Planet History

Author Archive for P. Alkuin

Geheimtüren in Bücherschränken

In sehr vielen Klosterbibliotheken gibt es kaschierte Räume hinter vorgetäuschten Bücherwänden. Dahinter können sich weitere Fächer, aber auch Türen zu unsichtbaren Räumen und Stiegen befinden. Die zwei Bilder rechts zeigen einen geheimen „Türhebel“ (man drückt auf den Buchrücken und die Tür eröffnet sich). Die leicht geöffnete Tür wird im unteren Bild sichtbar.

Was verbarg sich dahinter? Sehr oft eine Stiege zur Empore, auf die nur der Bibliothekar steigen konnte bzw sollte. In manchen Klöstern hat man (so die mündliche Überlieferung) die geheimen Schränke als literarische Giftschränke verwendet: Dort verstaute man die von der Glaubenskongregation verbotenen Bücher.

Geheime Fächer sind eine beliebte Spielerei im Barock, aber sie sind nie ganz außer Mode gekommen. Die unteren Bilder zeigen Geheimtüren aus Privatbibliotheken in Wohnhäusern der Gegenwart. Derlei findet man selten in modernen öffentlichen Bibliotheken – sie sind scheinbar nüchterner geworden.

Beichtzettel und Zulassung zur Kommunion

Wer heute noch nach der Beichte einen Zettel durch das Gitter geschoben bekommt, nimmt es dankbar als Gebetsanregung an, denkt aber nicht daran, dass er es jemals vorweisen müsste. Der Ursprung des Beichtzettels (heute meist ein frommes Bildchen mit Bibelspruch) liegt aber im sakramentenrechtlichen Denken des 18. und 19. Jahrhunderts, als man den Ausweis brauchte, um zur Osterkommunion zugelassen zu werden. Das erste Bild (oben) zeigt einen Vordruck von Osterbeicht-Zeugnissen aus der Heiligenkreuzer Stiftpfarre.
Dann kommt ein ähnlich nüchternes Zeugnis aus der Jahrhundertwende. Das letzte Bild ist aus der Zeit, als der Beichtzettel schon vom Aussterben bedroht war: ein Exemplar aus den 1960er Jahren. Es möchte Katechese (der Sünder meditiert darüber, wie seine Sünden Jesus ans Kreuz geschlagen haben) mit der Ausweisfunktion (siehe Jahreszahl 1961 als Datierung) verbinden.

Beichtzettel und Zulassung zur Kommunion

Wer heute noch nach der Beichte einen Zettel durch das Gitter geschoben bekommt, nimmt es dankbar als Gebetsanregung an, denkt aber nicht daran, dass er es jemals vorweisen müsste. Der Ursprung des Beichtzettels (heute meist ein frommes Bildchen mit Bibelspruch) liegt aber im sakramentenrechtlichen Denken des 18. und 19. Jahrhunderts, als man den Ausweis brauchte, um zur Osterkommunion zugelassen zu werden. Das erste Bild (oben) zeigt einen Vordruck von Osterbeicht-Zeugnissen aus der Heiligenkreuzer Stiftpfarre.
Dann kommt ein ähnlich nüchternes Zeugnis aus der Jahrhundertwende. Das letzte Bild ist aus der Zeit, als der Beichtzettel schon vom Aussterben bedroht war: ein Exemplar aus den 1960er Jahren. Es möchte Katechese (der Sünder meditiert darüber, wie seine Sünden Jesus ans Kreuz geschlagen haben) mit der Ausweisfunktion (siehe Jahreszahl 1961 als Datierung) verbinden.

Warum ich Cistercienser schreibe

Duden 1903
Erstens: Angefangen mit dem Ordenskürzel „O.Cist.“ bis hin zur Schreibung im Französischen, Englischen und in jeder anderen europäischen Sprache, überwiegt die C-Schreibung. 

Zweitens: Führende Historiker des 20. Jahrhunderts bis in unsere Zeit (etwa Pater Gregor Müller, Abt Ambrosius Schneider, oder der Mediävist Gerd Melville) ziehen die C-Variante vor.
Drittens: Die Z-Schreibung ist national-ideologisch gefärbt: Erst die Duden Auflage zum Jahr 1903 ging vom Cistercienser zum Zisterzienser über, ohne freiliech davor eine Stellungnahme vom Orden einzuholen. Die Duden-Redaktion verstand ihre Aufgabe wenig später als „Abrundung und Vertiefung des historischen und geistesgeschichtlichen Bildes des Nationalsozialismus.“ 

Viertens: Ich schreibe Cistercienser, weil ich modern sein will, wie zum Beispiel die Verwaltung des Amberger Congress Centrums

… und die Stadtmütter der Hansestadt Hamburg…

… und Tausende von anderen. Die Geschichte der Germanistik zeigt zwar, dass die Rechtschreibnormierung als nachvollziehbares Desiderat der Neuzeit auftritt, dennoch oft gescheitert ist. Der Schrei nach einheitlichen deutschen Sprachregelungen im frühen 20. Jh. ist nicht in jedem Punkt gelungen und sollte nicht als sakrosankt gelten. Es gibt heute noch Ernährungswissenschaftler, die statt Pommes den „rein-deutschen“ Ausdruck frittierte Kartoffelstäbchen verwenden, aber wer nimmt sie ernst? Der post-nationalistische Duden ist selbstverständlich nach 1945 bald wieder zu Pommes zurückkehrt. 

Bibliotheksrecherchen – global gesehen – ergeben exponentiell mehr Suchergebnisse für Cisterc* als Zisterz*. Das Argument, dass die Z-Schreibung einheitlicher wäre, ist schwer zu vertreten. Wer wirklich ein internationales Publikum vor Augen hat, kommt mit der C-Schreibung viel weiter.

Klösterliche Taubenhäuser

Das Bild links zeigt das Taubenhaus in der ehemaligen Cistercienserabtei Loccum. Diese inzwischen selten gewordene Konstruktion, auch Taubenschlag genannt, war im Mittelalter und der Frühen Neuzeit sehr weit verbreitet. Adelsresidenzen und Klöster errichteten sie, weil sie für die Kanzlei Brieftauben brauchten. Taubenpost ist heute nur mehr als Hobby bekannt, war aber bei gewissen militärischen Einsätzen noch im Zweiten Weltkrieg in Verwendung und davor recht häufig. Man darf sie nicht unterschätzen: Die Brieftaube kann mehr als 1.000 km fliegen, freilich nur in eine Richtung: Nach Hause, also immer an denselben Empfänger.

Ein anderer Grund für die Taubenzucht lag im gastronomischen Zweck. Taubenverzehr war weit verbreitet, natürlich auch in Klöstern. Am Generalkapitel der Cistercienser im Jahr 1601 wurden 18 junge Tauben verzehrt (und – unter anderem – 18 Gänse, 6 Fasanen, 30 Hasen und 3 Schafe…). Taubengerichte sind in deutschsprachigen Ländern selten geworden, in Frankreich und Spanien sind sie heute noch beliebt. Auch in Asien werden Tauben gerne gegessen und sind ein wesentlicher Teil der Fleischproduktion.

Mehr zum Taubenhaus hier.

Die Schreibmaschine: Relikt vergangener Schriftkultur

Die Schreibmaschine entwickelte sich im großen Stil in der Zeit um 1880, als die Massenherstellung von den kleinen Druckern möglich wurde. Bis zum ersten Weltkrieg gelangte das Werkzeug zur Verwendung in allen (schriftlichen) Bereichen der westlichen Gesellschaft, von Kanzlei zu Kloster.

Berühmte Schritte in der Entwicklung der Maschine kamen durch die Elektrizität und dann in den 1960er Jahren, als IBM die Golfball-Mechanik einführte. Das Schreibmaschinen-Design erreichte einen letzten Höhenflug mit der Firma Olivetti, deren Valentine Produkt im Jahr 1970 etwas von den Träumen der Raumfahrt vermittelte.

In Klöstern wurde die Schreibmaschine genauso häufig verwendet, wie anderswo. Sie erreichte dort vielleicht sogar eine höhere Bedeutung, weil das Tippen in Klosterschulen unterrichtet wurde und viele Patres diverse private und berufliche Anlässe zur Verwendung von Schreibmaschinen hatten.

Weil in Klöstern das Werkzeug wie heiliges Altargerät betrachtet werden soll (RB 31,10) und die Schreibmaschinen meist nicht gewerblich verwendet wurden, kam es nie zu den pauschalen Entsorgungen und Neuanschaffungen, die in Firmen üblich sind. Und da man in Klöstern Dinge nicht gern wegwirft, kam es zur (ungeplanten) Bildung von exzentrischen Sammlungen, wie diese Anhäufung von aus dem Verkehr genommenen Schreibmaschinen am Gang eines Benediktinerklosters zeigt.

Äbte spendeten Priesterweihe bis ins 18. Jh.

Das spätmittelalterliche Kirchenrecht kennt einige Fälle, in denen Äbte mit dem päpstlichen Privileg ausgestattet wurden, die höheren Weihen zu spenden.

Papst Bonifaz IX. verlieh in der Bulle Sacrae religionis (1. Feb. 1400 | DH 1145) dem Abt des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Osyth in Essex (Diözese London) und seinen Nachfolgern die Vollmacht, den Professen des Klosters die Weihe zum Subdiakon, Diakon und Priester zu spenden. Das Privileg wurde auf Intervention des Ortsbischofs drei Jahre später durch die Bulle Apostolicae Sedis wieder zurückgenommen, aber diese sagte nichts über die Gültigkeit der inzwischen erteilten Weihen: Sie galten.

Einen ähnlichen Fall stellt die Bulle Gerentes ad vos (16. Nov. 1427 | DH 1290) dar, in der Papst Martin V. dem Abt des Cistercienserklosters Altzelle in der Diözese Meißen „auf einen Zeitraum von fünf Jahren hin“ erlaubte, „einzelnen Mönchen ebendieses Klosters und Personen, die Dir als Abt untergeben sind, auch alle heiligen Weihen zu spenden, ohne dass dafür die Erlaubnis des Ortsbischofs erforderlich wäre und die Apostolischen Konstitutionen und Anordnungen sowie die übrigen gegenteiligen (Verlautbarungen) in irgendeiner Weise entgegenstünden“. 

Ein drittes bekanntes Beispiel stammt ebenfalls aus dem Cistercienserorden. Innozenz VIII. erteilte mit der Bulle Exposcit tuae devotionis (9. Apr. 1489 | DH 1435) den Äbten von Cîteaux und den vier Primarabteien La Ferté, Pontigny, Clairvaux und Morimond das Vorrecht für die Spendung der Subdiakonats- und Diakonatsweihe eigener Professen, „damit die Mönche […] nicht gezwungen werden, für den Empfang der Weihen […] außerhalb des Klosters hierhin und dorthin zu laufen“. Dieses Vorrecht wurde bis ins späte 18. Jh. in Anspruch genommen. Im Rituale Cisterciense war lange Zeit der Ordo der Subdiakonats- und Diakonatsweihe zu finden.
Im Hintergrund steht das dogmatische Problem der Sakramentalität der Bischofsweihe, das lange Zeit nicht gelöst war. Die Frage nach der Stellung des Bischofsamtes im Unterschied zum Priesteramt blieb bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil ungeklärt (vgl. Lumen gentium 21). Ob der Priester außerordentlicher Spender der Priesterweihe sein kann – bei der Firmung ist das möglich – wurde bis heute nicht eindeutig beantwortet.

