Planet History

Allgemein

Vortrag „Beyond Micro and Macro: Reassembling the History of the Novel“

Der Lehrstuhl für Computerphilologie und die Nachwuchsgruppe Computergestützte literarische Gattungsstilistik (CLIGS) an der Universität Würzburg laden herzlich ein zu folgendem Abendvortrag am Mittwoch, 9. Dezember 2015, um 18 Uhr c.t.: Allen Riddell Dartmouth College Beyond Micro and Macro: Reassembling the History of the Novel Veranstaltungsort: Raum 2.013 im Zentralen Seminar- und Hörsaalgebäude, Am Hubland, 97074 Würzburg […]

Hannah Baader: Neue Impluse für die Kunstgeschichte gerade aus nicht-europäischen Ländern

Interview im Kontext der Arbeitstagung “Reimers Konferenzen Revisited” (7./8. Juni 2015 am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg) Hannah Baader (Art Histories and Aesthetic Practices/KHI Florenz, Max-Planck-Institut) spricht über die gestiegene Relevanz des Fachs Kunstgeschichte in Deutschland, die hervorgehobene Rolle der Museen bei der Erforschung  außereuropäischer Kunst sowie über den Dialog…

Digitale Public History

Jugendliche und junge Erwachsene sind verständlicherweise Vorreiter des Medienwandel der letzten 15 Jahre. Sie reduzieren ihren linearen Fernsehkonsum zugunsten nonlinearer Onlineprodukte1, sie lesen weniger Bücher und gedruckte Zeitschriften2 und sie vertrauen generell weniger den etablierten Meinungsführern3. Das… Read More

Workshops und Vorträge

Ich biete Fortbildungen, Workshops und Vorträge für HistorikerInnen, historisch Interessierte und Firmen an und beteilige mich gerne an Podiumsdiskussionen. In der persönlichen Kommunikation können wir Themenfelder genauer abgrenzen, Schwerpunkte setzen oder auf spezifische Anforderungen eingehen. Themenfelder:… Read More

Medizinisch-astronomischer Kalender der Lauber-Werkstatt aus der Diözese Straßburg…

Leider weiß auch die McKell Library nicht, wo das Manuskript hingekommen ist. Das SW-Faksimile wurde jetzt von der UB Heidelberg ins Netz gestellt:

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/de/bpd/glanzlichter/oberdeutsche/lauber/lauberliste.html

Von gar nicht wenigen der Handschriften existieren Komplettdigitalisate.

Nachtrag: Übrigens ist der bekannte Lauber-Brief, siehe etwa
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/Kautzsch1895i/0006
online unter
http://bvmm.irht.cnrs.fr/resultRecherche/resultRecherche.php?COMPOSITION_ID=11286

Manuscript Road Trip

Ein Weblog berichtet über eine Reise zu unbekannteren Handschriftensammlungen der USA.

http://manuscriptroadtrip.wordpress.com/

Außerordentlich wichtige Übersicht zu den Sammlungen (Dezember 2012, Ergänzung zu de Rici et al.):

http://www.bibsocamer.org/BibSite/Conway-Davis/Pre-1600.Mss.Holdings.pdf

Dieses PDF ersetzt die unter

http://archiv.twoday.net/stories/6190941/

im Internet Archive nachgewiesene frühere Website.

Bisher wurden 20.000 Handschriften vor 1600 und etwa 25.000 Einzelblätter in ungefähr 500 Sammlungen identifiziert.

Stiftung bekommt Restaurierungszentrum

„Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten baut in Potsdam ein neues Wissenschafts- und Restaurierungszentrum. Es soll auf dem ehemaligen Gelände des Hans-Otto-Theaters entstehen, wie eine
Sprecherin am Freitag sagte. Der Grundstein werde am kommenden Donnerstag gelegt, die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis 2016.
Künftig soll das aus mehreren Gebäuden bestehende Zentrum wissenschaftliche Einrichtungen, Archive und Werkstätten
der Stiftung beherbergen. Die Kosten werden mit rund 26 Millionen Euro veranschlagt.“

Quelle: rbb-text S. 139, 7.9.13

Schlechte Bücher? Publikationsmöglichkeiten im 21. Jahrhundert als Herausforderung…

Vortrag auf der 34. Tagung der AG sportwissenschaftlicher Bibliotheken in Bonn am 4.9.2013

Von Klaus Graf

„Der ehemalige Ringer-Weltmeister Adolf Seger hat im März 2012 das auf Mauritius ansässige VDM-Tochterunternehmen Betascript Publishing zu einer Unterlassungserklärung wegen eines Buches aufgefordert, das als seine ‚Biografie‘ verkauft wurde. Das 84 Seiten umfassende Büchlein war eine Sammlung von Wikipedia-Artikeln, enthielt tatsächlich nur eine Seite über das Leben des Sportlers und kostete 34 Euro. Man einigte sich gütlich, das Buch wurde von VDM vom Markt genommen“

https://de.wikipedia.org/wiki/VDM_Publishing_Group

Das Zitat stammt aus der Wikipedia. Ich habe also schon ein Tabu gebrochen: Zitiere niemals aus der Wikipedia! Und wer von mir im Folgenden das übliche Bashing gegen die Verlagsgruppe Dr. Müller (VDM Publishing Group) erwartet wird auch enttäuscht werden. Da es mir an jeglicher sportwissenschaftlicher Kompetenz mangelt, bin ich hier für die Visionen und Provokationen zuständig.

Meine erste These ist schon auf Krawall gebürstet: Lieber schlechte Bücher im Internet als auf Papier.

Beispielsweise stiftet eine schlechte Masterarbeit Open Access im Internet noch erheblich mehr Nutzen als unzugänglich in der Kellerablage eines Prüfungsamts. Ich komme auf den Fetisch „wissenschaftliche Qualitätssicherung“ noch mehrfach zurück, möchte aber schon jetzt anmerken, dass alle akzeptierten Qualifikationsarbeiten einen formalen Prozess der Qualitätssicherung hinter sich haben. Sie wurden von mindestens zwei universitären Gutachtern und dem zuständigen Prüfungsgremium akzeptiert. Den Kandidaten wird dabei bescheinigt, dass sie in ausreichendem Maße gezeigt haben, dass sie wissenschaftlich arbeiten können. Im Licht der aktuellen Plagiat-Skandale wird man oft ein Fragezeichen setzen müssen, aber jede akzeptierte Abschlussarbeit hat so etwas wie ein „Peer Review“ hinter sich, was man bis vor wenigen Jahren den meisten geisteswissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln im deutschsprachigen Raum nicht bescheinigen konnte. Nach wie vor gibt es in diesem Bereich sehr einflussreiche Organe ohne Peer Review.

Die VDM-Verlage verkaufen solche Abschlussarbeiten für teures Geld: Masterarbeiten, Dissertationen, sogar Habilitationsschriften. Für die Autoren ist das attraktiv: Die Bücher sehen optisch nicht schlechter aus als andere Wissenschafts-Publikationen, und es wird kein Cent Zuschuss fällig.

Das Problem sind die Bibliotheken, denn viele dieser Institutionen haben über die geschäftstüchtige Saarbrücker Verlagsgruppe des Dr. Müller einen Bann ausgesprochen: Sie kaufen solche Bücher nicht.

Nur wenige Bibliothekare äußern sich besonnen wie der Frankfurter Fachreferent Hartmut Bergenthum, der am 21. Oktober 2011 in der Mailingliste INETBIB zu einem Zitat des Verlegers Matthias Ulmer Stellung nahm. Ulmer schrieb: „Zum anderen ist VDM kein Verlag sondern ein absurdes Geschäftsmodell, das sowohl uns Verlegern die Schamesröte ins Gesicht treibt als auch den Bibliotheken, deren Gelder die Taschen von VDM füllt.“ Bergenthum aber kauft regelmäßig bei VDM für das von ihm betreute Sondersammelgebiet Afrika. Er verwies darauf, dass Print-on-Demand-Verlage florieren, weil nunmehr jeder ein Autor sein könne, und behauptete hinsichtlich der VDM-Produkte: „Sowohl für Studierende (als Leser) als auch für junge Wissenschaftler (als Autoren) scheint VDM attraktiv zu sein und erfüllt deren – wie auch immer gearteten – Bedürfnisse“.

