Planet History

Author Archive for Daria Gordeeva

Eine Alternativgeschichte der Mauer

Als die Berliner Mauer am 13. August 1961 hochgezogen wurde, saßen Heinz Keßler und Fritz Streletz in der ersten Reihe. 50 Jahre später schilderten die beiden ranghöchsten DDR-Militärs ihren Blick auf die Ereignisse und konterten damit die tradierte Lesart. „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“, lautet die These auf dem Cover des Buches, das zum 60. Mauerbau-Jubiläum ein Revival erlebte. Im Vorwort zur Neuauflage prophezeit Streletz „Geschichtsverdrehungen (…), die um den 13. August 2021 ganz gewiss in den deutschen Medien verbreitet werden.“ Der … „Eine Alternativgeschichte der Mauer“ weiterlesen

Tod im Stasi-Sumpf

Franziska Stünkel möchte die Todesstrafe in der DDR im kollektiven Gedächtnis verankern und bringt die Geschichte der letzten vollstreckten Hinrichtung auf die Leinwände. Nahschuss ist der Titel und die Stasi ein verseuchter Sumpf, der jeden verschluckt, der hineinwatet. Franz Walter (Lars Eidinger) kann sein Glück kaum fassen: Traumfrau, Traumwohnung, Traumjob. Als junger Post-Doc darf er bald eine Wirtschaftsprofessur an der Berliner Humboldt-Universität übernehmen. „Es wird uns wahnsinnig gut gehen“, sagt Franz zu seiner Verlobten Corina (Luise Heyer). Aus den Plattenspielerboxen in ihrer neuen, schick … „Tod im Stasi-Sumpf“ weiterlesen

Kommunikatives Gedächtnis verfilmt

Wer nach Filmen über die DDR sucht, stößt beim Stöbern im DOK.fest-Programm auf Heimatkunde (2021). Regisseur Christian Bäucker weckt seine alte Schule im brandenburgischen Bärenklau aus dem „Dornröschenschlaf“. Ehemalige Schüler und Lehrer füllen das Gebäude mit Leben. Sie reden, lachen, weinen, denken nach, lauschen alten Schallplatten, blättern in Lehrbüchern und Schulheften, verfallen der Nostalgie oder der Empörung. Ihre Erinnerungen sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Der Film zeigt: Um spannend und differenziert über die Vergangenheit zu erzählen, braucht es weder einen gemeinsamen … „Kommunikatives Gedächtnis verfilmt“ weiterlesen

Die DDR in „Ku’damm 63“

Nach „Ku’damm 56“ und „Ku’damm 59“ nimmt die dritte Staffel der ZDF-Saga das Publikum mit ins Jahr 1963. Die Emanzipationsgeschichte der Schöllack-Schwestern wird mit neuen Herausforderungen gefüllt, und auch ihre Ehemänner müssen einiges durchmachen. Mitten durch die Stadt läuft die Mauer und trennt seit zwei Jahren Kudammer von Pankowern. Der erfolgreiche junge Anwalt Wolfgang von Boost verlässt West-Berlin in Richtung Osten. Freiwillig. Wagt das ZDF einen neuen Blick auf die DDR? Weit gefehlt. Fünf Minuten grün-grau Nicht einmal fünf Minuten spielt der viereinhalbstündige Dreiteiler … „Die DDR in „Ku’damm 63““ weiterlesen

Andreas Dresen und die DDR-DNA

Wenn Hans-Dieter Schütt und Andreas Dresen aufeinandertreffen, ergibt sich eine Art „perfect match“. Ein Parteijournalist, dessen Karriere-Höhenflug mit dem Sturz der SED-Regierung endete, und ein Regisseur, dessen Berufsleben erst kurz nach dem Mauerfall begann. Schütt stellt neugierig Fragen, Dresen gibt ausführliche Antworten, die immer eine persönliche Note bekommen. Aus dieser Begegnung entsteht ein Gespräch über eine Gefühls- und Lebensart, bei der die DDR-DNA immer mitschwingt. Hans-Dieter Schütt: Andreas Dresen. Glücks Spiel. Porträt eines Regisseurs. Berlin: be.bra verlag 2020 Eine Rezension von Daria Gordeeva Im … „Andreas Dresen und die DDR-DNA“ weiterlesen

