Planet History

Author Archive for Bianca Kellner-Zotz

Die Platte rappt

Seit seinem Album #DIY ist er nicht mehr aus der deutschen Hip Hop Szene wegzudenken. Er hat Erfolg – obwohl oder gerade, weil er anders ist als seine Kollegen. Das mag auch mit seiner Herkunft zu tun haben. Stefan Richter alias Trettmann ist 1973 geboren. In Karl-Marx-Stadt. Er wächst in bescheidenen Verhältnissen auf, bringt sich selbst das Tanzen und das Singen bei, engagiert sich in der Jugendarbeit und jobbt am Bau, um sich den Traum von der Musikkarriere zu finanzieren. Trettmanns Sozialisation – das zeigt Luigi … „Die Platte rappt“ weiterlesen

Ost-Miminnen

„Starke Frauen aus Ostdeutschland“ heißt die neue Staffel der ZDF Kultur Reihe „FilmFrauen“. Vier Damen kommen in dem mit Einspielern durchsetzten Interview-Format zu Wort: Claudia Michelsen, Katrin Sass, Maria Ehrich und Carmen-Maja Antoni. Es geht um DDR- und Wende-Erfahrungen, persönliche Enttäuschungen, das Frauenbild in Ost und West und – natürlich – Corona bzw. den Stellenwert der Kultur in dieser Zeit. Erhellend ist vor allem der direkte Vergleich zwischen Ehrich (Jahrgang 1993) und Antoni (Jahrgang 1945): die eine jung, schön, glatt, die andere in ihren … „Ost-Miminnen“ weiterlesen

Vertontes Rollenbild

Kinderlieder sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Sie transportieren gesellschaftliche Idealtypen und Wertvorstellungen auf eingängige Weise. Ein DDR-Kinderlied, das für das weibliche Rollenbild durchaus einflussreich gewesen sein dürfte, ist „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“. Die Werktätigkeit der Frau im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstatt war ein zentrales Identitätsmotiv, das bis heute nachwirkt, auch in unseren Medienmenschen. West-sozialisierte Ohren verstört der Text dagegen bisweilen. Eine Annäherung. Wenn Mutti früh zur Arbeit geht,Dann bleibe ich zu Haus.Ich binde eine Schürze umUnd feg die Stube aus. Das Essen … „Vertontes Rollenbild“ weiterlesen

Ein bisschen gleicher

Ein Podcast des Mitteldeutschen Rundfunks beschäftigt sich mit Eliten in der DDR. Darunter ein Betriebsdirektor und ein Hochschullehrer. Vielleicht noch ein Parteisekretär und ein Richter. Medienmenschen sind bis dato nicht angekündigt. Da man aber durchaus davon ausgehen kann, dass etwa Journalisten Elitenstatus hatten, gibt der monatlich erscheinende Podcast einen Einblick in Arbeitsumfeld und Handlungsspielraum dieser Gesellschaftsschicht.  Den Anfang macht Bernd Sauer. Er war Betriebsdirektor der VEB Plaho in Steinach (Thüringen) und damit der Vorgesetzte für rund 1000 Menschen. Plaho steht für Plaste und Holz, … „Ein bisschen gleicher“ weiterlesen

Vermutlich grau

Die schwarze Version lautet: Die DDR war ein Stasi-Staat, alles und jeder wurde überwacht, man durfte niemandem trauen. Die weiße Version spricht von starkem Zusammenhalt, großer Hilfsbereitschaft und davon, dass man an der Stellung der Fernsehantenne erkannte, wem man was erzählen konnte. In der schwarzen Version waren auch einfache Mitarbeiter des MfS für den Stasi-Terror (mit)verantwortlich, während sie in der weißen Version einfach ihrer Arbeit als Friseure, Techniker oder Hausmeister nachgingen. In der Berliner Zeitung kam ein Vertreter dieser weißen Position zu Wort – … „Vermutlich grau“ weiterlesen

„Das ist DDR? Echt jetzt?“

Beim Rumgoogeln stößt meine 10-Jährige auf einen Film, den sie gerne sehen möchte: Alfons Zitterbacke. Daraufhin google ich rum, um rauszukriegen, ob der Streifen aus dem Jahr 2018 vielleicht auf dem von uns abonnierten Streaming-Kanal verfügbar ist. Und lerne, dass besagter Alfons in der DDR eine berühmte Kinderbuchfigur war (zu meiner Ehrenrettung sei auf meine urbayerische Herkunft verwiesen). Drei Klicks weiter lande ich bei einem Trailer der DEFA-Produktion aus dem Jahr 1966. Es folgt ein kleines Experiment. Ich schaue mir mit meiner Tochter zuerst … „„Das ist DDR? Echt jetzt?““ weiterlesen

