Cervo

Cervo gehört offiziell zu den „schönsten Städten Italiens“. Schauen wir mal nach, ob das auch wirklich stimmt und ob es da wirklich so hübsch ist.



Los geht es in der Nähe von San Lorenzo und um die viel befahrene Küstenstraße zu umgehen, drehe ich den Umweg über Poggi. Das bedeutet zwar etwas klettern, aber dafür ist die Aussicht besser und man umgeht die Autos.
Etwas klettern? Nein! vom Meer aus geht es in Ligurien steil bergauf und zwar richtig steil – bereits wenige Kilometer von der Küste entfernt lauern die ersten Tausender und die gesamte Küste hat Steigungen, die einem die Schuhe ausziehen.

Ich habe mir extra eine Wasserwaagen-App installiert, um diese zu vermessen und es ist wirklich kriminell.
Aber wenn man den Berg geschafft hat, dann geht es wieder runter mit einem wunderbaren Blick auf Porto Maurizzo.


Hier führt ein netter, direkt an der Klippe hängender Weg rüber in Richtung Hafen. Als Radfahrer kann man also die nervige Küstenstraße umgehen.

Im Hafen liegt ein Symbol eines gigantischen globalen Steuerbetrugs, wie es das hier in der Gegend so häufig gibt: Diese Superyacht fährt unter der Flagge der Marschallinseln. Dieses kleine Archipel besitzt offiziell die drittgrößte Handelsmarine der Welt und jeder der ca. 52.000 Einwohner besitzt eine Superyacht. Oder skrupellose Reeder und Superreiche nutzen dieses Steuerschlupfloch, um uns alle zu bescheißen und Arbeitsschutzregeln zu umgehen. Das Schiff wird ausgeflaggt und schon spart man sich richtig Geld – und wenn wir mal ehrlich sind: Wer sich so einen Luxuspott leisten kann, der kann sich auch normale Steuern leisten. Es ist ein gigantischer Skandal, dass diese organisierte, legale Steuerhinterziehung akzeptiert wird. 


Naja, weiter geht’s rüber in Richtung Oneglia. Auch hier im Hafen hinterziehen Superreiche fleißig Steuern, aber es ist trotzdem nett.

Nun geht es die Küste und die wunderbaren, wildromantischen Strände entlang in Richtung Diano Marina.


Diano ist so … ein touristischer Badeort, der halt wenig hübsch ist. Der alte Ort etwas im Hinterland auf einem Hügel sicherlich, aber Diano Marina selbst muss man nicht gesehen haben. Besonders irritierend finde ich immer wieder diese italienische Unart der Privatstrände. Statt einem vernünftigen Strand für alle gibt es kleine Parzellen, die dann den einzelnen Hotels gehören, wo Liege an Liege steht, die man sich dann im Zweifelsfall auch noch extra mieten muss.

Es ist überall das gleiche. Dieser praktische blaue Parkstreifen endet übrigens bald und dann gibt es halt die enge, viel befahrene Küstenstraße. 


Cervo ist erreicht und es hängt wirklich wildromantisch an diesem Bergsporn. 

Die Stadt ist steil und besteht praktisch nur aus Häusern und Treppen. Radfahren ist unmöglich.

Die Rückfahrt war dann auf genau der gleichen Strecke – dank der wunderbaren Berge Liguriens ist es schwer, vernünftige Alternativrouten zu finden. Das spricht dann wieder für andere Urlaubsgegenden – auch wenn Cervo natürlich eine Reise wert ist.