Planet History

Autor: Ingolf Seidel

Verflechtungen – Widersprüche – Diskontinuitäten – Möglichkeitsräume. Von Rassismus- und Antisemitismuskritik in Bildung und Forschung

Die Oktobernummer des LaG-Magazins wurde in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und dem Projekt Roma Respekt der Heinrich Böll Stiftung Sachsen erstellt.
Thematisch steht dieses Mal die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und insbesondere mit Antiziganismus und Fragestellungen rund um ein Empowerment der betroffenen Minderheiten im Mittelpunkt.
Die Ergebnisse der Bundestagswahl zeigen die Notwendigkeit und Dringlichkeit auf, sich mit diesen Ideologien zu befassen. Der Einzug von Personen in den Bundestag, die für ein völkisch-nationalistisches Denken eintreten, rassistische und antisemitische Weltbilder verbreiten sowie geschichtsrevisionistische Positionen vertreten, stellt eine Zäsur dar. Eine breite gesellschaftliche Antwort auf diese bereits länger absehbare Entwicklung steht noch aus. Bildungsarbeit kann hierzu nur einen Teilbeitrag leisten. Dieser ist weder zu unterschätzen, noch überzubewerten, stammen doch die Ressentimentstrukturen aus der häufig angeführten Mitte der Gesellschaft. Anders gesagt werden Rassismus und Antisemitismus gesamtgesellschaftlich produziert und reproduziert. Durch Empowermentkonzepte können die Ressourcen und Potenziale der von durch Antisemitismus und/oder Rassismus betroffenen Menschen gestärkt werden und so zu erweiterten Handlungsspielräumen der Minderheiten gegenüber der Dominanzgesellschaft führen. Empowerment bedeutet aber auch, nicht allein aus einer gesellschaftlichen Mehrheitsposition heraus über die Situation von Minderheiten zu arbeiten, denn gerade Selbstermächtigung ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts.
Die hier versammelten Aufsätze zeigen auch die Notwendigkeit einer antisemitismusmuskritischen Analyse auf Grundlage einer psychoanalytischen Sozialpsychologie auf, die einen Ansatz repräsentiert, der auch eine Grundlage zur Reflexion der gesellschaftlichen Gebundenheit von (historisch-)politischer Bildung ermöglicht.
Marina Chernivsky weits auf unterschiedliche Mechanismen hin mit denen Antisemitismus gesellschaftlich de-thematisiert wird, weil er fälschlicherweise als überwunden gilt. Dies findet seinen Niederschlag auch in der Pädagogik und in der scheinbar selbstverständlichen Ausblendung jüdischer Präsenz. Aus diesen Befunden leitet die Autorin die Notwendigkeit von Empowermenträumen ab.
Astrid Messerschmidt setzt sich mit dem Antisemitismus als „Gerücht über die Juden“ (Adorno) vor dem Hintergrund der Migrationsgesellschaft auseinander. Sie zeigt die Abwehrmechanismen auf, die eine Thematisierung des pathischen Judenhasses mit sich bringt; auch und gerade dort, wo es um den Nahostkonflikt geht. Die Autorin verweist auf den kontraproduktiven Effekt, dass dominanzgesellschaftliche Perspektiven in Bildungskontexten reproduziert werden, solange sie nicht benannt und problematisiert werden.
In seinem wissenssoziologisch fundierten Beitrag untersucht Max Czollek die Entstehung des frühen christlichen Antijudaismus/Antisemitismus. Czollek geht davon aus, dass die Produktion eines Wissens über ‚die Juden’ bereits im ersten Jahrhundert einsetzte und mit der Festigung des Christentums ein Bestandteil einer umfassenden und universellen Weltanschauung wurde. Dieses ‚Wissen’ blieb über die Jahrhunderte strukturell verfüg- und abrufbar und wurde beständig aktualisiert.
Das Thema von Meron Mendel und Tom David Uhlig ist Antisemitismus in der postkolonialen Theorie und den dazugehörigen Zusammenhängen. Der Aufsatz macht deutlich, dass Selbstermächtigung, wenn sie alleine partikular gedacht wird, deutlich antiemanzipatorische Effekte zeitigen kann. Die Autoren markieren die Grenze der postkolonialen Kritik, die in erster Linie kolonialrassistische Konstruktionen thematisiert und an der Besonderheit des modernen Antisemitismus als umfassender Welterklärung vorbeizielt. Vonnöten wäre nicht nur ein stärkerer Austausch zwischen Kolonialismus- und Antisemitismusforschung, sondern auch eine Pädagogik, die auf beiden Feldern arbeitet, ohne die jeweiligen Besonderheiten von Antisemitismus und Rassismus einzuebnen.
Die Arbeitsdefinition zu Antiziganismus, die von der Allianz gegen Antiziganismusaufgestellt wurde, stellt selbst ein Dokument von Empowerment dar. Die Arbeitsdefinition geht auf den sozialen Konstruktcharakter der Bilder ein, die von denjenigen existieren, die mit dem Stigma „Zigeuner“ belegt werden und verweist auf die strukturellen Diskriminierungen wie auf die gewaltförmigen Praxen, die aus dem antiziganistischen Weltbild der Mehrheit resultieren.