Gefühlte Teilung

Sie wissen wenig bis nichts von der DDR. Aber sie wollen verstehen, warum Potsdam so ganz anders ist als München, warum sich ein Großteil der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse fühlt, warum die – finanzielle und soziale – Teilung immer noch spürbar ist. Journalismus-Studenten der niederländischen HU University of Applied Sciences Utrecht haben für das Deutschlandinstitut in Amsterdam einen Podcast erstellt, der vom Aufwachsen in Ostdeutschland nach dem Mauerfall handelt. Titel: „The Wall in our Heads“. Im Zentrum des Beitrags stehen zwei Medienmenschen, die … „Gefühlte Teilung“ weiterlesen

Seelenstriptease

Darüber reden bis es schmerzt. Sabine Michel und Dörte Grimm haben für ihr Buch „Die anderen Leben – Generationengespräche Ost“ Mütter, Väter, Wende-Töchter und Wende-Söhne aus der ehemaligen DDR an einen Tisch gebracht. Ein echter Seelenstriptease. Die Wendekinder fragen, klagen an, zeigen Verständnis, zollen Respekt. Die Eltern antworten, verteidigen sich, ringen mit sich, sind stolz. Ein Wessi wie ich fühlt sich an die Auseinandersetzungen erinnert, die es in der eigenen Familie gab, wenn es um die Rolle der Großeltern während der Nazi-Zeit ging. Auch … „Seelenstriptease“ weiterlesen

Sand in die Augen gestreut

Im Rahmen der Vorlesungsreihe zum „medialen Erbe der DDR“ haben sich gleich drei Studentinnen mit einem Klassiker beschäftigt: dem Sandmännchen. Aus gutem Grund. Kein anderes Format hat es geschafft, die Zeit nach 1989 so unbeschadet zu überstehen. Trotz einiger Anpassungen funktioniert der „Abendgruß“ immer noch so wie vor über 60 Jahren und ist damit ein zentraler Bestandteil deutsch-deutscher Erinnerungskultur. Julia T. M. Melles hat sich mit dem soziologischen Gehalt des Sandmännchens beschäftigt und im Rahmen ihrer Recherchen auch mit dem „Sandmännchen-Papst“ Volker Petzold gesprochen. Der … „Sand in die Augen gestreut“ weiterlesen

Ein Erbe für alle

Da ist eine junge Frau aus dem Westen, die die DDR lange Zeit nur mit der Mauer verband und sich ehrlicherweise nie für diesen “Stasi-Staat“ interessierte. Bis sie Good Bye Lenin sah. Und da ist eine ältere Frau, die ihre Kindheit in der DDR verbrachte, sie in Good Bye Lenin wiederentdeckte – und die DVD des Films einfach nicht wegschmeißen mag, obwohl sie gar kein Abspielgerät mehr dafür hat. Die ältere Frau gibt der jungen Frau die DVD für ihr Studienprojekt. Die junge Frau setzt sich mit … „Ein Erbe für alle“ weiterlesen

Der kleine Held der Arbeiterklasse

Zipfelmütze, Bart, immer ein Lächeln auf den Lippen. Putzig. Aber das Sandmännchen ist nicht nur ein sympathischer Medienstar, der die Kinder abends auf unterhaltsame Art und Weise ins Bett schickt. In dem Männchen steckt auch ein Pädagoge. Franziska Herz hat einen genaueren Blick auf die Funktion der Sendung geworfen und stellt fest, dass der Sandmann zu DDR-Zeiten einen festen Platz bei der kindgerechten Aufbereitung des real existierenden Sozialismus hatte. Etwa beim Besuch im Palast der Republik oder auf Weltraumtour mit dem Volkshelden Sigmund Jähn. … „Der kleine Held der Arbeiterklasse“ weiterlesen

Zensur-Detektor

Journalisten in der DDR waren Teil des politischen Systems – und hervorragend ausgebildete Medienprofis, die ihr Handwerk beherrschten. Hört sich für westliche Ohren nach einem Widerspruch an. Laura Feijóo wollte es genau wissen: Was bedeutete es, in der DDR als Journalist zu arbeiten? Welchen Einfluss hatten ZEK-Anweisungen und Zensur? Wie erlebten DDR-Journalisten den politischen Umbruch, wie nehmen sie die Medienlandschaft heute wahr, etwa im Hinblick auf die Berichterstattung über Ostdeutschland? Antworten bekam die Autorin von einer Frau, die noch am berühmten „Roten Kloster“ der … „Zensur-Detektor“ weiterlesen

Alles Doping, oder was?

