Planet History

Aktenkunde

Hitler-Stalin-Pakt: Lehrstück über Authentizität und Materialität

Das wir das noch erleben dürfen: Das Geheime Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt, der Plan zur Aufteilung Polens und Osteuropas, steht online, und zwar als Scans des sowjetischen Alternats. Das ist entscheidend, denn nur dieses Exemplar ist im Original erhalten. Der gewundene Weg von der Unterzeichnung am 24. August 1939 bis zum Upload der Bilddateien auf die russische Website History Foundation am 31. Mai 2019 ist ein Lehrstück in Materialität und Authentizität von Schriftstücken. Die Veröffentlichung Über die wissenschaftliche und politische Ausrichtung von History Foundation vermag … Hitler-Stalin-Pakt: Lehrstück über Authentizität und Materialität weiterlesen

Trump, das Selenskyj-Protokoll und die Geheimhaltung

Seit Wochen möchte ich hier wieder etwas zum 18. Jahrhundert schreiben, aber dauernd kommen heutige Staatsmänner dazwischen, die auf aktenkundlich relevante Weise Politik machen. Nach Boris Johnson nun also schon wieder Donald Trump. Das Protokoll seines Telefonats mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist ein Computerausdruck, dessen Inhalt wenige Ansatzpunkte für die aktenkundliche Analyse bietet – umso mehr jedoch die darauf angebrachten Vermerke über Geheimhaltung und deren Löschung. Denn diese „Einstufung“ ist der Stein des Anstoßes für das jetzt begonnene Amtsenthebungsverfahren. Worum geht es? Es … Trump, das Selenskyj-Protokoll und die Geheimhaltung weiterlesen

Boris Johnsons Kabinettsakten

Der schottische Court of Sessions hat den Plan des britischen Premierministers, das Parlament zu vertagen, nicht gestoppt. Aber die Öffentlichkeit ist nun darüber informiert, wie Johnsons seinen Plan gefasst hat. Denn das Gericht hat sich die Akten der Regierung vorlegen lassen, die damit Teil der öffentlichen Gerichtsakten geworden sind. Die britischen Medien haben in den letzten Tagen daraus berichtet. Und mein Ceterum censeo bleibt: Aktenkunde ist keine Angelegenheit nur für’s Archiv! Es gehört zu den Fundamenten des Rechtsstaats, dass ein Gericht, das über politische … Boris Johnsons Kabinettsakten weiterlesen

Hilfsmittel der Aktenkunde (2): Paläographische Ressourcen

Die Auflösung von Abkürzungen habe ich in dieser Reihe schon behandelt und damit eigentlich den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht. Handschriftliche Texte müssen zunächst gelesen und verstanden werden. Dies bleibt die Grundlage vieler Forschungen im Archiv und zieht sich bis weit in das Zeitalter maschinenschriftlicher Unterlagen hinein. Oftmals sind die Bearbeitungsspuren, also dahingekritzelte Marginalien der Entscheidungsträger, das eigentlich Interessante an einem sauber getippten oder ausgedruckten Bericht. Deshalb geht es im folgenden um zweierlei Hilfsmittel: (1.) didaktische Werke zum generellen Lesen-Lernen neuzeitlicher Akten- und … Hilfsmittel der Aktenkunde (2): Paläographische Ressourcen weiterlesen

Literaturanzeige: Eisenbahn-Aktenkunde

Harald Rösler ist Leserinnen und Lesern dieses Blogs bereits durch einen Gastbeitrag und vor allem seine Bürokunde, ein unverzichtbares Handbuch zum Aktenwesen des 20. Jahrhunderts, bekannt. Auch seine neue Veröffentlichung sollte auf breites Interesse stoßen. Es handelt sich um eine monumentale Quellenedition zum Aktenwesen der größten Behörde, die die deutsche Verwaltungsgeschichte kennt, und die doch bisher aktenkundliches Niemandsland war: der Eisenbahn. Keine andere Behörde außer der Post kam im Industriezeitalter der Bevölkerung flächendeckend so nahe wie diese. Aber längst nicht „nur“ für die Eisenbahn … Literaturanzeige: Eisenbahn-Aktenkunde weiterlesen