Das LaG-Magazin im September zu „Geschichtsunterricht. Ein Schulfach in der Krise?“ ist erschienen

Die erste LaG-Magazin nach der Sommerpause ist in enger Zusammenarbeit mit dem Fachverband „Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD)“ entstanden. 
Die KDG richtet in diesem Jahr ihre 22. Zweijahrestagung unter dem Leitthema „Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert. Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung“ aus. Die Veranstaltung findet vom 28. bis 30. September in Berlin statt. Auf der eingerichteten Tagungswebseite finden Sie unter http://www.kgd2017.de alle relevanten Informationen zum Programm und den Akteuren.
Das LaG-Magazin bietet drei ausgewählte Texte für die Diskussion um die Zukunft des Schulfachs Geschichte. Dabei sind wir von unserem üblichen Format abgewichen.
Carmen Ludwig und Sven Tetzlaff werten mit ihrem einleitenden Beitrag den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2016/2017 zum Thema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“aus. Die dabei eingereichten Beiträge von Jugendlichen befassen sich vielfach mit Wertefragen, aber auch mit Verfolgung aufgrund religiöser Zugehörigkeit und dem Verhältnis von Kirche und Staat oder mit religiösen Traditionen und Bräuchen. 
In seiner Presseschau zeichnet Thomas Sandkühler den medialen Diskurs um die Ausrichtung des Geschichtsunterrichts in den Printmedien und Teilen des Internets nach. Der Autor geht dabei Fragen um den Zustand und die Leistungsfähigkeit des Geschichtsunterrichts und seiner Zweckhaftigkeit auch jenseits der deutschen Debatte nach.
Guido Lenkeit setzt sich mit Blick auf Statistiken mit der Frage auseinander, ob und ggf. inwiefern von der vielfach behaupteten Krise des Schulfachs Geschichte gesprochen werden kann.
Wir möchten uns bei den Autor_innen für ihre Beiträge bedanken. Ein besonderer Dank gebührt Professor Thomas Sandkühler, dem Vorsitzenden der KGD, für seine intensive Mitarbeit und Unterstützung dieser Magazinausgabe.
Das nächste LaG-Magazin erscheint am 2. Oktober und trägt die Überschrift „Verflechtungen – Widersprüche – Diskontinuitäten – Möglichkeitsräume. Von Rassismus- und Antisemitismuskritik in Bildung und Forschung“.

Das LaG-Magazin im September zu „Geschichtsunterricht. Ein Schulfach in der Krise?“ ist erschienen

Die erste LaG-Magazin nach der Sommerpause ist in enger Zusammenarbeit mit dem Fachverband „Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD)“ entstanden. 
Die KDG richtet in diesem Jahr ihre 22. Zweijahrestagung unter dem Leitthema „Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert. Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung“ aus. Die Veranstaltung findet vom 28. bis 30. September in Berlin statt. Auf der eingerichteten Tagungswebseite finden Sie unter http://www.kgd2017.de alle relevanten Informationen zum Programm und den Akteuren.
Das LaG-Magazin bietet drei ausgewählte Texte für die Diskussion um die Zukunft des Schulfachs Geschichte. Dabei sind wir von unserem üblichen Format abgewichen.
Carmen Ludwig und Sven Tetzlaff werten mit ihrem einleitenden Beitrag den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2016/2017 zum Thema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“aus. Die dabei eingereichten Beiträge von Jugendlichen befassen sich vielfach mit Wertefragen, aber auch mit Verfolgung aufgrund religiöser Zugehörigkeit und dem Verhältnis von Kirche und Staat oder mit religiösen Traditionen und Bräuchen. 
In seiner Presseschau zeichnet Thomas Sandkühler den medialen Diskurs um die Ausrichtung des Geschichtsunterrichts in den Printmedien und Teilen des Internets nach. Der Autor geht dabei Fragen um den Zustand und die Leistungsfähigkeit des Geschichtsunterrichts und seiner Zweckhaftigkeit auch jenseits der deutschen Debatte nach.
Guido Lenkeit setzt sich mit Blick auf Statistiken mit der Frage auseinander, ob und ggf. inwiefern von der vielfach behaupteten Krise des Schulfachs Geschichte gesprochen werden kann.
Wir möchten uns bei den Autor_innen für ihre Beiträge bedanken. Ein besonderer Dank gebührt Professor Thomas Sandkühler, dem Vorsitzenden der KGD, für seine intensive Mitarbeit und Unterstützung dieser Magazinausgabe.
Das nächste LaG-Magazin erscheint am 2. Oktober und trägt die Überschrift „Verflechtungen – Widersprüche – Diskontinuitäten – Möglichkeitsräume. Von Rassismus- und Antisemitismuskritik in Bildung und Forschung“.