Die autoimmune Krankheit der DDR

Der Spielfilm Kranke Geschäfte erscheint im Umfeld des 30. Jubiläums der Wiedervereinigung. Erstausstrahlung zur Primetime auf Arte (25.9.) und im ZDF (28.9.), bis September 2021 in der Mediathek verfügbar. Nach Deutschland 86 kommt hiermit ein weiterer Film, der über Medikamentenversuche in der DDR erzählt und die Seilschaften zwischen DDR-Regierung, Kliniken und westlichen Pharmakonzernen aufzeigt. Kranke Geschäfte bemüht sich um einen ambivalenten Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte, doch eins schafft der Film nicht: sich vom „Problemkind DDR“-Narrativ zu lösen. Vom „Schild und Schwert“ zum Störfeuer … „Die autoimmune Krankheit der DDR“ weiterlesen

Das ZDF, der MDR und der DDR-Alltag

Wenn sich die Spielfilme an das Thema „DDR“ wagen, erzählen sie spektakuläre Geschichten über die Grausamkeiten der Diktatur. Im Wettlauf um Fördergelder und die Aufmerksamkeit des Publikums bleibt der „ganz normale Alltag“ ein blinder Fleck. Dokumentarfilme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks versuchen, diese Lücke zu schließen. Faktenbasiert, ausgewogen, unparteiisch? Fehlanzeige. Auch dort wird um Deutungsmacht über die DDR-Geschichte gerungen. „Spirit of 76“ ist am Start. Der Countdown läuft. Drei, zwei, eins… Los! Doch die Reise zu den Sternen endet nach nicht einmal einem Meter. In einem … „Das ZDF, der MDR und der DDR-Alltag“ weiterlesen

Die gängigen Narrative herausfordern

Seit Dezember 2018 gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in München, Potsdam und Berlin dem medialen Erbe der DDR auf den Grund. Nach anderthalb Jahren Archivrecherchen und Medienanalysen präsentieren Kolleginnen und Kollegen vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) ihre ersten Ergebnisse auf dem Portal zeitgeschichte|online. Vier lesenswerte Beiträge stellen die gängigen Narrative der DDR-Forschung auf den Prüfstand und warnen: Vorsicht vor zu schnellen Urteilen im Eifer der Kritik. September 2019. Nach der Premiere des digitalen Schmalfilm-Archivs „Open Memory Box“ gab Ilka Brombach den Startschuss für das … „Die gängigen Narrative herausfordern“ weiterlesen

Die Vorlesung im Zeichen von Corona: Läuft!

Gestern, am 23. April 2020, hätte Michael Meyen den Startschuss für die Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“ geben sollen, im ehemaligen Gebäude von Radio Free Europe am Englischen Garten. Doch Corona und Markus Söder diktieren seit Wochen auch den Uni-Alltag. Zum Start des Sommersemesters heißt es: alles digital. Und wir müssen das „Neuland“ entdecken. Hier die ersten Einblicke in eine Vorlesung im Zeichen der Corona-Krise. Als wir im Spätsommer 2019 angefangen haben, die Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“ zu konzipieren, hat noch … „Die Vorlesung im Zeichen von Corona: Läuft!“ weiterlesen

