Planet History

Autor: Bianca Kellner-Zotz

Spitzenmädchen

Höchstes tänzerisches Niveau, große Namen, Erfolge in der ganzen Welt. Sowie Blut, Schweiß und Tränen. Das DDR-Ballett genoss internationales Renommee. Nach dem Mauerfall dominierten jedoch die Diskussionen um gnadenlosen Drill und Doping. Sara Noemia Morwarid hat selbst viele Jahre Ballett getanzt, kennt die hohen Ansprüche an Disziplin und Ästhetik. Die sozialistische Version verband sie mit Brutalität und Mangelernährung. Morwarids in der DDR aufgewachsene Balletttrainerin jedoch hat ihr “Bild vom reinen Tyrannenstaat aufgebrochen”. Das Interview mit der Palucca-Absolventin und Profi-Ballerina Steffi Pfefferkorn Wotjak ermöglichte ihr … „Spitzenmädchen“ weiterlesen

Ein kleines bisschen wie im Westen

Musik ist ein mediales Erbe. Und ein Konsumgut. Und eine Einnahmequelle. Auch im Sozialismus. Was vielleicht nur wenige wissen: Analog zur bundesdeutschen GEMA etablierte sich in der DDR die „AWA“, „die Anstalt zur Wahrung der Ausführungs- und Vervielfältigungsrechte auf dem Gebiet der Musik“. Zu ihren Mitgliedern gehörten „Die Puhdys“, „Silly“ oder Reinhard Lakomy. Die Studentin der Kommunikationswissenschaft Christina Zander kennt die GEMA aus ihrem Berufsalltag. Um mehr über das DDR-Pendant zu erfahren, interviewte sie eine ehemalige AWA-Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Die Erkenntnisse aus … „Ein kleines bisschen wie im Westen“ weiterlesen

Ein unerhört Gehörter

Sein Leben ist einerseits typisch für eine DDR-Biografie. Und dann doch wieder nicht. Der Dramatiker Heiner Müller erlebte die Gräuel des Nationalsozialismus und feierte den Untergang des Regimes „mit dem Triumphgefühl eines feindlichen Ausländers“. Als seine Familie in den Westen ging, blieb er – aus Überzeugung. Nur um später feststellen zu müssen, dass die ersehnte sozialistische Freiheit in der DDR eine Chimäre blieb. Aber auch mit der Bundesrepublik fremdelte Müller, obwohl er dort schon früh Berühmtheit erlangte. Das vereinigte Deutschland verehrte ihn als Propheten … „Ein unerhört Gehörter“ weiterlesen

Wie der Westen über den Osten kam

Die Potsdamer Tagung des Forschungsverbundes zum medialen Erbe der DDR  (7. bis 8. Juli 2022) hat gezeigt: Es ist noch nicht alles gesagt, nicht alles verstanden, nicht alles ergründet. Aber wir sehen heute vieles klarer. Zum Einstieg vielleicht eine bemerkenswerte Anekdote über den Sommer 1990. Erzählt hat sie Susanne Lenz, Redakteurin bei der Berliner Zeitung. Sie war die erste Westdeutsche, die nach der Wende bei dem ehemaligen DDR-Blatt anfing. Sie war noch Praktikantin, als sie sich über einen Menschenauflauf in der Innenstadt wunderte und … „Wie der Westen über den Osten kam“ weiterlesen

Außer Stasi nix gewesen

Wenn das DDR- und Ostdeutschland-Bild der zehnten Klasse eines bayerischen Gymnasiums ein Indikator für die dominanten Diskursmuster im Land ist, bleibt festzuhalten: DDR steht für Stasi, Unterdrückung, Abschottung. Und Ostdeutschland = AfD. Alternativen Perspektiven wird zudem keine große Relevanz beigemessen. Die Schüler sehen es mehrheitlich so, wie es der ostdeutsche Journalist Alexander Osang frustriert formulierte: “Der Osten soll aus der Gesellschaft rauswachsen wie eine Dauerwelle.” (2019: 22) Eher eine Randnotiz: Für Ironie ist in unserer traumatisierten kollektiven Erinnerung wenig Platz. Schade um Leander Haußmanns … „Außer Stasi nix gewesen“ weiterlesen

