Planet History

Author Archive for Michael Kaiser

Juli/August 1621: Kämpfe bei Waidhaus/Roßhaupt

In der zweiten Julihälfte des Jahres 1621 intensivierten sich die Kämpfe zwischen den Truppen Mansfelds und Tillys. Ersterer hatte bei Waidhaus Position bezogen, während Tilly bei Roßhaupt in Stellung gegangen war. Eine Handelsstraße, die Nürnberg und Prag verband, führte genau hier über den Paß, das Gelände war insgesamt bergig und schwierig1: Mansfeld nutzte daher die geographischen Gelegenheiten und verschanzte sich am Grenzpaß, so gut es eben ging. Tillysche und Mansfeldische Einheiten waren in ziemlicher Nähe zueinander postiert und immer wieder in Kämpfe verwickelt. Dabei … „Juli/August 1621: Kämpfe bei Waidhaus/Roßhaupt“ weiterlesen

21. Juli 1621: Ein Rebell wehrt sich gegen Fake News

Militärisch und politisch stand es sehr schlecht um die böhmische Sache: Nun kamen auch noch Gerüchte in Umlauf, die über das Schicksal der vertriebenen Anhänger des geächteten Pfalzgrafen und exilierten Königs von Böhmen viel Unwahres berichteten. Grund genug für Heinrich Matthias von Thurn, einen der Köpfe der böhmischen Opposition gegen das Haus Habsburg, sich dagegen zu Wehr zu setzen. In einem ausführlichen Schreiben an einen österreichischen Adligen („Landherrn“) bemühte er sich daher, die Dingen klarzustellen und dabei den vielfältigen „Vnwarheiten / Cavillationes, vnnd Lästerungen“ … „21. Juli 1621: Ein Rebell wehrt sich gegen Fake News“ weiterlesen

13. Juli 1621: „Fürchtet Gott, ehret den König!“

Nichts war wichtiger als die gute Ordnung wiederherzustellen, gerade nach einem Krieg. So wurde es von einer Obrigkeit erwartet, und klare Verhältnisse zu schaffen war ganz im Sinne des Kurfürsten von Sachsen. Er hatte zugunsten des Kaisers in den böhmischen Krieg eingegriffen und für diese Parteinahme die Oberlausitz als Pfandbesitz erhalten. Zur Realisierung dieser Ansprüche gehörte auch, daß er sich von den Landständen dieses Territoriums huldigen ließ. Anders als in Schlesien war die militärische Situation längst bereinigt, in der Oberlausitz gab es auch keinen … „13. Juli 1621: „Fürchtet Gott, ehret den König!““ weiterlesen

10. Juli 1621: Der Tod eines Feldherrn

Prominente Militärs fanden nicht unbedingt in den großen Schlachten einen spektakulären Heldentod; oft waren es die kleinen Gefechte, die ganz furchtbar schief liefen. So auch am 10. Juli 1621, als der kaiserliche Feldherr Bucquoy die nun schon seit einigen Wochen belagerte Festung Neuhäusel inspizieren wollte1. So berichtete eine Flugschrift den Vorfall, derzufolge der Feldherr mit 50 bis 60 Mann zum „recognosciren“ ausritt2. Die im Dienst des Siebenbürgers Bethlen Gabor stehende Besatzung – die Flugschrift spricht von „Vngern“, also Ungarn – machte daraufhin einen Ausfall. … „10. Juli 1621: Der Tod eines Feldherrn“ weiterlesen

Ende Juni 1621: Was macht eigentlich Mansfeld?

Die Korrespondenz zwischen Maximilian von Bayern und seinem Generalleutnant Tilly war auch im Juni 1621 gespickt mit Details über die allfälligen Schwierigkeiten der Armeeverwaltung: die Unterversorgung der Truppen, ausgefallene Offiziere, auch pflichtvergessene1, und die üblichen Ausschreitungen. Neben diesen Punkten drängte ein weiteres Thema in den Mittelpunkt: Was machte eigentlich der Feind? Konkret ging es um die Schritte, die Mansfeld weiter plante. Seit Anfang Mai, ungefähr kurz nach dem Fall Elbogens, entspann sich „eine Periode informeller Waffenruhe“ zwischen den Truppen Mansfelds und Tillys2. Beruhigen konnte … „Ende Juni 1621: Was macht eigentlich Mansfeld?“ weiterlesen

Juni 1621: Wie geht es weiter mit dem Feldzug?

