Planet History

Daily Archives: 30. Mai 2018

Tagung zur modernen Diplomatik in Brno (Brünn)

Ein Gastbeitrag von Pavel Holub Am 29. November 2017 wurde an dem Lehrstuhl für Historische Hilfswissenschaften und Archivwesen in Brno (Brünn) der zweite Workshop „Form und Verwandlung der diplomatischen Produktion in der Neuzeit“ realisiert. Den ersten Workshop hatte der Lehrstuhl für Archivwesen und Historische Hilfswissenschaften in Bratislava vorbereitet. Der einführende Vortrag von Pavla Slavíčková handelte über das Rechnungssystem der Stadtverwaltung in der frühen Neuzeit. Es habe sich weder um das „einfache“ noch um das „kameralistische“ System gehandelt, aber es gab ein spezifisches System für … Tagung zur modernen Diplomatik in Brno (Brünn) weiterlesen

Zweite Deutsch-Französische Master Class Digital Humanities “Autobiographische Quellen aus Kriegen digital untersuchen”

Call für Bewerbungen Ort: Deutsches Historisches Institut, Paris Datum: 1.10.2018 (14h00) bis 5.10.2018 (13h00) Einreichungsfrist Bewerbungen: 30. Juni 2018  (eine PDF-Datei) Mail Infos und Bewerbungen:  defr.dh.masterclass[at]gmail.com hashtag: #dhmasterclass Organisiert von: Anne Baillot, Mareike König,…

Artikel über Studium am Fachbereich auf irischem Blog veröffentlicht

Vor längerer Zeit hatte ich hier über mein Auslandspraktikum an der UCC Boole Library in Cork berichtet. Dort wurde ich von sehr vielen Kollegen gefragt, wie eigentlich meine Ausbildung hier in Deutschland, und speziell in Bayern, abläuft. Da es in Irland kein Bachelorstudium im Bereich des Bibliotheksmanagements in dieser Form gibt, waren alle sehr interessiert an dem besonders praxisorientierten System. Deshalb hatten mein Betreuer Martin O’Connor und ich die Idee, darüber einen Blogartikel auf dem irischen Blog Libfocus zu veröffentlichen, an dem Bibliothekare aus ganz Irland mitarbeiten.

Neue Gartensaison auf Dachterrasse im Landesarchiv Saarbrücken – „Kaiser Wilhelm“ hat den Winter nicht gut überstanden…

    Die diesjährige Gartensaison auf der Dachterrasse des Landesarchivs hat begonnen: Im nunmehr dritten Jahr des Projekts wurde die bestehende Bepflanzung durch einjährige Sommerblüher und Kräuter in Grau- und Rosétönen ergänzt. In den Kübeln und Kästen tummeln sich jetzt neben alten Rosen, u. a. Fuchsien, Silberblatt, Ananassalbei und Bartnelken. Die strengen Spätfröste haben einigen Pflanzen sehr zugesetzt und auch die im Magazin eingelagerten Dahlienknollen der historischen Sorte ‚Kaiser Wilhelm‘ haben den Winter schlecht überstanden. Dafür zeigen die Rosen umso reichere Blütenansätze und laden […]

Gandhis Vermächtnis aus der Sicht seines Enkels: „Wut ist ein Geschenk“

Der Autor Arun Gandhi (*1935) Gandhis Enkel Arun wuchs in Südafrika auf, wo er den durch die strikte Rassentrennung hervorgerufenen Hass zwischen den vielfältigen ethnischen Gruppen ebenso hautnah wie leidvoll miterlebte. Wiederholt erlebte er dort Diskriminierung sowohl durch Weiße als auch durch Schwarze. 1945 erhielt er die Gelegenheit, für mehrere Monate bei seinem berühmten Großvater Mahatma Gandhi (1869-1948) in dessen Ashram in Indien zu leben – eine Erfahrung, die sein Denken und Handeln nachhaltig im Sinne gelebter Gewaltlosigkeit beeinflussen sollte. Der Einsatz für die … Gandhis Vermächtnis aus der Sicht seines Enkels: „Wut ist ein Geschenk“ weiterlesen

Die Online-Rezeption von Mahatma Gandhi zum 70. Jahrestag der indischen Unabhängigkeit (2017) anhand von zwei Beispielen (BBC und Focus Online)

Der 70. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens 2017 weckte einmal mehr das öffentliche und mediale Interesse an jener charismatischen Persönlichkeit, die diesen historischen Umbruch maßgeblich mitgestaltete: Mahatma Gandhi (1869-1948). Er gilt zugleich als der erste Freiheitskämpfer der Weltgeschichte, der mit den Methoden des gewaltlosen Protests die Massen mobilisieren konnte. Deshalb wird er in der immer wieder zu einer Ikone verklärt. In die Rezeption zum 70. Unabhängigkeitstag Indiens mischen sich aber mitunter auch kritische Stimmen. Die Online-Rezeption aus dem Sommer 2017 wird im Folgenden anhand von … Die Online-Rezeption von Mahatma Gandhi zum 70. Jahrestag der indischen Unabhängigkeit (2017) anhand von zwei Beispielen (BBC und Focus Online) weiterlesen

Cistercian as Centaur

This intriguing use of the Cistercian habit in an oil painting by Benedetto di Montagna (Vicenza 1481-1550) is called Saint Anthony and the Centaur. It makes reference to an episode in St. Anthony’s vita, in which the hermit must confront a demon in th…