Ich habe ein Beispiel Bergenthums nachrecherchiert. Es betrifft eine Trierer Habilitationsschrift von 2011 mit dem Titel „Third scramble for Africa“. Eine akzeptierte Habilitationsschrift des deutschsprachigen Raums sollte eigentlich von wissenschaftlichen Bibliotheken erworben werden, sonst stimmt etwas nicht. Wieder ein Zitat aus der Wikipedia, aus dem Artikel Habilitationsschrift: „Im Gegensatz zu einer Dissertation muss es sich um eine Arbeit mit hohem methodischen Anspruch handeln, durch welche die wissenschaftliche Forschung nicht nur in einem kleinen Segment vorangebracht werden soll“. Die fragliche Arbeit kostet bei Amazon 62,95 Euro, für 604 Seiten wahrlich kein überzogener Preis. Und wo kann man nun diese Arbeit laut Karlsruher Virtuellem Katalog einsehen? In der Deutschen Nationalbibliothek, dort ist als Pflichtexemplar auch eine elektronische Fassung für die Präsenznutzung hinterlegt, natürlich in Trier und in Frankfurt. Sonst nirgends, also auch nicht in Saarbrücken, wo der Verlag ansässig ist. Zuständig für das Pflichtexemplar ist die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, die offenbar keinerlei VDM-Bücher in ihren Bestand aufnimmt – im Gegensatz zu kleineren saarländischen Bibliotheken oder der Kölner Sporthochschule, die als Spezialbibliothek sehr wohl bei VDM einkauft.

Ich scheue mich nicht, von einem Skandal zu sprechen. Für die Fernleihe stehen genau zwei Exemplare der Habilitationsschrift zur Verfügung, falls Frankfurt und Trier die bibliophile Seltenheit außer Haus geben. Ich vermute, die meisten Inkunabelausgaben – das sind vor 1500 erschienene Bücher aus der Anfangszeit des Buchdrucks [Frage ans Auditorium: Wer verwahrt Inkunabeln? Rückmeldung: niemand] – sind in mehr Exemplaren in Bibliotheken verbreitet als diese Trierer Habilitationsschrift aus dem Jahr 2011.

Die zweite These, mit der ich Sie erzürnen könnte, lautet: Die Bibliotheken müssen endlich aufhören, ihre Leser durch Nichtanschaffung von Büchern oder Nichtanforderung von Pflichtexemplaren zu bevormunden.

Über Bibliothekare als Zensoren in der Geschichte könnte man sicher einen eigenen Vortrag halten. Es gibt vermutlich wenig empirische Untersuchungen, aber eigene Erfahrungen legen den Schluss nahe, dass sich die Bibliotheken seit dem 18. Jahrhundert nicht mit Ruhm bekleckert haben, was die vollständige Dokumentation des gedruckten Geistesschaffens angeht. Vergeblich suchte ich nach einer Rezension in einer gelehrten Zeitschrift aus dem 18. Jahrhundert, eine wissenschaftliche Zeitschrift zum Buchwesen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts fand ich nur in einem Nachlass einigermaßen komplett und ein wichtiges Organ des deutschen Druckereiwesens um 1900 ist nur in einer österreichischen Spezialbibliothek mehr oder minder lückenlos vorhanden. Zu erinnern ist auch an den Kampf gegen den sogenannten „Schund“, dem sich auch die Bibliothekare der Pflichtexemplarbibliotheken verschrieben hatten – mit schmerzlichen Folgen für die Erforschung der populären Kultur.

Was sagte das Bundesverfassungsgericht in seiner Pflichtexemplar-Entscheidung aus dem Jahr 1981? Druckwerke würden im Lauf der Zeit geistiges und kulturelles Allgemeingut. Unter Berücksichtigung der Sozialpflichtigkeit des Eigentums stelle es ein legitimes Anliegen dar, die literarischen Erzeugnisse dem wissenschaftlich und kulturell Interessierten möglichst geschlossen zugänglich zu machen und künftigen Generationen einen umfassenden Eindruck vom geistigen Schaffen früherer Epochen zu vermitteln. Ich möchte ergänzen: Auch wenn es sich um Produkte aus dem Spam-Verlag VDM handelt.

Ich lege Wert auf die Feststellung, dass mich der VDM-Verlag leider nicht finanziert. Selbstverständlich verurteile ich die Täuschung der Verbraucher durch zwischen zwei Buchdeckel gepresste Wikipedia-Artikel, aber im Bereich des Hochschulschriftendrucks verhält sich VDM nicht grundsätzlich anders als andere einschlägige Verlage. Auch bei hochangesehenen Verlagen erhält man im Übrigen für viel Geld Arbeiten minderer Qualität.

Das „gute Buch“, das man behaglich im Lehnstuhl zu sich nimmt und das man gerne jungen Menschen empfiehlt, ist, wenn man es recht besieht, eigentlich nie unumstritten. Otfried Preußlers beliebtes Jugendbuch Krabat ist Schullektüre, aber dagegen wehrten sich jetzt vor Gericht Zeugen Jehovas als betroffene Eltern, die in ihm die Förderung schwarzer Magie sahen. Sogar die Bibel ist streckenweise politisch unkorrekt. Und das schlechte Buch? Wer legt die Kriterien fest, was etwa im Bereich der Wissenschaft schlechte Bücher sind? Und was sollten die Konsequenzen sein? Bücherverbrennungen wohl kaum.

Als Auslöser der Open-Access-Bewegung kann die sogenannte Zeitschriftenkrise in den naturwissenschaftlichen Fächern bezeichnet werden. Die führenden Fachorgane werden dort immer teurer, mitunter kostet ein Jahres-Abo nicht weniger als ein Mittelklassewagen. Dieser Kostendruck durch Elsevier & Gesellen hat natürlich Auswirkungen auf die Monographien-Anschaffungen in den Universitätsbibliotheken und damit auch auf die Geistes- und Sozialwissenschaften. Bücher werden immer teurer, und selbst Bücher, die ich als Standardwerke bezeichnen würde, gibt es nach meinen unrepräsentativen Beobachtungen leider nur noch an wenigen Standorten. Da die Preise so hoch sind, dass der Wissenschaftler nicht selbst anschaffen kann, führt dies zur Belastung der Fernleihe oder dazu, dass relevante Literatur nicht rezipiert wird.

Mein Lösungsvorschlag für das Monographien-Problem wird Sie wohl nicht überraschen:

Auch bei den Monographien müssen die Bibliotheken und die Träger und Finanzierer von Forschung konsequent auf Open Access setzen.

Längst nicht alle Universitätsverlage praktizieren Open Access. Ich habe zuhause eine altgermanistische Habilitationsschrift – gedruckt vom Düsseldorfer Universitätsverlag – zur Besprechung, die mehr als 600 Seiten umfasst. Dass weder ein Register noch eine oder mehrere Zusammenfassungen beigegeben sind, grenzt für mich beinahe schon an Körperverletzung. Ein E-Book wird nicht angeboten, obwohl man verzweifelt einen Volltext braucht, um sich die Lektüre zu erleichtern. Nun werden sie mir erwidern: Im Mittelalter hatten die Leute auch Grips und zwar ohne Volltextsuche. Das ist schon richtig, aber sollte sich unsere Publikationskultur nicht am digitalen Potential im 21. Jahrhundert orientieren und nicht an dem angeblichen Gold-Standard, dem im 15. Jahrhundert erfundenen gedruckten Buch?