DDR Sportler haben allein zwischen 1968 und 1988 bei Olympischen Spielen 192 Gold-, 165 Silber- und 162 Bronzemedaillen gewonnen – über doppelt so viele wie westdeutsche Athleten im selben Zeitraum. Doch diese Erfolge erscheinen heute angesichts der Berichterstattung über exzessives Doping und menschenverachtende Trainingsmethoden vielfach schal. Sophia Michaela Berner wollte einen Blick hinter die massenmedialen Kulissen werfen und befragte einen ehemaligen DDR-Bürger, der in seiner Jugend ein erfolgreicher Turner war. Seine Perspektive liefert auch positive Aspekte, etwa den Zusammenhalt im Verein, die finanzielle Unterstützung … „Alles Doping, oder was?“ weiterlesen

Wessis, hört die Signale

Was der Osten war oder ist, sagen uns vor allem Westdeutsche, in den Medien, in der Politik, in der Wissenschaft. Die westdeutsche Diskurshoheit hat direkten Einfluss auf die Art und Weise, wie wir uns an die DDR erinnern, welchen Stellenwert sie in unserer Geschichte einnimmt. Die Dominanz des Diktatur-Narrativs führt zu einer Abwertung ostdeutscher Lebensleistung und wirkt bis heute nach – nicht zuletzt im Zuge erstarkter rechtsnationaler Kräfte. 30 Jahre nach dem Mauerfall haben sich junge Ostdeutsche zusammengetan, um Sprechräume zu schaffen, die ein … „Wessis, hört die Signale“ weiterlesen

Neue Helden braucht das Land

Die Schriftstellerin Monika Maron ist ein ostdeutscher Medienmensch, ein prominenter noch dazu. Das macht sie und ihr Werk für uns interessant. In ihrem jüngsten Roman „Artur Lanz“ stellt sie eindeutige Bezüge zu ihrer DDR-Vergangenheit her. Die Ich-Erzählerin ist so wertvoll für den namensgebenden (Anti-)Helden des Buches, weil sie über Erfahrungen verfügt, die er nicht hat. Erfahrungen mit Propaganda, Zensur, Rädelsführern, Mitläufern, Denunziantentum, Ausgrenzung, Unterdrückung. Da ist er, der Ost-Blick, der nicht selten nüchterner, analytischer und ehrlicher ist als die durch den Anspruch an Haltung … „Neue Helden braucht das Land“ weiterlesen

Tanz um das sozialistische Kalb

Opfer, Opportunistin, Lebenskünstlerin, Genie. Die Tänzerin Gret Palucca ist eine schillernde Persönlichkeit, die durch ihr Wirken einen nachhaltigen Beitrag zum „medialen Erbe der DDR“ geleistet hat. Mara Heckmann hat sich mit der Frau beschäftigt, die sich gegen ein Leben im Westen und für eine Karriere im Osten Deutschlands entschied. Die durch geschicktes Taktieren ihrer Palucca Hochschule für Tanz Dresden das Überleben sicherte. Und die einen ganz eigenen Tanzstil entwickelte, der bis heute gelehrt und bewundert wird. Dabei war Ausdruckstanz in der DDR eigentlich verpönt – war … „Tanz um das sozialistische Kalb“ weiterlesen

Flashback per Mausklick

Musik ist ein zeitgeschichtliches Dokument – und ein Teil des kollektiven Gedächtnisses. Sie kann spontane Erinnerungen und Gefühle auslösen, die rational kaum zu erschließen sind. Lukas Joas beleuchtet diesen affektiven Effekt von DDR-Hits als Beitrag zum „medialen Erbe der DDR“. Materialbasis sind Nutzerkommentare unter YouTube-Videos bekannter Bands. Die inhaltsanalytische Herangehensweise erlaubt eine Kategorisierung. Joas unterscheidet Kommentare, die historische Details liefern, nostalgische Gefühle auslösen oder die Erfahrungen mit Unterdrückung und Zensur thematisieren. Es zeigt sich, dass die Kommentare authentische Einblicke in das Leben und Denken … „Flashback per Mausklick“ weiterlesen