Ungarn listet unliebsame Wissenschaftler

Nur kurz nach der Wiederwahl von Viktor Orbáns Fideszpartei für das ungarische Parlament veröffentlicht die regierungstreue Zeitung Figyelő; eine Liste mit unliebsamen Journalisten, NGO-Vertretern und Wissenschaftlern. Viele der 200 Gelisteten haben Verbindungen zur Central European University (CEU), die von Orban in irrationalem Verschwörungswahn schon länger schikaniert wird.
  • Die Liste: A spekuláns emberei. Figyelő (4/2018)

Mit auf der Liste steht Patrick Geary, ein in Archäologenkreisen wohlbekannter Historiker. Er ist Professor für Geschichte des abendländischen Mittelalters am Institute for Advanced Study in Princeton, New Jersey und war von 2008 bis 2009 Präsident der Medieval Academy of America. Derzeit leitet Geary ein Forschungsprojekt zu Migrationen während des frühen Mittelalters. Im Mittelpunkt stehen die Langobarden, die bis ins 6. Jahrhundert auch Bevölkerungsruppen im heutigen Ungarn zugerechnet werden, ehe sie 568 nach Norditalien abgewandert seien. Geary’s Projekt analysiert die DNA aus Gräberfeldern aus Ungarn und Italien.

Ebenfalls auf der Liste steht der renommierte ungarische Mittelalterhistoriker Gábor Klaniczay, der erst vor Kurzem als Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt wurde. Klaniczay ist Professor an der CEU in Budapest und arbeitet vor allem zu Religionsgeschichte, aber auch zur Rezeption von Antike und Mittelalter in der Gegenwart.

Es ist unklar, was diese Liste zu bedeuten hat. Sicher geht es um Einschüchterung, vielleicht aber auch um noch Schlimmeres? Soll Wissenschaft auf solche Forschungsergebnisse getrimmt werden, die das krude Geschichtsbild der Nationalisten stützen?
Entscheidend dafür, dass Wissenschaftler auf der Liste stehen sind derzeit wohl generell deren Verbindungen zur CEU, weniger inhaltliche Positionen. Dass Letzteres zumindest indirekt aber durchaus auch eine Rolle spielen mag, zeigt die angekündigte Gründung des László Gyula Őstörténeti Intézet (László Gyula Institut für [ungarische] Frühgeschichte). Das neue Institut wird finanziell von einem Politiker der Fideszpartei, Sándor Lezsák, Vizepräsident des Parlaments und Vertrauter von Viktor Orbán. Das Institut wurde vor den Wahlen gegründet, wohl um Stimmen im rechtsextremen Lager zu sammeln, ist aber noch nicht öffentlich sichtbar.
Das Kurultaj – ein angeblich traditionelles, tatsächlich erst 2007
begründetes – Festival der Steppenvölker propagiert die
wissenschaftlich nicht gedeckte These
einer Abstammung der Ungarn von Hunnen und Skythen.
(Foto: Derzsi Elekes Andor [CC BY SA 4.0]
via Wikimedia Commons)

Propagiert wird hier ein parawissenschaftliches Geschichtsbild des Ursprungs der Ungarn (vgl. Simon-Nanko 2017). Die sprachwissenschaftlich erwiesene Verbindung des Ungarischen zum Finnischen wird abgelehnt, weil sie zu wenig Größe ausstrahlt. Da wird zwar richtig darauf verwiesen, dass die Kategorien Sprache und Volk nicht deckungsgleich sein müssen, zugleich wird aber an einer grundsätzlich falschen Vorstellung von Volk und Nation als natürlicher, weitgehend unveränderlicher Größe festgehalten. Vorwissenschaftliche Mutmaßungen mittelalterlicher Autoren, die eine Verbindung der Ungarn zu Hunnen und Skythen postulierten, werden trotz fehlender wissenschaftlicher Argumente zum Paradigma erhoben und um die absurde These ergänzt, dass die Sumerer als erste Hochkultur Mesopotamiens ungarisch gewesen sei. Unter anderen hat  Gábor Klaniczay auf die mangelnden Grundlagen dieses nationalistischen Geschichtsbildes hingewiesen.

Ein Artikel, ebenfalls kurz nach der Wahl in einer rechten Zeitung erschienen, greift eine alte Verschwörungstheorie auf (vergl. Simon-Nanko 2017) und sieht in der sprachwissenschaftlichen Klassifikation des Ungarischen in einer finno-ugrischen Sprachgruppe eine Verschwörung der Habsburgermonarchie, der insbesondere die Ungarische Akademie der Wissenschaften bis heute verpflichtet sei. Künftig müsse Wissenschaft die ungarische Seele und die historischen Traditionen stärker berücksichtigen.

Die CEU bezeichnet die Liste in einer ersten Reaktion als inakzeptabel.

Im Ausland hat dieser ungeheuerliche Vorgang, bei dem Menschen ob ihrer wissenschaftlichen Interessen und Forschungen persönlich bedroht werden, offenbar kaum Beachtung gefunden. Hier wäre ein klares Statement der EU gefragt!

    Literatur

    Simon-Nanko 2017
    L. Simon-Nanko, Politische Mythologie in Ungarn? Zu Kontinuitäten paralleler Geschichtsschreibung im Kontext von Archäologie und Sprachwissenschaft. In: I. Götz/K. Roth/M. Spiritova (Hrsg.), Neuer Nationalismus im östlichen Europa (Bielefeld 2017) 139-148.

    Interne Links

    Es scheint besser, für Auskünfte und Übersetzungshilfen, die ich aus Ungarn erhalten habe, nicht namentlich zu danken.