LaG-Magazin „Widerstand gegen den NS-Staat und deutsche Besatzung“

Die letzte Ausgabe des LaG-Magazins vor der Sommerpause beschäftigt sich mit dem Thema „Widerstand gegen den Nationalsozialismus und deutsche Besatzung“. Dies geschieht ausgesprochen ausschnitthaft angesichts der vielfältigen Formen von Widerstand und Verweigerung in den von Deutschen besetzten Ländern und in Deutschland. So fehlt beispielsweise der Bezug auf Formen des jüdischen Widerstands. Diesem Thema wurde bereits eine gesonderte Ausgabe des LaG-Magazins gewidmet.
Das aktuelle Magazin reiht sich ein in das Jahresthema unseres Kooperationspartners, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 
Kritische Untersuchungen und gesellschaftliche Auseinandersetzungen in den vergangenen Jahren haben die vielfach heroischen Narrative über Widerstandshandlungen und -organisationen in den ehemals besetzten Ländern hinterfragt. Gleichzeitig werden, vor allem in Mittel- und Osteuropa, alte und neue Geschichtsbilder konstruiert, die auf einer Mythologisierung von eigenem nationalen Widerstand und Leid unter wechselnder deutscher und sowjetischer Besatzung beruhen. Ideologisch instrumentelle Formen des Gebrauchs von Geschichte – wie jüngst geäußert durch die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo, die aus Auschwitz meint die Lehre ziehen zu können, dass Sicherheit und Leben der polnischen Bevölkerung gegen geflüchtete Menschen zu schützen seien – werden zwar immer wieder skandalisiert. Gleichzeitig sind deutliche Verschiebungen dessen, was an geschichtsrelativierenden Äußerungen als sagbar gilt, festzustellen. Den Hintergrund liefert ein Geschichtsbild, dass auf einem zugleich selbst viktimisierenden, als auch heroisierendem Nationenmythos beruht. 
Etienne Schinkel zeigt in seiner Untersuchung über die Darstellung der Männer vom 20. Juli 1944 auf, dass deren unterschiedliche Verstrickungen in die NS-Ideologie und ihr Gesellschaftsverständnis in Schulgeschichtsbüchern nicht aufgezeigt werden. 
Wiebke Elias, Gisela Ewe und Ulrike Jensen berichten über ein Radioprojekt zu Widerstand im Nationalsozialismus mit starkem Gegenwartsbezug, das mit Jugendlichen an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme durchgeführt wurde. 
Katrin Reichelt widmet sich der Kollaboration im deutsch besetzten Lettland, zeigt deren Dimension auf. Sie thematisiert auch Akte von Unterstützung und Solidarität seitens der lettischen Mehrheitsbevölkerung gegenüber verfolgten Jüdinnen und Juden, die jedoch zahlenmäßig gering blieben. 
Arthur Osinski schreibt aus einer polnischen Perspektive zur Rolle des polnischen Untergrundstaates und über die aus seiner Sicht beschränkten Möglichkeiten zur Rettung von Jüdinnen und Juden. 
Das nächste LaG-Magazin erscheint in Zusammenarbeit mit der Konferenz für Geschichtsdidaktik am 11. September 2017. Abweichend von unserem üblichen Erscheinungstag ist dies ein Montag.
Die Zweijahrestagung der Konferenz für Geschichtsdidaktik steht unter dem Leitthema „Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert. Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung“ und findet vom 28. bis 30. September 2017 in Berlin statt.

Bildungsarbeit zum Thema Nationalsozialismus mit und für Geflüchtete?

