Der Boden ist blutgetränkt

Die erste Radtour des Urlaubs führte von Trois Epis die Hänge des Munstertal entlang rüber zum Col du Wettstein und von dort aus runter ins Tal und nach Turckheim. Ich habe mir also den fiesen Aufstieg gespart und bin relativ gemütlich durch die Gegend gefahren. Ich bin ja im Urlaub und nicht auf der Flucht

Wobei so gemütlich ist das auch alles nicht – die Straße ist nämlich durchaus streckenweise recht steil. Dafür führt sie ganz gemütlich durch den Wald, der um diese Jahreszeit wunder wunderschön ist. Farne wachsen am Waldboden, Moos wächst über Steine und die Sonne scheint durch die Kronen der Bäume. Es ist schön hier.

Am Wegesrand entdecke ich diesen alten Bunker. Und wie es sich gehört, klettere ich da natürlich erstmal rein. Historiker-Ehrensache. Und es lohnt sich – ich entdecke 105 Jahre altes Graffiti. 2 Soldaten haben sich hier im Jahre 1915 verewigt und es steht immer noch hier an der Wand im Bunker mitten im Wald!

Entlang der Straße befinden sich zahlreiche Bunker, denn die Vogesen waren im ersten Weltkrieg stark umkämpft. Der Hartmannsweilerkopf ist als Schlachtfeld bekannt. Was ich allerdings nicht wusste bevor ich jetzt hier urlaubte und mich auf die Radtour gemacht habe, ist, dass es auf meiner Route ebenfalls ein altes Schlachtfeld gibt. Und was für eins!

Ich hatte mich natürlich vor dem Urlaub überhaupt nicht informiert, was es alles in der Gegend zu sehen gibt. Daher war das eine echte Überraschung.

Auf dem Lingekopf tobten im ersten Weltkrieg heftige Kämpfe, die insgesamt rund 17000 Menschen das Leben kosteten. Im Gegensatz zu den Schlachtfeldern in Flandern oder auch in Verdun sind in den Vogesen die in die Felsen gehauenen Schützengräben erhalten geblieben. Der Lingekopf und der Hartmannsweilerkopf sind wohl die einzigen wirklich frei zu besichtigenden Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges, wo man durch die originalen Schützengräben gehen kann. Alleine das wäre von Freiburg aus schon einen Ausflug wert.

Das Erlebnis ist beeindruckend und irgendwie auch gleichzeitig verstörend. Es ist schwer in den Kopf zu kriegen, dass auf diesem so extrem kleinen Gebiet innerhalb von kurzer Zeit so viele Menschen sterben konnten. Das ganze Areal ist nur wenige 100 m lang und zieht sich einen Gebirgskamm entlang. Oben saßen gut verteidigt die deutschen Truppen und die französischen Soldaten hatten den unmöglichen Job über einen extrem steilen Hang anzugreifen.

Heute scheint die Sonne, diverse Motorrad-Touristen laufen durch die Anlage und in den Schützengräben wachsen Blumen. Es ist ein Ort an dem das, was passiert ist, nicht mit der aktuellen Realität zusammenpasst. Hier starben zigtausend Menschen bei dieser wunderbaren Aussicht.

Im Endeffekt muss hier der ganze Boden Blut mit bedeckt sein und wirklich auf jedem Quadratmeter jemand gestorben sein. Wie immer an solchen Orten stellt hier ein etwas mulmiges Gefühl ein aber es ist sehenswert es ist sehr sehr sehenswert und wäre auch ein lohnenswerter Tagestrip von Freiburg aus

Nun ging es weiter in Richtung Col du Wettstein wo aus unerfindlichen Gründen sich Autos parken und Leute wanderten. Ich habe immer noch nicht herausgefunden was das herausragende Wanderziel von hier aus ist.

Nun ging es hinunter ins Münstertal und das eine schöne Abfahrt was ein toller Ausblick!

Munster selber war ja enttäuschend die Stadt ist ehrlich gesagt eher etwas hässlich und auf keinen Fall mit denen unverschämt hübschen Städtchen an der elsässischen weinstraße zu vergleichen ein Städtchen an dieser ist türkheim welches das Ende meiner Tour markiert

Es ist wie man sieht einfach einer dieser richtig schnuckeligen elsässischen Orte. Es ist einfach nett hier. Man merkt aber, dass die Touristen noch nicht wieder zurück sind. Trotz schönstem Wetter ist hier einfach nichts los die Gastronomen stehen sich die Beine in den Bauch es sitzt nur vereinzelt ein paar Leute und trinken Bier aber die ganze Stadt ist ausgestorben es ist kein Vergleich zum Troubel sonst. Ich bin wirklich gespannt und wie sich die Lage in den nächsten Monaten entwickelt und ob und wie diese Orte wieder auf die Füße kommen. Die Infrastruktur ist da die Geschäfte haben ja auch immer funktioniert aber ob sie Corona überleben werden?