Evas an die Macht

In puncto Gleichberechtigung bedeutete die Wende 1989 für Millionen DDR-Frauen einen Rückschritt. Schwangerschaftsabbruch, Kinderbetreuung, Stellung von Alleinerziehenden – die alte Bundesrepublik hinkte hinterher und wollte daran nichts ändern. Dennoch sind Frauen im Osten Deutschlands bis heute stolz auf ihre Unabhängigkeit und ihr starkes Rollenbild, auch die jungen ohne DDR-Sozialisation. Maike Baumann wollte wissen, wo die Wurzeln dieses Selbstbewusstseins zu suchen sind. Welchen Einfluss hatte die Politik, welchen die Medien? Waren es vielleicht die seit den 1970er Jahren populären DDR-Frauenfilme mit ihren starken Frauenfiguren, die … „Evas an die Macht“ weiterlesen

Vielsagende Verse

Gerade, wenn es gefährlich ist, zu sagen, was man sagen will, kann Kunst unterdrückten Botschaften und Gefühlen Ausdruck verleihen. Die Lyrik der DDR ist deshalb ein besonders interessantes mediales Erbe. Janina Hart hat sich unter anderem mit Gedichten von Georg Maurer und Sarah Kirsch beschäftigt. Sie wagt eine Interpretation und kritische Würdigung dieser zum Teil recht ambivalenten Autoren – wohlwissend, dass die Außensicht der westdeutschen Nachgeborenen eine ebenso ambivalente und nicht zuletzt komfortable ist. Eine Erkenntnis der Analyse: Ohne Ost-Blick erscheint vieles unpolitisch, was … „Vielsagende Verse“ weiterlesen

Stolzer Osten

Sido hat sie lange verheimlicht. Clueso spielt mit ihr. Trettmann kokettiert. Rammstein provoziert. Aber KRAFTKLUB geht in die Offensive. Die fünfköpfige Band ist stolz auf ihre ostdeutsche Herkunft, thematisiert Ost-Themen ohne Scheu oder Minderwertigkeitskomplex. Julian Hammerer zeigt, dass die Musiker damit ein neues Ost-Narrativ möglich machen. Sie sind ein Erbe der DDR, das sich nicht mehr selbst im Weg steht, sondern Perspektiven eröffnet. Für alle, die folgen. Chemnitz. Indie-Band. KRAFTKLUB – Ein mediales Erbe der DDR Von Julian Hammerer Als Felix Kummer, Till Kummer, … „Stolzer Osten“ weiterlesen

Sidos Ossi-Sein

Musik transportiert die Emotionen des Komponisten und Interpreten. Sie löst aber auch Gefühle aus, lässt Erinnerungen wachwerden. Unter YouTube-Clips stehen oft Tausende von Kommentaren, die zeigen, wie vielschichtig diese Erinnerungen sein können. Das gilt auch – oder gerade – für DDR-Bezüge. Lukas Dürr hat sich für seine Analyse von YouTube-Kommentaren bewusst einen Interpreten ausgesucht, den er selbst bis dato nicht mit der DDR in Verbindung gebracht hatte: Sido. Sido`s Video zum Hit „Hey Du!“ wurde insgesamt fast 18 Millionen mal aufgerufen. Ein Stück persönliche … „Sidos Ossi-Sein“ weiterlesen

Es gibt ihn immer noch

Krimis liegen in Deutschland laut einer Erhebung aus dem Jahr 2021 auf Platz 5 der beliebtesten TV-Formate. Den Tatort schalten durchschnittlich 8 Millionen Zuschauer ein, das entspricht einem Marktanteil von über 24 Prozent. Allerdings spielen die meisten Folgen in West-Städten, München hat die Nase vorne, sogar Wien kommt vor Leipzig. Ergo, der Osten ist unterrepräsentiert. Diese Lücke füllt das ehemalige DDR-Format Polizeiruf 100. Mit Ost-Ermittlern in Ost-Städten und ähnlichen Marktanteilen wie der Tatort. Allerdings ist gerade jüngeren Zuschauern gar nicht mehr bewusst, dass der TV-Hit ein mediales Erbe … „Es gibt ihn immer noch“ weiterlesen