70 Jahre Grundgesetz

Heute feiern wir den 70. Jahrestag des Grundgesetzes. Aber was genau? Beschlossen wurde es vom Parlamentarischen Rat schon am 8. Mai. Heute ist der Jahrestag der Ausfertigung seiner Urschrift, womit der Bogen zur Aktenkunde schon geschlagen ist. Wie kommen Gesetze eigentlich zustande – nicht als Texte, sondern als körperliche Schriftstücke? Was ist das Grundgesetz? Als Objekt ist das Grundgesetz eine Gesetzesurkunde. Die Beurkundung eines Gesetzes beginnt, wenn sein Text alle Stufen der politischen Willensbildung durchlaufen hat, und vollzieht sich in drei wesentlichen Schritten: Eine … 70 Jahre Grundgesetz weiterlesen

Von der Hexenakte zum PDF: Aktenkundliche Link-Lese

Letztens bin ich auf einige Links gestoßen, die wieder einmal zeigen, wie breit das Feld der Aktenkunde zwischen Früher Neuzeit und dem „Hier und Jetzt“, zwischen Hadernpapier und PDFs ist. Es geht um Hexenverfolgung, um Chiffrierung und um das Weiße Haus. Hexenakten aus Württembergisch Franken Über Archivalia wurde gemeldet, dass das Staatsarchiv Ludwigsburg Akten zur Hexenverfolgung digitalisiert hat – über 15 000 Scans, zu denen der angegebene Link nur leider nicht führt. Interessanter finde ich ohnehin, was Klaus Graf zusätzlich verlinkt hat: Eine schon … Von der Hexenakte zum PDF: Aktenkundliche Link-Lese weiterlesen

Vom Reskript zum Postskript und zurück: Rationell regieren im 18. Jh.

„Rationell regieren“, da denkt man aktenkundlich gleich an die Kabinettsorder. Das ist aber nur ein Beispiel, wie frühneuzeitliche Landesherren und ihre Kanzleien auf vermehrte Staatsgeschäfte und anschwellende Papierfluten reagiert haben. Ihrer Form nach standen die fürstlichen Weisungen im Spannungsfeld zwischen den drei Polen der Rationalisierung, des Formzwangs und der Schreibtechnik. Für Gnadenakte war das Reskript die angemessene Form, erforderte aber hohen Schreibaufwand wegen seiner zeremoniellen Formeln. Eine mögliche Lösung war eine besonders eigentümliche Form von Schriftstück: das „unechte“ Postskript. Der Fall Unser Beispiel ist … Vom Reskript zum Postskript und zurück: Rationell regieren im 18. Jh. weiterlesen

Ein Muster preußischen Geschäftsgangs

Diesen Text hätte ich mir während der Ausbildung an der Archivschule Marburg als Hilfsmittel gewünscht: eine konzise Darstellung, wie eine größere preußische Behörde in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gearbeitet hat. Das Verständnis des Geschäftsgangs ist das A und O der Aktenkunde. In einem Verwaltungshandbuch des Jahres 1912 habe ich eine Art Mustergeschäftsordnung gefunden und diese online gestellt. Sie kann als Referenz dienen, um die auf den ersten Blick verwirrenden Rollen und Handlungen der Akteure im Geschäftsgangs zu durchschauen und die archivische Überlieferung … Ein Muster preußischen Geschäftsgangs weiterlesen

Consilium abeundi

Die einfachsten Schriftstücke sind am schwierigsten einzuordnen. „Einfach“ meint hilfswissenschaftlich einen Mangel formaler Merkmale, an denen sich die Analyse festmachen könnte. Das Consilium abeundi ist ein schönes Beispiel. Damit ist sowohl eine noch im 19. Jahrhundert übliche Disziplinarstrafe für Studierende als auch das darüber ausgestellte Schriftstück bezeichnet, das bei äußerster Einfachheit in funktionaler Hinsicht recht komplex war – vor allem, wenn es eigentlich nur angedroht wurde… Das Schriftstück und sein Hintergrund Am Text gibt es wenig zu erläutern: „Ich unterwerfe mich hiedurch der Strafe … Consilium abeundi weiterlesen