Die Unruhe des Generalleutnants war schon Mitte Juni 1621 spürbar. Seit Wochen operierte die Armee der Katholischen Liga im Nordwesten Böhmens, erzielte dort auch einige Erfolge. Doch ein entscheidendes Vorankommen war nicht zu erkennen. Entsprechend dringlich fielen die Mahnungen an Maximilian von Bayern aus. Am 16. Juni stellte Tilly fest, daß seine Armee „feyret“ (also weitestgehend unbeschäftigt im Feld lag), das böhmische Gebiet noch weiter durch die Truppeneinquartierung belastet sei und überhaupt die Unkosten für die Truppen steigen würden, der Feind allerdings „vntardirt“ bleibe1: … „Juni 1621: Wie geht es weiter mit dem Feldzug?“ weiterlesen

21. Juni 1621: Das Blutgericht zu Prag

Am Morgen des 21. Juni 1621, „als es der Teutschen Vhr nach vor 5 gewesen / hat man zu Prag am Himmel zween schöne Regenbogen / so Creutzweise vber einander geschrenckt gewesen / gesehen“1. Wie man das Zeichen zu deuten habe, „ist Gott bekandt“, die Zeitgenossen waren sich hier nicht einig. Dabei war es genau der Tag der „Pragerischen Execution“2, an dem auf dem Altstädter Ring in Prag die verurteilten böhmischen Rebellen hingerichtet wurden. Damit wurde ein Verfahren abgeschlossen, das bereits Monate zuvor begonnen … „21. Juni 1621: Das Blutgericht zu Prag“ weiterlesen

11. Juni 1621: Ein oberpfälzischer Amtmann zwischen den Fronten

Im Frühjahr 1621 wurden die Truppen Mansfelds immer weiter aus Nordböhmen abgedrängt, sie zogen sich seit dem Verlust der Stadt Pilsen und anderer Orte immer mehr in die Oberpfalz zurück1. Diese rückte spätestens im Laufe des Mai in den Mittelpunkt der militärischen Operationen – und das bekamen auch die auf regionaler Ebene tätigen Verwaltungsbeamten zu spüren. So wandte sich am 11. Juni 1621 Wolf Dionys Haller von Raitenbuch, kurpfälzischer Pfleger aus Bärnau, an Tilly2. Thema war ein Zwischenfall, bei dem mansfeldische Reiter das zum … „11. Juni 1621: Ein oberpfälzischer Amtmann zwischen den Fronten“ weiterlesen

28. Mai 1621: Eine Warnung an die Feinde des Kaisers

Während Ferdinand II. seine anderen Erbländer immer besser unter Kontrolle brachte, blieb es in Schlesien unruhig. Zwar hatte der sog. Dresdner Akkord Ende Februar 1621 viele Landstände auf die Seite Habsburgs zurückgebracht, doch Markgraf Johann Georg von Jägerndorf blieb ein Parteigänger des geächteten Pfälzers. Er hatte sich im April 1621 im Fürstentum Neiße festgesetzt, wo er immer noch über einige Truppen verfügte. Ende Mai aber erging namens der Schlesischen Landstände, allesamt wieder gut kaiserlich, ein „Warnungs Patent“1. Es richtete sich an „alle[.] vnd jede[.] … „28. Mai 1621: Eine Warnung an die Feinde des Kaisers“ weiterlesen

19. Mai 1621: Kaiserliche Post für Köln

Als sich die Kölner Ratsversammlung am Mittwoch, den 19. Mai 1621, zusammenfand, stand ganz oben auf der Agenda ein Schreiben aus Wien. In ihm wandte sich Kaiser Ferdinand II. an die Reichsstadt am Rhein. Auch Monate nach der faktischen Niederschlagung der böhmischen Aufstand ging es immer noch um die Verfolgung der böhmischen „Rebellen“1. In diesem „Kay: Schreiben Jr Maytt Rebellen betr.“2 verwies der Kaiser auf die Erklärung der Reichsacht und verlangte von der Reichsstadt, daß die Bestimmungen der Achtserklärung befolgt werden („daß die gebuer … „19. Mai 1621: Kaiserliche Post für Köln“ weiterlesen