Das DDR-Stigma

Man kennt sie nicht, man sieht sie nicht, man liest nichts über sie. Nur selten spielen DDR-Künstler im Diskurs eine Rolle und wenn, dann werden sie auf bekannte Narrative reduziert. Sogar von den eigenen Kollegen. Auftragskunst, Staatskunst, Diktaturkunst. Kein Beitrag zur politischen Veränderung. Mut- und kraftlos. Ohne Wert für heute. Ein ewiges Stigma. Dominik Bingger will das so nicht stehen lassen. Er beschäftigte sich deshalb im Rahmen der Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ mit DDR-Kunst und DDR-Künstlern und fand deutliche Bezüge zum monotonen … „Das DDR-Stigma“ weiterlesen

Die Nachwendekinder und der Helmut

Der Titel macht Sinn, ist aber erklärungsbedürftig. Der Ost-West-Podcast von Friederike Schicht (Ost) und Jule Wasabi (West) heißt „KOHL KIDS“. Kids, na ja. Wasabi und Schicht sind Ende 20 (sprechen aber jünger und gendern Gast in Gästin). Sie wurden nach dem Mauerfall geboren. Und deshalb auch der Kohl. Es ist nicht das Gemüse gemeint, sondern Helmut Kohl. Der Kanzler der Einheit, der mit den blühenden Landschaften. Der Kanzler der Nachwendekinder. Abgesehen vom Titel (schöne Alliteration, vermutlich wichtiger als ein weniger umständlicher Bezug) ist vom … „Die Nachwendekinder und der Helmut“ weiterlesen

Weniger „Wir sind wir“, mehr „Honigfrauen“

Sara Ritterbach Ciuró hat keine Beziehung zur ehemaligen DDR. Wie das im Osten heute so ist, kann sie nur schwer beurteilen. Aber die Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ hat ihr Interesse geweckt. An „Ost“-Liedern und an den Menschen aus dem Osten. An ihren Gefühlen, ihren Erinnerungen und ihren Blick auf Wende und Wiedervereinigung. Deshalb suchte die Studentin das Gespräch mit einer heute 50-jährigen ehemaligen DDR-Bürgerin. Und revidierte schließlich ihr ganz persönliches DDR-Bild – teilweise. Der Osten zweimal anders: in der Musik und der … „Weniger „Wir sind wir“, mehr „Honigfrauen““ weiterlesen

Der Sandmann und der kalte Krieg

Der Sandmann und der kalte Krieg Das Sandmännchen ist ein Klassiker. Für Kinder gemacht, avancierte die Vorabendsendung in den 1950er Jahren zum Politikum. Denn die Redakteurin, die das „Abendlied“ – den Vorläufer des Sandmännchens – ins DDR-Radio gebracht hatte, trieb einige Jahre nach ihrem Wechsel vom Berliner Rundfunk (Ost-Teil der Stadt) zum Sender Freies Berlin (SFB, West-Teil der Stadt) die Entwicklung eines ähnlichen Formats in Westdeutschland voran. Es kam zu einem Wettrennen, das die DDR-Fernsehleute für sich entschieden: Das Sandmännchen ging im Osten am … „Der Sandmann und der kalte Krieg“ weiterlesen

Der bessere DDR-Unterricht

Die DDR stand im Westen (und später auch in den neuen Bundesländern) selbstredend auf dem gymnasialen Stundenplan. Als Negativbeispiel für kommunistische Unterdrückung und ineffiziente Planwirtschaft. Daten und Fakten zur Wiedervereinigung. Dann in der 10. Klasse die Fahrt nach Berlin. Da bekam Sophie Engelhart erstmals ein Gefühl für die Vergangenheit, für das geteilte Deutschland. Viel hilfreicher waren die Gespräche der Autorin mit der Zeitzeugen in der eigenen Familie, der Großmutter, die kurz vor dem Mauerbau noch fliehen konnte. Ihre Erzählungen machten den in der Schule … „Der bessere DDR-Unterricht“ weiterlesen