Open Access sorgt für Chancengleichheit. Es kommt nicht mehr darauf an, wo sich ein Buch physisch befindet und ob sich eine Bibliothek ein üppiges kommerzielles E-Book-Angebot leisten kann. In den USA kann noch nicht einmal jede Hochschulbibliothek – Sie wissen, es gibt da unendlich viele Universitäten – ein JSTOR-Abo finanzieren. Laut Datenbank-Infosystem hat keine deutsche Institution eine Subskription von „Early European Books“ , einem von europäischen Nationalbibliotheken unterstützten groß angelegten und an sich wissenschaftlich wichtigem Digitalisierungsprojekt für alte Drucke. Deutsche Wissenschaftler gucken in die Röhre, da sie darauf angewiesen sind, dass Bibliotheken Lizenzen erwerben.

Wenn es die Bibliotheken wirklich ernst meinten mit Open Access, müssten sie bei den Hochschulschriften beginnen und massiv auf die Hochschulverwaltungen und die Fachbereiche einwirken, damit es flächendeckend ein Abschlussarbeiten-Mandat gibt.

Meine Forderung lautet also: 100 % aller Dissertationen, Habilitationen und aller anderen Qualifikationsarbeiten vom Bachelor aufwärts müssen Open Access auf den Hochschulschriftenservern zur Verfügung stehen.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft unterhält im Internet eine Übersicht zu den Dissertationen und Habilitationen an den deutschen Hochschulen, leider nicht zu den sonstigen Abschlussarbeiten. Für 2011/12 existieren nur für ein knappes Drittel Volltexte (35 von 114 Arbeiten). Besonders vorbildlich ist die Kölner Sporthochschule, bei der von 36 Arbeiten 20 als Volltext frei zugänglich sind. Ein Lob geht auch an die Universität Köln: 4 von 5 Arbeiten stehen Open Access zur Verfügung. Lässt man diese beiden Institutionen weg, so stehen 74 eingereichten Arbeiten nur 11 Volltext-Veröffentlichungen gegenüber. Das ist ärmlich!

http://www.bisp.de/cln_339/nn_16154/DE/Produkte/HabilDiss/HabilDiss2011-2012__node.html?__nnn=true

Leider ist das Internet für das Bundesinstitut offenbar immer noch #Neuland, sonst würde es nicht auf die Idee kommen, die Links zu den Schriftenservern und anderen Online-Ressourcen unanklickbar zu präsentieren. Will man eine Arbeit einsehen, muss man die Internetadresse in die Adresszeile des Browsers kopieren. Und selbstverständlich gibt es in den bibliographischen Datenbanken zur Sportwissenschaft keinen Online-Filter, und online vorliegende Arbeiten sind meist [mitunter] durch den angebotenen Link-Resolver [bzw. die Online-Nachweise] nicht aufzuspüren. Der Wissenschaftler braucht aber in Fachdatenbanken Online-Nachweise, denn nicht selten sind Online-Fundstellen durch simples Googeln – und das ist ja das, was die meisten Dozenten und Studierenden nach meinen Erfahrungen allenfalls beherrschen – nicht ohne weiteres zu ermitteln.

Als Wissenschaftler hat man immer schon eine Auswahl nach pragmatischen Gesichtspunkten getroffen. Ein Sporthistoriker kann in der Regel nicht jede einzelne gedruckte Vereinsfestschrift zur Kenntnis nehmen, er muss sich auf das verlassen, was greifbar ist oder was gute Noten bekommen hat. Dabei könnten in den übersehenen Lokalstudien wahre Goldkörner zu finden sein. Wenn angesichts der Literaturflut eine erschöpfende Sichtung des Materials nicht mehr möglich ist, dann werden Wissenschaftler mehr und mehr das bevorzugen, was online verfügbar ist. Es hat bei Volltextverfügbarkeit eine hohe Sichtbarkeit auch für Aspekte, die in den üblichen Metadaten einschließlich der Inhaltsverzeichnisse nicht präsent sind. Und diese Präferenz ist nicht der Untergang des Abendlandes und des guten Buchs, sondern gut so.

Ein Bündnis der Ignoranten in den Hochschulverwaltungen, den Fachbereichen und nicht zuletzt in den Universitätsbibliotheken verhindert, dass die deutschen Abschlussarbeiten unterhalb der Dissertation lückenlos für die Wissenschaft greifbar sind. Seit 1989, als ich eine inzwischen auch online verfügbare Ausarbeitung zu diesem Thema schrieb, hat sich bei diesem Missstand so gut wie nichts getan, obwohl durch das Aufkommen des Internets und zuletzt auch durch die Causa Guttenberg die Problemlösung auf der Hand liegt: Wenn alle Arbeiten auf den Hochschulschriftenservern veröffentlicht werden müssen, hat die Wissenschaft – und die interessierte Öffentlichkeit – Zugriff auf diese oft sehr wertvollen Arbeiten; die Institutsbibliotheken und die Hochschularchive, die sich mit einem Bewertungsprofil abquälen müssen, würden entlastet.

Ein Blick nach Österreich zeigt, dass die Vernachlässigung der Abschlussarbeiten keineswegs ein bibliothekarisches Naturgesetz darstellt. In Österreich werden alle Diplomarbeiten in der Hochschulbibliothek und in der Nationalbibliothek aufbewahrt.

Für Sonderfälle – jemand möchte seine Arbeit zur Dissertation ausbauen, es sind Betriebsgeheimnisse drin usw. – ließen sich Ausnahmen finden.

Entscheidend ist, dass es eine unglaubliche Ressourcenverschwendung darstellt, wenn Studierende monatelang forschen, die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeiten aber zu nichts anderem dienen als zum Nachweis, dass sie wissenschaftlich arbeiten können. In der Regel lassen die Kandidaten ihre Arbeiten weder drucken (auch nicht ohne eigene Kosten bei VDM) noch stellen sie sie kostenlos oder kostenpflichtig im Internet ein. Die Studien verstauben in den Verliesen der Prüfungsämter oder Institute. Werden sie im Hochschularchiv als archivwürdig bewertet, ist eine Schutzfrist von 30 Jahren nach Entstehung die Mindeststrafe. Datenschutznahe Archivare ordnen sie den sonstigen Prüfungsunterlagen zu, die erst 10 Jahre nach dem Tod des Verfassers für die Benutzung zur Verfügung stehen.

In den für die Weiterentwicklung der Open-Access-Bewegung wichtigen Empfehlungen der Konferenz 10 Jahre Budapest Open Access Initiative heißt es: „Every institution of higher education offering advanced degrees should have a policy assuring that future theses and dissertations are deposited upon acceptance in the institution’s OA repository. At the request of students who
want to publish their work, or seek a patent on a patentable discovery, policies should grant reasonable delays rather than permanent exemptions.“ Als gehobener akademischer Grad gilt dabei alles, was über dem Bachelor liegt, also auch Master-Arbeiten.

http://archiv.twoday.net/stories/444870012/

Alle Abschlussarbeiten und Dissertationen online – das würde nicht nur die Aufgabe der Plagiatjäger in VroniPlag und anderen Wikis, die ja erstaunlich viele Blattschüsse verbuchen konnten, erleichtern, sondern auch die öffentliche Bewertung und Überprüfung der jeweiligen Arbeit.

Selbst die schlechteste Bachelorarbeit, wurde sie denn akzeptiert, darf – zumindest in der Theorie – gewisse Mindeststandards des wissenschaftlichen Arbeiten nicht unterschreiten. Das „Summa cum laude“ für den Plagiator Guttenberg sollte uns eine gesunde Skepsis nahelegen, was akademische Notengebungen bei Qualifikationsarbeiten angeht. Mit welchem Recht bezeichnen Professoren und andere Verantwortliche z.B. in den Universitätsbibliotheken solche Arbeiten als wertlos bzw. als nicht dokumentationswürdig? Viele Hochschulschriftenserver nehmen Abschlussarbeiten nur bei positivem Votum des Betreuers; kaum einmal kümmert man sich um konsequente Acquise.