Erarbeitet von Johannes Lackner. Vgl. Anton Lässer, Die Beziehung von Bischofs- und Priesteramt aus der Sicht des Bußsakramentes (Dissertation Rom 2006) 49-118.

Die Primizkrone – Symbol geistlicher Vermählung

Primiziant, 1926

Die Krone wird verstanden als Zeichen für den Eintritt in einen dauernden Zustand, in dieser Hinsicht ist die Primizkrone vergleichbar mit einer Hochzeits- und Totenkrone. Weitere Deutungen der Priesterkrone sehen in ihr ein Zeichen der Jungfräulichkeit. Ein Gedicht aus der Mitte des 19. Jh.s fragt voll Bewunderung: „Wer bist du, Jüngling, mit dem Blütenkranze, jungfräulich um dein junges Haupt gewunden?“ Die Krone ist zu besagter Zeit in bayerischen und österreichischen Bistümern gut belegt (erste Spuren finden sich bereits um 1530) und hält sich bis in die Mitte des 20. Jh.s.
Die liturgische Verwendung der Krone war verschieden. Mal trug der Neupriester sie während des Einzugs (evtl. setzte die Mutter ihrem Priestersohn die Krone am Kirchenportal auf), mal trug ein Mädchen – die „Primizbraut“ – in der Prozession die Krone auf einem Kissen, mal trug der Neomyst sie während der gesamten Messfeier am Haupt. Die Beschaffenheit der Krone war von lokalem Brauch abhängig; erhaltene Exponate aus dem 19. Jh. sind meist etwa 12 cm hoch, bestehen aus Draht, sind je nach Anlass (z. B. zur Sekundiz) grün, silber oder gold gehalten und dekoriert mit Kunstblumen, -ähren oder -trauben.
Vgl. Monika Kania, Geistliche Hochzeit (Würzburg 1997) 165-168.

Gratulationsschreiben II. Teil: Akrostichon

Wir setzen unsere Sammlung von klösterlichen Buchstabenspielen fort mit einem Akrostichon aus 1790. 
Bei dieser literarischen Form ergeben die Anfangsbuchstaben, -silben oder -wörter der einzelnen Verszeilen hintereinander gereiht ein Wort oder mehrere. Der Terminus Akrostichon entspringt der griechischen Sprache und setzt sich aus akros (Spitze) und stichos (Vers) zusammen. Akrosticha stellten in der antiken, mittelalterlichen und barocken Dichtung ein beliebtes Schreibspiel und rhetorisches Stilmittel dar. Zudem gibt es zahlreiche Beispiele von Akrosticha in der jüdischen Literatur. Der hebräische Urtext des Alten Testamentes enthält etwa in Psalm 96 vier Verszeilen, deren Anfangsbuchstaben hintereinander gelesen den Gottesnamen JHWH ergeben (Ps 96,11).
Akrosticha finden sich in lyrischen Werken oder Liedern. Teilweise werden sie eingesetzt, um verschlüsselte Botschaften weiterzugeben. Die Anfangsbuchstaben können andererseits durch besondere Gestaltung künstlerisch hervorgehoben werden, sodass das Akrostichon optisch deutlicher hervortritt. Dies ist der Fall in einem Gratulationsschreiben an Abt Marian Reutter anlässlich seiner Wahl zum Abt von Heiligenkreuz im Jahr 1790. 
Marian, / der im Herzen milde ist, / im Eifer brennend, / im Geiste fromm, / in der Arbeit untadelig, / in der Gemeinschaft leutselig, / in der Wissenschaft herausragend, / in der Seele vortrefflich, / er soll führen… / in das Mysterium der Religion / zum gesteigerten Ruhm des Ordens / zum Wachstum der Gemeinschaft / zur Stärkung des Volkes / zum Bündnis der Freundschaft.

Europäische Nonnenklöster und der Loskauf afrikanischer Sklaven im 19. Jh.

Die online-Stellung von kirchlichen Matriken auf www.matricula-online.eu hat eine auffällige Taufe aus den Büchern des Salzburger Domes ans Licht gebracht. Die afrikanischen Mädchen Petronilla und Xaveria (beide ohne Nachnamen eingetragen) wurden am 30. Mai 1857 in den „stillen Hallen“ eines Salzburger Frauenklosters getauft; wahrscheinlich war es ein Ursulinen- oder Benediktinerinnenkloster. Von beiden Orden im Umfeld von Salzburg weiß man, dass sie durch Vermittlung des genuesischen Paters Nicolò Olivieri losgekaufte Sklavenkinder aufgenommen haben und vermutlich den Loskauf rückfinanziert haben. Olivieri hatte Petronilla (13 Jahre alt) und Xaveria (jünger) in Konstantinopel aus der Sklaverei freigekauft. Seit 1854 brachte Olivieri losgekaufte Sklavinnen in Österreich und Deutschland unter, sehr oft in Frauenklöstern. Seine Tätigkeit war ganz auf die Taufe und katholische Erziehung der Ex-Sklavinnen ausgerichtet. In einem Frauenkloster fand er die für seine Zwecke passende Kombination von Öffentlichkeit und Diskretion.

Die klösterliche Subvention seines Wirkens sollte andere Katholiken motivieren, ähnlich zu handeln. In diesem Sinne stellte Olivieri Ex-Sklaven bei einem Aufenhalt in Salzburg zur Schau; er ging mit jungen Afrikanern werbend durch die Stadt; in den Klöstern, wo sie untergebracht und getauft wurden, mussten sie sich über Tage hinweg der Bevölkerung zur Schau stellen. „Es lohnte sich: Sie bekamnen Geldgeschenke, Wäsche und neue Kleidungsstücke“ (Küppers-Braun 152).

Petronilla und Xaveria waren Analphabetinnen und nicht in der Lage, den Klosterfrauen in Salzburg Angaben über ihre Heimat zu machen; der klösterliche Chronist tippte auf Sudan oder Zambia als Herkunftsland. Sie waren zwei „der mehr als 800 Mädchen, die zwischen 1847 und 1864 von Pater Nicolò Olivieri und seine Helfer aus den Sklavenmärkten in Kairo und Alexandria freigekauft und zur Erziehung nach Europa gebracht wurden, um – enstprechend dem Missionsziel der Zeit – ihre Seelen zu retten“ (vgl. Zunker).

Die meisten Kinder starben nach weniger als drei Jahren in Europa. Todesursachen waren schwerwiegende Kinderkrankheiten aus ihrer traumatischen Vergangenheit, aber auch die Ansteckung durch europäische Viren, gegen die sie nicht immun waren und wofür es keine Impfungen gab; dies sind klassische Migrationsschicksale früherer Zeiten.

Der im 19. Jh. weit verbreitete, christlich motivierte Loskauf von andersgläubigen Sklaven ist selten erforscht worden, weil es in dem Fall nicht um den atlantischen Sklavenhandel geht. Der Sklavenverkehr über den Atlantik wird seitens nordamerikanischer Forschung intensiv untersucht. Der Sklavenhandel im östlichen Zentralafrika, dahingegen, ist noch nicht systematisch bearbeitet worden. Ebenso wenig bekannt ist die vorkoloniale Missionstätigkeit im östlichen Zentralafrika, die überwiegend von habsburgischen Ländern und Italien ausging (Küppers-Braun 143). Allein in Wien gab es eine Reihe von Kongregationen, die in regelmäßig erscheinenden (aber heute schwer auffindbaren) Missionszeitschriften ihren Sponsoren über die afrikanische Missionsarbeit berichtet haben.

* Ute Küppers-Braun, P. Niccolò Olivieri und der (Los-)Kauf afrikanischer Sklavenkinder in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte 105 (2011) 141-166.
* Maria Magdalena Zunker, Drei „arme Mohrenkinder“ in der Benediktinerinnenabtei St. Walburg, Eichstätt. Eine Spurensuche, in: SMGB 114 (2003) 481-532.
* Archiv der Erzdiözese Salzburg, Pfarrmatriken, Salzburg-Dompfarre, Taufbuch XII S. 68f.

Europäische Nonnenklöster und der Loskauf afrikanischer Sklaven im 19. Jh.

Die online-Stellung von kirchlichen Matriken auf www.matricula-online.eu hat eine auffällige Taufe aus den Büchern des Salzburger Domes ans Licht gebracht. Die afrikanischen Mädchen Petronilla und Xaveria (beide ohne Nachnamen eingetragen) wurden am 30. Mai 1857 in den „stillen Hallen“ eines Salzburger Frauenklosters getauft; wahrscheinlich war es ein Ursulinen- oder Benediktinerinnenkloster. Von beiden Orden im Umfeld von Salzburg weiß man, dass sie durch Vermittlung des genuesischen Paters Nicolò Olivieri losgekaufte Sklavenkinder aufgenommen haben und vermutlich den Loskauf rückfinanziert haben. Olivieri hatte Petronilla (13 Jahre alt) und Xaveria (jünger) in Konstantinopel aus der Sklaverei freigekauft. Seit 1854 brachte Olivieri losgekaufte Sklavinnen in Österreich und Deutschland unter, sehr oft in Frauenklöstern. Seine Tätigkeit war ganz auf die Taufe und katholische Erziehung der Ex-Sklavinnen ausgerichtet. In einem Frauenkloster fand er die für seine Zwecke passende Kombination von Öffentlichkeit und Diskretion.

Die klösterliche Subvention seines Wirkens sollte andere Katholiken motivieren, ähnlich zu handeln. In diesem Sinne stellte Olivieri Ex-Sklaven bei einem Aufenhalt in Salzburg zur Schau; er ging mit jungen Afrikanern werbend durch die Stadt; in den Klöstern, wo sie untergebracht und getauft wurden, mussten sie sich über Tage hinweg der Bevölkerung zur Schau stellen. „Es lohnte sich: Sie bekamnen Geldgeschenke, Wäsche und neue Kleidungsstücke“ (Küppers-Braun 152).

Petronilla und Xaveria waren Analphabetinnen und nicht in der Lage, den Klosterfrauen in Salzburg Angaben über ihre Heimat zu machen; der klösterliche Chronist tippte auf Sudan oder Zambia als Herkunftsland. Sie waren zwei „der mehr als 800 Mädchen, die zwischen 1847 und 1864 von Pater Nicolò Olivieri und seine Helfer aus den Sklavenmärkten in Kairo und Alexandria freigekauft und zur Erziehung nach Europa gebracht wurden, um – enstprechend dem Missionsziel der Zeit – ihre Seelen zu retten“ (vgl. Zunker).