„Kummer“ über das Ostdeutsch-Sein

Kann ein (fast) Nach-Wende-Geborener Teil des „medialen Erbes der DDR“ sein? Ja. Felix von den Hoff zeigt anhand der Texte des Chemnitzer Künstlers „Kummer“ – Jahrgang 1989 – wie stark das Ostdeutsch-Seins das Bewusstsein einer ganzen Generation junger Bundesbürger geprägt hat. Wie sie darunter leiden und trotzdem ihre Heimat lieben. Wie sie um Akzeptanz kämpfen und gegen die unübersehbaren Fliehkräfte in ihrer eigenen Mitte. Im Fokus der Analyse stehen zwei Songs aus Kummers Debütalbum: „Schiff“ und „9010“. Beides Beispiele für „populäre Geschichtsrepräsentation“. Und dafür, … „„Kummer“ über das Ostdeutsch-Sein“ weiterlesen

Absturz auf Ostdeutsch

Episch. Prosaisch. Thilo Krause lässt sich Zeit für die Entwicklung seines Plots. Investiert viele Zeilen in die Beschreibung des trockenen ostdeutschen Sommers, die reifenden Himbeeren, die staubigen Straßen in der sächsischen Schweiz, die Festung über der „Stadt-die-keine-ist“, den Dreck der Wismut. Er arbeitet sich ab an der innerdeutschen, der innerdörflichen und der innermenschlichen Zerrissenheit und findet in der Szenerie allenthalben Metaphern zur nicht gelingen wollenden deutsch-deutschen Vereinigung. Schon zu Beginn heißt es: „Ich sehe den Putz nicht bröckeln an der westlichen Wand“, und später: … „Absturz auf Ostdeutsch“ weiterlesen

Eine Hymne, die Erinnerungen weckt

Zu DDR-Zeiten war Ostrock Kult, ein Medium leiser Systemkritik und Ausdruck einer ganz großen Sehnsucht – nach der Wende krähte (fast) kein Hahn mehr danach, nur wenige ostdeutsche Künstler konnten an die alten Erfolge anknüpfen. Dabei ist Musik ein wesentlicher Teil des kollektiven Gedächtnisses. Zum 30. Jubiläum des Mauerfalls hat die Band „Hardy and Heroes“ den Titel „im Osten geboren“ herausgebracht. Für Autorin Theresa Lang ein wichtiger Beitrag zum medialen Erbe der DDR. Sie selbst hat zwar keinen Bezug zur DDR, ihre Familie lebt … „Eine Hymne, die Erinnerungen weckt“ weiterlesen

Wenn Ost-Radio Kult wird – von DT64 und MDR Sputnik

West-Sender hören. Das war in der DDR verpönt, zum Teil gefährlich – und damit für die Jugend hochattraktiv. Der staatliche DT64 galt bei vielen als zweitbeste Alternative. Zu viel Propaganda, zu wenig angesagte Musik. Nach der Wende stand der Sender vor dem Aus. Und wurde schließlich wiederentdeckt. Denise Prodell hat sich im Rahmen der Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ mit dem Medium Radio als Teil der Jugendkultur beschäftigt. In Gesprächen mit Zeitzeugen und jungen Menschen aus dem Osten erlebte sie, wie Radio Identität … „Wenn Ost-Radio Kult wird – von DT64 und MDR Sputnik“ weiterlesen

Es war einmal in Weissensee und in Deutschland 83… So oder anders.

Die Autorin ist lange nach dem Fall der Mauer geboren. Aber sie hat einen Fernseher und einen Laptop. Und natürlich geht sie ins Kino. Sie hat eine ganze Reihe von Filmen über die DDR gesehen, sie kennt das „mediale Erbe“. Sie sucht nach dem „Alten“ (Erbe) im „Neuen“ (Medien) und versucht Realität von Fiktion zu trennen, zum Beispiel im Hinblick auf Szenenbild, Ausstattung und Kostüme. Deshalb hat Sarah Thonig im Rahmen der Vorlesung zum medialen Erbe der DDR die Profis hinter den Kulissen befragt: … „Es war einmal in Weissensee und in Deutschland 83… So oder anders.“ weiterlesen

Gegen das Vergessen – ein Gespräch mit Zeitzeugen

Juni 2020. Man darf sich wieder treffen, wenn man ausreichend Abstand hält. Also halten alle Abstand: das Ehepaar, das aus Ostdeutschland stammt, ihr in Westdeutschland geborener Sohn, die Wissenschaftlerin aus Russland und die Studentin aus Armenien. Und trotzdem entsteht aus gegenseitiger Neugier bald ganz viel Nähe. Ashkhen Arakelyan hat schon in der Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ viele neue Eindrücke gewonnen, hat sich Filme angesehen, z.B. Weissensee, Sonnenallee und Friendship. Aber dieses Gespräch, der Austausch mit den echten Menschen, berührt sie besonders. Sie hört, wie die Menschen … „Gegen das Vergessen – ein Gespräch mit Zeitzeugen“ weiterlesen

