arg verwittert und daher an einigen Stellen schlicht und einfach gefährlich. Wer ihn wandern will, muss zwingend gutes Wetter abwarten, festes Schuhwerk haben, ein Seil mitnehmen und sich Offline-Karten auf’s Handy ziehen. Sonst wird es schwer. Aber man sollte ihn lieber nicht laufen, der Pfad ist dann doch einen Tacken zu wüst und rechts runter geht es doch sehr steil abwärts. Keine Ahnung, warum der Lidl Wanderführer verkauft, wo dieser Weg als absolutes Schwarzwald-Wanderhighlight beworben wird. Wir brauchen jetzt dringend einen neuen Lockdown mit Hausarrest, sonst stürzen da diesen Sommer haufenweise Leute ab, die im Lidl nichtsahnend einen Wanderführer gekauft haben.