Nicht nur auf dem Feld der (historisch-)politischen Bildung wird seit dem Sommer 2015 diskutiert, ob und wie historisches Lernen zum Nationalsozialismus ein besonderes Thema von Bildungsarbeit mit geflüchteten Menschen sein soll. So hatten die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sich dafür ausgesprochen, mit Geflüchteten KZ-Gedenkstätten zu besuchen, um deren angenommenen Antisemitismus entgegenzuwirken. An solchen und ähnlichen Forderungen ist Verschiedenes problematisch. 
Geflüchtete sind keine homogene Gruppe. Ob sie über antisemitische Einstellungen verfügen, ist eine Annahme, wenn auch eine nicht vollkommen unbegründete angesichts des Umstandes, dass vor allem ein israelbezogener Antisemitismus in Ländern wie Syrien oder Afghanistan weit verbreitet ist. Empirische Einstellungsuntersuchungen liegen nicht vor. Für die Bildungsarbeit bedeutet das, wie immer, auf die Einzelnen zu schauen. Und es ist zu berücksichtigen, dass viele Menschen gerade vor den Zuständen in diesen Ländern fliehen.
Wieviel historisch-politische Bildung zum Nationalsozialismus und zur Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden in Bezug auf aktuelle antisemitische Einstellungen zu bewirken vermag, ist fraglich. Hier gehen die Ansichten im beruflichen Feld auseinander. Wenig strittig ist allerdings, dass ein isolierter Gedenkstättenbesuch dazu ungeeignet ist.
Dazu kommt, dass im breiteren öffentlichen Diskurs die Gefahr auftritt, von antisemitischen Haltungen der eingesessenen Mehrheitsbevölkerung abzulenken, wenn suggeriert wird, Geflüchtete, oder auch Muslime, seien die vorrangigen Träger_innen judenfeindlicher Stereotype.
Diese Einwände sprechen selbstverständlich nicht gegen pädagogische Angebote zur Auseinandersetzung mit dem NS für und mit Geflüchteten. Sie sollten in erster Linie nur nicht als Eintrittskarte in die bundesdeutsche Gesellschaft verstanden werden.
In dieser Ausgabe favorisieren Kolleginnen und Kollegen auf verschiedene Weise die Thematisierung von Flucht im Kontext von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg in ihren Bildungsangeboten. Diese Herangehensweise bietet unter anderem den Vorteil, dass die historischen Ereignisse nicht auf Europa eingegrenzt werden.
Am Beispiel einer Workshopreihe mit syrischen geflüchteten Frauen zu „Frauen im Nationalsozialismus“ reflektiert Elke Gryglewski Grundlagen und Anforderungen einer Bildungsarbeit mit Geflüchteten.
Barbara Kirschbaum schreibt darüber, welche Angebote für Geflüchtete das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln anbietet. Dabei rückt sie in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen, dass Menschen mit Flucht und Gewalterfahrungen nicht nur traumatisiert sind, sondern auch Expert_innen im Überlebenskampf.
Wie das Berliner Anne Frank Zentrum Flucht und Migration in seiner Arbeit thematisiert und welche didaktischen Überlegungen den Angeboten für Geflüchtete zugrunde liegen, dazu äußern sich Bianca Ely und Johannes Westphal.
Barbara Köster berichtet darüber, welche Wege die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas geht, um mit Geflüchteten aus Willkommensklassen zu arbeiten.
In seiner Betrachtung von Bildungsmaterialien zu Flucht und Migration macht David Zolldan auf die Problematiken von vereinfachenden Analogiebildungen und fehlenden historische Tiefendimensionen aufmerksam.
Jennifer Farber und Jens Hecker stellen das Netzwerk „Räume öffnen“ vor sowie dessen Diskussionen zu einer rassismuskritischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus. Mit ihrem Beitrag geben die Autor_innen zugleich einen Einblick in aktuelle gedenkstättenpädagogische Diskussionen.
Den community- und kunstorientierten Ansatz von Gemeinschafts-Dialogen des Alexander Hauses in Groß Glienicke stell Julia Haebler vor.
Das nächste LaG-Magazin erscheint am 28. Juni. Es trägt den Titel „Widerstand gegen den NS-Staat und deutsche Besatzung“.

Bildungsarbeit zum Thema Nationalsozialismus mit und für Geflüchtete?