Natürlich gibt es unendlich viele solcher Arbeiten, die auch ich auf Anhieb als wissenschaftlich wertlos bewerten würde, aber ich bin Historiker und habe keine Ahnung vom Maschinenbau, dem Veterinärwesen oder der Sportwissenschaft. Wieso überlassen wir die Bewertung nicht den potentiellen Adressaten wissenschaftlicher Arbeiten, also den Wissenschaftlern?

An dieser Stelle muss auf die von Clay Shirky übernommene Devise des Kunsthistorikers Hubertus Kohle „publish first, filter later“ verwiesen werden. Kohles These: „Unter elektronischen Online-Bedingungen stellt sich das Problem der übergroßen Mengen gar nicht. Im Gegenteil, hier müsste man sie eher fordern“.

http://www.heise.de/tp/artikel/34/34434/1.html

Kohle schreibt weiter: „Im Druck ist das Wort schwerfällig und nicht universell adressierbar, im Digitalen dagegen extrem schnell verteilt und vielfältig rekonfigurierbar. Ist man im Druck gezwungen, einen Filterprozess vorzuschalten, also zum Beispiel in der Wissenschaft einen Peer-Reviewing-Prozess zu organisieren, der die Spreu vom Weizen trennt, ist das im Digitalen nicht notwendig, ja nicht einmal empfehlenswert. Der review in Form etwa von wertenden Kommentaren passiert post festum und kann als Filterungsprozess verstanden werden, der dem Nutzer die Auswahl aus der unübersehbaren Menge an Informationen ermöglicht.“

Noch ein Gedanke zu den „guten“ und den „schlechten“ Büchern. Was als gut oder schlecht angesehen wird, ist oft sehr zeitgebunden. Als Archivar weiß ich, dass keine Archivarsgeneration mit der Arbeit ihrer Vorgänger zufrieden war. Niemand ist glücklich damit, dass so unendlich viel kulturhistorisch wichtiges Material in den Orkus gewandert ist. Eine der spannendsten Archivabteilungen des Staatsarchivs Bern heißt „Unnütze Papiere“. Man hat diese Dokumente aus Spätmittelalter und früher Neuzeit zu vernichten vergessen, obwohl man sie dafür schon zusammengetragen hatte. Nun ist man heilfroh darüber, dass es sie noch gibt.

Um auf die Qualifikationsarbeiten zurückzukommen, die ja aus meiner Sicht eine riesige ungenutzte Ressource darstellen: Auch schlechtere Arbeiten können durch ihre Leistung, was die Reduktion und Komprimierung eines komplexen Themas angeht, im Internet für manche Zwecke von Nutzen sein. Gute Arbeiten hingegen werden gar nicht einmal so selten sogar in gedruckten Nachschlagewerken zitiert. Eine Masterarbeit zu einem Thema der regionalen Sportgeschichte ist oft die einzige wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema.

Wenn nun aber die eitlen Verfasser eher mäßiger Arbeiten diese bei hausarbeiten.de einstellen oder bei Dr. Müller veröffentlichen, die guten Arbeiten aber überwiegend der Wissenschaft entzogen sind – wem ist damit geholfen? Wird die Existenz einer Arbeit bekannt, so werden die Wissenschaftler, die zu dem behandelten Thema forschen, trotzdem versuchen, an sie heranzukommen. Clevere telefonieren mit dem Betreuer, um herauszukriegen, ob sich ein Blick lohnt, andere jagen ihre Hilfskräfte in eine meistens sehr zeitraubende Recherche, wo man denn nun ein Exemplar auftreiben könne. Die Universitätsbibliotheken verweigern sich den Arbeiten ja in der Regel, manchmal werden sie mit Zustimmung des Verfassers in die Institutsbibliothek aufgenommen, oft aber auch nicht. Prüfungsämter und Archive geben nicht ohne weiteres Exemplare heraus, und wo mag eine Verfasserin, die Petra Müller heißt, jetzt erreichbar sein? Solche Arbeiten sind nicht selten „verwaiste Werke“ schon kurz nach ihrer Entstehung.

Wir brauchen also Hochschulsatzungen, die den Kandidaten vorschreiben, dass sie ihre Qualifikationsarbeiten Open Access veröffentlichen sollen. Sinnvollerweise sollten, da gerade auch der sogenannte libre Open Access (im Gegensatz zum bloß kostenlosen gratis Open Access) für die wissenschaftlich erwünschte Nachnutzbarkeit wichtig ist, Creative Commons-Lizenzen empfohlen werden.

Weniger ambitioniert, aber auch nicht einfach zu realisieren: Wir brauchen einen Gesamtnachweis der in Institutionen, sei es Bibliotheken oder Archiven, öffentlich zugänglichen oder dauerhaft vorhandenen Arbeiten. Dieser Nachweis ist sinnvollerweise nach Disziplinen zu organisieren. Und natürlich brauchen wir eine Selbstverpflichtung der Institutionen, diese Arbeiten genauso zu hegen und zu pflegen wie Handschriften oder kostbaren Altbestand. Mir wurde neulich zugetragen, die Bibliothek einer schwäbischen Pädagogischen Hochschule habe gerade ihren über Jahre zusammengetragenen Bestand an älteren Zulassungsarbeiten, darunter unersetzliche lokalgeschichtliche Pretiosen, entsorgt.

Was bereits publiziert wurde, sollte digitalisiert werden. Das gilt nicht nur für Abschlussarbeiten, sondern auch für Monographien, Zeitschriften und graue Literatur. Die Bibliotheken schützen gern die unbefriedigende Urheberrechtslage vor, die sich aber in Kürze etwas verbessern wird durch die aktuelle Gesetzgebung zu verwaisten und vergriffenen Werken, aber bereits heute könnten sie unendlich viel mehr leisten.

Für eine Disziplin, die es mit Bewegungskultur zu tun hat, ist die Sportwissenschaft reichlich unbeweglich und verharrt beim Alten. Es gibt so gut wie keine Digitalisierungsprojekte im Bereich der Sportgeschichte. Die Bibliothek der Kölner Sporthochschule unterhält keine digitale Sammlung.

[Die Diskussion warf mir vor, ich zeichne die Lage zu schwarz. Siehe zu sportwissenschaftlichen deutschen Zeitschriften und Open Access: http://archiv.twoday.net/stories/472713631/ ]

Und wenn ein Wissenschaftler gerne seine Publikationen Open Access in einem Open-Access-Repositorium zweitveröffentlichen würde, an wen könnte er sich wenden? Der Schriftenserver der Sporthochschule enthält so gut wie nur Dissertationen und ist auch nur für die Hochschulangehörigen bestimmt. [Das ist falsch, es besteht die – nicht beworbene – Möglichkeit für jedermann, sportwissenschaftliche Arbeiten einzustellen.] Einen disziplinären Schriftenserver gibt es nicht, er wird auch nicht von der doch recht ärmlichen Virtuellen Fachbibliothek angeboten. Anders bei der (freilich ungleich besser aufgestellten) Kunstgeschichte: Der Schriftenserver Artdok floriert, die virtuelle Fachbibliothek Kunstgeschichte ist im Vergleich zu den anderen herausragend.

Wenn jemand für eine lokale Sportgeschichte die Rechte eingeholt hat und das Werk gerne auf einer dauerhaft gepflegten und für die Langzeitarchivierung ausgelegten bibliothekarischen Website mit persistentem Link wie URN oder DOI veröffentlichen wollte, könnte er das nur in wenigen Bundesländern tun wie zum Beispiel Baden-Württemberg oder dem Saarland. Nicht in Nordrhein-Westfalen. Hier gibt es noch kein einschlägiges Webarchivierungsportal.

Gerade im Bereich der Sportgeschichte gibt es viel graue Literatur, die teils in Sportarchiven oder anderen Dokumentationsstellen, teils in Bibliotheken verwahrt wird. Nicht nur bei der Digitalisierung dieser seltenen kleinen Schriften, die aber trotzdem wichtige Quellen darstellen können, sollten Sportarchive und Sportbibliotheken besser zusammenarbeiten als bisher.