Im Osten nichts Neues: Von Ostalgikern, Tätern, Opfern und der DDR-Pleite

„Die verschwundene Heimat. Wie sich der Osten an die DDR erinnert.“ Der Titel einer 45-minütigen Doku in der ARD-Mediathek klingt vielversprechend. Wer nun, so wie ich, eine breite Palette von DDR-Erinnerungen erwartet, wird jedoch enttäuscht sein. Spätestens nach der Hälfte des von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Films wird klar: Hinter „dem Osten“ verbergen sich drollige Ostalgiker, Opfer des DDR-Regimes und ehemalige Funktionäre aka Täter. Trotz der Stimmenvielfalt (17 Interviewte!) erzählt der Film im Grunde nichts Neues und bewegt sich im gewohnten … „Im Osten nichts Neues: Von Ostalgikern, Tätern, Opfern und der DDR-Pleite“ weiterlesen

LMU-Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“

Am 23. April 2020 startet die Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“ an der LMU. Ziele und Inhalt Die DDR lebt – zumindest in medialen Repräsentationen und damit nicht nur in den Köpfen von denen, die in diesem Land gelebt haben. Die Vorlesungsreihe fragt nach diesem „medialen Erbe“: Wie sieht die DDR aus, die uns in Schulbüchern präsentiert wird, in Museen, in Filmen, auf digitalen Plattformen? Was ist aus den Zeitungen geworden, die in der DDR erschienen sind, was aus den Buchverlagen, die es … „LMU-Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR““ weiterlesen

„Freies Land“ (2020): Buddy-Cops im Wilden Osten und keine Versöhnung in Sicht

Der Nachwendethriller „Freies Land“ (2020) versetzt den Zuschauer nach Mecklenburg-Vorpommern, ins Jahr 1992. Vor einer düsteren Kulisse, die sehr stark an Louisianas Sümpfe aus „True Detective“ erinnert, sind zwei Teenie-Schwestern spurlos verschwunden. Um den Fall aufzuklären, wird ein Ermittlerduo beauftragt, das noch vor drei Jahren nie zusammengekommen wäre: ein West- und ein Ostkommissar. Der Regisseur Christian Alvart, bekannt für Til-Schweiger-„Tatorte“ und die Netflix-Serie „Dogs of Berlin“, erzählt eine packende Krimigeschichte und berührt dabei Themen, über die man – zumindest im Film – ungern redet: … „„Freies Land“ (2020): Buddy-Cops im Wilden Osten und keine Versöhnung in Sicht“ weiterlesen

Lückenforschung: BMBF-Tagung zur DDR-Forschung

30 Jahre nach dem Mauerfall zieht der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk eine beunruhigende Bilanz: Der DDR-Diskurs zerfalle in zwei Großgruppen. Während die eine alles weiß malt und die DDR öffentlich mehr verteidigt, „als sie es untereinander am Biertisch wohl tatsächlich“ tut, geißelt die andere „noch den Kindergartennachttopf als ideologische Umerziehungsmaßnahme“ (Kowalczuk 2019: 205). Die gute Nachricht: Es geht auch anders, zumindest in der Wissenschaft. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert gerade 14 Forschungsverbünde zum Thema. Der Auftakt in Leipzig zeigt: „Grautöne“ und Erfahrungsräume, … „Lückenforschung: BMBF-Tagung zur DDR-Forschung“ weiterlesen

Die Poesie des Ostens

Die Sehnsucht nach Freiheit hat „Ostrock“ hervorgebracht, meint Ostrock-Ikone Dirk Michaelis, der Kopf der DDR-Band Karussell, Komponist und Sänger der Wendehymne „Als ich fortging“. Am 10. November 1989 trat er im Palast der Republik auf: „Im Saal herrschte eine Mischung aus Hoffnung und dem unbezwingbaren Glauben, dass jetzt das Größte und Beste passiert, was wir uns vorstellen können: Beide Systeme werden einen Weg finden, das jeweils Beste herauszufiltern und zusammenzuführen. Wir dachten, wir würden jetzt das tollste Land der Welt.“ Michaelis gibt zu: Die … „Die Poesie des Ostens“ weiterlesen