Hilfsmittel der Aktenkunde (1): Abkürzungsverzeichnisse

Es ist wieder an der Zeit, die Aktenkundliche Basisbibliografie fortzuschreiben. In den nächsten Wochen möchte ich zu den Hilfsmitteln der aktenkundlichen Arbeit schreiben. Die Auflösung von Abkürzungen steht dabei von der praktischen Bedeutung her zweifellos an erster Stelle. Für die Anregung zu diesem Thema danke ich Dr. Ulrich Rasche (Göttingen/Wien), der mir seine Liste von Abkürzungsverzeichnissen zur Verfügung stellte. Die folgende Zusammenstellung und Kommentierung entstammt freilich meinem subjektiven Empfinden von praktischer Bedeutung. Absolute Maßstäbe gibt es hier nicht. Sinnvolles Arbeitsmittel ist alles, was in … Hilfsmittel der Aktenkunde (1): Abkürzungsverzeichnisse weiterlesen

Die Kunst, ein Schriftstück weiterzuleiten

Große Themen gab es hier in diesem Jahr: Wannsee-Protokoll, November-Revolution… Zeit für etwas „Brot und Butter“. Schließlich dokumentieren Akten nicht nur Entscheidungen von elementarer Wucht, sondern entspringt das Schriftgut oft genug dem leisen Tuckern der bürokratischen Maschine. Auch diese Prozesse müssen aktenkundlich verstanden werden. Ein ganz typisches Phänomen ist die Weiterleitung eines empfangenen Schriftstücks an eine andere Stelle. Sehen wir uns ein Beispiel an, das die innewohnende wie die selbstgemachte Komplexität des Vorgangs illustriert. Durchlaufstellen als Behördentyp Es gab und gibt ganze Behörden, deren … Die Kunst, ein Schriftstück weiterzuleiten weiterlesen

Der Untergang der Kursive

Prophezeite Enden bleiben meistens aus. Es gibt nur dauernde Veränderung. Das ist wohl eine Grundeinsicht historischen Denkens. Der Untergang des Abendlandes ist (trotz aller Bemühungen etwa von Nazis) schon seit 100 Jahren ausgeblieben, was gerade gefeiert werden darf. Wie sieht es mit der Handschrift aus? Steht sie vor dem Ende, wegen der Digitalisierung? Reden wir dabei über die Handschrift als solche, über die „Schreibschrift“ oder über Schönschrift? Eine Lehrerin hat jüngst Alarm geschlagen und vor einer Bildungskatastrophe wegen des Verlusts der Handschrift gewarnt. Das … Der Untergang der Kursive weiterlesen

1918: Die Revolution im Geschäftsgang

Wo wir schon von den Weimar-Digitalisaten in Invenio sprechen: Das Stöbern lohnt sich nicht nur wegen der erstrangigen historischen Bezüge. Auch aktenkundlich ist einiges dabei, eine interessante Geschäftsordnung zum Beispiel. Die Neigung der Archivarinnen und Archivare zu solchen „spannenden“ Quellen gilt in den Augen der historischen Zunft ja fast als déformation professionelle – doch zu Unrecht. In den Bemühungen der revolutionären Reichsregierung um die Geschäftsgangstechnik spiegelt sich unmittelbar die Verfassungsgeschichte. Die Revolution und der Geschäftsgang Dass Digitalisate nicht direkt verlinkt werden können, ist eines … 1918: Die Revolution im Geschäftsgang weiterlesen

Aktenlesen mit Mind Maps?

Das Bundesarchiv hat im März 2018 ein Quellenportal zur Geschichte der Weimarer Republik ins Netz gestellt. Es fasst Erschließungsdaten und Digitalisate aus Invenio, der etwas hakeligen Rechercheranwendung, mit didaktischen Angeboten zusammen. „Erleben“ ist das Motto, wobei man dem Bundesarchiv attestieren kann, dass es sich – entgegen dem Trend zur Klicki-Bunti-Event-Kultur – um sinnvolle Angebote handelt. Auch unter „Erleben“ werden jetzt als Verständnishilfe zum Aktenlesen Mind Maps angeboten; das Begleitblog Weimar machte darauf aufmerksam. Eine interessante Idee, die näher betrachtet werden will. Was sind Mind … Aktenlesen mit Mind Maps? weiterlesen