Ich habe schon oft die Open-Access-Heuchelei der Bibliotheken gegeißelt. Sie halten sich nicht an das, was sie Wissenschaftlern predigen. Führende bibliothekarische Fachzeitschriften wie die ZfBB sind noch nicht einmal mit Verzögerung Open Access. Und ich ärgere mich immer wieder, wenn ich sehe, dass bibliothekseigene Publikationen, selbst wenn sie vergriffen sind, nicht als PDFs ins Netz gestellt werden. Selbst kleine Heimatvereine sind da mitunter weiter. Von der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft gibt es keinen einzigen online verfügbaren Band, zumindest gibt es keinen Link in der Liste auf der Website.

Wenn sich viele kleine Bibliotheken zusammenschließen und gemeinsam digitalisieren, dann können sie Großartiges leisten. Und auch wenn die eigenen Ressourcen sehr begrenzt sind, kann durch Einbeziehung der Öffentlichkeit Erstaunliches geleistet werden. Stichwort: Crowdsourcing. So war ein Aufruf der Europeana an die Bürgerinnen und Bürger, Materialien aus dem Ersten Weltkrieg zum Scannen vorbeizubringen, ausgesprochen erfolgreich.

Bibliotheken können durch das Bündnis mit den freien Projekten Wikipedia und Wikisource nur gewinnen. Wer von Ihnen war schon einmal auf der Wikisource-Seite Sport? [Rückmeldung des Auditoriums: niemand.]

http://de.wikisource.org/wiki/Sport

Sie haben nicht viel versäumt, aber das lässt sich ja ändern, denn auch Wikisource ist wie die Wikipedia ein Wiki, das jede(r) bearbeiten darf. Der Nachweis digitalisierter Inhalte liegt bei den Bibliotheken im Argen, während Wikisource auf vielen Gebieten – zugegebenermaßen bisher nicht im Bereich Sport – Enormes leistet.

Was die Schriften bis etwa 1920 angeht, so sind sehr viele davon durch Massendigitalisierungsprojekte – an erster Stelle ist natürlich Google zu nennen – bereits im Netz. Diese Schätze gemeinsam sachkundig zu katalogisieren, wäre die genuine Aufgabe der Bibliotheken. Und es müssten noch bestehende Lücken – überwiegend, aber nicht nur im Bereich der Lokal- und Regionalliteratur – gezielt geschlossen werden.

Wer von Ihnen weiß, dass die Düsseldorfer Universitäts- und Landesbibliothek Schriften vor 1900 kostenlos für ihre Nutzer digitalisiert? [Rückmeldung des Auditoriums: niemand.]

Wer kennt die digitale Bibliothek HathiTrust in den USA? [Rückmeldung des Auditoriums: niemand.]

Es handelt sich um ein großes Sammelbecken für die Google-Scans des sogenannten Bibliotheken-Projekts. Ist ein Titel dort bereits gescannt, kann er vom Rechteinhaber problemlos für die Öffentlichkeit freigegeben werden.

Ein letzter Punkt: Web 2.0, das Mitmach-Web. Mit Wikisource und Wikipedia wurde es ja bereits angesprochen. Sie werden mittelfristig keinen Blumentopf mehr gewinnen, wenn Sie da nicht aktiv mitmischen.

Wieso haben Sie keinen Account auf Facebook, Google+ oder Twitter? Wieso führen Sie kein Blog?

Ein Präsentation beispielsweise alter Sportfotos auf Flickr, alter Filme auf YouTube könnte Ihnen ein neues Publikum erschließen und ihre bestehenden Nutzerkreise fester an Sie binden. Sie brauchen diesen Rückhalt, denn allmählich stellt sich die Frage nach der Existenzberechtigung der Bibliotheken außerhalb von Buchmuseen.

Ein Gemeinschaftsblog zur Sportgeschichte im wissenschaftlichen Blogportal de.hypotheses.org – wer kennt das? [Rückmeldung des Auditoriums: niemand.] – wäre eine schöne Sache und eine ausgezeichnete Bereicherung. Dass solche Gemeinschaftsblogs funktionieren können, zeigt das Gemeinschaftsblog http://ordensgeschichte.hypotheses.org. Sie finden in dem von der Doktorandin Maria Rottler betriebenen Blog übrigens auch einen Hinweis auf eine aktuelle Ausstellung zu Spiel und Sport im Kloster.

Natürlich werden Sie mein Referat in dem von mir betriebenen Gemeinschaftsblog Archivalia – wer war da schonmal drauf? – nachlesen können. Archivalia, das als das führende deutsche Geschichtsblog gilt, hat eine gelegentlich – auch von Peter Schermer – befüllte Rubrik Sportarchive. [Frage: Wer hat Archivalia schon einmal besucht. Rückmeldung des Auditoriums: ca. 6.]

Sollte der eine oder andere von Ihnen ein interessantes Open-Access-Angebot ins Netz stellen, würde ich mich freuen, darauf in Archivalia hinweisen zu können. Und natürlich bin ich gern bereit, Sie kostenlos zu beraten, wenn Sie nach dieser Tagung dafür einen Bedarf sehen.

Deutsche sportwissenschaftliche Fachzeitschriften und Open Access

http://www.sportwiss.uni-hannover.de/links_fachzeitschriften.html nennt eine Auswahl sportwissenschaftlicher Fachzeitschriften.

Die ersten drei Zeitschriften Sport & Spiel, Sportpädagogik und SportPraxis sind online überhaupt nicht abrufbar.

Die EZB hat nicht zur Kenntnis genommen, dass die Zeitschrift Sportunterricht von 2007 bis 2012 mit 12-Monats-Embargo online ist.

http://hofmann-verlag.de/index.php/sportunterricht/sportunterricht-archiv/sportunterricht-archiv-2012

Es wäre die Aufgabe der sportwissenschaftlichen Community, mit der EZB zusammenzuarbeiten und einen lückenlosen Nachweis sportwissenschaftlicher Online-Zeitschriften sicherzustellen.

Die Zeitschrift für Sportpsychologie bietet nur kostenpflichtige Inhalte an.

Das Gleiche gilt leider für die renommierteste Zeitschrift „Sportwissenschaft“, die bei Springer gelandet ist. 2007 war eine Retrodigitalisierung geplant, aus der wohl nichts geworden ist:
http://www.sportwissenschaft.de/index.php?id=799

Es war mir nicht möglich, als sportwissenschaftlicher Laie den Titel „Gissel, N. (2000). Wozu noch Sportgeschichte? Gedanken zur Legitimation und Funktion sporthistorischer Forschung. In Sportwissenschaft 30 (3), 311-325“ in der Datenbank Spolit oder den VIFA-Datenbanken ausfindig zu machen.

SportZeiten hat keine Online-Ausgabe.

Sport und Gesellschaft hat ein 12-Monats-Embargo, die Ausgaben vorher sind Open Access:

http://www.sportundgesellschaft.de/index.php/sportundgesellschaft/issue/archive

Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin ist komplett Open Access
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/Artikel.html

Soweit die Liste der Uni Hannover.

Bei der Zeitschrift „Leistungssport“ schreibt die EZB: „Nur wenige Volltexte sind online verfügbar“. Angesichts des Artikelarchivs 1971-2011 ist das nicht nachvollziehbar:

http://sport-iat.de/ls-archiv

Für den DDR-Sport ist wichtig: „Für die Datenbank des IAT wurden alle Beiträge der Zeitschrift „Theorie und Praxis des Leistungssports“ der DDR von 1963 bis 1989 digitalisiert. Über 3.500 Einzelartikel vom ersten Heft der Zeitschrift „Theorie und Praxis des Leistungssports“ bis zum letzten Heft der Nachfolgezeitschrift „Training und Wettkampf“ (1990) sind nun recherchierbar und als Volltext einsehbar.“

http://www.iat.uni-leipzig.de:8080/rech_start.fau?prj=tupl6

Nur 15 Jahre gab es die dsv-Informationen (bis 2005). Die Jahrgänge sind unverständlicherweise erst ab 1995 online:
http://www.sportwissenschaft.de/index.php?id=218

Noch kürzer (nur von 2005-2008) existierte das Online-Journal „Bewegung und Training“:

http://www.sportwissenschaft.de/index.php?id=291

Fazit: Es gibt durchaus positive Ansätze in Sachen Open Access, aber noch ist viel zu tun.

