Planet History

Author Archive for P. Alkuin

EUCist13 in Dänemark

Die 13. EUCist Tagung findet im hohen Norden statt. Wir werden zum Thema Reform tagen: „Was weiter wirkt …“: Reformen der Cistercienser und ihr Wirken vom Mittelalter bis in die christlichen Konfessionen. Gemeinsam mit dem Verein für Schleswig-Holste…

Cistercian as Centaur

This intriguing use of the Cistercian habit in an oil painting by Benedetto di Montagna (Vicenza 1481-1550) is called Saint Anthony and the Centaur. It makes reference to an episode in St. Anthony’s vita, in which the hermit must confront a demon in th…

Neue Forschung über Abt Alois Wiesinger (1885-1955) brennend aktuell

Die Forschung über Abt Alois Wiesinger ist in keiner Weise abgeschlossen. Rudolf Pranzls Vortrag am 15. Oktober 2017 in Schlierbach brachte viele Themen ins Gespräch, die noch ausführlicher behandelt werden müssen. Wie die obige Schlagzeile vom Titelblatt der roten Zeitung Das Tagblatt (10. Jänner 1928) zeigt, war Wiesinger immer schon für unbequeme Lagerüberschreitungen gut (auch wenn er eigentlich immer Christdemokrat blieb). Er selber kam aus allerärmsten Verhältnissen und war daher zeitlebens für die Sorgen von Arbeitern und wirtschaftlich schlecht Gestellten offen; das war auch ein Grund für seine Missionsbegeisterung. 
In der Tat hat Wiesinger am Generalkapitel von 1925 (zusammen mit dem Wilhering Prior P. Justin Wöhrer) wesentlich dazu beigetragen, dass der Orden sich zur Missionsarbeit verpflichtete. Das Thema stand damals allerdings nicht auf der offiziellen Tagesordnung des Generalkapitels. Pranzls Forschung bringt etliche benachbarte Themen ans Licht, die zu wenig bekannt sind: Über Jahre hinweg bemühten sich Cistercienser der Allgemeinen Observanz um eine Eingliederung von P. Franz Pfanner OCSO, der aufgrund seiner missionarischen Arbeit in Südafrika mit seinen Oberen im Trappistenorden nicht zurecht kam. Später entwickelte sich Pfanners Gruppe zur eigenen Orden der Mariannhiller Patres: Sie hätten auch O.Cist. werden können! Ebenso gibt es eine Korrespondenz zwischen Wiesinger und dem Gründer der heute größten Cistercienserkongregation der Welt, P. Benedictus Thuan von Vietnam. 
Schlussendlich sei auf die ordenstheologischen Dimensionen dieser Forschung hindeutet: Wiesinger förderte die Cistercienser-Mission auch deswegen so intensiv, weil er damit das Erlöschen der Allgemeinen Observanz verhindern wollte. Dieser Flügel des Ordens war durch die Abspaltung der Trappisten im Jahr 1892 personell dezimiert. Wiesinger verstand die großen mittelalterlichen Epochen des Cistercienserordens als „Missionsgeschichte“. In seinem Denken ging eine Ordensreform in den Bereichen Liturgie, Armut, und reduzierter Pfarrseelsorge gemeinsam mit dem Missionsgedanken einher. Folglich erhielt er grünes Licht vom Generalkapitel, das die monastische Missionsarbeit aber nur mit Bedingungen erlaubte: Die Patres sollten nicht einzelne Missionsstationen übernehmen, sondern durch klösterliches Leben, liturgisches Apostolat und Schulen missionieren. Jede andere Art der Missionsarbeit (etwa Erstkontakte usw.) wurde damals ausgeschlossen. Das Themenkomplex Cistercienserorden und Mission ist auch für die Gegenwart brennend aktuell. 
Pranzls Aufsatz über Abt Alois Wiesinger erscheint in der 2018 Ausgabe der Analecta Cisterciensia.

Himmerod muss schließen, Berichterstattung lässt problematische Klischees erkennen

Die wahrharft traurigen Meldungen über Himmerods Schließung sind geschmückt mit irreführenden Worthülsen, die die Abtei u.a. als „das bedeutende Zisterzienserkloster aus dem Jahr 1135“ identifizieren, wie auf volksfreund.de zu lesen ist. Oder auf katholisch.de: „Nach fast 900 Jahren endet die Geschichte der Abtei.“ Der Text dient als Bildunterschrift zu einem Photo von der neobarocken Klosterkirche, deren Grundsteinlegung im Dritten Reich stattfand und die 1961 fertiggestellt wurde. Kein Kloster ist „aus dem Jahr 1135“, sondern es lebt in der Gegenwart, oder eben nicht. Der erste Konvent von Himmerod war seit 1802 aufgehoben. 1922 wurde es von der Abtei Marienstatt wieder gegründet; Großes wurde dort zum Lob Gottes geleistet, es war ein imposantes Kapitel der Ordensgeschichte mitsamt Blütezeiten und Niedergang, aber doch ein relativ kurzes: Himmerod II überlebte weniger als hundert Jahre.