17. Mai 1621: Berichtspflichten eines Feldherrn

Im Frühjahr 1621 operierte die Armee der Katholischen Liga immer noch in Nordwestböhmen. Viele Berichte des Generalleutnants dokumentierten die Fortschritte dieser militärischen Aktionen. Meist ging es dabei um die üblichen Schwierigkeiten, die sich in jedem Feldzug ergaben. So berichtete Tilly am 16. Mai „wegen Mangel der Victualien“, aber vor allem über Verhandlungen mit den Lothringischen Reitern, die abgedankt werden sollten, aber noch erhebliche Soldrückstände geltend machten1. Noch am selben Tag sah sich der Generalleutnant veranlaßt, ein zweites Schreiben an seinen Kriegsherrn zu schicken: diesmal … „17. Mai 1621: Berichtspflichten eines Feldherrn“ weiterlesen

11. Mai 1621: Ein pfälzisches Schreiben an die Reichsfürsten

Friedrich von der Pfalz sah keinen anderen Weg, als die Öffentlichkeit im Reich zu suchen: Am 11. Mai 1621 verfaßte er einen Brief „an etliche hohe Potentaten und Fürsten deß Reichs“, in dem er sein politisches Ansinnen darstellte. Damit diese Selbststilisierung auch wirklich so breit wie möglich rezipiert wurde, fand dieses Schreiben bald schon seinen Weg in die Tagespublizistik1. Anlaß für die pfälzische Initiative waren Planungen am Kaiserhof, eine Reichsversammlung auszuschreiben. Diese sollte, wie Friedrich in seinem Brief festhielt, am 14./24. Juni 1621 in … „11. Mai 1621: Ein pfälzisches Schreiben an die Reichsfürsten“ weiterlesen

4. Mai 1621: Pfalzgraf Friedrich organisiert seine Gegenwehr

Nach der Flucht aus Böhmen und der Verhängung der Reichsacht war der geächtete Pfalzgraf Friedrich im April in Den Haag angekommen1. Umgehend ging er daran, von diesem Ort aus den Widerstand gegen den Kaiser und seine Verbündeten zu organisieren und den Wiedergewinn seiner Lande vorzubereiten. Entsprechende Nachrichten wurden von der Tagespublizistik verbreitet und erreichten auf diese Weise die Öffentlichkeit. So wußte die Frankfurter Kayserl. Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung zu berichten, daß Anfang Mai 1621 in den Niederlanden die Vorbereitungen für einen Aufbruch des Pfalzgrafen ins Feld unmittelbar … „4. Mai 1621: Pfalzgraf Friedrich organisiert seine Gegenwehr“ weiterlesen

29. April 1621: Ein bayerischer Gesandter berichtet aus Dresden

Im Grunde war bereits alles entscheiden; nur wußten noch nicht alle offiziell davon. Das betraf vor allem die Frage der Übertragung der pfälzischen Kurwürde auf Herzog Maximilian von Bayern. Als Teil eines politischen Geschäfts von langer Hand zwischen München und Wien eingefädelt, mußte jetzt, wo militärisch alles klar war, die Angelegenheit auch politisch vorangebracht werden. Ferdinand II. sträubte sich keineswegs, Maximilian die Kurwürde öffentlich zu übertragen; nur sollte für diesen Schritt auch eine kursächsische Zustimmung eingeholt werden. Genau dafür entsandte der bayerische Herzog Mitte … „29. April 1621: Ein bayerischer Gesandter berichtet aus Dresden“ weiterlesen

16. April 1621: Frieden für Württemberg

Das Ende der Union, das mit dem Vertrag von Mainz absehbar war1, löste keineswegs nur Enttäuschung oder Mißmut aus. Bei den katholischen Reichsständen sowieso nicht, aber auch bei den protestantischen gab es solche, die die Auflösung des Bündnisses als Erfolg, ja als Rettungstat deklarierten. Besonders konsequent agierte Johann Friedrich, Herzog von Württemberg. Er war ja neben Markgraf Joachim Ernst der zweite Vertreter der Union gewesen, der den Vertrag von Mainz am 12. April mitunterzeichnet hatte. Genau diesen Schritt stellte er nun gegenüber seinen Untertanen … „16. April 1621: Frieden für Württemberg“ weiterlesen

12. April 1621: Ein Auflösungsvertrag für die Union

Die Achterklärung vom Januar 1621 betraf nicht nur Friedrich V. von der Pfalz1, auch seine Verbündeten im Reich wurden auf diese Weise erheblich unter Druck gesetzt. Denn eine Hilfeleistung für einen Geächteten hatte zur Folge, daß der Unterstützer selbst in die Acht geriet. Wie also würde sich die Union verhalten? Eine Antwort darauf bot ein Vertrag vom 12. April 1621, den Spinola, „GeneralVeldthauptmann der Kayserl. Majest.“ (wie er hier tituliert wurde) und zwei Repräsentanten der Union abschlossen, nämlich Markgraf Joachim Ernst von Brandenburg-Ansbach, seines … „12. April 1621: Ein Auflösungsvertrag für die Union“ weiterlesen

9. April 1621: Aus Mansfeldern werden Ligisten

Mit Pilsen war Anfang April die wichtigste Stadt in Nordwestböhmen für die kaiserliche Seite wiedergewonnen worden. Doch immer noch war eine Menge an Problemen  zu lösen, insbesondere stellte sich die Frage, was mit all den ehemals Mansfeldischen oder böhmischen Söldnern geschehen sollte. Tilly wandte sich in deswegen in dieser Zeit mehrfach an Herzog Maximilian von Bayern. So berichtete der Generalleutnant, daß er in Pilsen „gleich nach der Manßfeldischen […] abzug“ angekommen sei1: allerdings waren nicht alle Kompagnien, die die mansfeldische Garnison ebenda gebildet hatten, … „9. April 1621: Aus Mansfeldern werden Ligisten“ weiterlesen

26. März 1621: Der Akkord von Pilsen

Am 21. November 1618 war es Mansfeld gelungen, das bis dahin habsburgertreue Pilsen einzunehmen1. Seitdem war die westböhmische Stadt das Hauptquartier des in böhmischen Diensten stehenden Kriegsunternehmers. Im Zuge des böhmischen Feldzugs im Herbst 1620 blieb Pilsen unbedrängt, und als nach dem Weißen Berg die Hauptstadt Prag sehr schnell fiel, wurde Pilsen erst recht Zentrum des Widerstands gegen den Kaiser. Die Stadt war gut befestigt und mit einer kampffähigen Garnison versehen. Mansfeld selbst befand sich allerdings schon seit geraumer Zeit nicht mehr dort; er … „26. März 1621: Der Akkord von Pilsen“ weiterlesen

23. März 1621: Das Rauben, Schätzen und Rapieren in Prag

Die Schlacht am Weißen Berg war nun schon mehr als vier Monate vorbei, doch das Leiden der Bevölkerung gerade in und um Prag ging immer noch weiter1. Mehr noch als direkte Kämpfe stellte eben die Besatzungsherrschaft eine enorme Belastung für das Land dar. Dies kam zur Sprache in einem Schreiben Maximilians von Bayern vom 23. März 1621 an seinen Feldherrn Tilly, der immer noch in Prag sein Hauptquartier hatte2. Der Herzog bezog sich auf ein kaiserliches Schreiben „wegen deß ÿblen Regiments vnnd vnleidenlichen beschwerden, … „23. März 1621: Das Rauben, Schätzen und Rapieren in Prag“ weiterlesen

20. März 1621: Wer bekommt die pfälzische Kurwürde?

Die Ächtung Friedrichs V. von der Pfalz brachte ein hochbrisantes Thema ganz nach vorn auf die Agenda: Was sollte nun aus der Kurwürde werden, die der Pfalzgraf verloren hatte? Es gehörte zu den Kennzeichen vormoderner Fürstenherrschaft, daß im Fall eines vakanten Herrschaftstitels von verschiedenen Seiten sofort Erb- und Rechtsansprüche geltend gemacht wurden. Bei der pfälzischen Kurwürde war dies nicht anders, und aus dem Grund wandte sich der bayerische Geheime Rat Dr. Wilhelm Jocher am 20. März 1620 an den Reichsvizekanzler Hans Ludwig von Ulm1. … „20. März 1621: Wer bekommt die pfälzische Kurwürde?“ weiterlesen

4. März 1621: Bayerische Ängste vor kursächsischer Konkurrenz

Die Vorgaben aus Wien waren eindeutig: Bayern sollte die Reichsacht gegen den Pfälzer vollstrecken. Das schloß auch das militärische Vorgehen gegen die letzten verbliebenen Positionen in Nordböhmen und vor allem die Oberpfalz mit ein. Doch Anfang März 1621 gab es aus bayerischer Sicht beunruhigende Nachrichten: Kursachsen wolle weiter in Böhmen einrücken und auch in die Oberpfalz. In diesem Sinne äußerten sich Generalleutnant Tilly und der Generalkriegskommissar Theodor von Haimhausen in einem Schreiben an Maximilian von Bayern am 4. März 1621 aus Prag1. Daß Kursachsen … „4. März 1621: Bayerische Ängste vor kursächsischer Konkurrenz“ weiterlesen

2. März 1621: Wie soll sich Hessen schützen?

Das Schicksal des Pfalzgrafen und Königs von Böhmen Friedrich war im März 1621 längst entschieden; spätestens mit der Achterklärung mußten letzte Zweifel beseitigt sein1. Doch wie ging es nun mit der Union weiter, und was konnten ihre einzelnen Mitglieder noch tun? Diese Fragen stellten sich für alle Unionsstände, insbesondere aber für Hessen-Kassel. Landgraf Moritz, ein durchaus entschiedener Anhänger des Pfälzers, sah sich mit diesen Punkten auf dem Landtag konfrontiert, den er Ende Februar einberufen hatte und der am 2. März 1621 beendet wurde2. Die … „2. März 1621: Wie soll sich Hessen schützen?“ weiterlesen

25. Februar 1621: Der beraubte Hauptmann

Hauptleidtragende der soldatischen Exzesse im Krieg war die Bevölkerung. Doch immer wieder kam es auch unter den Militärs selbst zu gewalttätigen Übergriffen und Ausschreitungen. Am 25. Februar 1621 wandte sich daher der Hauptmann Christian Hübner an den Generalleutnant der Liga Tilly, damit er ihm, Hübner, „hochrumbliche Justicien [..] vnd gnad“ werde erweisen1. Konkret ging es dem Hauptmann darum, daß er die Güter zurückerstattet haben wollte, die ihm geraubt worden seien. Unstrittig war auch, wer dies zu verantworten hatte: Es war der ligistische Oberst Bauer, … „25. Februar 1621: Der beraubte Hauptmann“ weiterlesen

Februar 1621: Ein Scherz zur Faßnacht

Karneval oder Fasnacht wird immer gefeiert, auch zu Kriegszeiten. Im Dreißigjährigen Krieg war es nicht anders. Besonders lustig war es im Jahr 1621, zumindest wenn man nicht Anhänger der Pfälzischen Sache war. Denn die völlige Niederlage Friedrichs V. von der Pfalz, die im Verlust der böhmischen Königskrone, der Kurwürde und sämtlicher Territorien resultierte und in seiner Ächtung gipfelte, bot für die Sieger Anlaß zu hemmungslosem Spott. Dies wurde deutlich beim „Palatini Khönigreich in der Faßnacht“1. Ein eher kurzes, schmuckloses – bis auf das Titelblatt … „Februar 1621: Ein Scherz zur Faßnacht“ weiterlesen

8. Februar 1621: Ein neuer Streit um die Festung Udenheim

Vor dem Ausbruch der böhmischen Unruhen gab es mehrere Krisenherde im Reich. Einer davon war das Städtchen Udenheim, das der Speyrer Fürstbischof zur befestigten Residenz ausbauen wollte. Seine fortifikatorischen Bemühungen lösten bei den Ständen der Union große Befürchtungen aus, und letztlich setzte die Union Truppen in Marsch, die im Juni 1618 die Udenheimischen Befestigungen in Schutt und Asche legten1. Für den Speyrer Bischof Philipp Christoph von Sötern war die Sache damit keineswegs erledigt. Er wartete nur darauf, daß er die Befestigungen erneuern könnte. Den … „8. Februar 1621: Ein neuer Streit um die Festung Udenheim“ weiterlesen

1. Februar 1621: Ein publizistischer Streit unter den Siegern

Wer die Schlacht am Weißen Berg verloren hatte, war unzweideutig. Doch war wer ihr Sieger? Zumindest über die Anteile an dem Zustandekommen des Schlachtenerfolgs oder auch über die Fehler, die den Erfolg zwar nicht verhindert, aber doch erschwert hatten, wurde gestritten. Auslöser war „ain Relation, so mir von Mailandt zuegeschickht worden“, wie Maximilian von Bayern an seinen Feldherrn schrieb. In diesem Brief vom 1. Februar 1621 macht der bayerische Herzog seinem Ärger Luft1. Denn mit dieser Druckschrift, die er als Anlage beifügte, werde, wie … „1. Februar 1621: Ein publizistischer Streit unter den Siegern“ weiterlesen

22. Januar 1621: Die Ächtung des Pfalzgrafen

Nach Monaten intensiver juristischer Beratungen und langer Verhandlungen, auch mit den verbündeten Reichsfürsten wie Johann Georg von Sachsen und Maximilian von Bayern, war es im Januar 1621 soweit1. Am 22. Januar – so weisen es die Dokumente aus – wurden die Achterklärungen unterzeichnet, am 29. Januar dann erfolgte die öffentliche und feierliche Verhängung der Reichsacht in Wien. Über die Szenerie gibt es eine kurze Beschreibung, offenbar aber keine Abbildung2: Der Vorgang geschah in der Ritterstube, wo Ferdinand II. auf dem „Kayserl. Thron“ Platz nahm. … „22. Januar 1621: Die Ächtung des Pfalzgrafen“ weiterlesen

16. Januar 1621: Kaiserliche Gnade für Mähren?

Während sich in Prag die kaiserliche Macht weiter stabilisierte, war noch unklar, welches Schicksal Mähren zu erwarten hatte. Noch gab es auch Truppen, die unter dem Kommando der mährischen Stände standen. Welche Möglichkeiten hatten die Mähren, was konnten sie jetzt noch tun? In dieser Situation wandte sich am 16. Januar 1621 Graf Thurn an die mährischen Stände1. Er hatte kurz zuvor Bethlen Gabor, den Fürsten von Siebenbürgen und König von Ungarn (als der er sich anstelle des Habsburgers sah), getroffen. Diese Zusammenkunft und die … „16. Januar 1621: Kaiserliche Gnade für Mähren?“ weiterlesen

16. Januar 1621: Eine Königin in Küstrin

Seit dem 8. Dezember 1620 befand sich Elisabeth von der Pfalz in Küstrin1. In der brandenburgischen Landesfestung war die Königin einigermaßen sicher – außerhalb der Territorien der böhmischen Krone, in denen nun die Sieger vom Weißen Berg mehr und mehr ihre Position festigten. Friedrich selbst hatte seine Gemahlin zur Weiterreise gedrängt: „Vous ne scauries estre nulle part mieux qu’à Custrin“2. In Küstrin sollte Elisabeth einige Wochen bleiben. Ein Grund dafür war sicherlich die unklare politische Situation. Friedrich selbst war bereits vorausgereist; er wollte nach … „16. Januar 1621: Eine Königin in Küstrin“ weiterlesen

rex hibernus – der Winterkönig

Friedrich V. von der Pfalz gehört zu den unglücklichen Gestalten des Dreißigjährigen Kriegs. Man kann mit Berechtigung fragen, ob er durch politisches Ungeschick oder auch Unvermögen nicht selbst viel dazu beigetragen hat. Verfestigt hat sich sein Bild in der historiographischen Tradition vor allem durch den Begriff des „Winterkönigs“. Der Terminus „Winterkönig“ ist derart fest mit der Person Friedrichs verwoben, daß sich selbst die aktuelle Geschichtsschreibung nicht von ihm lösen kann. So verwendet der jüngste monographische Versuch ohne Wenn und Aber den Titel „Winter King“1. … „rex hibernus – der Winterkönig“ weiterlesen

Kursachsen und der Dreißigjährige Krieg – eine Tagung zu einem Desiderat

Noch bevor mit der Schlacht am Weißen Berg das Königtum Friedrichs von der Pfalz vor dem Aus stand, war mit der Eroberung Bautzens Anfang Oktober 1620 die Entscheidung in der Oberlausitz gefallen: Kurfürst Johann Georg von Sachsen konnte sich als erster Sieger in diesem Feldzug präsentieren1. Nach eigenem Dafürhalten hätte für ihn der Krieg jetzt auch schon zuende sein können – eine Einschätzung, die er mit Maximilian von Bayern teilte. Dabei sollte er den Krieg noch bis zum Ende miterleben und vor allem mitgestalten: … „Kursachsen und der Dreißigjährige Krieg – eine Tagung zu einem Desiderat“ weiterlesen

7. Dezember 1620: „warres are not ended with one bataille“

Als der erste Schock über die Prager Katastrophe vorbei war, bemühte sich nicht nur Friedrich von der Pfalz, wieder aktive Politik zugunsten seines Königtums und seiner Herrschaft zu machen1. Auch seine Frau Elisabeth blieb nicht untätig. Natürlicherweise fiel ihr die Aufgabe zu, die Kontakte zur englischen Krone zu aktivieren. Noch aus Breslau wandte sich die Königin am 23. November an ihren Vater König Jakob. Im Bewußtsein, daß die Nachricht von der Prager Niederlage bereits an den englischen Königshof gelangt war, kam sie unumwunden zum … „7. Dezember 1620: „warres are not ended with one bataille““ weiterlesen

Erfunden und doch glaubwürdig, ja unterhaltsam: Die Geschichte des Kaspar Geißler

Seit Monaten schon zeichnet der dk-blog die Geschehnisse rund um den Böhmischen Krieg nach, kulminierend in der Schlacht am Weißen Berg. Während dies auf der Grundlage historischer Zeugnisse geschieht, kann man nun auch einen historischen Roman lesen, der die Ereignisse aus der Perspektive eines einfachen Mannes nachvollzieht: „Rosenegg. Der Weiße Berg“ heißt das Buch, das ich im Folgenden kurz vorstellen möchte und durchweg empfehlen kann1. Die Geschichte orientiert sich an dem Einzelschicksal Kaspar Geißlers – eine fiktive Gestalt, die der Autor 1601 als Sohn … „Erfunden und doch glaubwürdig, ja unterhaltsam: Die Geschichte des Kaspar Geißler“ weiterlesen

November und Dezember 1620: Die Sieger in Prag

Wenn die Schlacht gewonnen ist, kommt der Moment, den Sieg auszukosten: die Söldner können nun Beute machen. Nach der Schlacht am Weißen Berg war dies die Situation, vor der auch Prag stand. Tatsächlich waren die wallonischen Söldner schon dabei die Mauern zu überwinden und in die Stadt einzufallen1. Doch sowohl der kaiserliche Feldherr Bucquoy als auch Herzog Maximilian sorgten dafür, daß ein unkontrollierter Einbruch der Truppen in die Stadt unterblieb. Der Einmarsch der kaiserlichen wie der ligistischen Einheiten in Prag erfolgte dementsprechend in großer … „November und Dezember 1620: Die Sieger in Prag“ weiterlesen

21. November 1620: salus Euangelicorum communis suprema lex

Das böhmische Königspaar war nach dem Desaster am Weißen Berg aus der Prager Residenz geflohen: zuerst nach Breslau, wo Friedrich und Elisabeth am 17. November ankamen. In Schlesien wollte der König neue Kräfte für den Widerstand gegen Habsburg sammeln. Entsprechend strebte Friedrich Beratungen mit den schlesischen Fürsten an1. Darüber hinaus entfaltete der geflohene König eine Reihe von weiteren Aktivitäten. So suchte er den Kontakt zu Kursachsen, dann aber auch zu Maximilian von Bayern. Vor allem aber bemühte er sich die Mährer weiter zu mobilisieren … „21. November 1620: salus Euangelicorum communis suprema lex“ weiterlesen