A Tribute to “Godmother of Punk”

Es gibt ostdeutsche Medienmenschen, die hat der Westen quasi vereinnahmt. So geschehen bei Nina Hagen. Das schrille Multitalent wurde 1955 in Ost-Berlin geboren, avancierte nach ihrer Ausreise 1976 aber zur Vorzeige-Punkerin der BRD. Inklusive Berliner Schnauze. Im west-kollektiven Bewusstsein war Hagens Herkunft allenfalls an Einheits-Gedenktagen oder anlässlich ihres Geburtstags Thema – bis zum Großen Zapfenstreich der Kanzlerin. Angela Merkel hatte sich für ihren Abschied unter anderem Hagens Song „Du hast den Farbfilm vergessen“ gewünscht. Ein Grund dafür, dass sich Emma Britz mit dem Phänomen … „A Tribute to “Godmother of Punk”“ weiterlesen

DDR-Lesefutter

Frank Schlößer ist Journalist, sprich ein Medienmensch. Geboren ist er in Bad Saarow, aufgewachsen in Leipzig. Damit ist er einer unserer Medienmenschen. Geprägt haben ihn nicht nur seine Familie (überzeugte Sozialisten, beide Großväter waren im NS-Widerstand) und die damit einhergehende Früh-Politisierung, Schulzeit (inklusive Wandzeitungen und Pionierdienst), Ausbildung (als Maschinenbauer beim VEB Mikrosa) und Stasi-Dienst, sondern auch die vielen Bücher, die er schon als Jugendlicher regelrecht verschlungen hat. Viele davon sagen West-Bürgern gar nichts. Was noch immer bestehende Missverständnisse zwischen hüben und drüben erklären könnte. Ebenso … „DDR-Lesefutter“ weiterlesen

Produktive Uneinigkeit: zum ARD-Eventfilm 3 1/2 Stunden

Zwei Frauen – zwei Sichtweisen. Daria Gordeeva stammt aus Russland und schreibt ihre Dissertation zur Darstellung der DDR im Film. Sie beschäftigt sich mit dem medialen Erbe in Form des Medienprodukts. Bianca Kellner-Zotz stammt aus Westdeutschland und befragt Journalisten, Musiker und Schauspieler mit DDR-Sozialisation. Sie interessiert sich für den Medienmenschen hinter dem Produkt. Die beiden Kolleginnen tauschen sich aus, diskutieren, betreiben Wissenschaft. Und sind sich manchmal uneinig. Wie etwa beim im Sommer erstausgestrahlten Fernsehfilm 3 ½ Stunden. Im Ergebnis entstanden zwei ganz unterschiedliche Texte … „Produktive Uneinigkeit: zum ARD-Eventfilm 3 1/2 Stunden“ weiterlesen

“Von wegen Rotes Kloster!” – von einem, der auszog, Journalist zu werden

Hans-Jürgen Barteld war mittendrin. Geboren 1951, gehört er zur „integrierten Generation“: geprägt vom DDR-Sozialismus in all seinen Facetten, aufgewachsen in einer Zeit zunehmenden Wohlstands, voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Von 1970 bis 1974 studierte er an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Journalistik. Da war die DDR ein etablierter Staat, der seine Presseleute sorgfältig auswählte und ausbildete. Nach der Wende blieb von der einstigen Kaderschmiede kaum mehr etwas zurück als die ironisch-abwertende Rede vom „Roten Kloster“. Umso wertvoller ist Bartelds Zeitzeugenbericht. Der Bericht eines Medienmenschen … „“Von wegen Rotes Kloster!” – von einem, der auszog, Journalist zu werden“ weiterlesen