Nicht nur auf dem Feld der (historisch-)politischen Bildung wird seit dem Sommer 2015 diskutiert, ob und wie historisches Lernen zum Nationalsozialismus ein besonderes Thema von Bildungsarbeit mit geflüchteten Menschen sein soll. So hatten die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sich dafür ausgesprochen, mit Geflüchteten KZ-Gedenkstätten zu besuchen, um deren angenommenen Antisemitismus entgegenzuwirken. An solchen und ähnlichen Forderungen ist Verschiedenes problematisch. 
Geflüchtete sind keine homogene Gruppe. Ob sie über antisemitische Einstellungen verfügen, ist eine Annahme, wenn auch eine nicht vollkommen unbegründete angesichts des Umstandes, dass vor allem ein israelbezogener Antisemitismus in Ländern wie Syrien oder Afghanistan weit verbreitet ist. Empirische Einstellungsuntersuchungen liegen nicht vor. Für die Bildungsarbeit bedeutet das, wie immer, auf die Einzelnen zu schauen. Und es ist zu berücksichtigen, dass viele Menschen gerade vor den Zuständen in diesen Ländern fliehen.
Wieviel historisch-politische Bildung zum Nationalsozialismus und zur Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden in Bezug auf aktuelle antisemitische Einstellungen zu bewirken vermag, ist fraglich. Hier gehen die Ansichten im beruflichen Feld auseinander. Wenig strittig ist allerdings, dass ein isolierter Gedenkstättenbesuch dazu ungeeignet ist.
Dazu kommt, dass im breiteren öffentlichen Diskurs die Gefahr auftritt, von antisemitischen Haltungen der eingesessenen Mehrheitsbevölkerung abzulenken, wenn suggeriert wird, Geflüchtete, oder auch Muslime, seien die vorrangigen Träger_innen judenfeindlicher Stereotype.
Diese Einwände sprechen selbstverständlich nicht gegen pädagogische Angebote zur Auseinandersetzung mit dem NS für und mit Geflüchteten. Sie sollten in erster Linie nur nicht als Eintrittskarte in die bundesdeutsche Gesellschaft verstanden werden.
In dieser Ausgabe favorisieren Kolleginnen und Kollegen auf verschiedene Weise die Thematisierung von Flucht im Kontext von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg in ihren Bildungsangeboten. Diese Herangehensweise bietet unter anderem den Vorteil, dass die historischen Ereignisse nicht auf Europa eingegrenzt werden.
Am Beispiel einer Workshopreihe mit syrischen geflüchteten Frauen zu „Frauen im Nationalsozialismus“ reflektiert Elke Gryglewski Grundlagen und Anforderungen einer Bildungsarbeit mit Geflüchteten.
Barbara Kirschbaum schreibt darüber, welche Angebote für Geflüchtete das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln anbietet. Dabei rückt sie in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen, dass Menschen mit Flucht und Gewalterfahrungen nicht nur traumatisiert sind, sondern auch Expert_innen im Überlebenskampf.
Wie das Berliner Anne Frank Zentrum Flucht und Migration in seiner Arbeit thematisiert und welche didaktischen Überlegungen den Angeboten für Geflüchtete zugrunde liegen, dazu äußern sich Bianca Ely und Johannes Westphal.
Barbara Köster berichtet darüber, welche Wege die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas geht, um mit Geflüchteten aus Willkommensklassen zu arbeiten.
In seiner Betrachtung von Bildungsmaterialien zu Flucht und Migration macht David Zolldan auf die Problematiken von vereinfachenden Analogiebildungen und fehlenden historische Tiefendimensionen aufmerksam.
Jennifer Farber und Jens Hecker stellen das Netzwerk „Räume öffnen“ vor sowie dessen Diskussionen zu einer rassismuskritischen Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus. Mit ihrem Beitrag geben die Autor_innen zugleich einen Einblick in aktuelle gedenkstättenpädagogische Diskussionen.
Den community- und kunstorientierten Ansatz von Gemeinschafts-Dialogen des Alexander Hauses in Groß Glienicke stell Julia Haebler vor.
Das nächste LaG-Magazin erscheint am 28. Juni. Es trägt den Titel „Widerstand gegen den NS-Staat und deutsche Besatzung“.

LaG-Magazin „Der »Große Terror« in der Sowjetunion“

Im Zentrum der März-Ausgabe des LaG-Magazins steht titelgebend der „Große Terror“ in der stalinistischen Sowjetunion als eines der Themen, die sowohl im schulischen Lernen als auch in der außerschulischen historisch-politischen Bildungsarbeit wenig behandelt werden. Auch im heutigen Russland findet eine Aufarbeitung der menschenverachtenden Schauprozesse aus den Jahren 1936, 1937 und 1938 kaum statt. Insofern möchten wir Sie mit dem aktuellen Magazin ermuntern sich im Rahmen der Geschichtsvermittlung mit diesem historischen Thema zu befassen.
 