Public History Weekly

Prof. Dr. Marko Demantowsky gibt bei Oldenbourg ein ambitioniertes Blogjournal Public History Weekly (auf Deutsch, Englisch soll folgen) heraus.

http://public-history-weekly.oldenbourg-verlag.de/

„Kommentare werden einmal täglich freigeschaltet (Mo-Fr).“ Klar, wenn alles höchst anspruchsvoll sein soll, setzt man sich gern von den Blog-Junkies ab, die sogar am Wochenende Kommentare einigermaßen zeitnah freischalten.

Erfrischender Plagiatsfall? Friedman vs. Grün

http://erbloggtes.wordpress.com/2013/09/04/philosophie-erleichtert-schuldlose-verantwortung-oder-sein-konnen-wie-gott/

http://plagiatsgutachten.de/blog.php/der-fall-michel-friedman-oder-warum-dissertationsautopsie-die-interessanteste-neue-wissenschaft-ist/

Wär schön, wenn die zitierten Herrschaften in dieser schnelllebigen Welt es schaffen würden, klar und prägnant den Sachverhalt in wenigen Zeilen zusammenzufassen. Hilfreicher ist da die Printpresse:

http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/nz-themen/friedman-in-plagiatsfall-verwickelt-1.3134804

Syrien vor der Eskalation (August 2013)

Am 29.8. traf sich auf Einladung der UNESCO in Paris eine Expertenrunde (mit Vertretern von ICCROM, ICOM; ICOMOS; Interpol, EU, WCO), um über die Lage in Syrien zu beraten.

 Ein auf der Tagung aufgezeichneter Appell der UNESCO steht als Video auf youtube:

Irina Bokova, Generaldirektorin der UNESCO betont, dass es nicht um die Wahl zwischen humanitärer Hilfe und Bemühungen um das Kulturerbe geht, sondern dass der Kulturgüterschutz elementarer Bestandteil der humanitären Katastrophe ist. Die Vergangenheit ist eine wesentliche Grundlage für einen Wiederaufbau und eine Gesellschaft nach dem Konflikt.

Syrian Civil War
Bürgerkrieg in Syrien – ungefähre Situation August 2013
Städte unter Kontrolle regierungstreuer Kräfte
unter Kontrolle von Assad-Gegnern
unter Kontrolle
kurdischer Gruppen
umkämpft/ unklare Situation
(Karte nach Wikipedia [CC BY-SA 3.0])

Angesichts der Giftgaseinsätze und der Gefahren eines internationalen Eingreifens ist Syrien wieder stärker in das Blickfeld der Medien gerückt, doch sind es – wie in Ägypten – nach wie vor allem die sozialen Netzwerke, die über die Zerstörung von Kulturgütern berichten.

fortgesetztes Bombardement

    Von verschiedenen Stätten wird wieder Artilleriebeschuss gemeldet, so aus Palmyra, 3.8.2013:

      Der Krak de Chevaliers wurde am 18.8.2013 erneut angegriffen:

        • https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=xFQd_q2-R5c

        Bilder der Zerstörungen der Großen Moschee aus Idlib:  

        Schon vom Mai des Jahres beschäftigte sich der Beitrag von Abigail Hauslohner / Ahmed Ramadan, Syria’s strategic medieval treasures may be casualties of war. The Seattle Times 5.5.2013 mit den Bombardierungen mittelalterlicher Befestigungen.

          Plünderungen

          Die Süddeutsche Zeitung greift am 30.8. das Thema der Plünderungen auf und bezieht sich auf die UNESCO-Tagung in Paris. Hier wurde eine Einschätzung der Lage versucht: „Gravierender noch als die Kriegsschäden und selbst als der ideologisch motivierte Vandalismus ist das, was durch Kunstraub und Raubgrabungen quer durchs Land angerichtet wird.“ Die Plünderungen werden demnach von gut organisierten und stark bewaffneten Banden durchgeführt. Sie agieren offenbar vor allem in der Gegend von Apameia. Genannt werden weiterhin Raubgrabungen in der Umgebung von Deraa, auf dem Tell Achaari  im Yarmouk-Tal und auf dem Tell Qaramel im Bezirk Aleppo, der auf der Suche nach Wertvollem mit Baggern geradezu umgepflügt würde.

          Aktuell berichten verschiedene Internet-Quellen über Plünderungen an mehreren Orten:  

          In Tabqah hat die al-Eza Lllah Brigade bei Kontrollen drei Kisten mit archäologischen Funden sichergestellt und dem Museum in Raqqah übergeben, das in einem Gebiet liegt, das von der Freien Armee kontrolliert wird.

          Zur Situation im Museum Raqqah:

          Laut SZ-Bericht zur Pariser Tagung ist die Lage der Museumsbestände „insgesamt nicht allzu beunruhigend, da sie vom Personal rechtzeitig in Sicherheit gebracht wurden.“ Gerüchte von Kollegen besagen, dass viele Museumsgüter ins Ausland, insbesondere in andere arabische Staaten gebracht worden seien. Das birgt ein hohes Risiko, dass Funde in dunklen Kanälen versickern. Hier wird aber erst nach Ende des Konfliktes eine seriöse Bilanz möglich sein. Anders als im ägyptischen Mallawi, wo – abgesehen von einigen wenigen sichergestellten Objekten – im Prinzip das gesamte Inventar zur Fahndung ausgeschrieben werden kann, ist das in Syrien nicht möglich.
          Auf der Pariser Tagung wurde darauf hingewiesen, dass nach den Erfahrungen aus Irak und Afghanistan die Unesco ihren Umgang mit solchen Situationen habe verbessern können. Listen geplünderter Güter würden inzwischen recht schnell erstellt. Leider ergibt sich aus den Berichten zur Tagung kein Hinweis darauf, wie man mit der großen Masse von Plünderungsgut umgehen möchte, das nie in konkreten Listen auftauchen kann und was man gegen die Zerstörung von Fundstellen unternehmen könnte. Hier – wie auch in Ägypten – wird deutlich, dass ein Schutz vor Ort zur Zeit kaum möglich ist. Die einzige Chance ist doch offenbar die effektive Unterbindung des illegalen Handels, indem für jedes einzelne Objekt klare Provenienzen gefordert werden, die etwas konkreter sind als die ominösen „alten Sammlungen“, die in fast allen Auktionskatalogen ins Auge fallen.

          Links

          Monatliche Zusammenstellungen wichtiger Meldungen aus Syrien auf Archaeologik:

          Änderungsvermerk (4.9.2013):
          Pressemeldung der UNESCO v. 29.8.13 ergänzt, auf der der fb-Eintrag von ‚Protects Syrian Archaeology beruht.

          Eine Archäologie historischer Persönlichkeiten – Folge überkommener Geschichtsbilder?