Neue Quellenkunde zu NS-Verbrechen online

Der Internationale Suchdienst (ITS) ist die zentrale Dokumentationsstelle zu den Opfern nationalsozialistischer Verbrechen, vor allem des Holocausts, der Zwangsarbeit und von Vertreibungen. Im waldeckischen Arolsen ansässig, unterhält der ITS ein gewaltiges Archiv personenbezogener Unterlagen zum Schicksal dieser Menschen. Zum Teil handelt es sich um Originale, die als solche Teil des Registers „Memory of the World“ der UNESCO sind, zum Teil um Reproduktionen aus originären Archiven. Zu diesem Komplex hat der ITS vor wenigen Wochen einen „E-Guide“ online gestellt, der auch allgemein aktenkundlich sehr interessant … Neue Quellenkunde zu NS-Verbrechen online weiterlesen

Zur Aktenkunde des Wannsee-Protokolls (3)

Nach der Analyse des Überlieferungszusammenhangs und von Heydrichs Einladung nun zum eigentlichen Wannsee-Protokoll. Laden wir noch einmal das Faksimile herunter. Warum „Protokoll“? Diese Benennung enthält eine Erwartung an den Quellenwert des Dokuments, die die Forschung vor Probleme stellt. Stellen wir also die simple Frage: Was für ein Schriftstück ist das? Kann sich diese Frage denn stellen? Auf der ersten Seite heißt es doch ausdrücklich: Einmal mehr ist mit Lorenz Beck (2000, S. 69) hinzuweisen auf die weitgehende Untauglichkeit zeitgenössischer Selbstbezeichnungen der Schriftstücke für die … Zur Aktenkunde des Wannsee-Protokolls (3) weiterlesen

Moderne Aktenkunde jetzt auch online!

Unter den vergriffenen Titeln ihrer Veröffentlichungsreihe, die die Archivschule jetzt online gestellt hat, ist auch die von Robert Kretzschmar, Karsten Ude und mir 2016 herausgebenene Moderne Aktenkunde. Der ganze Band kann als PDF heruntergeladen werden, die Beispielsammlung steht seit jeher online. Dass dieser noch frische Band schon vergriffen ist, zeigt wohl, dass wir damit einen Nerv getroffen haben, und der Bedarf an aktenkundlicher Orientierung groß ist, allen Unkenrufen zur Zukunft der Hilfswissenschaften zum Trotz. Man muss eben die tatsächlichen Probleme angehen. Ob uns das … Moderne Aktenkunde jetzt auch online! weiterlesen

Tagung zur modernen Diplomatik in Brno (Brünn)

Ein Gastbeitrag von Pavel Holub Am 29. November 2017 wurde an dem Lehrstuhl für Historische Hilfswissenschaften und Archivwesen in Brno (Brünn) der zweite Workshop „Form und Verwandlung der diplomatischen Produktion in der Neuzeit“ realisiert. Den ersten Workshop hatte der Lehrstuhl für Archivwesen und Historische Hilfswissenschaften in Bratislava vorbereitet. Der einführende Vortrag von Pavla Slavíčková handelte über das Rechnungssystem der Stadtverwaltung in der frühen Neuzeit. Es habe sich weder um das „einfache“ noch um das „kameralistische“ System gehandelt, aber es gab ein spezifisches System für … Tagung zur modernen Diplomatik in Brno (Brünn) weiterlesen

Zur Aktenkunde des Wannsee-Protokolls (2)

Nachdem wir die Position des Protokolls im Aktenvorgang bestimmt haben, können wir die einzelnen Schriftstücke verständig lesen. Trivial, eine Trockenübung? Nicht wenn man bedenkt, dass bis vor kurzem irrige Lesarten der Randbemerkungen auf Heydrichs Einladungsschreiben, um das es in dieser Folge geht, in der Wissenschaft gängig waren. Am Ergebnis der Quellenkritik ändert das nichts, doch gerade bei diesen Dokumenten kommt es darauf an, das Richtige auch richtig herzuleiten. Dazu mahnt die unnötige Angriffsfläche, die Kempners nachempfundene Faksimiles Revisionisten geboten haben. Die Einladung enthält ein … Zur Aktenkunde des Wannsee-Protokolls (2) weiterlesen

