B31

Es gibt selten Gelegenheiten, an Orten zu fahren, an denen man als Radfahrer normalerweise nicht unterwegs sein darf. Autobahnähnliche Straßen sind so ein Fall. Durch Freiburg führt die B31, welche eine städtebauliche Vollkatastrophe ist. Gut ausgebaute Schwarzwaldquerungen sind rar und Freiburg „gönnt“ sich einen besonders faulen Kompromiss. Um aus der Rheinebene ins Schwäbische zu kommen, gibt es kaum Autobahnen – im Endeffekt kann man die A8 von Karlsruhe nach Stuttgart nehmen oder den Umweg über die Schweiz nehmen. Ursprüngliche gab es mehrere Planungen für Autobahnen, die den Schwarzwald queren sollten – etwa über Freudenstadt und auch über Freiburg. Die A84 sollte von Breisach kommend in Richtung Autobahnkreuz Nord führen, dann über Gundelfingen das Glottertal hoch nach St. Peter und St. Märgen führen. Diese Planungen wären natürlich ein völliges Desaster für das Glottertal gewesen, welches dann völlig an den Verkehr verloren gegangen wäre, aber auch die jetzige Lösung ist natürlich Quatsch: Es führt von der Autobahn kommend eine zweispurig autobahnähnlich ausgebaute Strecke mitten durch Freiburg, direkt an der Dreisam entlang und schiebt Verkehr und Luftverschmutzung mitten in die Stadt. Dann folgt eine quälende Strecke mit Tempo 30 und vielen, vielen Staus bis dann der Tunnel und die ebenfalls autobahnähnlich ausgebaute Strecke bis Kirchzarten folgt. Und dann kommen Falkensteig und Höllental, welche einfach nur schlimm sind.

Diese Katastrophe soll jetzt mit dem Freiburger Stadttunnel nochmal zementiert werden: Mit zig Jahren Bauzeit wird im Kern eine unterirdische Stadtautobahn gebaut, die aber leider dann trotzdem den Transitverkehr nach Freiburg rein zieht. Statt Verkehrsreduktion wird der Transitverkehr so noch mehr angefeuert – statt die LKW-Kolonnen endlich mal auf die halt schon vorhandenen Autobahnen oder gar auf die Schiene zu verlagern, wird hier noch mehr Verkehr produziert.

Naja – auf jeden Fall hat Friday for Future eine Raddemo auf der B31 veranstaltet, um für eine sinnvollere Klimapolitik und mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Also schön nach Feierabend bei drücksender Hitze rein nach Freiburg und auf zur Demo. Was sich Anfangs als recht schwierig erweist – aufgrund einer sehr spektakulären Panne am Retro-MTB bin ich etwas verspätet und das Problem an einer Fahrraddemo ist, dass sie halt hoch mobil und schnell ist. Sie zu finden ist dann gar nicht so leicht – der Startpunkt auf dem Platz der alten Synagoge ist leer als ich ankomme und nur ein sehr entferntes Blaulicht weist den Weg zu einer wilden Verfolgungsjagd.

Denn eine Raddemo produziert natürlich Stau – und es ist schon auf den ersten paar hundert Metern arg herausfordernd, dann hinter der Demo zu ihr aufzuschließen. Ich schaff es dann am Schlossbergring, weil dort die gesamte Demo direkt im Stau steht. Denn im Pulk ist häufig eher Stillstand und Schrittgeschwindigkeit angesagt als volles Bolzen auf leeren Straßen. Aber wir sind hier ja nicht zum Spaß, sondern um ein Zeichen für mehr Klimaschutz zu setzen!

Die Demo ist richtig groß – ca. 1500 Radfahrer teils mit wilden Gefährten. Tallbikes. Lastenräder mit Anhängern, auf denen DJs sitzen.

Und im gemütlichen Radtempo merkt man erst, wie scheußlich die Umgebung der B31 ist. Was ist das bitte für ein gruseliges Gebäude?

Rauf geht’s auf den Zubringer.

Hier fällt auf, wie schlecht der Asphalt ist – im Auto merkt man das nicht so krass, aber die Strecke hat einige echt wilde Schlaglöcher und Autofahrer können sich schon auf wunderbare Baustellen in der nahen Zukunft einstellen. Das hält nicht mehr lang.

Und was soll ich sagen? Es hat Spaß gemacht. Straßen und Orte beradelt, auf denen man normalerweise nicht fahren kann. Ein politisches Zeichen gesetzt. Und es gab sogar Partyfeeling. Daher: Am 9. Juli ist die nächste Raddemo 🙂

Und kleine Notiz am Rande: In Fürth gibt es offensichtlich ein aus einem dicken Geldtopf gefördertes Museum, denn irgendwie wage ich es zu bezweifeln, dass man mit pseudocoolen Plakaten unter einer Freiburger Stadtbahnbrücke Menschen dazu motivieren kann, die 400km nach Fürth zu fahren und ein Ludwig Erhard-Museum zu besuchen. Und selbst, wenn man es schafft – 800km Fahrt für einen Museumsbesuch sind natürlich eine krasse Ökoschweinerei, die man auch als großer Ludwig Erhard-Fanboy sein lassen sollte.