Wie im LaG-Magazin üblich führen drei Diskussionsbeiträge in das Thema ein. Im zweiten Teil stellen wir Materialien und Fachbücher vor, die aus unserer Perspektive zur Vertiefung geeignet sind.
 
Einen ersten Überblick gibt Christoph Jünke. Er macht in seinem Aufsatz unter anderem darauf aufmerksam, dass es sich bei den Prozessen nur um die Spitze des Eisberges einer landesweiten Verfolgung handelte, die Angehörige aus allen Schichten der Gesellschaft traf.
 
Die einzelnen Prozesse, ihre Dynamik und wesentliche Akteure behandelt vertiefend Wladislaw Hedeler. Er geht auch auf die immer noch ausstehende gründliche Aufarbeitung des „Großen Terrors“ ein.
 
Marcel Bois zeigt schließlich, dass auch Mitglieder der KPD Opfer der Säuberungen wurden. Dazu gehören auch Kommunist_innen, die vor der nationalsozialistischen Verfolgung in die für sie scheinbar sichere Sowjetunion geflohen sind.
 
Wir bedanken uns bei den Autoren für die eingebrachten Aufsätze.
 
IN EIGENER SACHE
Bei der Sonderausgabe des LaG-Magazins gab es ein technisches Problem mit der Verschickung des E-Mail-Newsletters an die Abonnent_innen. Die Besprechung des Buches „Die Todesmärsche 1944/45“ von Daniel Blatman durch Nadja Grintzewitsch wurde nicht in der E-Mail aufgeführt. Wir möchten uns dafür entschuldigen.
Für das vorliegende LaG-Magazin wünschen wir Ihnen eine interessante Lektüre.
 
Die nächste Ausgabe erscheint am 26. April. Sie trägt den Titel „Die Aktualität von Antiziganismus. Stereotype, Problemlagen und Gegenmaßnahmen“.
 
Ihre LaG-Redaktion

LaG-Magazin „Der »Große Terror« in der Sowjetunion“

Im Zentrum der März-Ausgabe des LaG-Magazins steht titelgebend der „Große Terror“ in der stalinistischen Sowjetunion als eines der Themen, die sowohl im schulischen Lernen als auch in der außerschulischen historisch-politischen Bildungsarbeit wenig behandelt werden. Auch im heutigen Russland findet eine Aufarbeitung der menschenverachtenden Schauprozesse aus den Jahren 1936, 1937 und 1938 kaum statt. Insofern möchten wir Sie mit dem aktuellen Magazin ermuntern sich im Rahmen der Geschichtsvermittlung mit diesem historischen Thema zu befassen.
 
Wie im LaG-Magazin üblich führen drei Diskussionsbeiträge in das Thema ein. Im zweiten Teil stellen wir Materialien und Fachbücher vor, die aus unserer Perspektive zur Vertiefung geeignet sind.
 
Einen ersten Überblick gibt Christoph Jünke. Er macht in seinem Aufsatz unter anderem darauf aufmerksam, dass es sich bei den Prozessen nur um die Spitze des Eisberges einer landesweiten Verfolgung handelte, die Angehörige aus allen Schichten der Gesellschaft traf.
 
Die einzelnen Prozesse, ihre Dynamik und wesentliche Akteure behandelt vertiefend Wladislaw Hedeler. Er geht auch auf die immer noch ausstehende gründliche Aufarbeitung des „Großen Terrors“ ein.
 
Marcel Bois zeigt schließlich, dass auch Mitglieder der KPD Opfer der Säuberungen wurden. Dazu gehören auch Kommunist_innen, die vor der nationalsozialistischen Verfolgung in die für sie scheinbar sichere Sowjetunion geflohen sind.
 
Wir bedanken uns bei den Autoren für die eingebrachten Aufsätze.
 
IN EIGENER SACHE
Bei der Sonderausgabe des LaG-Magazins gab es ein technisches Problem mit der Verschickung des E-Mail-Newsletters an die Abonnent_innen. Die Besprechung des Buches „Die Todesmärsche 1944/45“ von Daniel Blatman durch Nadja Grintzewitsch wurde nicht in der E-Mail aufgeführt. Wir möchten uns dafür entschuldigen.
Für das vorliegende LaG-Magazin wünschen wir Ihnen eine interessante Lektüre.
 