Dieselbe Fluchtgeschichte, zwei Perspektiven, zwei Filme

Am 16. September 1979 überflogen zwei thüringische Familien in einem selbstgebauten Heißluftballon die innerdeutsche Grenze. Eine ebenso wahre wie dramatische und hochemotionale Geschichte. Die erste filmische Bearbeitung ließ deshalb nicht lange auf sich warten. Und sie kam natürlich aus Hollywood. Erst 2018, 36 Jahre nach der ersten Version, folgte ein deutscher Kinofilm. Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit hat Stefanie Köppl die beiden Filme miteinander verglichen. Ihr Fazit: Die jeweiligen politischen Rahmenbedingungen und die Perspektive der Macher beeinflussten die inhaltliche und dramaturgische Bearbeitung stark. Jeder Film … „Dieselbe Fluchtgeschichte, zwei Perspektiven, zwei Filme“ weiterlesen

Ansichten eines Kameramanns

Leonie Lange wusste sofort, über wen sie ihren Essay schreiben würde. Ihr Beitrag zur Vorlesung „Das mediale Erbe der DDR“ ist ein ganz persönlicher. Denn ihr Vater, Jahrgang 1950, ist selbst ein Teil davon. Der Kameramann hat lange Jahre im Osten und später dann auch im Westen als Kameramann gearbeitet. Sozialisiert in einem Staat, in dem die Pressefreiheit nur auf dem Papier existierte. Und trotzdem oder gerade deshalb ein wichtiger Medienmensch. Mein Vater, der Medienmensch Von Leonie Lange Die Medienkarriere meines Vaters (1950 in … „Ansichten eines Kameramanns“ weiterlesen

Rammstein, Paul van Dyk und die deutsche Nation

Nazis, die KZ-Häftlinge foltern. Stasi-Bonzen, die saufen und huren. Neun Minuten voller Gewalt und Perversion. Das Video zum Titel Deutschland der ostdeutschen Band Rammstein ist ein verstörender Bilderrausch, der es schwer macht, sich mit dem Deutschsein auszusöhnen. Ein Beitrag zur Konstruktion nationaler Identität? Ja. Aber ein gänzlich anderer als das Video zu Wir sind Wir von DJ Paul van Dyk, das der Sehnsucht nach einer verbindenden Vaterlandsliebe eine Projektionsfläche bietet. Jakob Irler zeigt in seiner Analyse, dass Kunst Aushandlungsprozesse induziert, begleitet und spiegelt. Auch in Musikvideos.  „Im Geist getrennt, im Herz … „Rammstein, Paul van Dyk und die deutsche Nation“ weiterlesen

Techno als DDR-Erbe?

In den Tagen nach dem Mauerfall schlug die Stunde des Techno. Die Begeisterung für diese elektronische Musikrichtung führte Jugendliche aus Ost und West zusammen, ließ sie gemeinsam von einer neuen Weltordnung, von Frieden und Grenzenlosigkeit träumen. Die Medien beschworen den Mythos vom „Sound der Wende“, Berlin entwickelte sich zur Welthauptstadt des Techno. Clara Löffler beschäftigte sich im Rahmen der Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“ mit dem „Freiheitstanz“.  Der Sound der Wende Von Clara Löffler In Zeiten, in denen Techno entweder der Kommerzialisierung oder … „Techno als DDR-Erbe?“ weiterlesen

Nicht mal in der Stasi…

Sie war auf keiner Demo, hat „immer die Klappe gehalten, weil man ja wusste, was sonst passieren konnte.“ Keine Fluchtversuche, keine oppositionelle Künstlerin, aber auch kein Parteimitglied, nicht mal in der Stasi. Die Mutter der Journalistin Katharina Thoms hat ihr halbes Leben in der DDR verbracht, hat sich mit dem System arrangiert, wie die meisten. Und trotzdem widmet ihr die Ost-West-sozialisierte Tochter – gleich nach dem Abitur 1999 ging Thoms zum Studium nach Tübingen – einen mehrteiligen Podcast. Einen mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Podcast. … „Nicht mal in der Stasi…“ weiterlesen