Echt stark, Frau

Es ist ein Film, der eine Frau wie mich – westdeutsch, zum Mauerfall 14 Jahre alt – beschämt zurücklässt. Weil mir nicht bewusst war, welch tiefe Wunden die deutsche Einheit bei meinen Geschlechtsgenossinnen im Osten geschlagen hat. Und weil mir nicht klar war, welche historische Chance alle deutschen Frauen 1990 verpasst haben. Es ist der Autorin und Regisseurin Sabine Michel zu verdanken, dass die Dokumentation „Wendeman(n)över – Frauen und die Wiedervereinigung“ endlich einen weiblichen Blick auf die Wendezeit wirft. Ideologiefrei, authentisch, mitreißend. Der Beitrag … „Echt stark, Frau“ weiterlesen

Auf Schatzsuche

DEFA-Filme sind jetzt über die Mediathek der ARD, des MDR, der Bundeszentrale für politische Bildung (Dokumentarformate) und filmfriend  (Zugang über Bibliotheken) verfügbar. Nie hätte ich gedacht, dass ich für alte DDR-Produktionen tagelang auf Netflix verzichten würde. Mein erster Glücksmoment: „Jugend ohne Gott“. Den Roman von Öden von Horvath habe ich vor vielen Jahren im Deutschunterricht gelesen. In der Rolle des Lehrers Rockstroh ist Ulrich Mühe zu sehen. Mich hat Mühe schon nach wenigen Minuten gekriegt. Ganz im Gegenteil zur sehr viel neueren Verfilmung des … „Auf Schatzsuche“ weiterlesen

Von sich selbst berauscht

Die ARD setzt den Initiatoren der Leipziger Protestbewegung aus dem Herbst 1989 ein filmisches Denkmal. Die „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ ist ein Beitrag zum Erinnerungsdiskurs – allerdings ein mutloser, der dem Zuschauer wenig abverlangt. Die Rollen sind schnell verteilt (die Hippie-Umweltaktivisten sind die Guten, opportunistische Parteibonzen und der – natürlich – schmierige Stasi-Offizier die Bösen), für Zwischentöne ist wenig Platz. Die Feel-Good-Wir-retten-die-Welt-Story atmet den Geist der Fridays for Future Bewegung, der gerechte Kampf verkommt stellenweise zur Party. Ein Verdienst des Films: Er zeichnet … „Von sich selbst berauscht“ weiterlesen

So geht Aufarbeitung heute

Jetzt also auch auf Instagram. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – im Gründungsjahr 1998 erschien der etwas sperrige Name angesichts wenig ausgeprägter Internet-Aktivitäten wohl durchaus adäquat- hat ein neues Social-Media-Angebot etabliert. Auf dem „Bildungskanal ddr_verstehen finden sich gut recherchierte und modern gestaltete Posts“, „ebenso kurzweilig wie anschaulich“ bekommen junge Menschen zwischen 16 und 29 Informationen über die DDR. Selbst wenn man nicht (mehr) zur primären Zielgruppe gehört, lohnt es sich, einen Blick zu riskieren. Der Instagram-Ansatz hat nämlich durchaus seinen Charme, wenngleich der … „So geht Aufarbeitung heute“ weiterlesen

Die Platte rappt

Seit seinem Album #DIY ist er nicht mehr aus der deutschen Hip Hop Szene wegzudenken. Er hat Erfolg – obwohl oder gerade, weil er anders ist als seine Kollegen. Das mag auch mit seiner Herkunft zu tun haben. Stefan Richter alias Trettmann ist 1973 geboren. In Karl-Marx-Stadt. Er wächst in bescheidenen Verhältnissen auf, bringt sich selbst das Tanzen und das Singen bei, engagiert sich in der Jugendarbeit und jobbt am Bau, um sich den Traum von der Musikkarriere zu finanzieren. Trettmanns Sozialisation – das zeigt Luigi … „Die Platte rappt“ weiterlesen