Diese Relativierung ist angesichts der jüngsten Berichterstattung aus mehreren Gründen angebracht, erstens wegen der historischen Fakten. Von vielleicht noch größerer Dringlichkeit ist die Korrektur der problematischen Ekklesiologie. Als christliche Mönche streben Cistercienser nach der lebendigen Nachfolge des dreifaltigen Gottes und verstehen ihre Lebensaufgabe als Dienst und Geschenk in seiner Gegenwart. Diese Berufung konzentriert sich in klösterlicher Gemeinschaft und feierlicher Liturgie.

Die Andeutung, dass eine magische Ausstrahlung an einem Ort vorhanden ist, weil ein Heiliger ihn „gegründet“ hat, ist fragwürdig. Ein Bau allein kann nie die Nachfolge Christi verkörpern. Dieser Gedanke tröstet uns beim Abschied von einer hochherzigen Gründung, motiviert aber auch zu weiterem Tun! Auch wenn ein Heiliger jeden Stein des Klosters auf den anderen gelegt hätte, wäre damit keine „Aura“ entstanden, die für das Selbstverständnis der Mönche wirklich tragend wäre. Der lebende Mönch einer geschlossenen Abtei bleibt ein Berufener. Er lebt!

Romantisierende Vorstellungen aus einem platten Geschichtsverständnis sind besonders fehl am Platz, wo es gerade um den Cistercienserorden geht, der für Vereinfachung und Redlichkeit im Gottesdienst eintritt und bereit ist, sich von überholten Formen zu trennen. Der Orden ist nicht ein Verein zur Erhaltung von Kulturdenkmälern und denkmalgeschützten Sakralbauten, so erhebend ihre Schönheit sein mag.

Die aktuellen (und bevorstehenden) Klosterschließungen sind deswegen tragisch, weil sie eine Verarmung der Kirche darstellen und die religiöse Armut unserer Zeit dokumentieren, aber das Abgeschnittene wird wieder wachsen: Succisa virescit. Wie und wo, das ist Gottes Sache, und wir vertrauen darauf, dass er keinen im Stich lässt.

Grundsätzliches zum Begriff "Sakrallandschaft"

In seiner Keynote Ansprache zur Eröffnung der Tagung „Die Sakralisierung der Landschaft“ (Tagungsort Seitenstetten) am 11. Okt. 2017 ging der bekannte Kunsthistoriker Werner Telesko auf das Thema Sakrallandschaft ein. Im süddeutschen und österreichischen Raum ist an vielen Orten eine geistliche Topographie, vom Straßenkreuz über die Kreuzwege und Wallfahrtskirchen bis hin zum Gipfelkreuz eine religiöse Prägung, sofort auffällig. Die wissenschaftliche Reflexion darüber steht allerdings noch an ihrem Anfang. Telesko machte darauf aufmerksam, dass die Sakrallandschaft auf Erlebniszusammenhänge hin zu untersuchen sei, und nicht statisch im Sinne einer Ansichtskarte betrieben werden sollte.

Plastiken und Architektur machen die Landschaft in der Umgebung eines Klosters oder seiner Besitzungen zur Szene; aus der Natur wird Kunst geformt. In gewissen fällen wird sie auch zum Bühnenbild, etwa im Fall von Kalvarienbergen, Brücken mit Nepomukstatuen und Heiligen Stiegen.

Die Sakrallandschaft ist meist ein verhältnismäßig großflächiger Raum, in dem man wandern kann, ohne ein fixes Ziel zu haben. Diese Art Raumbegehung, so Telesko, sei auf ein unorthodoxes miteinander ausgerichtet. Da prägen diverse points de vue, Schrägansichten und von der Jahreszeit abhängige Perspektiven, die jedenfalls zu individualisierten Betrachtungen führen. Wallfahrts- und Pilgerwege sind dabei Frömmigkeitsfaktoren, die eine große Rolle spielen können.
Das Miteinander von Kunst und Natur ist bei Wallfahrtskirchen vor Bergkulissen besonders auffällig. Sie erzielen eine fiktive Harmonie von Kunst und Kultur, as ob die Bauten aus der Sakrallandschaft herauswachsen würden. Das Paradebeispiel dafür ist die Wieskirche im bayerischen „Pfaffenwinkel“: deren Dachprofil passt genau zum dahinter am Horizont stehenden Bergrücken.

Abschließend warnte der Keynote-Redner vor einer inflationären Anwendung des Begriffs Sakrallandschaft; viel eher müsste die Geschichtsforschung sich um historische „Sehegewohnheiten“ bemühen, die wiederum durch textliche und bildliche Quellen reflektieret werden. Der jetzige Zustand von Landschaften, die sich als sakral verstehen wollen, ist nicht zuverläßiges Indiz von dem, was sie früher waren. Auch „fachliche“ Restaurierung kann nicht sichern, wie die Landschaft früher wahrgenommen wurde. Gegenstände wie Votivbilder, Wallfahrtsandenken welcher Art auch immer und Klosterveduten seien zu berücksichtigen. Heinrich Scherers Atlas Marianus und Vischer Stiche sind gute Beispiele dafür. Trotz allem sei es nicht einfach, imaginäre und empirische Bereiche voneinander zu unterscheiden.

Schließlich erinnerte Telesko daran, dass eine Sakrallandschaft meist über Generationen hinweg gewachsen sei und bis in unsere Zeit nicht als abgeschlossen verstanden werden könne; daher sollen interpretative Systeme möglichst dynamisch bleiben.