          Ein bedenkenswertes Thema angesprochen bei 
          Die Liste der historischen Persönlichkeiten, die in den letzten Jahren ausgegraben wurden läßt sich mühelos erweitern: Königin Editha und Bischof Wichmann in Magdeburg, Reformator Johannes Brenz in Stuttgart (2000, mit eher lokaler Resonanz).
          Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass das ein Phänomen vor allem der letzten Jahre ist. Auch früher gab es schon entsprechende Hypes (Lothar III in Königslutter 1978, Saliergräber in Speyer, um 1900). 
          Heute ist die Erwartungshaltung vielleicht größer, da die Anthropologie inzwischen über ‚vielversprechende‘ Methoden verfügt. Vielleicht spielen hier auch die öffentlichkeitswirksamen Erkenntnisse rund um Ötzi eine gewisse Rolle.
          Der Kern des Faszinosum der historischen Persönlichkeit liegt aber m.E. in unserem traditionellen Geschichtsbild, das Geschichte immer noch von großen Persönlichkeiten gestaltet sieht. Die Archäologie meint wohl, damit besonder relevante Ergebnisse zu liefern und ihre Identität als Geschichtswissenschaft unter Beweis zu stellen. ‚Neuere‘ Entwicklungen in der Theorie der Geschichtswissenschaften (z.B. franz. Annales seit 1940er Jahren, Sozialgeschichte seit 1960er Jahren…) wurden dabei kaum reflektiert: Vergl. http://archaeologik.blogspot.de/2013/04/historische-archaologie-ein-opfer-der.html
          Es düfte sich lohnen, dem Thema näher nachzugehen…
          Welche Rolle spielt „Authentizität“, normaler Promi-Rummel?

          Unwetterschäden im Raum Tübingen im Juli 1342(?)

          Ende Juli 2013 hat ein schweres Unwetter den Raum Tübingen und Reutlingen heimgesucht. Die Versicherungsschäden werden auf mindestens 200, eher 600 Mio € geschätzt. Autowerkstätten und Handwerker sind ausgebucht, die Schäden werden bald kaum mehr zu sehen sein.

          Eine Studie an der Universität Stuttgart hat im Schönbuch jedoch Spuren eines früheren Unwetters gefunden. Nahe der Neuen Brücke, etwa 10 km nordnordwest von Tübingen zeigen sich mehrere tiefe Erosionsrinnen, die nun mittels Drohnen und Sondagen dokumentiert worden sind. Die 14C-Datierungen aus den Schwemmfächern weisen darauf hin, dass ein Unwetter in der Mitte des 14. Jahrhunderts diese Schluchten gerissen hat. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um jene Unwetterfront gehandelt hat, die in weiten Teilen Deutschlands zum Magdalenenhochwasser im Juli 1342 geführt hat. Nach den schriftlichen Quellen war es das bei weitem mächtigste Hochwasser. 
          Erosions-Gully bei der Neuen Brücke im Schönbuch nahe des von der Stuttgarter Forschergruppe untersuchten.
          (Foto: R. Schreg, 2013)

          Im Hochmittelalter wurde im Schönbuch in
          mehreren Töpfereien Keramik der älteren
          gelben Drehscheibenware produziert,
          hier Nr. 3-5 aus einer Töpferei in Altdorf.
          Die Ware hebt sich ab von zeitgleicher
          nachgedrehter Ware (1-2 Beispiele aus
          Merdingen im Breisgau).
          (Graphik R. Schreg, aus Schreg 2012)

          Ein Schluchtenreissen, wie es sich im Schönbuch beobachten lässt, ist unter den heutigen Bedingungen einer dichten Bewaldung kaum denkbar. Forschungen der Tübinger Archäologie des Mittelalters haben in den vergangenen Jahren verschiedene sehr holzintensive Gewerbe nachgewiesen – Töpfereien in Altdorf, Hildrizhausen und (ein Neufund erst der letzten Wochen) auch in Holzgerlingen, Eisenverhüttung in Weil-im-Schönbuch und Glasmacher im Goldersbachtal nördlich von Bebenhausen. Abgesehen von der Glashütte, die wohl erst im Kontext der Gründung der Universität Tübingen im 15. Jh. zu sehen ist, bewegen wir uns mit der Töpferei und Eisenverhüttung im 11./12. Jahrhundert. Nach Schriftquellen ist für Hildrizhausen und Altdorf eine Kontinuität der Töpferei ins 13./14. Jh. möglich, aber archäologische Belege fehlen.

          Da der Ansatzpunkt der Forschungen jeweils bau-bedingte Bodeneingriffe waren, liegen die archäologischen Belege eher in den aufgesiedelten Bereichen des nördlichen Schönbuch, dürften aber doch als Indiz taugen, dass man von einer intensiven Holznutzung schon vor der Mitte des 14. Jh. ausgehen muss. Die jüngere, spätmittelalterliche Nutzung des Schönbuchs für Bauholz wurde im Rahmen eines DFG-Projektes Haus und Umwelt bearbeitet – Ansatzpunkt dazu waren dendrologische Untersuchungen an Fachwerkhäusern im Neckarland, gerade auch im Umfeld des Schönbuchs, der wegen der speziellen Forstverhältnisse im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit besonders interessant erschien.
          Grabungen auf einem Verhüttungsplatz bei Weil-im-Schönbuch
          (Foto: R. Schreg/ Institut für Ur- und Frühgeschichte und
          Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen, 2002)
          Die nun ins 14. Jahrhundert datierten Erosionserscheinungen im südlichen Schönbuch setzen voraus, dass dort eine intensive Abholzung stattgefunden hat – entweder wegen des Brennholzbedarfs der Eisenverhüttung und der Töpfereien, oder aber auch durch eine agrarische Nutzung. Aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit liegen aus dem zertalten Keuperbergland des südwestlichen Schönbuchs nur wenige, zudem unsichere Funde vor. Die Besiedlung konzentriert sich auf die Verwitterungsböden des Lias im nördlichen Schönbuch. In einigen Randbereichen scheinen hier seit den vorrömischen Metallzeiten aufgesiedelte Flächen nach der Römerzeit nicht weiter genutzt worden zu sein (Morrissey 2001).  Die mittelalterlichen Erosionserscheinungen im südwestlichen Schönbuch sind daher durchaus überraschend und werfen für die Archäologie die Frage auf, wie die Landnutzung dort im Mittelalter ausgesehen hat. Offenbar ging sie von den benachbarten Siedlungen aus und dürfte am ehesten mit nicht-agrarischen Aktivitäten zu verbinden sein.
          Als die Grabungen der Uni Tübingen im Schönbuch statt fanden, war noch nicht an LIDAR-Scans zu denken, mit denen man evtl. Altfluren und andere Landnutzungsrelikte in diesem Bereich hätte erfassen können. Inzwischen hat aber das Landesamt für Denkmalpflege den Schönbuch als Pilotprojekt für die LiDAR-Auswertung genutzt und dabei auch Wölbackerreste unter Wald erfasst. Bisher wurden aber nur Befunde vom östlichen Schönbuchrand bei Rübgarten publiziert (http://ag-caa.de/wp-content/uploads/2013/05/hesse.pdf).
          Bislang ging man davon aus, dass der Mittlere Neckarraum von den Unwettern 1342 nicht betroffen war, jedenfalls nicht in dem katastrophalen Ausmaß, wie der Raum von Main, Weser und Elbe, wo inzwischen zahlreiche Erosionsrinnen nachgewiesen wurden (Bork u.a. 2011). Die Befunde im Schönbuch, wie auch der Rechtsstreit von Esslingen über Unwetterschäden (http://archaeologik.blogspot.de/2013/01/bodenerosion-1342-ein-rechtsstreit-in.html) werfen die Frage auf, ob nicht auch das Mittlere Neckarland im Sommer 1342 Unwetter erlebt hat, deren Spuren auch heute noch zu finden sein könnten. Grundsätzlich besteht das Problem, dass die Datierungsgenauigkeit der Sedimente aus sich heraus keine Identifikation mit den Ereignissen 1342 zulässt – die schriftlichen Quellen nennen auch andere Unwetter, aber keine, die entsprechende Geländespuren erwarten lassen.
          Ein Forschungsprojekt, das mit Historikern, Archäologen und Bodenkundlern gezielt nach Erosionsbefunden des 14. Jahrhunderts sucht, könnte einen wichtigen Beitrag leisten, das schwerste Unwetter der Geschichte besser kennen zu lernen und so auch die Unwetter-Risiken, die weit über die von 2013 hinausgehen können, besser abzuschätzen.