Ost-Miminnen

„Starke Frauen aus Ostdeutschland“ heißt die neue Staffel der ZDF Kultur Reihe „FilmFrauen“. Vier Damen kommen in dem mit Einspielern durchsetzten Interview-Format zu Wort: Claudia Michelsen, Katrin Sass, Maria Ehrich und Carmen-Maja Antoni. Es geht um DDR- und Wende-Erfahrungen, persönliche Enttäuschungen, das Frauenbild in Ost und West und – natürlich – Corona bzw. den Stellenwert der Kultur in dieser Zeit. Erhellend ist vor allem der direkte Vergleich zwischen Ehrich (Jahrgang 1993) und Antoni (Jahrgang 1945): die eine jung, schön, glatt, die andere in ihren … „Ost-Miminnen“ weiterlesen

Vertontes Rollenbild

Kinderlieder sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Sie transportieren gesellschaftliche Idealtypen und Wertvorstellungen auf eingängige Weise. Ein DDR-Kinderlied, das für das weibliche Rollenbild durchaus einflussreich gewesen sein dürfte, ist „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“. Die Werktätigkeit der Frau im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstatt war ein zentrales Identitätsmotiv, das bis heute nachwirkt, auch in unseren Medienmenschen. West-sozialisierte Ohren verstört der Text dagegen bisweilen. Eine Annäherung. Wenn Mutti früh zur Arbeit geht,Dann bleibe ich zu Haus.Ich binde eine Schürze umUnd feg die Stube aus. Das Essen … „Vertontes Rollenbild“ weiterlesen

Ein bisschen gleicher

Ein Podcast des Mitteldeutschen Rundfunks beschäftigt sich mit Eliten in der DDR. Darunter ein Betriebsdirektor und ein Hochschullehrer. Vielleicht noch ein Parteisekretär und ein Richter. Medienmenschen sind bis dato nicht angekündigt. Da man aber durchaus davon ausgehen kann, dass etwa Journalisten Elitenstatus hatten, gibt der monatlich erscheinende Podcast einen Einblick in Arbeitsumfeld und Handlungsspielraum dieser Gesellschaftsschicht.  Den Anfang macht Bernd Sauer. Er war Betriebsdirektor der VEB Plaho in Steinach (Thüringen) und damit der Vorgesetzte für rund 1000 Menschen. Plaho steht für Plaste und Holz, … „Ein bisschen gleicher“ weiterlesen

Vermutlich grau

Die schwarze Version lautet: Die DDR war ein Stasi-Staat, alles und jeder wurde überwacht, man durfte niemandem trauen. Die weiße Version spricht von starkem Zusammenhalt, großer Hilfsbereitschaft und davon, dass man an der Stellung der Fernsehantenne erkannte, wem man was erzählen konnte. In der schwarzen Version waren auch einfache Mitarbeiter des MfS für den Stasi-Terror (mit)verantwortlich, während sie in der weißen Version einfach ihrer Arbeit als Friseure, Techniker oder Hausmeister nachgingen. In der Berliner Zeitung kam ein Vertreter dieser weißen Position zu Wort – … „Vermutlich grau“ weiterlesen

„Das ist DDR? Echt jetzt?“

Beim Rumgoogeln stößt meine 10-Jährige auf einen Film, den sie gerne sehen möchte: Alfons Zitterbacke. Daraufhin google ich rum, um rauszukriegen, ob der Streifen aus dem Jahr 2018 vielleicht auf dem von uns abonnierten Streaming-Kanal verfügbar ist. Und lerne, dass besagter Alfons in der DDR eine berühmte Kinderbuchfigur war (zu meiner Ehrenrettung sei auf meine urbayerische Herkunft verwiesen). Drei Klicks weiter lande ich bei einem Trailer der DEFA-Produktion aus dem Jahr 1966. Es folgt ein kleines Experiment. Ich schaue mir mit meiner Tochter zuerst … „„Das ist DDR? Echt jetzt?““ weiterlesen

Gefühlte Teilung

Sie wissen wenig bis nichts von der DDR. Aber sie wollen verstehen, warum Potsdam so ganz anders ist als München, warum sich ein Großteil der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse fühlt, warum die – finanzielle und soziale – Teilung immer noch spürbar ist. Journalismus-Studenten der niederländischen HU University of Applied Sciences Utrecht haben für das Deutschlandinstitut in Amsterdam einen Podcast erstellt, der vom Aufwachsen in Ostdeutschland nach dem Mauerfall handelt. Titel: „The Wall in our Heads“. Im Zentrum des Beitrags stehen zwei Medienmenschen, die … „Gefühlte Teilung“ weiterlesen