Die meisten Kinder starben nach weniger als drei Jahren in Europa. Todesursachen waren schwerwiegende Kinderkrankheiten aus ihrer traumatischen Vergangenheit, aber auch die Ansteckung durch europäische Viren, gegen die sie nicht immun waren und wofür es keine Impfungen gab; dies sind klassische Migrationsschicksale früherer Zeiten.

Der im 19. Jh. weit verbreitete, christlich motivierte Loskauf von andersgläubigen Sklaven ist selten erforscht worden, weil es in dem Fall nicht um den atlantischen Sklavenhandel geht. Der Sklavenverkehr über den Atlantik wird seitens nordamerikanischer Forschung intensiv untersucht. Der Sklavenhandel im östlichen Zentralafrika, dahingegen, ist noch nicht systematisch bearbeitet worden. Ebenso wenig bekannt ist die vorkoloniale Missionstätigkeit im östlichen Zentralafrika, die überwiegend von habsburgischen Ländern und Italien ausging (Küppers-Braun 143). Allein in Wien gab es eine Reihe von Kongregationen, die in regelmäßig erscheinenden (aber heute schwer auffindbaren) Missionszeitschriften ihren Sponsoren über die afrikanische Missionsarbeit berichtet haben.

* Ute Küppers-Braun, P. Niccolò Olivieri und der (Los-)Kauf afrikanischer Sklavenkinder in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte 105 (2011) 141-166.
* Maria Magdalena Zunker, Drei „arme Mohrenkinder“ in der Benediktinerinnenabtei St. Walburg, Eichstätt. Eine Spurensuche, in: SMGB 114 (2003) 481-532.
* Archiv der Erzdiözese Salzburg, Pfarrmatriken, Salzburg-Dompfarre, Taufbuch XII S. 68f.

Ph.D. Grants available for Research on Bernard and Origen

A proposed research project in England focuses on the theological anthropology of Bernard of Clairvaux (1090-1153). Bernard was firmly embedded in the Augustinian theological tradition, but Origen’s ideas also seem to have influenced Bernard’s views on human freedom, e.g., via his optimistic Christology and doctrine of justification. 

The project thus aims, first, to detect the influences of Origen on Bernard’s anthropology. Second, it will distil the impact of Bernard’s theology on later debates. Candidates should be willing to work at the Centre of Early Christianity and Its Reception at the University of Kent (England). Knowledge of Greek and Latin will be an advantage. Main supervisor will be Professor Dr. Karla Pollmann, who can be contacted for further information via k.f.l.pollmann@kent.ac.uk.

Doktorandenkolloquium EUCist10 fand in Heiligenkreuz statt


Die 10. EUCist-Tagung am 4.-5. März 2016 hatte wie 2010, 2012 und 2014 das Anliegen, eine offene Diskussion über Dissertationen im Bereich der Cistercienserforschung zu ermöglichen.

PETRA BEISEL-AUTENRIETH (Heidelberg) referierte über die nichtliturgischen Lesungen verschiedener Cistercienserklöster insbesondere im 12. und 13. Jahrhundert. Für die Forschung werden jene Klöster herangezogen, deren Bibliotheksbestand im fraglichen Zeitraum weitgehend gesichert ist. Die für Lesungen verwendete Texte seien durch das von den Cistercienser verwendete Interpunktionssystem, zum Zwecke der Vereinheitlichung der Vorträge, identifizierbar. Ziel sei es, auf der einen Seite die Gründe, auf der anderen Seite die Folgerungen im Hinblick auf historische, theologische und spirituelle Aspekte herauszuarbeiten.

Unter dem Titel „Mittelalterliche Schriftkultur. Schriftlichkeit und Buchproduktion in den Oberpfälzer Cistercienserklöstern bis zu ihrer Aufhebung im 16. Jahrhundert“ boten JIŘÌ PETRÁŠEK und CHRISTIAN MALZER (Regensburg) einen kurzen Erfahrungsbericht über eine an der Universität Regensburg abgehaltene Paläographie-Übung, die sich mit einer spätmittelalterlichen Sammlung von Farbrezepten aus der Cistercienserabtei Waldsassen befasst hatte. Aus der Lehrveranstaltung ging im Sommer 2015, in Kooperation mit der Staatlichen Bibliothek Amberg, eine mit Studierenden erarbeitete Ausstellung hervor, die sich in vergleichender Perspektive mit dem Schriftbetrieb der Ordenshäuser Waldsassen, Walderbach, Seligenporten und Pielenhofen befasste. Die Referenten stellten in ihrem Vortrag die zentralen Ergebnisse ihrer Recherchen vor und präsentierten zugleich die zweite, leicht erweiterte Auflage des Begleitbandes (ISBN: 978-3-9817968-1-0), der ausgehend von den genannten Fallbeispielen die Schriftkultur in mittelalterlichen Cistercienserklöstern behandelt.

IRENE RABL (Wien) präsentierte ihre Dissertation „‚Ite ad Joseph‘. Chrysostomus Wieser und die Lilienfelder Erzbruderschaft des Hl. Joseph“ (approbiert 2014 an der Universität Wien, publiziert 2015). Diese stellt den Lilienfelder Abt Chrysostomus Wieser (reg. 1716-1747), der ein reformerisches Wirken entfaltete, was sich in seinen Predigten, in der barocken Einrichtung der Lilienfelder Stiftskirche, die auf ihn zurückgeht, und in seiner Verbindung zur 1653 in Lilienfeld gegründeten Josephsbruderschaft zeigte.

Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten führt THOMAS BÜTTNER eine „Kulturlandschaftsinventarisation“ des Steigerwaldes zur Erfassung von historischen Kulturlandschaftselementen durch. Für die Siedlungsentwicklung, Landnutzungsformen und die Waldwirtschaft sei insbesondere die 1127 im nördlichen Steigerwald gegründete Cistercienser-Abtei Ebrach maßgeblich gewesen. Dasselbe gelte für landschaftsprägende Elemente wie Kirchen und Kapellen, Amts- und Wirtschaftshöfen, Altstraßen, Wüstungen u.v.m. Ziel des Projektes sei es das cisterciensische Wirken in seinem ganzen Facettenreichtum aufzuzeigen, auch europaweit zusammen mit anderen Projekten und so ein Europäisches Kulturerbe-Siegel oder gar einen UNESCO-Weltkulturerbe-Titel zu erlangen.

Bei ELENA VANELLIs Referat ging es um die Entstehung der Cistercienserinnen, die in einer frühen Phase als mulieres religiosae auftraten. Nach einem Überblick über das religiöse Panorama am Anfang des 13. Jahrhunderts wurden zwei bereits ausgewählte italienische Fallbeispiele, S. Giovanni della Pipia in Cremona und S. Cristoforo in Pavia, vorgestellt, als Ausgangspunkt der Studien. Es wurden auch mehrere Fragestellungen zum Institutionalisierungsprozess von locker gefügten religiösen Frauengemeinschaften thematisiert. Von Deutschland ausgehend wurden der Wunsch und die Möglichkeit eines Vergleiches zwischen den verschiedenen Gebieten Europas zum Schluss geäußert.

Im Dissertationsprojekt von ALEXANDER MARX (Wien), das im Zuge der Tagung vorgestellt wurde, geht es um die Kreuzzüge im späteren 12. Jh. und frühen 13. Jh. mit besonderem Fokus auf dem Dritten Kreuzzug (1187-92). Vor allem gehe es um die Geschehnisse im Vorfeld des Kreuzzuges also die Predigt und Mobilisierung und damit die kulturell-religiös verankerten Vorstellungen und Erwartungen, die tausende historische Akteure zu dieser gefährlichen, entbehrungsreichen Reise motivierten. Insbesondere berücksichtigt würden die Texte der Cistercienser (z. B. Garnerius von Clairvaux oder Heinrich von Albano). Im Zuge des Vortrags wurden zwei offene Punkte angesprochen; erstens diverse Problemstellungen rund um das Quellengenre der Predigt sowie zweitens die Entwicklung eines neuen methodisch-analytischen Ansatzes, der darin besteht die Kreuzzugsquellen mit der zeitgenössischen Exegese in Verbindung zu bringen, um biblische Bausteine in Kreuzzugsquellen zu verstehen und zu diskutieren.

Gegenstand der Forschung von MONIKA MICHALSKA sind die mittelalterlichen Gründungsüberlieferungen der drei Cistercienserklöster in Schlesien: Leubus, Heinrichau, und Grüssau. Das Ziel sei, die Gründungsüberlieferungen der oben genannten Klöster darzustellen als in der Zeit evolvierenden Prozess eines durchdachten Auswahlverfahrens ausgewählter Elemente aus der frühesten Geschichte der Klöster, die einer kontinuierlichen Überarbeitung und Bewertung unterzogen wurden. Die Gründungsüberlieferung sei in jedem Fall auf die aktuellen Bedürfnisse des Konvents, insbesondere angesichts der wirtschaftlichen, politischen und internen Krisen eingestellt worden.
Ihre Forschung führt Michalska auf vier Ebenen durch. Die erste Ebene hängt mit der Stiftung als historischer Prozess zusammen, die zweite kreist um das Thema Klostergründung als eine literarische Kreation, und die dritte ist den Erinnerungen der lokalen Gemeinschaft an den Ursprung der Cistercienser gewidmet. Die letzte Ebene gelte für die Transmission der Stiftungstradition, sowohl im Inneren der Klostergemeinschaft, wie auch nach draußen. Das Ergebnis der Forschung der vier oben genannten Aspekte werde darstellen, wie die Mönche die Bestände der Gründungsüberlieferung für den Aufbau einer Gruppenidentität, eines Bildes der Gemeinde, der Handlungsmuster und Verhaltensweisen ausnutzten.

Die Referate wurden im Plenum unter der Leitung von den Professoren Jörg Oberste (Regensburg) und P. Alkuin Schachenmayr O.Cist. (Heiligenkreuz) besprochen. Der Austausch an Forschungserfahrungen brachte den Teilnehmern viel, wie auch die Eindrücke vom Leben in einer Cistercienserabtei der Gegenwart. cp

Leontius Hervay, accomplished Cistercian Scholar and Librarian, dies at 98

Hervay in 2010
Francis Hervay was born Januar 7, 1919 in Pozsony, Hungary (today Bratislava, Slovakia). He began elementary school in Debrecen and continued in Pécs, where he attended the Cistercian School from 1929 to 1937. After graduation he entered the Cistercian Monastery of Zirc and received the old Hungarian name Levente, which corresponds to Leontius in Latin. After three years of philosophy and theology in Zirc, he continued studies in history and geography at the Royal University of Budapest. He took solemn vows in 1944 and was ordained priest on May 16, 1944 by Cardinal Mindszenty, still bishop of Veszprém at the time. Before finishing his teaching internship in Budapest, the last months of the Second World War forced him to return to Zirc, where he was assistant novice master, assistant cellarer and inspector of the forests. From 1946 until the confiscation of the Catholic schools in 1949 he taught at the Cistercian School of Eger. His ministry for those three years turned him into a legend among the school’s alumni. When he learned of his death, one student of his from 1946-49 wrote, “If there was a saint among the Cistercians in Eger, that was Fr. Levente.” In addition to teaching he headed up the boarding school, served as Form Master and was a prominent leader of the Boy Scouts of Eger. When removed from the school, he became assistant pastor at the Cistercian School until 1952. 