Wichtige Neuerscheinung zur Archivwissenschaft online

Bevor es nach Ostern mit dem Wannsee-Protokoll weitergeht, hier eine Literaturanzeige. Der Tagungsband „Archive und Literatur“ von der gleichnamigen Linzer Tagung des vergangenen Jahres vereint substantielle Beiträge zur Archivtheorie v. a. aus der Sicht von Literaturarchiven, schlägt aber auch die Brücke zum öffentlichen Archivwesen z. B. des Staates. Dabei ist auch etwas aktenkundliches aus meiner Feder. Erfreulich ist, dass der Band parallel zur Buchhandelsausgabe kostenlos online steht. Die von De Gruyter eingeräumte restriktive Lizenz CC BY-NC-ND stellt für den wissenschaftlichen Gebrauch zwar nicht zufrieden, … Wichtige Neuerscheinung zur Archivwissenschaft online weiterlesen

Zur Aktenkunde des Wannsee-Protokolls (1)

Es ist das berüchtigtste Aktenstück der Geschichte. Niemand von klarem Verstand bestreitet seine Echtheit. Aber um seinen genauen Ort in der Geschichte des Völkermords an den europäischen Juden debattiert die seriöse Wissenschaft noch. Andererseits hat die aktenkundliche Untersuchung von Dokumenten des Holocausts im vergangenen Jahr einen mächtigen Schub durch die Online-Tutorien der ERHI erhalten. Wie man sich diesem Stück aktenkundlich nähern kann, möchte ich in einer dreiteiligen Serie demonstrieren. Das Ziel Warum eine aktenkundliche Beschäftigung mit dem Wannsee-Protokoll? Wenige Einzeldokumente wurden in der Geschichtswissenschaft … Zur Aktenkunde des Wannsee-Protokolls (1) weiterlesen

Südwestdeutsche Archivalienkunde online

Gestern (22. Februar 2018) wurde im Hauptstaatsarchiv Stuttgart ein neues Modul von LEO-BW freigeschaltet. Das ist das „Landeskundliche Informationssystem Baden-Württemberg“. Die neue „Archivalienkunde“ ist eine umfassende Quellenkunde von schon über 100 Arten von Schriftquellen, die Forscher/innen in Archiven finden können. Im Endzustand soll das Modul über 200 Artikel umfassen. Es werden noch Autoren gesucht. Ich wäre gern hingefahren, zumal das fertige Werk auch Gegenstand eines sicher ergiebigen Werkstattgesprächs über die Lage der archivalischen Quellenkunde in den deutschsprachigen Ländern war. Ob ein Mitschnitt online geht? … Südwestdeutsche Archivalienkunde online weiterlesen

Genschers Marginalien – ein Rätsel (2)

Es ist Zeit zur Auflösung des kleinen paläographischen Rätsels von letzter Woche. Im Archivwesen geht Qualität ja immer vor Quantität … besteht da noch Einigkeit? Es gab drei Einsendungen, und schon die erste war fast richtig. Vorgestern (23. 1. 2018) wurde u. a. in der Frankfurter Allgemeinen der Tag der Handschrift gefeiert und wie seit 100 Jahren vor der Bedrohung der Kultur durch die Tastatur gewarnt. Als ob man, sehr bald schon, überhaupt noch irgendwelche Schriftzeichen erzeugen müsste, um sich im Alltag zurechtzufinden. „Hey … Genschers Marginalien – ein Rätsel (2) weiterlesen

Genschers Marginalien – ein Rätsel (1)

Randbemerkungen – vornehmer: Marginalien – sind eine Quellengruppe für sich. Sie sind Vermerke oder Verfügungen, die an den Rand eines Schriftstücks oder zwischen die Zeilen, neuerdings auch auf Klebezettel oder sonst wohin gekritzelt werden. Entscheidungsträger bewerten damit die Informationen und Empfehlungen, die ihnen der nachgeordnete Apparat vorlegt, und steuern das weitere Vorgehen. Für die Geschichtswissenschaft sind die Randbemerkungen oft wichtiger als das Schriftstück auf dem sie stehen. Paradebeispiele, die uns hier schon beschäftigt haben, sind die Marginalien Wilhelms II. betr. den Baron Fredericks bzw. … Genschers Marginalien – ein Rätsel (1) weiterlesen

