Sonnhalde

Der Herbst ist da und ich bin wieder auf der Suche nach dem einen, dem goldenen Tag, an dem die Blätter im Ehrenstetter Grund goldgelb fallen. Letztes Jahr war unglaublich großartig und der Zeitraum ist eng – die Blätter sind nur wenige Tage so wunderbar und wenn man diese verpasst (oder es einfach stumpf regnet oder die Sonne nicht scheint), dann ist es vorbei.


Also habe ich mich bei Sonnenschein am Samstag auf in den Wald gemacht. Und natürlich war es noch nicht so weit. Aber es war schön und es war seit langem endlich mal wieder eine Tour auf dem Gravelbike. Also immer weiter den Ehrenstetter Grund hochgefahren, der so als harmloses Tal anfängt, aber mehr Höhenmeter besitzt als man ih zutrauen würde. 

Pause am Ende des Tals – es war eine seltsame Temperatur. Aus dem Wald kam kalte Luft und der Atem zeigte sich als Nebelwolke und gleichzeitig war es in der Sonne richtig warm. 

Eigentlich wollte ich nur hoch zum Kohlerhof und dann die Abfahrt runter. Harter Climb, schnelle Abfahrt, perfekte Graveltour. Aber manchmal biegt man dann doch spontan ab, findet einen Weg und klettert dann wie ein Bekloppter den Hang hoch. Die Daten in OSM sind besser als die in Google Maps – es ist schon faszinierend, welche wilde Wege dort enthalten sind. Man kommt durch, aber man sollte jetzt nicht davon ausgehen, dass man auf einer von einem Routenplaner geplanten Route immer wirklich durchkommt.

Die Sonnhalde ist einfach nur schön – jetzt im Herbst ist das Gras nicht mehr so grün, aber dafür ist der Blick runter ins Münstertal toll. Irgendwie hat es was, über einen Bergrücken zu klettern und dann ins Nachbartal zu schauen. Und bei schickstem Sonnenschein kann man auf einer dieser Liegen gar wunderbar eine Pause machen. Wobei Pause natürlich schwierig ist – da ich ja eigentlich nur kurz fahren wollte, habe ich außer Wasser und etwas Traubenzucker mal nichts dabei.

Weiter geht’s den bekannten Pfad entlang – er führt malerisch den Bergrücken in Richtung Münstertal entlang und ist wild zu fahren. Oben wartet zuerst ein Dschungel aus dicken Baumwurzeln und dann folgen dicke Steine, Löcher, Steilstellen. Ein Pfad wie gemacht für ein MTB, aber was soll man sagen? Mit den neuen Reifen hält sich das Gravel prächtig. Als ich letztes Jahr hier mit dem MTB gefahren bin, war es damit nicht wirklich einfacher zu fahren – es ist die erste wirklich wilde Tour mit den neuen WTB Riddler und ich bin mehr als zufrieden. Mit den alten Schwalbe G-One wäre ich hier nicht durchgekommen. Einziger wirklicher Unterschied zu einem Hardtail-MTB ist die doch etwas schlechtere Federung und – Überraschung! – die Tatsache, dass man an einem Dropbar-Lenker die Bremsen halt schlechter kontrollieren kann als an einem Flatbar-MTB. Aber hey, es geht und das ist irgendwie cool.

Dann ist es wieder Standardstrecke – das Münstertal runter, durch Staufen und ab nach Hause. Hier spielt dann das Gravel wieder seine Stärke als Rennrad aus – Gravelbikes sind ja gerade so großartig, weil man dann die Zubringerstrecken in die Berge mit feinem Rennradtempo fahren kann und dann im Gelände trotzdem vernünftig unterwegs ist.