Increasing Communist persecution eventually made it impossible for him to work as a priest. In the years 1953-55 he was a menial laborer in the forests of the Eger region. In 1959-60 he was librarian at the Eger archdiocesan library, and was then forced to work in local forests again. During these years he undertook the intensive and secret pastoral activity of teaching religion in families’ homes. However, he was discovered, arrested and sentenced to four and a half years of imprisonment. Due to Communist efforts to “normalize” relations with the Holy See, he was granted amnesty in 1963 and released. Thereafter, at the intervention of Professor Mezey, one of his earlier teachers of history, he was granted a research position with the Hungarian Academy of Sciences. His main work was at the National Széchényi Library in Budapest, where he was part of a research team studying ancient Hungarian prints and publications. His outstanding contributions to a series of publications on Hungarian libraries produced innovations in the field and brought him international recognition.

In 1990, when the monastery of Zirc was reopened, Fr. Levente was among the first to return to the Abbey and worked hard on rebuilding and refurnishing the monastery. In spite of his advanced age, he worked as cellarer and subprior, established a library for the young monks and participated in every feature of community life.

Although with regrettable interruptions, Fr. Levente worked for sixty years on an international Cistercian bibliography. When he was finally allowed to travel abroad, he visited more than 400 locations searching for remnants of Cistercian monastery libraries all over Europe, from Norway to Sicily and from Ireland to Poland. He wrote several hundred articles for various lexica. In his major work, Repertorium Historicum Ordinis Cisterciensis in Hungaria, he published the history of all Cistercian monasteries from the earliest medieval monasteries in the Kingdom of Hungary. For his work in Hungarian church history, he received the Fraknói Award in 2001, and in 2011 the Ferenc Széchényi Award, presented to him by the President of the Republic of Hungary.

He died on February 9, 2016 and was buried in Zirc on February 12. He was 98 years old.

Analecta Cisterciensia 65 (2015) erschienen!

Die jüngste Ausgabe, die zehnte unter Herausgeber P. Alkuin Schachenmayr, ist nun über den Buchhandel und direkt beim Be&Be Verlag erhältlich. Die unten angegeben Titel sind Kurzfassungen.

P. Alkuin Schachenmayr, Wirtschaftsgeschichte und Cistercienserforschung, 3
Werner Rösener, Die Cistercienser und die Wirtschaft, 14
Martin Schröter, Besitzgeschichte des Klosters Reinfeld, 33
Jörg Oberste, Das Verschuldungsproblem im mittelalterlichen Cistercienserorden, 53
Katja Hillebrand, Das Klosterbuch für Schleswig-Holstein und Hamburg, 73
Simon Sosnitza, Loccums natürliche Ressourcennutzung, 92
Sebastian Slawik, Die Kleidung der Cistercienser im Mittelalter, 134
Peter Wiesflecker, Die textile „Mitgift“ von (adeligen) Nonnen, 152
Immo Bernhard Eberl, Das Mönchtum in der Betrachtung Martin Luthers, 206
Leonhard Scherg, Die Generalprokuratoren des Cistercienserordens, 246
Jörg Sonntag, Der Regelkommentar aus Pontigny, 257
P. Paul Verdeyen, Wilhelm von Saint-Thierry, 268
P. Pius Maurer, Lebenslauf Generalabt Maurus Esteva Alsina (1933-2014), 433
P. Francisco Rafael de Pascual, Die Märtyrer von Viaceli, 452
Simon Haupt, Burganlagen als Basis für cisterciensische Klostergründungen, 462
…. und Tagungsberichte und Rezensionen

Äbtissinnen mit Pontifikalien

In der Diskussion über die Frauenweihe ist überraschend wenig die Rede von Äbtissinnen und der Auswahl an Privilegien, die ihnen in manchen Epochen und Klöstern verliehen wurden. Die kanonistische Dissertation von Josemaria Escriva de Belaguer behandelt den berühmtesten Fall der Neuzeit: Las Huelgas. In den links und rechts stehenden Aufnahmen aus Las Huelgas im 20. Jh. erkennt man die Fortsetzung des Privilegs, nicht nur Stab sondern auch eine Diakonissinnenstola zu tragen. Die Äbtissin durfte bzw. musste bei feierlichen Vigilien das Evangelium verkünden können, daraus ergab sich die Stola. Die Homilie hielt sie allerdings, wie die meisten Äbte des Mittelalters auch, im Kapitelsaal außerhalb der Messe; dafür brauchte sie keine Stola.

Auf einer der EUCist-News Redaktion bislang unbekannten spanischen Homepage werden weitere Beispiele von Äbtissinnengewandung im Cistercienserorden gezeigt. Ein sehr seltener Fall besteht in der Erweiterung der Kukulle zur Schleppenlänge, wie im Bild rechts. Weitere Entfaltungsmöglichkeiten sind bis heute durch Pontifikalhandschuhe gegeben.

Eine der berühmtesten Äbtissinnen von Las Huelgas war María Ana de Austria (1568-1629), die sich allerdings ohne Pontifikalien porträtieren ließ. In ihrem Porträt unten steht sie in verhältnismäßig schlichter Haltung, ohne Brustkreuz aber (vielleicht stattdessen) mit einer Art Rosenkranz um den Hals, dem Stab in Händen und schwarzen Ärmeln. Cisterciensische Porträtur aus dieser Epoche, sei sie männlich oder weiblich, betont den dezenten, fast nur für Insider erkennbaren dünnen Rand des Skapuliers am unteren Kukullensaum.

Äbtissinnen mit Pontifikalien

In der Diskussion über die Frauenweihe ist überraschend wenig die Rede von Äbtissinnen und der Auswahl an Privilegien, die ihnen in manchen Epochen und Klöstern verliehen wurden. Die kanonistische Dissertation von Josemaria Escriva de Belaguer behandelt den berühmtesten Fall der Neuzeit: Las Huelgas. In den links und rechts stehenden Aufnahmen aus Las Huelgas im 20. Jh. erkennt man die Fortsetzung des Privilegs, nicht nur Stab sondern auch eine Diakonissinnenstola zu tragen. Die Äbtissin durfte bzw. musste bei feierlichen Vigilien das Evangelium verkünden können, daraus ergab sich die Stola. Die Homilie hielt sie allerdings, wie die meisten Äbte des Mittelalters auch, im Kapitelsaal außerhalb der Messe; dafür brauchte sie keine Stola.

Auf einer der EUCist-News Redaktion bislang unbekannten spanischen Homepage werden weitere Beispiele von Äbtissinnengewandung im Cistercienserorden gezeigt. Ein sehr seltener Fall besteht in der Erweiterung der Kukulle zur Schleppenlänge, wie im Bild rechts. Weitere Entfaltungsmöglichkeiten sind bis heute durch Pontifikalhandschuhe gegeben.

Eine der berühmtesten Äbtissinnen von Las Huelgas war María Ana de Austria (1568-1629), die sich allerdings ohne Pontifikalien porträtieren ließ. In ihrem Porträt unten steht sie in verhältnismäßig schlichter Haltung, ohne Brustkreuz aber (vielleicht stattdessen) mit einer Art Rosenkranz um den Hals, dem Stab in Händen und schwarzen Ärmeln. Cisterciensische Porträtur aus dieser Epoche, sei sie männlich oder weiblich, betont den dezenten, fast nur für Insider erkennbaren dünnen Rand des Skapuliers am unteren Kukullensaum.

Jan. 26th, Solemnity of the Founders of Cîteaux

Br. Raphael Schaner, junior monk at Our Lady of Dallas, portrays the three holy founders of Cîteaux in this traditional yet not so traditional work. Those familiar with Cistercian iconography know to expect a progression from left to right that traditionally shows first Robert, then Alberic, then Stephen. Schaner adopts that sequence and focusses on the saints‘ attributes, not their physiognomy, of which we know very little. Robert is shown with the abbey’s groundplan since he was responsible for the first buildings. Alberich was famous for his knowledge and observance of the Rule of St. Benedict and his charism for performing the abbot’s administrative duties. The third figure is Stephen Harding, under whose abbacy the Carta Caritatis was first composed; he is holding a copy. The backround shows one unified, modern, printed text of monastic legislation that connects the three columns and thereby points to consistency and fraternal unity. The Order’s initial austerity shines through the strict separation of black and white.

Das Konventsiegel als Gegenstück zum Abtssiegel

Mit der Erlaubnis von Papst Benedikt XII. im Jahr 1335 erhielt jede Cistercienserabtei das Privileg einer zweiten Beurkundungsstelle. Anfangs hat nur die Abtskanzlei über ein Siegel verfügt. Als es aber zu häufig abwesenden oder wirtschaftlich verantwortungslosen Äbten kam, bot das Konventsiegel einen Ausweg für besorgte Konvente. Das zweite Siegel wurde vom Prior verwaltet und erlaubte dem Kloster eine juristische und verwaltungstechnische Alternative zum Abtssiegel. Fortan mussten in besonders spannungsbeladenen Situation beide Parteien – Abt und Konvent – ihre Zustimmung zur Transaktion geben. Der Abt besiegelte und der Konvent leistete dazu die Gegenbesiegelung.

Auch in wohlgeordneten und observanten Klöstern lebte das Konventsiegel fort. Es war in der Zeit der Barockprälaten, die wegen ihrer Verpflichtungen am Hof oft abwesend waren, das amtliche Siegel des Priors. Sie waren in der Frühen Neuzeit keine Seltenheit auf wichtigen Briefen, die der Prior verfasste; auch im 20. Jh. wurden sie als Priorats“stempel“ häufig verwendet, ohne freilich eine vorhergehende Abstimmung im Konvent zu implizieren.

Es wird oft gesagt, dass ein Konventsiegel eine marianische Darstellung braucht. In der Tat sind Mariendarstellungen in den Siegelbildern des 14. Jahrhunderts weit verbreitet, aber es gibt Ausnahmen. Das Bild oben zeigt das Konventsiegel von Heiligenkreuz; darauf finden wir keine Mariendarstellung, sondern die in einer Kukulle gekleidete Hand des Abtes, den Abtsstab haltend. Wie im ähnlichen Konventsiegel des Klosters Rievaulx (Yorkshire) von 1315 greift man hier den Konventgedanken anders auf. Es geht nicht um eine Opposition zwischen Abt und Prior, sondern um das Siegel als Zeichen der Einheit. Es wurde vom Prior und vier dazu bestimmten Mönchen verwaltet. Eventuell unterscheidet das zweite Kreuz im abgebildeten Heiligenkreuzer Siegel das Konventsiegel vom Abtssiegel. Heraldisch wäre das zweite Kreuz sonst schwer zu erklären.