Über Regesten

Heute mal ohne Titelbild, es geht um trocken’ Brot – tägliches Brot von Archivaren/innen und Archivbenutzern/innen: Regesten. Ich hatte vor Weihnachten Gelegenheit, eine Anzahl von Regesten zu Aktenstücken der 1930er-Jahre einem Editionsprojekt zuzuliefern. Das erforderte nach langer Zeit wieder die Auseinandersetzung mit der Regestierungsmethodik und ließ nachdenken, wozu Regesten überhaupt (noch) gut sind. Was sind Regesten? Dazu die Wikipedia, abgerufen am 31. 12. 2017: Als Regest (lateinisch res gestae, die getanen Dinge) bezeichnet man in der Geschichtswissenschaft die Zusammenfassung des rechtsrelevanten Inhalts von Urkunden … Über Regesten weiterlesen

Gaddafis undiplomatischer Schriftverkehr

Ich komme derzeit wenig zum bloggen, aber das hier muss sein. Das Österreichische Staatsarchiv erinnerte vor ein paar Tagen auf Twitter an die abstruse Weihnachts- und Neujahrsbotschaft, die Gaddafi 1978 dem österreichischen Bundespräsidenten und wohl noch weiteren westlichen Staatsoberhäuptern angedeihen ließ. Die Website des Österreichischen Staatsarchivs bietet dazu Kontextinformationen und die Fundstelle. Nicht soviel trinken, sondern die Bibel lesen, um Christi Geburt zu würdigen, ist der Rat des moralphilosophischen Universalgenies. Undiplomatischer Inhalt, aber diplomatische Form. Dazu ein paar Bemerkungen. Der Diplomatische Schriftverkehr ist in … Gaddafis undiplomatischer Schriftverkehr weiterlesen

Der Geschmack des Archivs. Heute: Salz

Arlette Farges Der Geschmack des Archivs (frz. 1989, dt. 2011) ist ein Klassiker des kulturwissenschaftlich erweiterten Archivdiskurses. In vielen Aspekten der Archivpraxis ist er zwar nicht aktuell (Kröger 2011) und der Diskurs hat, weil er sich ja am Leben halten muss, auch theoretische Defizite entdeckt (Lepper/Raulff 2016, S. 5). Farges Verdienst bleibt aber, lange vor dem material turn , die subjektive Erkenntnis, wie die sinnlichen Überraschungen beim Umgang mit archivierten Akten, seien sie fragil, schmutzig oder schwer lesbar, die historische Arbeit beeinflussen: von den … Der Geschmack des Archivs. Heute: Salz weiterlesen

Lehrgang zur Aktenkunde des Holocausts aus dem Bundesarchiv

ZiIm März 2016 wurde hier auf ein Seminar des Bundesarchivs zur Aktenüberlieferung des Holocausts hingewiesen. Dass die Aktenkunde ein Wahrnehmungsproblem hat, ist mein ceterum censeo. Solche Initiativen sind der beste Wege zur öffentlichen Relevanz. Nun haben die verantwortlichen Kollegen aus dem Bundesarchiv daraus einen Online-Kurs gemacht. Ein didaktischer Meilenstein Die European Holocaust Research Infrastructure (EHRI) ist ein europäisches Projekt mit dem Ziel, ein Portal zu archivalischen Quellen der Holocaust-Forschung zu schaffen. In Deutschland wird EHRI vom Institut für Zeitgeschichte und eben vom Bundesarchiv getragen. … Lehrgang zur Aktenkunde des Holocausts aus dem Bundesarchiv weiterlesen

Schreiben und abschreiben – Gedanken über einen besonderen Lutherbrief

Ein Gastbeitrag von Karsten Uhde (Marburg) Im Lutherjahr haben Lutherbriefe Konjunktur. Das Erfurter Augustinerkloster bietet die Faksimiles zweier „Trostbriefe“ Luthers samt Transkription für erschwingliche zwei Euro zum Kauf und im Februar 2017 wurde ein Lutherbrief bei einer Auktion für 100 000 Euro angeboten. Allerorten werden Ausstellungen mit Originalschreiben des Reformators gezeigt und kaum eine Archivzeitschrift kommt ohne einen Artikel über Archivalien mit Lutherbezug aus1. Warum also eine weitere Abhandlung über Luther, noch dazu über eine Abschrift eines Lutherbriefes und nicht über dessen Original, das … Schreiben und abschreiben – Gedanken über einen besonderen Lutherbrief weiterlesen