Die nächste Ausgabe erscheint am 26. April. Sie trägt den Titel „Die Aktualität von Antiziganismus. Stereotype, Problemlagen und Gegenmaßnahmen“.
 
Ihre LaG-Redaktion

LaG-Magazin „Mittel- und Osteuropäische Erinnerungskulturen – im Spannungsfeld von Aufarbeitung des Stalinismus und Positionierungen zu den nationalsozialistischen Verbrechen“

Die aktuelle Ausgabe des LaG-Magazins befasst sich in diesem Monat mit Geschichtskulturen ausgewählter Länder in Mittel- und Osteuropa. Wesentlich geprägt sind diese Staaten durch zweierlei Erinnerungen: Die an den stalinistisch fundierten „real existierenden Sozialismus“ und die Erinnerung an die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg. In vielen Staaten des östlichen Europas hat sich infolge der demokratischen Umbrüche 1989/90 ein neues Geschichtsnarrativ entwickelt, dass die eigene Nation zum Opfer zweier „totalitärer Regime“ konstruiert. Im Zuge dieser totalitarismustheoretischen Deutungen werden Verstrickungen der eigenen Bevölkerung sowohl in die stalinistische Herrschaft als auch in die nationalsozialistischen Verbrechen teilweise ignoriert oder gerechtfertigt. Das ist im Fall von Litauen besonders augenfällig, wo erst eine neue Generation von Historiker_innen sich mit den „blinden Flecken“ der eigenen Geschichte befasst. In der westlichen Ukraine greift demgegenüber eine Verherrlichung von Stepan Bandera um sich, die ihren Ausdruck in neuen Denkmälern für ihn findet, während vor allem in den östlichen Landesteilen noch immer das Narrativ vom „Großen Vaterländischen Krieg“ dominiert. 
 
Die problematischen Geschichtsdeutungen haben aktuelle Auswirkungen. In Tschechien wird höchst zögerlich an den Völkermord an Sinti und Roma erinnert. Gleichzeitig gab es ab Mai 2013 eine regelrechte Welle von rassistischen Aufmärschen gegen tschechische Roma, die in der Stadt Duchov ihren Ausgangspunkt hatten. Auch tschechische Politiker benutzen immer wieder das Stereotyp vom „asozialen Zigeuner“. In dieser Ausgabe des LaG-Magazins betrachten wir die Länder Tschechien, Ukraine und Litauen genauer. 
 
Juliane Niklas befasst sich mit der Zerrissenheit der postsowjetischen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in der Ukraine. Sie zeigt die problematischen Aspekte der Lustrationsgesetzgebung auf und geht darauf ein, wie das Gedenken an den Holodomor andere Erinnerungskomplexe überlagert. 
 
Ekaterina Makhotina greift am Beispiel der musealen Inszenierungen im Neunten Fort in Kaunas die Erinnerungskonflikte in der litauischen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg auf. Sie weist daraufhin, dass die Konstruktion eines sowjetischen Genozids an der litauischen Bevölkerung der Nationalisierung der Erinnerung dient. 
 
Ingolf Seidel schreibt über Entwicklung der Erinnerung an die Judenvernichtung und an den Genozid an Sinti und Roma in der heutigen Geschichtskultur. Dabei zeigt er die unterschiedlichen Gewichtungen auf, die die beiden Massenverbrechen heute in Tschechien einnehmen. 
 
Das nächste LaG-Magazin erscheint am 29. März 2017 und trägt den Titel „Der Große Terror 1937 – 1938 in der Sowjetunion“. 

LaG-Magazin „Mittel- und Osteuropäische Erinnerungskulturen – im Spannungsfeld von Aufarbeitung des Stalinismus und Positionierungen zu den nationalsozialistischen Verbrechen“

Die aktuelle Ausgabe des LaG-Magazins befasst sich in diesem Monat mit Geschichtskulturen ausgewählter Länder in Mittel- und Osteuropa. Wesentlich geprägt sind diese Staaten durch zweierlei Erinnerungen: Die an den stalinistisch fundierten „real existierenden Sozialismus“ und die Erinnerung an die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg. In vielen Staaten des östlichen Europas hat sich infolge der demokratischen Umbrüche 1989/90 ein neues Geschichtsnarrativ entwickelt, dass die eigene Nation zum Opfer zweier „totalitärer Regime“ konstruiert. Im Zuge dieser totalitarismustheoretischen Deutungen werden Verstrickungen der eigenen Bevölkerung sowohl in die stalinistische Herrschaft als auch in die nationalsozialistischen Verbrechen teilweise ignoriert oder gerechtfertigt. Das ist im Fall von Litauen besonders augenfällig, wo erst eine neue Generation von Historiker_innen sich mit den „blinden Flecken“ der eigenen Geschichte befasst. In der westlichen Ukraine greift demgegenüber eine Verherrlichung von Stepan Bandera um sich, die ihren Ausdruck in neuen Denkmälern für ihn findet, während vor allem in den östlichen Landesteilen noch immer das Narrativ vom „Großen Vaterländischen Krieg“ dominiert. 
 