Das Konventsiegel von Himmerod (rechts) zeigt auch keine Mariendarstellung, geht aber in sehr eleganter und ziffernmystischer Weise auf die Einheit zwischen Abt und Konvent ein.

Veneration of St. Thomas Becket among Cistercians


The archbishop murdered in his own cathedral on 29 December, 1170 is perhaps the most dramatic martyr for ecclesial rights in the struggle between worldly power and the church’s theoretical exemption from it. The Church commemorates him on 29 December.

Because of his role in the Investiture Controversy and his exemplary way of life as a bishop, Thomas Becket enjoyed special veneration among Cistercians. These two episcopal virtues appear often in Cistercian hagiography, e.g. in Bernard’s life of Malachy and his well-known defense of the papacy.
Thomas was a canon lawyer but first and foremost a priest. He may have even thought of himself as a monk. When he was informed that a papal envoy had come to bring the soon-to-be martyr his pallium as Archbishop of Canterbury, Becket went out to meet the diplomat in his bare feet, as a sign of humility. His service in Canterbury was to become deeply troubled only two years later, mainly through the Constitutions of Clarendon, King Henry’s attempt to gain jurisdiction over matters usually reserved to ecclesiastical courts.
Special veneration for Thomas among Cistercians dates back to Becket’s exile in Pontigny, one of our French abbeys. Roger, a monk there, documented this long visit in his vita of Saint Thomas. While there during 1164 and 1165, Thomas clearly enjoyed the Cistercians‘ favor, ordaining several of them (including Roger) to the priesthood during his stay. It was in Pontigny that he befriended Isaac of Stella, who may have lost the abbacy of Stella as a result of this alliance; Isaac soon fled to the Isle of Ré, perhaps because King Henry had threatened the entire Order with severe sanctions if it continued to protect Becket.
Becket’s assassination in the cathedral led to an unusually rapid canonization and widespread veneration across Europe, remarkable in its own right because of the slightly arcane nature of the dispute. Western dramatists from the Romantic and Modernist eras took to the subject matter again; literary treatments by Tennyson (1884), Anouilh (1959) and most of all T.S. Eliot (1935, filmed in 1951) reached wide audiences.

Palindrome in klösterlichen Gratulationsschriften

Ein Palindrom (griechisch für ‚rückwärts laufend‘) ist eine Zeichenkette, die dieselbe Reihenfolge ergibt, egal ob von vorn oder von hinten gelesen. Gratulationsschreiben der Barockzeit greifen oft auf dieses rätselhafte Wortspiel zurück, wie wir anhand der folgenden Textbeispiele sehen.

In einem Fall kommt bei der Buchstabenfolge die Abbildung eines Kelches durch buchstäbliche Wortmalerei (!) zustande, denn man feierte in diesem süddeutschen Kloster das Weihejubiläum des Abtes. Zugegeben: Bei manchen Palindromen ist es gar nicht so einfach, den Sinn zu entziffern; manche sind auch fantasievoller als andere. Das kürzeste und wohl verbreiteste Palindrom geht auf Tertullian zurück und hat auch einen tiefen theologischen Sinn: Ave Eva! Damit wird der Sündenfall der einen Frau durch die Auserwählung der Immakulata (Grußwort des Engels Gabriel an Maria) geheilt. Mehr Beispiele von Palindromen gibt es hier

Die Zellentür und ihr Guckloch

Die Geschichte der Klosterzelle ist ein Thema, über das wir überraschend wenig wissen. Bekanntlich haben Cistercienser zunächst in Schlafsälen gewohnt; die Wohnbereiche waren mit dünnen Holz- und Stoffwände von einander getrennt. Im Verlauf des Spätmittelalters kam die Einzelzelle auf, diese wurde mal mehr, mal weniger gutgeheißen, weil sie als Zeichen des unerwünschten Individualismus gedeutet wurde. Andererseits entwickelt sich eine tiefe Mystik der Zelle als das Kämmerlein des Gebetes und des verinnerlichten Gespräches mit Gott.

 Die Klosterzelle ist immer im Rückbezug auf jeweilige Gesellschaften zu verstehen. Westlich geprägte Menschen des 21. Jh.s erwarten nicht nur die „eigenen vier Wände“, sondern meist auch eine private Nasszelle. Das war vor wenigen Generationen undenkbar. Was ist „privat“, was ist „andächtig zurückgezogen“? Große Schwankungen würden sich in einer geschichtlichen Gesamtdarstellung der Zelle zeigen.

In diesen Bildern zeigen wir Zellentüren aus dem 18. Jh., die mit einem Guckloch (nach innen!) ausgestattet sind. Die Löcher wurden von den Oberen dazu verwendet, um zu kontrollieren, ob der Mönch zur vorgeschriebenen Zeit betet – oder schläft.

Bibliothek der Abtei Clairvaux geht online

Die mittelalterliche Bibliothek der Abtei Clairvaux – 1.150 Handschriften und 500.000 Farbseiten – ist nun online. Anlässlich des 900. Jahrestages der Klostergründung von Clairvaux (1115) und beflügelt durch die Ernennung der Bibliothek zum Unesco Weltkulturerbe (2009) will diese Initiative der Bibliothek ein „zweites, digitales Leben“ schenken. Am 13. Oktober wurde in Zusammenarbeit mit der Bibliothèque nationale de France ein gratis online Zugang lanciert. Die Onlinestellung von mittelalterlichen Texten ist zwar nicht wirklich neu, aber die technischen Mittel, die auf genannter Homepage zur Verfügung stellen, zeugen von einem riesigen technischen Qualitätssprung. Es geht hier auch um die Vermittlung von mittelalterlichen Schriften an ein allgemeines Publikum. Dazu setzt die Médiathèque du Grand Troyes Mittel ein, die den erfahrenen Forschern vielleicht wie special effects erscheinen, aber es geht eben um die Vermittlung einer als „schwierig“ geltenden Materie an eine neue Generation. Ein Besuch auf der Homepage ist verpflichtend.

Böden und Fliesen

Wenige Böden aus dem Mittelalter sind erhalten; wo sie nicht abgenützt wurden, wurden sie überschüttet. Merkwürdigerweise ist Bodenbelag gar nicht so langfristig. Böden sind mehr ein Zierelement als man denken würde: Man richtet sie am Schluss der Bauarbeiten ein, da man keine Gerüste auf ihnen aufstellen sollte. Fenster müssen fertig sein, bevor man den Boden legt. Die ältest erhaltenen Fliesen sind auf das Ende des 12. Jh.s datiert, sind dunkelgrün, gelb, braun oder schwarz und hochpoliert. Ihre geometrischen Entwurfe sind – wie auch im Fall der Grisaillefenster – oft einfach und spielerisch zugleich, weil die kreative Muster fantasievolle Verknüpfungen ergeben. Sie haben sogar eine liturgiewissenschaftliche Dimension, weil die Fliesenlegung gewisse Zonen in der Kirche abgegrenzt haben oder als Richtlinien dienten, etwa für die Aufstellung der Schola oder eines Lektors.
Bis in das 13. Jh. gab es keine Gesetzgebung vom Generalkapitel über die Böden in Cistercienserkirchen; der erste Hinweis ist aus dem GK 1205, als der Abt von Pontigny dafür gerügt wurde, einen zu prächtigen Boden in seiner Kirche gelegt zu haben.
Im Bild: Fliesen im Kreuzgang der ehem. Abtei Loccum. Literatur: Christopher Norton, ‚Early Cistercian Tile Pavements‘, in: Cistercian Art and Architecture, ed. Christopher Norton and David Park (Cambridge 1986) 228-255.

Amerikanische Cistercienserinnen planen Neubau in Form einer Benediktusmedaille


Das Cistercienserinnenkloster Valley of Our Lady in der Nähe von Madison im US-Bundesstaat Wisconsin hat ein großes Bauvorhaben: Weil sich die Zahl der Nonnen in den letzten zehn Jahren explosionsartig auf aktuell 20 verdoppelt hat, entschied sich der Konvent zum Bau eines neuen Klosterkomplexes. Der Neubau soll Platz für 35 Nonnen bieten und wird vom Architekturbüro Cram and Ferguson entworfen.

Geplant sind für Valley of Our Lady neben einem Gästehaus, einer Bibliothek, einem Refektorium und einer Infirmerie auch ein oktogonales Kapitelhaus sowie ein Neubau der Klosterbäckerei. Der Komplex soll um drei Innenhöfe arrangiert werden; zentrales Element der Anlage wird der Haupthof mit Brunnen. Dieser Bereich sei – nach der Idee der Priorin – urbenediktinisch und wird daher in der Form einer Benediktus-Medaille angelegt.

Eine ähnlich symbolisch angelegte Klosteranlage findet man in Dünamünde (Luftbild, unten), einem ehemaligen Cistercienserkloster 12 km von der lettischen Hauptstadt Riga entfernt.

Das Kloster Valley of Out Lady wurde 1957 in der Diözese Madison gegründet; der alte, sehr beengte Klosterbau stammt noch aus den 1960er Jahren. Die Nonnen leben von der Herstellung von Hostien und anderen Produkten. Website zum Neubau des Klosters hier.

Schilder, Aushänge, Wandverzeichnisse

In vielen Klöstern sind fantasiereiche Beschilderungssysteme aus der Frühen Neuzeit und dem 19. Jh. erhalten. Heute kennen wir zur Informationsvermittlung fast nur Bildschirme, aber in Klöstern sind Beschilderungen erhalten, die früher an Arbeitsplätzen und in öffentlichen Räumen verbreitet waren, meist aber verschollen sind.

Beispiele dafür sind Verzeichnisse von der Arbeitseinteilung (so genannte Wochendienste wie Zelebrant beim Konventamt, Tischdiener oder Pförtner). Dann gibt es die Tafel an der Zellentür, die auf den Aufenthaltsort des abwesenden Mitbruders hinweist („Bin in der Kanzlei, Bibliothek, Küche“ usw.). Diese Systeme wurden geschickt entworfen und eingesetzt, keine zwei sind gleich. Sie zeugen von einer vergessenen Schriftlichkeit und klösterlichen Verwaltungskultur.

Märtyrer von Viaceli werden 3. Okt. seliggesprochen

Die 16 Cistercienser Märtyrer von Viaceli, die während des Spanischen Bürgerkriegs 1936 ermordet wurden, werden am 3. Oktober 2015 in der an der Nordküste von Spanien gelegenen Bischofsstadt Santander seliggesprochen. Erstaunlich ist der geringe Bekanntheitsgrad von dieser beachtlichen Zahl von jungen Mönchen und Nonnen (die Mehrzahl am Tag ihrer Ermordung unter 30 Jahre alt), die ihr Leben für Christus geopfert haben. Neuerdings gibt es online ein Infoblatt auf Spanisch. Im deutschsprachigen Raum ist so gut wie nichts bekannt, außer dem (vom EUCist bewerkstelligten) Wiki-Artikel hier und einem Text auf ocso.org.

Bei der in den säkularen Medien weit verbreiteten und minutiösen Berichterstattung über klerikales Fehlverhalten (Sex and Crime), wollen wir abwarten, mit welcher Aufmerksamkeit über die Heldentaten der Cistercienser von Viaceli berichtet wird. Die Seligsprechung wird auch zeigen, ob die Dezentralisierung dieser feierlichen Liturgien die Verehrung fördert oder hindert. Seligsprechungen, die früher implizit als eine privilegierte Amtshandlung des Papstes verstanden wurden, finden nunmehr überwiegend lokal statt, selten auf dem Petersplatz und beinahe nie mit dem Papst als Vorsteher.

Ebenso fällt auf, dass die klösterlichen Organisatoren, die für die Verwaltung des Verfahrens zuständig sind, sich für eine offizielle, neo-byzantinische Ikonendarstellung der Märtyrer entschieden haben. Somit dokumentieren sie einen gewissen Bruch in der bildlichen Symbolgeschichte unseres Ordens. Cistercienserheilige als orthodoxe Mönche und Nonnen abzubilden eröffnet ein beinahe unüberschaubares Potential an Missverständnissen, weil der Cistercienserorden mit seiner Verfassungseinheit und gallico-römischen Präzision alles (aber wirklich alles!) andere darstellt, als eine ostkirchliche Klosterkultur.

Allerdings muss anlässlich der Seligsprechung die Dankbarkeit dafür überragen, dass ein wenig bekannt werden wird, wie viel christliches Blut im 20. Jh. geflossen ist und heute weiter fließt. Ihr Märtyrer von Viaceli, bittet für uns!

Andachtsbilder als Quellen

Gebetskärtchen und -zettel sagen indirekt über die Ordensgeschichte aus. Religiöse Idealhaltungen, das Selbstverständnis des Cistercienserordens zum diversen Zeiten und schließlich die Ästhetik kommen deutlich zu Vorschein. Gebetszettel sind an der Grenze zwischen offizieller Veröffentlichung (in früheren Zeiten war man vom Sortiment eines Verlags abhängig) und dem assoziativ-freieren Bereich der persönlichen Frömmigkeit. Die Kärtchen sind wenig beachtete Bestände von Klosterarchiven; sie werden oft unterschätzt. Es liegt ein Vorteil in dieser Lage: auf sommerlichen Flohmärkten kann man oft sehr wertvolle Exemplare finden. Unten einige Beispiele:

Das Bild links stellt den hl. Bernhard bei der Überreichung seines Briefes „De Consideratione“ an den Cistercienserpapst Eugen III. dar. Freilich ist Bernhards Bart ganz fehl am Platz, auch die Schilderung des Briefes, als wäre es ein Codex und nicht ein verhältnismäßig kurzer Text. Interessant ist das schwarze Skapulier, das unter Eugens Papstgewandung sichtbar wird. Ist der päpstliche Schuhspitz rot? Das Bild war Primizbild eines Zwettler Primizianten um 1900.

Das Bild rechts ist das Primizbild des späteren Prioren von Heiligenkreuz, Aelred Pexa (1904-1974), der später zum Abt von Rein postuliert wurde. Pexa hatte als junger Mönch die Herz-Jesu Spiritualität von Helfta entdeckt und vor seiner Weihe bereits einige ordensgeschichtliche Beiträge veröffentlicht. Er interessierte sich für Liturgie und Observanzgeschichte. Das Kärtchen ist besonders interessant, weil die Seligen Maria vom hl. Heinrich und Maria vom Allerheiligsten Sakrament heute so gut wie unbekannt sind.

Dieses Bild (links) soll daran erinnern, dass Bildkärtchen nicht erst ein Produkt des Massendruckes im 19. Jh sind, sondern im 18. Jh. und sogar davor bestens bekannt waren. Wer eine solche Karte auf einem Flohmarkt gefunden hat, kann sich wahrlich glücklich preisen, denn es geht dabei um Sammlerobjekte der höheren Kategorie. Links wird die sel. Humbeline dargestellt. Auch wenn Cistercienserinnen kaum mehr mit Klosternamen so heißen, ist sie heute immer noch bestens bekannt, weil sie eine Schwester des hl. Bernhard war und erst nach ihrer Eheschließung in ein Frauenkloster eintrat. Ihr Bruder hatte sie von Clairvaux weggeschickt, als sie – noch vom Glanz eines oberflächlichen, konsumorientierten Lebens geblendet – in peinlicher Montur bei ihm anklopfte. Auf dem Bild sieht man sie in einem späteren Lebensabschnitt, als Büßerin.

Neues Einführungswerk: Cisterciensische Schriftkultur im Mittelalter

Jeder Orden produziert Schriften, möchte man denken. Aber die Schriftlichkeit der Cistercienser ist deswegen eigens zu behandeln, weil sie an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert ein neues Niveau an Organisation und Verwaltungspraxis in das monastische
Leben des Abendlandes brachte. Wie ein Werbetext für Christian Malzers neues Buch, Mittelalterliche Schriftkultur. Schriftkultur und Buchproduktion in den Oberpfälzer Zisterzienserklöstern bis zu ihrer Aufhebung im 16. Jh., sagt: Für die grauen Mönche
war das Medium der Schrift ein wesentlichesBindeglied für die rapide über ganz Europa verstreute Verbreitung des Ordens. Jedes neue Kloster musste dabei mit bestimmten liturgischen Texten und Büchern ausgestattet werden. Alles hatte einheitlichen Regeln zu folgen, was gut organisierte Werkstätten und rational anmutende Arbeitsprozesse voraussetzte.

Das Buch ist einerseits aus einer Lehrveranstaltung und andererseits aus einer Ausstellung der Provinzialbibliohtek Amberg hervorgegangen. Kernaufgabe des Buches ist es, Schriftzeugnisse aus den vier Cistercen der heutigen Oberpfalz (Waldsassen, Walderbach, Pielenhofen und Seligenporten) darzustellen. Dabei liefert Malzer viel mehr: Die 170 Seiten des Buches sind in knapp 10 Seiten lange Abschnitte aufgeteilt, die jeweils einen einleitenden Blick in die Welt der mittelalterlichen Skriptorien bieten. Es geht um konkrete Fragen wie Farbrezepte und die Arbeitsschritte bei der Schrifproduktion, aber auch um die klösterliche Kanzlei und cisterciensische Beteiligung an der Universitätskultur.

Wir verwenden Begriffe wie Skriptorium, Kanzlei und Bibliothek, oft ohne genau zu wissen, was im mittelalterlichen Kloster damit gemeint war. Dieses reich bebilderte und mit Elan geschriebene Büchlein liefert nützliche Einführungen, die in der Fachliteratur gar nicht so einfach zu finden sind.

Bestellung hier.

Professurkunden, Urbestand klösterlicher Archive

Die Benediktsregel schreibt im 58. Kapitel vor, dass der Mönch bei seiner auf Lebenszeit verbindlichen Aufnahme in die klösterliche Gemeinschaft eine Urkunde (er nennt sie petitio) auf den Altar legt und sie vor Gott und all seinen Heiligen unterschreiben soll. Danach bewahrt sie der Abt mit besonderer Sorgfalt und darf sie, auch im tragischen Fall einer gescheiterten Berufung, nie weggegeben. Der Regelvater drückt damit eine unerschütterliche Treue aus, nämlich Gottes Treue: Er, der uns berufen hat, bricht seinen Bund mit uns nie. Daher bildet in vielen Klöstern der Bestand an Professurkunden (auch Professzettel genannt), eine stolze Säule des Archivbestands. Professurkunden werden für die Ewigkeit verfasst und sollen bis zum Ende einen übernatürlichen Rechtsnachweis sichern. Manche sind würdig geschmückt, andere ganz schlicht. Im Bild: Der  besonders feierliche Professzettel (1673) von einem jungen Heiligenkreuzer Mönch, der später Abt wurde: Frater Marian Schirmer.

Jüngstes Buch über Lilienfeld setzt neuen Standard

Die jüngste Publikation über das Stift Lilienfeld, Campililiensia, setzt einen neuen Standard und übertrifft alle bisherigen, an ein breites Publikum gerichteten Publikationen über das berühmte Babenbergerkloster am Alpenrand Niederösterreichs. Die wissenschaftlichen Beiträge umfassen viele Bereiche, die im Zusammenhang mit dem Stift Lilienfeld und der ganzen Region stehen: Inkunabelsammlung, Stiftsbibliothek, barocke Tischlerarbeiten, historische Ansichten, Wallfahrten und Via Sacra, Mathias Zdarsky und das Stift Lilienfeld, das Stift als Arbeitgeber und vieles mehr. Der Sammelband präsentiert neue Forschungsergebnisse über Lilienfeld und noch nie veröffentlichtes Bildmaterial. Das Buch enthält viele Farbabbildungen, von ihnen ist das Ausfaltblatt (188-189), auf dem eine geniale Panoramaaufnahme der Stiftsbibliothek zu sehen ist, besonders prächtig. Ebenso erfreulich ist der Preis: Nur € 30!!

Campililiensia. Geschichte, Kunst und Kultur des Zisterzienserstiftes Lilienfeld
Herausgegeben von Pius Maurer, Irene Rabl und Harald Schmid
Lilienfeld 2015
Bestellinfos hier.

Inhalt
Pius Maurer
■ Die Geschichte des Stiftes Lilienfeld
■ Die Baugeschichte des Stiftes im 13. Jahrhundert
■ Bildungsinstitutionen
■ Die Mönche von Lilienfeld und die Alpen
■ Mathias Zdarsky und das Stift Lilienfeld
Harald Schmid
■ Historische Ansichten von Stift Lilienfeld
■ Der Weg ins Stift und die Altäre der Stiftsbasilika
■ Die Kreuzreliquie
Michael Bohr
■ Tischlerarbeiten in der Stiftskirche und der Bibliothek zu Lilienfeld
Bernhard Hanak
■ Orgeln und Glocken im Stift Lilienfeld
Rainer Straub
■ Über die Symbolik des Kreuzganges
Elisabeth Oberhaidacher-Herzig
■ Mittelalterliche Glasgemälde in Lilienfeld
Herwig Scheiblecker
■ Die Personen im Freskenprogramm der Stiftsbibliothek
Werner Telesko
■ Maria im »campus liliorum« Zur Barockbibliothek des Zisterzienserstiftes Lilienfeld
Irene Rabl
■ Die Lilienfelder Stiftsbibliothek: Geschichte, Buchbestand und Kataloge
■ Wallfahrten auf der Via Sacra und die Lilienfelder Erzbruderschaft des Hl. Joseph
Carmen Rob-Santer – Michaela Schuller-Juckes
■ Die Inkunabelsammlung des Stiftes Lilienfeld
Martin Roland
■ Die Concordantiae caritatis des Ulrich von Lilienfeld
Christian Rabl
■ Das Stift Lilienfeld als Arbeitgeber
 Der Krankenunterstützungsverein der stiftlichen Holzarbeiter im 19. Jahrhundert

Sensationelle Schenkung an EUCist Bibliothek

Die Mannschaft aus Heiligenkreuz
 mit Angerer vor dem Transporter

Prälat DDr. Joachim Angerer O.Praem. hat der EUCist Bibliothek über 1.000 Bücher geschenkt. Der international anerkannte Gregorianik-Forscher hat sich nach Absprache mit seinen Mitbrüdern dafür entschieden. Angerer (81) hat u.a. zahlreiche Beiträge zur liturgisch-musikalischen Erneuerung der Melker Reform (15. Jh.) geschrieben; er war Schüler des berühmten Eugène Alexandre Cardine OSB (1905-1988) aus Solesmes, des Begründers der Gregorianischen Semiologie. Die EUCist Bibliothek wird diese Monate in ihre neuen Räumlichkeiten übersiedeln. Wir sind Prälat Angerer unendlich dankbar für diese unermessliche Schenkung, die wahrhaft ein Stück seines bibliophilen Herzens darstellt.

