Planet History

Author Archive for Michael Meyen

Resozialisierung, unvollendet

„Die Westdeutschen verstehen nicht, dass sie Westdeutsche sind“, sagt Timothy Snyder im Spiegel Spezial zu 30 Jahren Mauerfall. „Sie denken, sie seien einfach Deutsche. Sie definieren, wie die Ostdeutschen deutsch zu sein haben.“ Nun: Der Spiegel definiert schon mit. Er lässt in diesem Heft auch Ostdeutsche sprechen. Und er fragt, was die Medienmenschen ausmacht, die aus dem Osten kommen. So ein Heft füllt viele Abende. Gespräche (mit Wolf Biermann und Timothy Snyder), Interviews (Rainald Grebe und erfolgreiche „Ostfrauen“ von Karola Wille bis Johanna Wanka), … „Resozialisierung, unvollendet“ weiterlesen

Mädchen aus Ost-Berlin

Schade. Schade um Udo. Schade vor allem um diese Chance, deutsch-deutsch zu erinnern. Ein Ausrufezeichen haben die Macher in den Filmtitel hineingemogelt, aber „Lindenberg! Mach dein Ding“ erzählt dann doch nur eine ganz normale Aufsteigergeschichte West, mit Mama-Papa-Kitsch und ganz viel Schnaps. Es gibt die DDR in diesem Film, ein paar Minuten wenigstens. Udo besoffen auf einem Parkplatz unterm Fernsehturm. Petra. Eine verrauchte Wohnung, mit den Tapeten, die sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, mit Nachbarn und Freunden und genauso viel Alkohol wie … „Mädchen aus Ost-Berlin“ weiterlesen

Der kalte Atem des DDR-Diskurses

Das Cover macht Angst. Ein Plattenbau, grau, nass, ohne Anfang und ohne Ende. Aus diesem Haus kann niemand entkommen. In der Mitte hat die Fassade einen Knick, der auch die großen gelben Buchstaben des Buchtitels trifft. NACHWENDEKINDER. Johannes Nichelmann ruft nach Hilfe. Er will, dass seine Generation gehört wird. Dass endlich das Loch verschwindet, in dem er und seine Freunde nach sich selbst suchen. Ein Buch über eine Identitätskrise, die im hegemonialen DDR-Diskurs und damit in der Geschichtspolitik wurzelt. Johannes Nichelmann: Nachwendekinder. Die DDR, … „Der kalte Atem des DDR-Diskurses“ weiterlesen

Geschichtstheater in Dresden

Früher war alles. Großartig, dieser Titel. Dirk Laucke erzählt am Staatsschauspiel Dresden „Geschichten von Träumen und Abwicklungen aus Freital“. Früher: Das ist die DDR. Und „alles“ ist das, was von da in die Gegenwart ragt. Die Kunst ist den Historikern voraus. Vielleicht weil sie da produziert wird, wo die Menschen wohnen. Dirk Laucke und Regisseur Jan Gehler stellen diese Menschen einfach auf die Bühne. Wie erzählt man heute Geschichte? Wie schafft man es, an einem nasskalten Novemberabend den Saal mit jungen Leuten zu füllen … „Geschichtstheater in Dresden“ weiterlesen

DDR-Museum Dresden

“Die Welt der DDR” liegt in einem Einkaufszentrum, ein paar Meter weg vom Albertplatz. Gute Lage, sozusagen. Zehn Minuten bis zum Goldenen Reiter und nochmal zehn zur Frauenkirche, wo sich die Touristen drängen an diesem 1. November. Bei der DDR ist das Interesse überschaubar. Rolltreppe hoch und nicht zu Aldi oder Rossmann, sondern rechts abbiegen. Vier Euro Eintritt, und schon ist man mittendrin in einem Sammelsurium, das eher an einen Dachboden bei Oma und Opa erinnert als an ein Museum. Vermutlich geht es genau … „DDR-Museum Dresden“ weiterlesen