Die problematischen Geschichtsdeutungen haben aktuelle Auswirkungen. In Tschechien wird höchst zögerlich an den Völkermord an Sinti und Roma erinnert. Gleichzeitig gab es ab Mai 2013 eine regelrechte Welle von rassistischen Aufmärschen gegen tschechische Roma, die in der Stadt Duchov ihren Ausgangspunkt hatten. Auch tschechische Politiker benutzen immer wieder das Stereotyp vom „asozialen Zigeuner“. In dieser Ausgabe des LaG-Magazins betrachten wir die Länder Tschechien, Ukraine und Litauen genauer. 
 
Juliane Niklas befasst sich mit der Zerrissenheit der postsowjetischen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in der Ukraine. Sie zeigt die problematischen Aspekte der Lustrationsgesetzgebung auf und geht darauf ein, wie das Gedenken an den Holodomor andere Erinnerungskomplexe überlagert. 
 
Ekaterina Makhotina greift am Beispiel der musealen Inszenierungen im Neunten Fort in Kaunas die Erinnerungskonflikte in der litauischen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg auf. Sie weist daraufhin, dass die Konstruktion eines sowjetischen Genozids an der litauischen Bevölkerung der Nationalisierung der Erinnerung dient. 
 
Ingolf Seidel schreibt über Entwicklung der Erinnerung an die Judenvernichtung und an den Genozid an Sinti und Roma in der heutigen Geschichtskultur. Dabei zeigt er die unterschiedlichen Gewichtungen auf, die die beiden Massenverbrechen heute in Tschechien einnehmen. 
 
Das nächste LaG-Magazin erscheint am 29. März 2017 und trägt den Titel „Der Große Terror 1937 – 1938 in der Sowjetunion“. 

LaG-Magazin „Krieg für Menschenrechte?“

Die Redaktion des LaG-Magazin greift im neuen Jahr das Schwerpunktthema „Krieg für Menschenrechte?“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf, der dieses Magazin fördert. Die zurückliegenden Erfahrungen mit Kriegen, die im Namen von Demokratie und Menschenrechten geführt wurden, sind problematisch. Weder im Irak, noch in Afghanistan haben militärische Interventionen zu besseren Lebensbedingungen geführt, noch ist in diesen und anderen Ländern die Situation der Menschenrechte verbessert worden. Das Gegenteil ist häufig der Fall. Für das Lernen zum Thema Menschenrechte ergeben sich hieraus wichtige Fragestellungen. 
 
In die Problematik führt Hans-Dieter Heine ein mit einem Essay, der die bundesdeutsche Außen- und Sicherheitspolitik am Beispiel des Kosovo-Krieges rekapituliert. In einem zweiten Beitrag befasst sich der Autor mit der Schutzverantwortung vor Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischer Säuberung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Schwelle für militärisches Eingreifen gilt es seiner Ansicht nach sehr hoch anzulegen.
 
Myriam Koonings geht auf die Angebote der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte im belgischen Lommel ein. Dort werden im „Huis over Grenzen“ und der danebenliegenden Kriegsgräberstätte unterschiedliche menschenrechtspädagogische Angebote für Jugend- und Schulgruppen gemacht. 
 
Michele Barricelli entfaltet das geschichtsdidaktische Potenzial von historisch-politischer Menschenrechtsbildung an Kriegsgräberstätten. Der Autor weist daraufhin, dass Menschenrechte zwar weltweit postuliert und Kodifiziert werden, ihre rechtliche Gültigkeit und Durchsetzung jedoch von den gesetzten Ansprüchen abweicht. 
 
Das nächste LaG-Magazin erscheint am 22. Februar. Es trägt den Titel „Mittel- und osteuropäische Erinnerungskulturen – Im Spannungsfeld von Aufarbeitung des Stalinismus und Positionierungen zu den nationalsozialistischen Verbrechen“.