Adolf von Harnack, Stams und die Cistercienserforschung

In den letzten Tagen ist eine Ausgabe von Wilhelm Rohrs (1848-1907) Stamser Radierungen auf den Markt gekommen. Darin sind 11 von ursprünglich 14 Sujets erhalten; sie beziehen sich auf das klösterliche Leben mit besonderer Berücksichtigung des Noviziats. Die romantisierenden Radierungen sind für ihre Hinweise auf Habit- und Observanzgeschichte des Ordens relevant. Ebenso verweist das Buch mit seinem Vorwort auf eine unerwartete Cisterciensernote in der liberalen protestantischen Dogmengeschichtswissenschaft um die Wende zum 20. Jahrhundert: Das Vorwort ist von Adolf von Harnack!

Adolf von Harnack (1851-1930) machte mit seiner Familie oft in der Cistercienserabtei Stams (Tirol) seine Sommerferien. Das erste Mal kam er zufällig dorthin, als er wegen einer Handschrift auf die Stamser Bibliothek aufmerksam gemacht wurde. Auf Bitten des Abtes verlängerte Harnack den ersten Aufenthalt und verfasste ein Verzeichnis der Stamser Codices. Die gegenseitige Freundschaft und die Lage des Klosters machten Stams zu seinem jährlichen Ferienziel.

Harnacks Begeisterung für den Cistercienserorden lässt sich in einer sechsfach aufgelegten Kleinschrift, die aus einer Vorlesung über das Mönchtum hervorging, dokumentieren: „Derselbe Mönch (Bernhard), der in der Stille seiner Klosterzelle eine neue Sprache der Anbetung redet, seine Seele ganz dem ‚Bräutigam‘ weiht, die Weltflucht der Christenheit predigt, dem Papst zuruft, dass er auf dem Stuhle Petri zum Dienste, nicht zur Herrschaft berufen sei, ist doch zugleich in allen hierarchischen Vorurteilen seiner Zeit befangen und leitet selbst die Politik der weltherrschenden Kirche.“ (Das Mönchtum, seine ideal und seine Geschichte [1. Aufl. Gießen 1881] 38).

Harnack blieb ein überzeugter Protestant, wenn auch ein kritischer: Er meinte, in Martin Luthers Theologie ein Ergebnis (nicht eine Umkehrung) des Mittelalters zu sehen. Generell meinte er, die Aussagen christlicher Dogmen sollten durch geschichtliche Studien relativiert werden. Er war eine kontroversielle Gestalt, einerseits in führender Position bei der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und andererseits ein sehr liberaler Protestant. Seine Beziehung zum katholischen Stift Stams ist vielen nicht bekannt; von seiner Begeisterung für die Anfänge des Cistercienserordens wissen wohl nur wenige.

Rohrs Buch, derzeit auf eBay in Auktion, ist im ganzen deutschen Sprachraum nur in den Beständen der Hamburger Kunsthalle (Museumsbibliothek) verzeichnet. Das Buch ist ein Beispiel für den Wert von heute wenig bekannter Kunst, die zwar nicht internationalen Rang erreicht, aber ungemein viel über die Kultur- und Rezeptionsgeschichte cisterciensischer Themen aussagt.

Literatur: Agnes Zahn Harnack, Adolf von Harnack (Berlin 1950) 215-216. Wilhelm Rohr, Die Cistercienser. Ein Cyclus von vierzehn Original-Radirungen. Mit einer Einführung von Professor Dr. Adolf Harnack (München [ohne Jahresangabe]). Adolf von Harnack, Verzeichnis der Handschriften der Bibliothek des Stiftes Stams, in: Xenia Bernardina 2 (Wien 1891).

Der Mönch von Heisterbach

„Ein junger Mönch im Kloster Heisterbach
lustwandelt an des Gartens fernstem Ort;
der Ewigkeit sinnt tief und still er nach
und forscht dabei in Gottenheilgem Wort.

Er liest, was Petrus der Apostel sprach:
Dem Herren ist ein Tag wie tausend Jahr,
Und tausend Jahre sind ihm wie ein Tag.
Doch wie er sinnt, es wird ihm nimmer klar.“

Bei dem Kloster, in dessen Gärten der junge Mönch in diesem Gedicht wandelt, handelt es sich um die 1192 gegründete und von der Abtei Himmerod in der Eifel aus besiedelte Cisterce Heisterbach im Siebengebirge. Ein berühmter Mönch dieses Klosters war Caesarius von Heisterbach (ca. 1180-1140), bekannt vor allem für seine Exempelsammlung „Dialogus miraculorum“. Heisterbach wurde 1803 aufgehoben – erhalten ist heute nur noch eine Chorruine der zum Steinbruch für einen Kanalbau gewordenen Kirche. Die Chorruine wurde bewusst als Ruine stehengelassen; sie und das Kloster wurden im Zuge der Romantik im 19. Jahrhundert zum Inhalt nicht nur des oben in seinen Anfangsversen wiedergegebenen Gedichts, sondern auch zahlreicher bildlicher Darstellungen.


Das Gedicht stammt von Wolfgang Müller von Königswinter (eigentlich Peter Wilhelm Karl Müller; 1816-1873), der vor allem durch seine Dichtungen rund um das Rheinland berühmt wurde. Müller greift für sein Werk, in dem er eine Sage mit dem nahe seinem Geburtsort gelegenen Kloster Heisterbach verband, eine Bibelstelle auf (2 Petr 3,8), die ihrerseits Bezug auf Psalm 90,4 nimmt: „Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.“ So wandelt auch der Heisterbacher Cistercienser aus dem Gedicht Müllers durch den Wald, nur um bei seiner Rückkehr zur Vesper ins Kloster festzustellen, dass inzwischen durch ein göttliches Wunder 300 Jahre vergangen waren.


Die Ruinen des Cistercienserklosters dienten auch Künstlern als Motivquelle: Eine Radierung von Bernhard Mannfeld (1848-1925) zeigt die Chorruine im Winter. Die Darstellung erschien neben anderen Radierungen des Künstlers als Illustration einer Sammlung von Gedichten rund um das Rheinland: Rheinlands Sang und Sage. Die schönsten Rheinlieder mit einem Leitgedichte von Emil Rittershaus und 20 Originalradierungen von Bernhard Mannfeld (Bonn 1900).

Darstellungen der Klosterruine dienten in Kombination mit dem Gedicht Müllers auch als Motiv zahlreicher Postkarten des 19. und 20. Jahrhunderts: So illustrierten Gemälde des Bildnis- und Dekorationsmalers Willy Stucke aus Bonn den auf einer Postkarte wiedergegeben Text des Gedichts (Verlag Kloster Heisterbach). Andere Postkarten, wie beispielsweise eine Montage aus 5 Bildern auf einer Doppelpostkarte nehmen auch das Caesarius-Denkmal in ihr Bildprogramm auf, das Ende des 19. Jahrhunderts zu Ehren des berühmten Heisterbacher Mönches vom Bergischen Geschichtsverein in seinem ehemaligen Kloster erreichtet wurde und ebenfalls ein Zeugnis der Rezeption von Heisterbach in der Romantik darstellt. (Verfasserin: Larissa Rasinger)

Literatur:
* Martin Unkel, Art. „Wolfgang Müller von Königswinter“, in: Walther Killy (Hg.), Literaturlexikon (Berlin 22005) 13.836f..
* Zu Bernhard Mannfeld: Meyers Großes Konversations-Lexikon 13 (Berlin 2003) 234f..

Caesarius von Heisterbach:
* Caesarius von Heisterbach, Dialogus Miraculorum – Dialog über die Wunder, hg. von Nikolaus Nösges und Horst Schneider 5 Bde. Lateinisch und Deutsch (2009).
* Friedrich Wilhelm Bautz, Art. „Caesarius von Heisterbach“, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 1 (1990) Sp. 843f..

Die Liturgiereform im Cistercienserorden

In einem kürzlich erschienen Beitrag des Archivs für Liturgiewissenschaft schildert P. Alberich Altermatt O.Cist. (Hauterive) die Umsetzung der Liturgiereform in beiden Cistercienserorden nach dem Zweiten Vatikanum. Ausgangspunkt für Altermatts gründliche Schilderung des letzten halben Jahrhunderts der Cistercienserliturgie ist das Rituale Cisterciense von 1998. Wie bei den meisten seiner Publikationen ist dieser Beitrag von Altermatt deswegen so wertvoll, weil er in diszipliniertester Weise alle relevanten Publikationen und Persönlichkeit aus dem Orden identifiziert und verzeichnet. So ist der 21-seitige Beitrag nicht nur die Schilderung der Genese und Rezeption des „bedeutendsten Werkes der vom Zweiten Vatikanum angeregten liturgischen Erneuerung im zisterziensischen Mönchtum und zugleich die schönste Frucht der liturgischen Zusammenarbeit der beiden autonomen Zisterzienserorden (OCist/OCSO)“ sondern auch ein Beitrag zur Liturgiegeschichte seit dem Konzil. Alle Theologen, die an diesem Prozess beteiligt waren (Chrysogonus Waddell, Bernhard Kaul, Placide Vernet, Jorge Tarruell uvm.), werden namentlich genannt und in gründlichen Anmerkungen bio-bibliographisch erschlossen. Die Entscheidungsfindung wird prozessual und inhaltlich erklärt, die Zwischenergebnisse dokumentiert. Da Altermatt als Sekretär der Liturgischen Kommission an dieser Geschichte beteiligt war, kann er aus seinem ausgesprochen guten Gedächtnis (und vermutlich einem sauber geführten Diarium?) schöpfen und eine persönliche Note einfließen lassen. Dadurch ist seine Sicht der Ereignisse sicher subjektiv geprägt, aber in keiner Weise parteiisch oder einseitig. Der Beitrag wird zukünftigen Forschern wertvollste Orientierung geben. Alberich Martin Altermatt, Das Rituale Cisterciense von 1998. Zu seiner Entstehung und Bedeutung, in: Archiv für Liturgiewissenschaft 54 (2012) 105-126.