Seelenstriptease

Darüber reden bis es schmerzt. Sabine Michel und Dörte Grimm haben für ihr Buch „Die anderen Leben – Generationengespräche Ost“ Mütter, Väter, Wende-Töchter und Wende-Söhne aus der ehemaligen DDR an einen Tisch gebracht. Ein echter Seelenstriptease. Die Wendekinder fragen, klagen an, zeigen Verständnis, zollen Respekt. Die Eltern antworten, verteidigen sich, ringen mit sich, sind stolz. Ein Wessi wie ich fühlt sich an die Auseinandersetzungen erinnert, die es in der eigenen Familie gab, wenn es um die Rolle der Großeltern während der Nazi-Zeit ging. Auch … „Seelenstriptease“ weiterlesen

Sand in die Augen gestreut

Im Rahmen der Vorlesungsreihe zum „medialen Erbe der DDR“ haben sich gleich drei Studentinnen mit einem Klassiker beschäftigt: dem Sandmännchen. Aus gutem Grund. Kein anderes Format hat es geschafft, die Zeit nach 1989 so unbeschadet zu überstehen. Trotz einiger Anpassungen funktioniert der „Abendgruß“ immer noch so wie vor über 60 Jahren und ist damit ein zentraler Bestandteil deutsch-deutscher Erinnerungskultur. Julia T. M. Melles hat sich mit dem soziologischen Gehalt des Sandmännchens beschäftigt und im Rahmen ihrer Recherchen auch mit dem „Sandmännchen-Papst“ Volker Petzold gesprochen. Der … „Sand in die Augen gestreut“ weiterlesen

Ein Erbe für alle

Da ist eine junge Frau aus dem Westen, die die DDR lange Zeit nur mit der Mauer verband und sich ehrlicherweise nie für diesen “Stasi-Staat“ interessierte. Bis sie Good Bye Lenin sah. Und da ist eine ältere Frau, die ihre Kindheit in der DDR verbrachte, sie in Good Bye Lenin wiederentdeckte – und die DVD des Films einfach nicht wegschmeißen mag, obwohl sie gar kein Abspielgerät mehr dafür hat. Die ältere Frau gibt der jungen Frau die DVD für ihr Studienprojekt. Die junge Frau setzt sich mit … „Ein Erbe für alle“ weiterlesen

Der kleine Held der Arbeiterklasse

Zipfelmütze, Bart, immer ein Lächeln auf den Lippen. Putzig. Aber das Sandmännchen ist nicht nur ein sympathischer Medienstar, der die Kinder abends auf unterhaltsame Art und Weise ins Bett schickt. In dem Männchen steckt auch ein Pädagoge. Franziska Herz hat einen genaueren Blick auf die Funktion der Sendung geworfen und stellt fest, dass der Sandmann zu DDR-Zeiten einen festen Platz bei der kindgerechten Aufbereitung des real existierenden Sozialismus hatte. Etwa beim Besuch im Palast der Republik oder auf Weltraumtour mit dem Volkshelden Sigmund Jähn. … „Der kleine Held der Arbeiterklasse“ weiterlesen

Zensur-Detektor

Journalisten in der DDR waren Teil des politischen Systems – und hervorragend ausgebildete Medienprofis, die ihr Handwerk beherrschten. Hört sich für westliche Ohren nach einem Widerspruch an. Laura Feijóo wollte es genau wissen: Was bedeutete es, in der DDR als Journalist zu arbeiten? Welchen Einfluss hatten ZEK-Anweisungen und Zensur? Wie erlebten DDR-Journalisten den politischen Umbruch, wie nehmen sie die Medienlandschaft heute wahr, etwa im Hinblick auf die Berichterstattung über Ostdeutschland? Antworten bekam die Autorin von einer Frau, die noch am berühmten „Roten Kloster“ der … „Zensur-Detektor“ weiterlesen

Alles Doping, oder was?