Aktenkundliche Basisbibliografie erweitert

Sommerloch – Bibliografie-Zeit! Meine Literaturauswahl zum Einstieg in die Aktenkunde scheint ganz nützlich zu sein. Deshalb habe ich sie hauptsächlich um Literatur, mit der ich hier im letzten Jahr gearbeitet habe, erweitert. Außerdem habe ich die Struktur verfeinert und einige Titel anders eingeordnet – da ist immer persönlicher Geschmack im Spiel. Was gibt es Neues? Zunächst einige Titel, die unbedingt hinein gehören, aber in der ursprünglichen Serie zur Forschungsgeschichte der Aktenkunde nicht enthalten waren: Schmid (2012) und Beck (2012) aus den Archivalischen Quellen; Schmids … Aktenkundliche Basisbibliografie erweitert weiterlesen

Aktenkundliche Basisbibliografie erweitert

Sommerloch – Bibliografie-Zeit! Meine Literaturauswahl zum Einstieg in die Aktenkunde scheint ganz nützlich zu sein. Deshalb habe ich sie hauptsächlich um Literatur, mit der ich hier im letzten Jahr gearbeitet habe, erweitert. Außerdem habe ich die Struktur verfeinert und einige Titel anders eingeordnet – da ist immer persönlicher Geschmack im Spiel. Was gibt es Neues? Zunächst einige Titel, die unbedingt hinein gehören, aber in der ursprünglichen Serie zur Forschungsgeschichte der Aktenkunde nicht enthalten waren: Schmid (2012) und Beck (2012) aus den Archivalischen Quellen; Schmids … Aktenkundliche Basisbibliografie erweitert weiterlesen

Paläographie, Graphologie, Forensik

Dieses Blog bringt immer wieder Beiträge zur Aktenforensik. Das meint die Anwendung aktenkundlicher Methoden zum praktischen Zweck juristischer oder auch historisch-politischer Beweiserhebung: Ist ein Dokument authentisch? Wer hat es verfasst? Wurde es nachträglich manipuliert? Eine cause célèbre der Forensik von Schriftstücken ist die Affäre Dreyfus. Die Historische Zeitschrift vom Dezember 2016, die mir erst jetzt in die Hände fiel, bringt einen hoch interessanten und wunderbar geschriebenen Aufsatz des Schweizer Historikers Caspar Hirschi zur Rolle der Schriftexperten in den Prozessen gegen Dreyfus und Zola — … Paläographie, Graphologie, Forensik weiterlesen

Rückkehr der Schreibmaschine?

Auf Einestages, der Geschichtsrubrik von Spiegel Online, ist vor zwei Wochen ein schöner Beitrag zur Geschichte der Schreibmaschine erschienen. Auch dieses Blog hat immer mal wieder Schreibmaschinenkundliches im Angebot. Selbstverständlich hat die Schreibmaschine die Aktenproduktion revolutioniert — jedoch nicht auf die offensichtlichste Weise (das wäre ihre Effektivität). Die vom Spiegel gestellte Frage, ob die Schreibmaschine in begrenzten Einsatzgebieten zurückkehren kann, ist ein Glasperlenspiel, führt aber zu grundsätzlichen Überlegungen. Doch der Reihe nach … Der Spiegel reitet auf einer Welle der Schreibmaschinennostalgie, vergleichbar mit der Wiederentdeckung des … Rückkehr der Schreibmaschine? weiterlesen

Die mutmaßlichen Macron-Fälschungen

Die Dunkelmänner haben verloren. Wer auch immer durch Unterlagen über eine Scheinfirma in der Karibik Emmanuel Macron aufhalten wollte, ist gescheitert. In diesem Blog geht es immer wieder um Aktenfälschungen, auch um solche aus der ganz rechten Ecke. Grund genug für eine Autopsie der am 4. Mai veröffentlichten PDFs. Diese Veröffentlichung ist nicht zu verwechseln mit der von 9 Gigabyte von den En marche!-Servern gestohlener Daten, die am Samstag folgte. Hier hat die technische Forensik bereits erste Ergebnisse erbracht, die als Urheber die die … Die mutmaßlichen Macron-Fälschungen weiterlesen

Archive in der Tschechischen Republik

Ein Gastbeitrag von Pavel Holub (Pelhřimov) Das Archivnetz in der Tschechischen Republik besteht gemäß § 42, Teil 5, des Archivgesetzes N. 499/2004 über die Änderung des Gesetzes N. 250/2014 aus Archiven: A) öffentlich B) privat A) Öffentliche Archive 1. Nationalarchiv http://www.nacr.cz/eindex.htm 2. Archiv des Polizeidienstes http://www.abscr.cz/en 3. Staatliche Gebietsarchive Staatliches Gebietsarchiv in Prag http://www.soapraha.cz/ Staatliches Gebietsarchiv in Třeboň http://www.ceskearchivy.cz/de/ Staatliches Gebietsarchiv in Plzeň http://www.soaplzen.cz/de Staatliches Gebietsarchiv in Litoměřice http://www.soalitomerice.cz/de Staatliches Gebietsarchiv in Zámrsk http://vychodoceskearchivy.cz/ Mährisches Landesarchiv in Brno http://www.mza.cz/ Landesarchiv in Opava http://www.archives.cz/zao/index.php 4. Spezialisierte Archive Archiv … Archive in der Tschechischen Republik weiterlesen

Über Entwürfe: Zwei Netzfundstücke

Zwei Fundstücke aus dem 17. und frühen 20. Jahrhundert. Gemeinsam ist ihnen, dass es sich um Entwürfe zu Schreiben handelt, die noch auszufertigen waren. Sie zeigen die charakteristischen Besonderheiten solcher Entstehungsstufen: Revisionen des beabsichtigten Textes und Kanzleivermerke über die Ausfertigung und weitere Behandlung des Schreibens. Michael Kaiser hat vor einigen Tagen im dk-blog eine Miszelle darüber veröffentlicht, wie der bayerische Kurfürst Maximilian I. im Dreißigjährigen Krieg seinem Befehlshaber, dem Grafen Johann Jakob von Bronckhorst-Batenburg, eine Rüge erteilte, weil die Truppen einen verbündeten Reichsstand geschädigt … Über Entwürfe: Zwei Netzfundstücke weiterlesen

Applekunde

Die deutsche Fachliteratur mag suggerieren, man könne Aktenkunde nur an den Akten deutscher — besser noch preußischer — Behörden treiben. Aktenkunde ist aber auch an Akten von Unternehmen möglich. Und an Akten ausländischer Urheber. Also auch an den Akten ausländischer Unternehmen. Zum Beispiel an Akten von Apple, Inc. Mit den formalen Kriterien Meisners (1935) betrieben, ist die Aktenkunde der Wirtschaft eine mission impossible. Schludi (2016) hat im Anschluss an Neuß (1954) deutlich darauf hingewiesen, dass die Nutzung von Schriftgut zur Betriebsorganisation kein von Regeln … Applekunde weiterlesen

Wie bloggen? Auch ein Beitrag zu 5 Jahren Hypotheses

In der Hypotheses-Community wird viel über den Sinn und die Besonderheiten des Bloggens als Form wissenschaftlicher Veröffentlichungen diskutiert. Das ist gut. Was ich vermisse (oder nicht mitbekommen habe), ist eine intensivere Diskussion über das technische Handwerkszeug, abgesehen von einem älteren Beitrag auf Konservativ und einigem zu Zotero auf Archivalia. Ist das ein Manko? Bestimmt denn nicht die Hard- und Software, mit der wir schreiben, entscheidend mit, wie wir schreiben — vielleicht sogar, was wir schreiben? Ich mag die „How I Work“-Kolumne auf Lifehacker und … Wie bloggen? Auch ein Beitrag zu 5 Jahren Hypotheses weiterlesen

Neuer Aufsatz zur monastischen Aktenkunde

In der Welt des Geistes steht die Abkürzung AfD immer noch für das Archiv für Diplomatik, dessen neuer Band (62, 2016) zum Jahreswechsel erschienen ist. Während der Schwerpunkt wieder in den Hilfswissenschaften des Mittelalters liegt, beschließt diesen Band ein hoch interessanter Aufsatz über die Urkunden- und Aktenüberlieferung, die in Klosterarchiven auf das Ablegen der Profess zurückgeht. Schachenmayr, Alkuin Volker (2016): „Die benediktinische Professurkunde und ihre Akten vom 16. bis zum 20. Jahrhundert am Beispiel österreichischer Stifte“. In: AfD. 62, S. 407–431. Der Verfasser, P. Alkuin … Neuer Aufsatz zur monastischen Aktenkunde weiterlesen