Bühnenwerke eines Lilienfelder Schriftstellers werden aufgeführt

Die Theaterspielgruppe Lilienfeld möchte mit dem Projekt “Aus der Feder des Mönchs” zur Wiederentdeckung des Volksschriftstellers P. Bartholomäus Widmayer beitragen. Schon vor 1900 erschienen von ihm erste Erzählungen und Gedichte in Zeitungen und Sammlungen. Nach 1904 wandte er sich auch dramatischen Werke zu. An die zwanzig Stücke – in Schriftsprache und in Mundart – liegen vor. Sie sind bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht worden. Die Werke zeigen vor allem die Vertrautheit des Cistercienserpaters Bartholomäus Widmayer mit den Gedanken der Landbevölkerung seiner Zeit. Er konnte manche Abläufe des alltäglichen Lebens sehr realitätsnah schildern und typische Charaktere pointiert beschreiben.
Von 20.-29. März 2015 spielt die Theaterspielgruppe Lilienfeld bei den einzelnen Vorstellungen jeweils mehrere Possen (in gekürzter Form) von P. Bartholomäus Widmayer. Es werden z. B. gespielt: “Das Bild des Foxl” (Schwank in zwei Aufzügen, München 1917), “Der Afrikaforscher am Kochherd” (Zukunftsposse in zwei Aufzügen, München 1917), “Der billige Knecht” (Schwank in zwei Aufzügen, Linz 1924).

P. Bartholomäus Widmayer wurde 1873 in Stratzing bei Krems geboren. Er trat 1896 in das Stift Lilienfeld ein und empfing 1901 die Priesterweihe in St. Pölten. Er wirkte am Sängerknabeninstitut Lilienfeld, als Kaplan in Obermeisling, Annaberg und Lilienfeld, als Seelsorger in Loiwein und Josefsberg. Er starb im Alter von 58 Jahren am 24. März 1931. Drei seiner Neffen waren auch Cistercienser von Lilienfeld.

Theology of "Preaching the Crusades"

Billy Graham preaching at a Crusade

A recent article on the Josias blog reminds us of how important it is to understand St. Bernard’s Crusade-preaching as a theological topos in Church History. Cistercian research has recently neglected the military orders affiliated with the Order of Cîteaux (like the Knights of Calatrava), but the connections are manifold. True: The Crusades are inseparable from violence and therefore very disturbing. To understand them more deeply, one needs to take a sobering look at the larger connections between religion and violence. In fact, the current upswing of Islamic violence should remind us to look at how Christian theology has reflected upon Christian violence in its own development, recently coming to the conclusion that – theologically speaking – there can be no such thing as a „religious war“ in our day.

EUCist09 in Reinfeld abgehalten, Thema: Wirtschaftsgeschichte

Die 1221 konsekrierte Kirche von
Zarpen, einer Grundherrschaft
der Abtei Reinfeld.

In Reinfeld versammelten sich Anfang März 2015 bekannte Cistercienserforscher: Aus dem Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich waren Pater Alkuin Schachenmayr und Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck angereist; auch der frühere Landesbischof von Hannover und Abt zu Loccum, Horst Hirschler, nahm an der Tagung teil. Die beiden Herausgeber des bald in Druck erscheinenden Klosterbuches Schleswig-Holstein,  Katja Hillebrand und und Oliver Auge von der Christian-Albrechts-Universität Kiel stellten neben der Gesamtkonzeption ausgewählte Kapitel zum Rudekloster (an der Stelle des heutigen Schlosses Glücksburg) und den vormaligen Frauencistercen vor. Ihre Arbeit wurde von Peter Johanek vom Institut für vergleichende Städteforschung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Werner Rösener aus Gießen, die vergleichbare Sammelbände redaktionell betreut haben, lobend hervorgehoben. Beide Letztgenannten widmeten sich in ihren Referaten der mittelalterlichen Geschichte des Ordens in einer Gesamtschau anhand prominenter Beispiele, wie etwa Ebrach und Walkenried.  Jörg Oberste referierte über „Klostermanagement in der Waldeinsamkeit – wirtschaftliche Probleme und Reformen im Cistercienserorden des 12./13. Jahrhunderts“.“

Besichtigung des
ehem. Reinfelder Stadthofes
in Lübeck mit
Architekturhistoriker
Jens Christian Hols

Eine Reihe weiterer Vorträge spann den Bogen von dem früheren Benediktinerinnenkloster Preetz, vorgestellt durch Johannes Rosenplänter, bis zur ehemaligen Cisterce Reinfeld, vorgetragen von Martin Schröter. Simon Sosnitza stellte Loccums Wirtschaft unter dem Aspekt „Stein – Salz – Wasser“ vor. Die gute Stimmung und das große Interesse derTeilnehmer sorgten im Anschluss an die Vorträge für fruchtbare Diskussionen.

Landesbischof i.R. und Abt zu Loccum
D. Horst Hirschler (an der Kanzel)
und Abt em. von Heiligenkreuz,
Gregor Henckel-Donnersmarck (sitzend).

Auch das Erleben und Schauen kamen nicht zu kurz: Am Freitag leiteten die beiden Äbte eine ökumenische Vesper in der Zarpener Kirche; in ihr sang der Projektchor der Walddörfer-Kantorei aus Hamburg-Volksdorf u. a. Flor Peeters Te Deum.

Zum Abschluss der Tagung führte Herr Jens-Christian Holst die Teilnehmer zu den vormaligen Klosterhöfen der Hansestadt Lübeck.

Die Tagung wurde ermöglicht durch eine Zusammenarbeit des Arbeitskreises für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins, der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte und des Heimatbundes Stormarn. (Verfasst von Martin Schröter)

Tagung: Die Wirtschaft der Cistercienser im Mittelalter

Die wirtschaftliche Tätigkeit der mittelalterlichen Cistercienser steht von Donnerstag 5. bis Samstag 7. März im Mittelpunkt der EUCist 9 Tagung im holsteinischen Bildungszentrum Reinfeld. Nach einer allgemeinen Einführung von Werner Rösener am Donnerstagabend behandelt das Tagesprogramm am Freitag die Probleme, denen sich die Cistercienser im 12. und 13. Jahrhundert in wirtschaftlicher Hinsicht gegenübersahen und die Maßnahmen, mit denen sie darauf reagierten. Die samstäglichen Vorträge konzentrieren sich auf die Beziehungen und Wirtschaftskontakte der Cistercienser zu den Städten. Die Thematiken werden jeweils durch lokalgeschichtliche Beispiele der Klöster Preetz, Reinfeld und Loccum veranschaulicht. Weiters stehen ein Besuch des Heimatmuseums und der Kirche in Reinfeld und eine Stadtführung in Lübeck auf dem Programm. Der Tagungsablauf im Detail:

Donnerstag 5. März 2015

19:00 Uhr Werner Rösener: Die Cistercienser und die Wirtschaft
Öffentlicher Vortrag im evangelischen Gemeindehaus in Reinfeld

Freitag 5. März 2015

07:00 Uhr Zarpener Kirche
Eucharistiefeier in lateinischer Sprache

09:00 Uhr P. Alkuin Schachenmayr OCist: Thematische Hinführung

09:0 Uhr Jörg Oberste:
Klostermanagement in der Waldeinsamkeit – Wirtschaftliche Probleme und Reformen im Cistercienserorden des 12./13. Jahrhunderts

11:00 Uhr Katja Hillebrand und Oliver Auge:
Vorstellung des Schleswig-Holsteinischen Klosterbuchs

14:00 Uhr Johannes Rosenplänter:
Herausforderung Klosterwirtschaft. Das Beispiel des Nonnenklosters Preetz

15:30 Uhr Besuch von Heimatmuseum und Kirche in Reinfeld

19:00 Uhr Pontifikalvesper in der Zarpener Kirche mit Landesbischof em. und Abt zu Loccum Horst Hirschler und em. Abt von Heiligenkreuz Gregor Henckel Donnersmarck

Samstag, 7. März 2015

09:00 Uhr Peter Johanek:
Die Cistercienser und die Städte

10:00 Uhr Martin J. Schröter:
Stadt und Land – Kontakte und Wirtschaftsbeziehungen der Cistercienser aus Reinfeld

11:00 Uhr Simon Sosnitza:
Loccums Wirtschaftskontakte

12:00 Uhr Abschließendes Kolloquium

15:00 Uhr Öffentliche Stadtführung durch Lübeck mit Herrn Jens-Christian Holst

Die Anmeldung erfolgt bei Oberstudienrat Christoph Flucke unter folgenden Kontaktdaten:
Haempten 4
21031 Hamburg
familie.flucke@web.de
040 / 73 88 122

Analecta Cisterciensia 64 (2014) erschienen!

Ein Schwerpunkt der Analecta liegt heuer auf dem Ordensgewand. Die ersten fünf Beiträge sind Frucht einer Tagung des Europainstituts für Cistercienserforschung mit dem Titel Das monastische Gewand, die 2013 im Stift Heiligenkreuz stattgefunden hat. Weiters steht die belgische Prophetin und Anachoretin Yvette von Huy aus dem 13. Jahrhundert im Mittelpunkt. Ihre Vita ist in den Analecta abgedruckt. Hinzu kommen interessante Einzelbeiträge, Tagungsberichte, Nachrufe und Buchbesprechungen.

Abt Dr. Maximilian Heim, Vorwort zum Tagungsband „Das monastische Gewand“, in: ACi 64 (2014) 3-4.
Christian Malzer, Gewandung als Indikator der Vernetzung. Das Fallbeispiel des Klosters Waldsassen im späten Mittelalter, in: ACi 64 (2014) 5-35.
Bernard Berthod, Prälatenkleidung der Cistercienser (15.-20. Jh.), in: ACi 64 (2014) 36-58.
Barbara Trosse, Äußeres Zeichen inneren Wandels. Das Ablegen des Habits im Kontext der Reformation am Beispiel des Cistercienserklosters Altzelle, in: ACi 64 (2014) 69-87.
Michael Ernst, „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt Christus angezogen“ (Gal 3,27). Beispiele zur Gewandsymbolik der Hl. Schrift, in: ACi 64 (2014) 88-114.
Paul Verdeyen SJ, Introduire Juette (1158-1228), in: ACi 64 (2014) 115-136.
Hugo Floreffensis, Vita Ivettae de Hoyo – Vie de Juette de Huy, in: ACi 64 (2014) 136-313.
Werner Rösener, Grangien und Innovationen des Cistercienserklosters Walkenried im Hochmittelalter, in: ACi 64 (2014) 314-334.
Roch Kereszty, ed., Three Pastoral Letters of Abbot Wendelin Endrédy (1895-1981), in in: ACi 64 (2014) 335-363.

Miszellen
Johannes Lackner, Ein Nationalsozialist und der Trappistenorden. Eugen Rugels Polemik „Ein Trappist bricht sein Schweigen“ (1938) aus heutiger Sicht, in: ACi 64 (2014) 364-369.
Tagungsberichte, in: ACi 64 (2014) 370-383.
Recensiones, in: ACi 64 (2014) 384-423.
Nachruf auf P. Ludwig Friedrich Keplinger O.Cist. (1936-2013), in: ACi 64 (2014) 424-425.