DDR Sportler haben allein zwischen 1968 und 1988 bei Olympischen Spielen 192 Gold-, 165 Silber- und 162 Bronzemedaillen gewonnen – über doppelt so viele wie westdeutsche Athleten im selben Zeitraum. Doch diese Erfolge erscheinen heute angesichts der Berichterstattung über exzessives Doping und menschenverachtende Trainingsmethoden vielfach schal. Sophia Michaela Berner wollte einen Blick hinter die massenmedialen Kulissen werfen und befragte einen ehemaligen DDR-Bürger, der in seiner Jugend ein erfolgreicher Turner war. Seine Perspektive liefert auch positive Aspekte, etwa den Zusammenhalt im Verein, die finanzielle Unterstützung … „Alles Doping, oder was?“ weiterlesen

Wessis, hört die Signale

Was der Osten war oder ist, sagen uns vor allem Westdeutsche, in den Medien, in der Politik, in der Wissenschaft. Die westdeutsche Diskurshoheit hat direkten Einfluss auf die Art und Weise, wie wir uns an die DDR erinnern, welchen Stellenwert sie in unserer Geschichte einnimmt. Die Dominanz des Diktatur-Narrativs führt zu einer Abwertung ostdeutscher Lebensleistung und wirkt bis heute nach – nicht zuletzt im Zuge erstarkter rechtsnationaler Kräfte. 30 Jahre nach dem Mauerfall haben sich junge Ostdeutsche zusammengetan, um Sprechräume zu schaffen, die ein … „Wessis, hört die Signale“ weiterlesen

Neue Helden braucht das Land

Die Schriftstellerin Monika Maron ist ein ostdeutscher Medienmensch, ein prominenter noch dazu. Das macht sie und ihr Werk für uns interessant. In ihrem jüngsten Roman „Artur Lanz“ stellt sie eindeutige Bezüge zu ihrer DDR-Vergangenheit her. Die Ich-Erzählerin ist so wertvoll für den namensgebenden (Anti-)Helden des Buches, weil sie über Erfahrungen verfügt, die er nicht hat. Erfahrungen mit Propaganda, Zensur, Rädelsführern, Mitläufern, Denunziantentum, Ausgrenzung, Unterdrückung. Da ist er, der Ost-Blick, der nicht selten nüchterner, analytischer und ehrlicher ist als die durch den Anspruch an Haltung … „Neue Helden braucht das Land“ weiterlesen

Tanz um das sozialistische Kalb

Opfer, Opportunistin, Lebenskünstlerin, Genie. Die Tänzerin Gret Palucca ist eine schillernde Persönlichkeit, die durch ihr Wirken einen nachhaltigen Beitrag zum „medialen Erbe der DDR“ geleistet hat. Mara Heckmann hat sich mit der Frau beschäftigt, die sich gegen ein Leben im Westen und für eine Karriere im Osten Deutschlands entschied. Die durch geschicktes Taktieren ihrer Palucca Hochschule für Tanz Dresden das Überleben sicherte. Und die einen ganz eigenen Tanzstil entwickelte, der bis heute gelehrt und bewundert wird. Dabei war Ausdruckstanz in der DDR eigentlich verpönt – war … „Tanz um das sozialistische Kalb“ weiterlesen

Flashback per Mausklick

Musik ist ein zeitgeschichtliches Dokument – und ein Teil des kollektiven Gedächtnisses. Sie kann spontane Erinnerungen und Gefühle auslösen, die rational kaum zu erschließen sind. Lukas Joas beleuchtet diesen affektiven Effekt von DDR-Hits als Beitrag zum „medialen Erbe der DDR“. Materialbasis sind Nutzerkommentare unter YouTube-Videos bekannter Bands. Die inhaltsanalytische Herangehensweise erlaubt eine Kategorisierung. Joas unterscheidet Kommentare, die historische Details liefern, nostalgische Gefühle auslösen oder die Erfahrungen mit Unterdrückung und Zensur thematisieren. Es zeigt sich, dass die Kommentare authentische Einblicke in das Leben und Denken … „Flashback per Mausklick“ weiterlesen

Das DDR-Stigma

Man kennt sie nicht, man sieht sie nicht, man liest nichts über sie. Nur selten spielen DDR-Künstler im Diskurs eine Rolle und wenn, dann werden sie auf bekannte Narrative reduziert. Sogar von den eigenen Kollegen. Auftragskunst, Staatskunst, Diktaturkunst. Kein Beitrag zur politischen Veränderung. Mut- und kraftlos. Ohne Wert für heute. Ein ewiges Stigma. Dominik Bingger will das so nicht stehen lassen. Er beschäftigte sich deshalb im Rahmen der Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ mit DDR-Kunst und DDR-Künstlern und fand deutliche Bezüge zum monotonen … „Das DDR-Stigma“ weiterlesen

Die Nachwendekinder und der Helmut

Der Titel macht Sinn, ist aber erklärungsbedürftig. Der Ost-West-Podcast von Friederike Schicht (Ost) und Jule Wasabi (West) heißt „KOHL KIDS“. Kids, na ja. Wasabi und Schicht sind Ende 20 (sprechen aber jünger und gendern Gast in Gästin). Sie wurden nach dem Mauerfall geboren. Und deshalb auch der Kohl. Es ist nicht das Gemüse gemeint, sondern Helmut Kohl. Der Kanzler der Einheit, der mit den blühenden Landschaften. Der Kanzler der Nachwendekinder. Abgesehen vom Titel (schöne Alliteration, vermutlich wichtiger als ein weniger umständlicher Bezug) ist vom … „Die Nachwendekinder und der Helmut“ weiterlesen

Weniger „Wir sind wir“, mehr „Honigfrauen“

Sara Ritterbach Ciuró hat keine Beziehung zur ehemaligen DDR. Wie das im Osten heute so ist, kann sie nur schwer beurteilen. Aber die Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ hat ihr Interesse geweckt. An „Ost“-Liedern und an den Menschen aus dem Osten. An ihren Gefühlen, ihren Erinnerungen und ihren Blick auf Wende und Wiedervereinigung. Deshalb suchte die Studentin das Gespräch mit einer heute 50-jährigen ehemaligen DDR-Bürgerin. Und revidierte schließlich ihr ganz persönliches DDR-Bild – teilweise. Der Osten zweimal anders: in der Musik und der … „Weniger „Wir sind wir“, mehr „Honigfrauen““ weiterlesen

Der Sandmann und der kalte Krieg

Der Sandmann und der kalte Krieg Das Sandmännchen ist ein Klassiker. Für Kinder gemacht, avancierte die Vorabendsendung in den 1950er Jahren zum Politikum. Denn die Redakteurin, die das „Abendlied“ – den Vorläufer des Sandmännchens – ins DDR-Radio gebracht hatte, trieb einige Jahre nach ihrem Wechsel vom Berliner Rundfunk (Ost-Teil der Stadt) zum Sender Freies Berlin (SFB, West-Teil der Stadt) die Entwicklung eines ähnlichen Formats in Westdeutschland voran. Es kam zu einem Wettrennen, das die DDR-Fernsehleute für sich entschieden: Das Sandmännchen ging im Osten am … „Der Sandmann und der kalte Krieg“ weiterlesen

Der bessere DDR-Unterricht

Die DDR stand im Westen (und später auch in den neuen Bundesländern) selbstredend auf dem gymnasialen Stundenplan. Als Negativbeispiel für kommunistische Unterdrückung und ineffiziente Planwirtschaft. Daten und Fakten zur Wiedervereinigung. Dann in der 10. Klasse die Fahrt nach Berlin. Da bekam Sophie Engelhart erstmals ein Gefühl für die Vergangenheit, für das geteilte Deutschland. Viel hilfreicher waren die Gespräche der Autorin mit der Zeitzeugen in der eigenen Familie, der Großmutter, die kurz vor dem Mauerbau noch fliehen konnte. Ihre Erzählungen machten den in der Schule … „Der bessere DDR-Unterricht“ weiterlesen