          Literaturhinweise

          • H.-R. Bork/A. Beyer/A. Kranz, Der 1000-jährige Niederschlag des Jahres 1342 und seine Folgen in Mitteleuropa. In: F. Daim/D. Gronenborn/R. Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. RGZM-Tagungen 11 (Mainz 2011), 231–242. 
          • S. Frommer/A. Kottmann, Die Glashütte Glaswasen im Schönbuch. Produktionsprozesse, Infrastruktur und Arbeitsalltag eines spätmittelalterlichen Betriebs. Tübinger Forsch. hist. Arch. 1 (Büchenbach 2004).
          • D. Lutz, Beobachtungen und Funde aus der evangelischen Pfarrkirche St. Nikomedes in Hildrizhausen, Kreis Böblingen. Fundber. Bad.-Württ. 1, 1974, 672–688.
          • U. Meyerdirks/K.-H. Münster, Hochmittelalterliche Eisenverhüttung im Lachental, Gde. Weil im Schönbuch, Kreis Böblingen. Arch. Ausgr. Bad.-Württ., 2001, 250–252.
          • C. Morrissey, Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Schönbuchs. Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 34 (Leinfelden-Echterdingen 2001).
          • R. Schreg/U. Meyerdirks, Töpfereiabfälle der älteren gelben Drehscheibenware aus Altdorf, Kreis Böblingen. Arch. Ausgr. Bad.-Württ., 2002, 243–244.
          • R. Schreg/U. Meyerdirks, Weitere Grabungen auf dem hochmittelalterlichen Eisenverhüttungsplatz im Lachental bei Weil im Schönbuch, Kreis Böblingen. Arch. Ausgr. Bad.-Württ., 2002, 244–246.
          • R. Schreg: Keramik des 9. bis 12. Jahrhunderts am Rhein. Forschungsperspektiven für Produktion und Alltag. In: L. Grunwald, H. Pantermehl, R. Schreg (Hrsg.): Hochmittelalterliche Keramik am Rhein. Eine Quelle für Produktion und Alltag des 9. bis 12. Jahrhunderts. RGZM-Tagungen 13 (Mainz 2012) 1-19

          ResearchBlogging.org
          E. Beckenbach/U. Niethammer/H. Seyfried (2013). Spätmittelalterliche Starkregenereignisse und ihre geomorphologischen Kleinformen im Schönbuch (Süddeutschland): Erfassung mit hochauflösenden Fernerkundungsmethoden und sedimentologische Interpretation Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins, 95, 421-438 DOI: 10.1127/jmogv/95/2013/421

          erikkwakkel: Battleground tooth Quickly look away if you are…

          erikkwakkel:

          Battleground tooth

          Quickly look away if you are suffering from tooth ache at the moment. This image from an 18th-century Arabic manuscript shows you what’s going on. There are worms inside – and particularly nasty ones for that matter. What’s more, they are nibbling away at tiny bearded men, who are screaming for help and try to fight back. Battleground tooth: I feel sorry for the individual in ancient times who was given such a graphic explanation for the pain in his tooth.

          Oxford, Bodleian Library, MS Arab d 256 (18th century). More here (click menu > more information).

          Anmerkung:

          Welch treffendes Bild von Zahnweh!

          Pünderungen an ägyptischen Kulturstätten – Eine Chronologie seit dem 14. August 2013

          Ein Gastbeitrag von Jutta Zerres

          In den Tagen seit den letzten Unruhen haben Plünderungen und Zerstörungen von ägyptischen Kulturstätten offenbar extrem zugenommen. Die Plünderung des Museums von Mallawi (Archaeologik 15.8.2013)  ist nur der bekannteste Fall mit dem größten Presseecho.
          Die Situation ist unübersichtlich, da oft nur kurze Hinweise aus facebook oder twitter vorliegen, denen nur in wenigen Fällen zuverlässigere Berichte folgen.
          Vor allem die Facebook-Gruppe „Egypt’s Heritage task Force“ berichtete von vielen weiteren Ereignissen – darauf aufbauend der Versuch einer (sicher unvollständigen) Chronologie der Plünderungen:

          14. August

          – Ab 15 Uhr wird das Museums von Mallawi nahe Minya in Mittelägypten über Stunden geplündert. Die Räuber dringen ins Museum ein, töten einen Wachmann und verletzen den Leiter. Er werden 1040 von 1089 Austellungsobjekten entwendet und Feuer gelegt. Die wenigen verbliebenen Objekte wurden in ein Magazin in El Aschumein verbracht. Nach Aufrufen wurden in den folgenden Tagen 12 geraubte Stücke wieder zurückgegeben. Als Monica Hanna einige Tage später mit einem Sicherheitsmann das Museum besucht und zurückgebliebene Objekte sicherstellen möchte, wird auf sie geschossen.

          – Die Polizei erhält Meldungen von Versuchen, in das Gelände des Karnak- und Luxortempels einzudringen.

          Tempel von Karnak, Januar 2013
          (Foto: J. Zerres)
          – Die Koptische Kirche von Delga, Mittelägypten aus dem 4. Jahrhundert wird in Brand gesteckt.

          – Befürchtungen stehen im Raum, dass auch Übergriffe auf das rote und das weiße Kloster von Sohag stattfinden könnten. Keine neueren Nachrichten.

          15. August

          – Mursi-Anhänger versuchen im Gebiet des prähistorischen Fundortes Al-Maadi (prädynastische Negade II-Kultur des 4. Jahrtausends v.Chr.) eine Protestveranstaltung abzuhalten.

          16. August
          – Feuer im historischen Bahnhof am Ramsesplatz in Kairo.

          17. August

          – Bewaffnete Gangs versuchen, das archäologische Museum von el-Bahnassah in Beni Mazar zu plünderen; es gelingt aber, die Plünderer zu vertreiben.
          – Die Franziskanerschule „Sacred Virgin Heart“, gegründet im 19. Jahrhundert in der Oase Fayoum, die zahlreiche Kunstschätze beherbergt wird geplündert und in Brand gesteckt.

          – Die historische Schule von Franziskanischen Schwestern in Beni Suef wird attackiert und beraubt.

          18. August

          – Der Fundort Tell el-Ahmar in Sharona wird nachts angegriffen; die Polizei und Anwohner können die Angreifer vertreiben.


          19. August

          – Angriff auf das 1600 Jahre alte Abu Fana-Kloster.
          – Bewaffnete Raubgräber plündern im Gräberfeld von Istabl‘ Antar, nördlich der Gräber von Bani Hassan, Mittelägypten


          22. August

          – Systematische Raubgrabungen in Istabl’Antar und Amarna werden bekannt – Bilder

          23. August

          – Raubgrabungen im östlichen und nordöstlichen Bereich der römischen Stadt Antinoopolis (Sheik Ibada) am helllichten Tag. (vergl. Archaeologik 22.5.2013)

          24. August
          – Plünderungen in Tuna el-Gebel, einem riesigen, über Jahrtausende belegtem Gräberfeld. Viele Funde von dort befanden sich im Museum in Mallawi
          – Plünderungen an mehreren Fundstellen in al-Ashmounein (Hermopolis) sowie in al-Ghanayem und westlich von Deir el-Ganadla

          Es fällt auf, dass es immer wieder die Nachbarschaft ist, die dazu beiträgt, dass Plünderungen unterbunden werden – oder Objekte sichergestellt werden können.

          Interne Links

          Sondengänger versuchen einzigartige archäologische Grabung abzuräumen

          wurden aber vom Jäger vertrieben. Ziel waren laufende Grabungen in einem frührömischen Lager bei Hermeskeil. Untersucht wird dort eine Fundstelle, die mit der römischen Eroberung des Rhein-Moselgebietes im Gallischen Krieg unter Caesar in Verbindung steht. Die Zerstörung dieser einmaligen historischen Quelle hätte alle historischen Erkenntnisse über Caesars Vormarsch zunichte gemacht: