Planet History

Das mediale Erbe der DDR

Zwischenbilanz zur Einheit

Trotz Corona: Deutsch-deutsche Themen haben in der politischen Bildung weiter Konjunktur. Nicht einmal ein Jahr nach ihrer Wahl- und Jubiläumsausgabe mit dem Titel „Das letzte Jahr der DDR“ legt die Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ nach und liefert in sieben Texten eine Bestandsaufnahme mit dem Titel „Deutsche Einheit“. Wer nicht viel Zeit hat und die Essenz einer solchen Nummer sucht, wird in aller Regel vom APuZ-Editorial sehr gut bedient. Anne-Sophie Friedel schreibt hier neben dem „Deutungskampf“, der gerade läuft (wer sagt was über Treuhand, … „Zwischenbilanz zur Einheit“ weiterlesen

Ein Riss, herbeigeschrieben

„Ein Erbe der DDR“ heißt gleich das vierte Kapitel in diesem Buch. Knapp 20 Seiten über „staatlich verordneten Antifaschismus“ (S. 56), über „aggressiven Nationalismus“ als Begleitmusik des 89er Herbstes (S. 57) und vor allem über das „rassistische Reinheitsgebot“ (S. 59), das Michael Kraske überall im Osten findet und auf eine Vergangenheit zurückführt, in der kaum jemand lernen konnte, wie bereichernd es sein kann, „Menschen anderer Herkunft“ um sich zu haben (S. 54). Michael Kraske: Der Riss. Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört. … „Ein Riss, herbeigeschrieben“ weiterlesen

Nicht mal in der Stasi…

Sie war auf keiner Demo, hat „immer die Klappe gehalten, weil man ja wusste, was sonst passieren konnte.“ Keine Fluchtversuche, keine oppositionelle Künstlerin, aber auch kein Parteimitglied, nicht mal in der Stasi. Die Mutter der Journalistin Katharina Thoms hat ihr halbes Leben in der DDR verbracht, hat sich mit dem System arrangiert, wie die meisten. Und trotzdem widmet ihr die Ost-West-sozialisierte Tochter – gleich nach dem Abitur 1999 ging Thoms zum Studium nach Tübingen – einen mehrteiligen Podcast. Einen mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Podcast. … „Nicht mal in der Stasi…“ weiterlesen

Zensur, der Sommer 1989 und die Forschung von heute

Auch das gehört offenbar zum Medienerbe der DDR: Christian Gläßel und Katrin Paula schauen in das Jahr 1989 und zeigen, dass mehr Zensur nicht automatisch mehr Stabilität erzeugt, sondern nach hinten losgehen kann – vor allem dann, wenn es glaubwürdige Alternativquellen gibt. Mit dieser Studie haben es die beiden Mannheimer Politikwissenschaftler in eine US-Zeitschrift und in das Grafik-Magazin Katapult geschafft (Ausgabe 17/2020). Das Problem: Sie schauen nur auf ihre Daten und blenden den Kontext aus. Historische Forschung geht anders. Okay: Das American Journal of … „Zensur, der Sommer 1989 und die Forschung von heute“ weiterlesen

Birk Meinhardt, die SZ und das Ende der Illusionen

Manchmal kommt das Glück per Post. „Ich schicke Ihnen heute dieses höchst bemerkenswerte Buch“, schreibt die Pressefrau vom Eulenspiegel-Verlag. Birk Meinhardt. Das klingt gut. Fast noch besser klingt das, was im Begleitbrief steht. „Kein Krach- und Skandalbuch“, sondern die Geschichte einer „zunehmenden persönlichen Enttäuschung“ – geschrieben von einem der Medienmenschen, um die es in meinem Forschungsprojekt geht. Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor. Ein Jahrebuch. Berlin: Das Neue Berlin 2020 Eine Rezension von Michael Meyen In diesem Projekt möchte ich wissen, ob es … „Birk Meinhardt, die SZ und das Ende der Illusionen“ weiterlesen

Maxie Wander reloaded

Ein Buch über Männer. Ein Buch über Ost-Männer. Geht das nach alldem, was in den letzten Jahren passiert ist? Nach Pegida, AfD, MeToo? Es geht. Es macht sogar Spaß. Greta Taubert lässt 16 Ostdeutsche sprechen und wandelt dabei auf den Spuren der großen Maxie Wander. Greta Taubert: Guten Morgen, Du Schöner. Begegnungen mit ostdeutschen Männern. Berlin: Aufbau 2020 Eine Rezension von Michael Meyen Ich muss vorwegschicken, dass ich so ein Ost-Mann bin. Einer von denen, für die sich Greta Taubert hätte interessieren können. Ein … „Maxie Wander reloaded“ weiterlesen

Parteifunktionär, Zeitzeuge, Historiker

Egon Krenz ist ein vorbildlicher Zeitzeuge. Wer sich mit der DDR, mit dem Umbruch 1989/90 oder mit dem Schicksal von Spitzenfunktionären der SED beschäftigen möchte, findet in seinen Büchern Material und Perspektiven, die über die Archive hinausreichen. Krenz ist so zum medialen Erbe der DDR geworden. Egon Krenz: Wir und die Russen. Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau im Herbst ’89. Berlin: edition ost 2019 Eine Rezension von Michael Meyen Dieses Buch hat es gleich zweimal in die Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung geschafft – … „Parteifunktionär, Zeitzeuge, Historiker“ weiterlesen

Die gängigen Narrative herausfordern

Seit Dezember 2018 gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in München, Potsdam und Berlin dem medialen Erbe der DDR auf den Grund. Nach anderthalb Jahren Archivrecherchen und Medienanalysen präsentieren Kolleginnen und Kollegen vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) ihre ersten Ergebnisse auf dem Portal zeitgeschichte|online. Vier lesenswerte Beiträge stellen die gängigen Narrative der DDR-Forschung auf den Prüfstand und warnen: Vorsicht vor zu schnellen Urteilen im Eifer der Kritik. September 2019. Nach der Premiere des digitalen Schmalfilm-Archivs „Open Memory Box“ gab Ilka Brombach den Startschuss für das … „Die gängigen Narrative herausfordern“ weiterlesen

Rockgeschichte monumental

Dieses Buch fällt in jeder Hinsicht aus dem Rahmen. Das beginnt schon beim Format (30 mal 25 Zentimeter) und hört beim Gewicht nicht auf. Ein Ziegelstein, geeignet für jedes Aufbautraining. Lutz Kerschowski und Andreas Meinecke haben der Rockszene der DDR ein Denkmal gesetzt. Lutz Kerschowski, Andreas Meinecke (Hrsg.): Östlich der Elbe. Songs und Bilder 1970-2013. Berlin: Ch. Links Verlag 2020. Eine Rezension von Michael Meyen Ich weiß gar nicht, was ich zuerst loben soll. Die Bilder. Die Essays. Das Layout. Die Auswahl der Songtexte. … „Rockgeschichte monumental“ weiterlesen

Von den Schwierigkeiten mit der Vergangenheit

Der Titel dieses Dok-Films ist DDR-Erbe pur: „Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“. Regisseur Florian Kunert, Jahrgang 1989, ist nach Neustadt in Sachsen gefahren und hat festgehalten, wie stark der untergegangene deutsche Staat selbst Nachgeborene wie ihn noch prägt. So ein Online-Festival hat auch Vorteile. Man kann die Filme perfekt in den Tagesablauf einbauen und verpasst vor allem das Q&A nicht. Wer weiß, ob Florian Kunert überhaupt zum Dokfest nach München gekommen wäre. So aber sitzt er jederzeit zum Interview bereit und kann die Geschichte … „Von den Schwierigkeiten mit der Vergangenheit“ weiterlesen

Zurück aus dem Exil

Yana Milev ist in diesem Blog schon gewürdigt worden – als Stimme in der Corona-Krise, die das Gestern und mit dem Heute verlinkt (vgl. Tröger 2020). In ihrem Buch „Das Treuhand-Trauma“ steckt mehr. Deshalb ein zweiter Aufschlag, der über das hinausgeht, was Verlag und Autorin im Netz und in Interviews dazu veröffentlicht haben. Yana Milev: Das Treuhand-Trauma. Die Spätfolgen der Übernahme. Berlin: Das Neue Berlin 2020. Eine Rezension von Michael Meyen „Ich bin Opfer“, sagt Yana Milev gleich zu Beginn. Sie muss das sagen, … „Zurück aus dem Exil“ weiterlesen

Warum die DDR entschwindet

Zeitläufte, Schule und Filmförderung leisten ganze Arbeit: Wer um 2000 geboren wurde, im Süden oder Westen aufgewachsen ist und jetzt in München Kommunikationswissenschaft studiert, hat zur DDR die größte denkbare Distanz. Ein graues Land, in jeder Hinsicht weit entfernt und ein guter Grund, das Leben in „Freiheit“ und mit den „richtigen“ Geschichtsbüchern zu lieben. Die Vergangenheitspolitik hat folglich ganze Arbeit geleistet. Für ein anderes DDR-Bild und mehr Interesse braucht es Zufälle, die immer mit Menschen zu tun haben: mit der eigenen Familie, mit dem … „Warum die DDR entschwindet“ weiterlesen

Die DDR bei Moritz von Uslar: Saufen gegen die Langeweile

Cornelius Pollmer hat Moritz von Uslar in der Süddeutschen Zeitung freigesprochen. Falsch der Vorwurf, der Reporter sei „ausschließlich fixiert auf Männlichkeitsquatsch“. Falsch auch der Vorwurf, er erhebe sich „über die Menschen in Zehdenick“. Das Buch „Nochmal Deutschboden“, sagt Cornelius Pollmer, sei „schlicht ein gutes Dokument unserer Zeit“. Also auf zu einer Dokumentenanalyse. Moritz von Uslar: Nochmal Deutschboden. Meine Rückkehr in die brandenburgische Provinz. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2020. Eine Rezension von Michael Meyen Cornelius Pollmer ist natürlich Partei. Ein Jahr vor Moritz von Uslar … „Die DDR bei Moritz von Uslar: Saufen gegen die Langeweile“ weiterlesen

Bilanz der Deutschen Einheit beim „Warten auf’n Bus“

Seit dem 15. April ist in der ARD-Mediathek die neue RBB-Serie „Warten auf’n Bus“ abrufbar. Acht Folgen lang kann man dort den beiden Protagonisten Ralle (Felix Kramer) und Hannes (Ronald Zehrfeld) zusehen, wie sie Tag für Tag an einer Busendhaltestelle irgendwo in Brandenburg sitzen, trinken, streiten und über das Leben philosophieren. Insgesamt fielen die Kritiken zur neuen RBB-Produktion positiv aus. Die Berliner Morgenpost handelte sie als „Geheimtipp“. Die Welt gar als „großartigste deutsche Serie“. Doch wenn Welt-Autor Elmar Krekeler schreibt „Sie handelt von nichts. … „Bilanz der Deutschen Einheit beim „Warten auf’n Bus““ weiterlesen

Die Vorlesung im Zeichen von Corona: Läuft!

Gestern, am 23. April 2020, hätte Michael Meyen den Startschuss für die Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“ geben sollen, im ehemaligen Gebäude von Radio Free Europe am Englischen Garten. Doch Corona und Markus Söder diktieren seit Wochen auch den Uni-Alltag. Zum Start des Sommersemesters heißt es: alles digital. Und wir müssen das „Neuland“ entdecken. Hier die ersten Einblicke in eine Vorlesung im Zeichen der Corona-Krise. Als wir im Spätsommer 2019 angefangen haben, die Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“ zu konzipieren, hat noch … „Die Vorlesung im Zeichen von Corona: Läuft!“ weiterlesen

Trist, Trister, Tannbach

Ausgewogen, hat ein Kollege über diese Serie gesagt. Ost und West nehmen sich da irgendwie nichts. Es geht um „Tannbach“, zehn ZDF-Stunden, produziert 2015 und 2018, längst auf Netflix. Recht hat er, der Kollege. Nur: Leben möchte man in beiden deutschen Ländern nicht. Zur Erinnerung: „Tannbach“ ist ein Dorf, das in dieser Filmwelt direkt an der Grenze liegt, in Thüringen, da, wo sich nach einem kurzen Intermezzo im Frühsommer 1945 die Besatzungszonen der Sowjetunion und der USA treffen und später DDR und BRD. Das … „Trist, Trister, Tannbach“ weiterlesen

Frischer Ost-Blick

Die Idee war perfekt: Ein Buch über den Osten, geschrieben von einer jungen Frau, die erst nach und nach gemerkt hat, dass sie ein „Ossi“ ist, und genau deshalb den Diskurs verändern kann – jetzt, ein paar Wochen vor den Jubelfeiern zu 30 Jahren Einheit. Dann kam ein Virus, und niemand weiß, ob nicht auch das „Ostbewusstsein“ unter seinen Opfern sein wird. Valerie Schönian: Ostbewusstsein. Warum Nachwendekinder für den Osten streiten und was das für die deutsche Einheit bedeutet. München: Piper 2020. Eine Rezension … „Frischer Ost-Blick“ weiterlesen

Die DDR in Unterleuten

„Meine Welt gibt es nicht mehr“, sagt Kron im dritten Teil zu Hilde Kessler, mit einem Blick, der so traurig ist wie die vielen Falten in seinem Gesicht. Hilde hat trotzdem kein Mitleid. „Das geht hier den meisten so.“ Krons „Welt“ war die DDR, die in „Unterleuten“ überhaupt nicht zu sehen ist und den Film doch trägt. Dieser Kron wird von Hermann Beyer gespielt, 1943 in Altenburg geboren und berühmt geworden an den Berliner Theatern der DDR. Gorki, Volksbühne, BE. Beyer weiß, wie man … „Die DDR in Unterleuten“ weiterlesen

Corona und 1989/1990

Laut der Soziologin Yana Milev sei der„Corona“-Ausnahmezustand vergleichbar mit 1989/1990. Geschaffen werde ein rechtsfreier Raum, in dem neoliberale Umverteilungen und Gesellschaftsumbau nach klaren Politik- und Wirtschaftsinteressen stattfinden würden. DDR-Bürger hätten das bereits erlebt. Yana Milev, 1964 in Leipzig geboren, ist Kultursoziologin. In ihrem Buch „Das Treuhand-Trauma. Die Spätfolgen der Übernahme“ seziert sie die Auswirkungen der „Bonner Abwicklungs- und Anschlusspolitik“ und analysiert deren mediale Begleitung. Ihre Thesen sind radikal und kontrovers. Milev widerspricht der Behauptung von der erfolgreichen „Transformation des Ostens“ und räumt mit liebgewonnenen … „Corona und 1989/1990“ weiterlesen

Im Osten nichts Neues: Von Ostalgikern, Tätern, Opfern und der DDR-Pleite

„Die verschwundene Heimat. Wie sich der Osten an die DDR erinnert.“ Der Titel einer 45-minütigen Doku in der ARD-Mediathek klingt vielversprechend. Wer nun, so wie ich, eine breite Palette von DDR-Erinnerungen erwartet, wird jedoch enttäuscht sein. Spätestens nach der Hälfte des von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Films wird klar: Hinter „dem Osten“ verbergen sich drollige Ostalgiker, Opfer des DDR-Regimes und ehemalige Funktionäre aka Täter. Trotz der Stimmenvielfalt (17 Interviewte!) erzählt der Film im Grunde nichts Neues und bewegt sich im gewohnten … „Im Osten nichts Neues: Von Ostalgikern, Tätern, Opfern und der DDR-Pleite“ weiterlesen

Friedrich auf Youtube

Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung, bezieht in einem ausführlichen Video-Interview Stellung zu den Vorwürfen gegen ihn. Das erste Echo auf den Kauf des Berliner Verlags sei positiv gewesen. Das änderte sich schlagartig als, “wir bewiesen haben, dass das wir versprochen haben, auch wirklich ernst meinen”, meint Friedrich. Bei den vielen negativen Berichten schwinge zugespitzt immer auch die Frage mit: “Wie kann es eigentlich sein, dass ein Ossi mehr erreicht hat, als Hartz IV zu empfangen und viel Bier zu trinken.” Das Interview gibt … „Friedrich auf Youtube“ weiterlesen

O-Töne aus dem Osten, ungefiltert

Erfurter Protokolle, sagt Klaus Dörre in seinem Vorwort zu einem Buch, das jeden Rahmen sprengt und förmlich nach Einordnung und Erklärung ruft. Dörres Vergleichsobjekt sind die Bottroper Protokolle – eine Interviewserie von Erika Runge (1968), die damals Menschen aus dem Ruhrgebiet sprechen ließ und so eine Quelle schuf, die jeder braucht, der sich mit der Arbeiterklasse im Ruhrgebiet beschäftigen will. Nun also der Osten. Wenn man so will: ein Stück mediales Erbe der DDR. Uta Heyder (Hrsg.): Born in the GDR. Angekommen in Deutschland. … „O-Töne aus dem Osten, ungefiltert“ weiterlesen

Berliner Zeitung: Ostidentität 4.0

Die Debatte um Holger und Silke Friedrich, die Neu-Eigentümer der Berliner Zeitung, nimmt kein Ende. In einem Radio-Talk mit Verleger-Kollege Jakob Augstein holte das Paar nun zum Rundumschlag aus. Fazit: Bei der Neuausrichtung der Zeitung halten beide wenig von den Kategorien links vs. rechts und setzen stattdessen  auf Ost/West und ganz  viel Technologie. Die Zeitschrift Horizont nennt sie „Die Unverstandenen“, laut Tagesspiegel seien sie „kein strategischer Unfall“: Holger und Silke Friedrich, die Neu-Verleger der Berliner Zeitung. Der Medienrummel um sie ist groß: ihre zweiseitige Grundsatzerklärung für die Berliner … „Berliner Zeitung: Ostidentität 4.0“ weiterlesen

Gundermann lebt und mit ihm eine DDR im Aufbruch

Die sozialistische Utopie in München, in einem Keller zwar, aber trotzdem großartig. Ihr Film werde im Westen noch etwas zögerlich gebucht, sagt Grit Lemke, die Regisseurin, im Monopol-Kino. Hier könne man nicht so viel anfangen mit Gerhard Gundermann, dem Liedermacher aus der DDR. Vermutlich ist es nicht nur das. Lemkes Dokumentarfilm Gundermann Revier kämpft an gegen den hegemonialen Diktatur- und Individualismusdiskurs. Grit Lemke, Jahrgang 1965, ist in Hoyerswerda aufgewachsen. Gerhard Gundermann, zehn Jahre älter, saß bei ihr am Abendbrot-Tisch. Zumindest wurde dort oft über … „Gundermann lebt und mit ihm eine DDR im Aufbruch“ weiterlesen

Fernsehballett: Erbe verspielt

“Sterbender Schwan”: Unter dieser Überschrift ordnet Hans Hoff am 4. Februar auf der Medienseite der Süddeutschen Zeitung eine Meldung  ein, die nicht nur ihm bekannt vorkommt. Wir dokumentieren den Text hier im Wortlaut und lassen dabei notgedrungen das Foto weg, das das Ensemble bei einer Weihnachtssendung in Chemnitz zeigt. Das Deutsche Fernsehballett steht vor dem Aus. Mal wieder. Ende 2020 sollen zum letzten Mal vor Kameras die Beine geschwungen werden. Ende 2021 soll dann nach einer Abschiedstournee endgültig Schluss sein mit dem Gruppentanz. Dann … „Fernsehballett: Erbe verspielt“ weiterlesen

Der Mauerfall als Geschichtskrimi

Der Klappentext verspricht nicht zu viel. „Spannend wie ein Krimi“ ist dieses Buch und „höchst anschaulich“ noch dazu. Pünktlich zum 30. Jahrestag hat Hans-Hermann Hertle seine „Chronik des Mauerfalls“ aufpoliert. Man weiß, wie alles ausgeht, und muss doch immer weiterlesen. Für den Medienforscher wartet am Ende sogar noch eine Belohnung. Hans-Hermann Hertle: Sofort, unverzüglich. Die Chronik des Mauerfalls. Berlin: Ch. Links Verlag 2019. Eine Rezension von Michael Meyen Hans-Hermann Hertle hat mit allen gesprochen, die irgendwie wichtig waren an diesem Tag, und jedes Blatt … „Der Mauerfall als Geschichtskrimi“ weiterlesen

LMU-Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“

Am 23. April 2020 startet die Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR“ an der LMU. Ziele und Inhalt Die DDR lebt – zumindest in medialen Repräsentationen und damit nicht nur in den Köpfen von denen, die in diesem Land gelebt haben. Die Vorlesungsreihe fragt nach diesem „medialen Erbe“: Wie sieht die DDR aus, die uns in Schulbüchern präsentiert wird, in Museen, in Filmen, auf digitalen Plattformen? Was ist aus den Zeitungen geworden, die in der DDR erschienen sind, was aus den Buchverlagen, die es … „LMU-Vorlesungsreihe „Das mediale Erbe der DDR““ weiterlesen

Resozialisierung, unvollendet

„Die Westdeutschen verstehen nicht, dass sie Westdeutsche sind“, sagt Timothy Snyder im Spiegel Spezial zu 30 Jahren Mauerfall. „Sie denken, sie seien einfach Deutsche. Sie definieren, wie die Ostdeutschen deutsch zu sein haben.“ Nun: Der Spiegel definiert schon mit. Er lässt in diesem Heft auch Ostdeutsche sprechen. Und er fragt, was die Medienmenschen ausmacht, die aus dem Osten kommen. So ein Heft füllt viele Abende. Gespräche (mit Wolf Biermann und Timothy Snyder), Interviews (Rainald Grebe und erfolgreiche „Ostfrauen“ von Karola Wille bis Johanna Wanka), … „Resozialisierung, unvollendet“ weiterlesen

Mädchen aus Ost-Berlin

Schade. Schade um Udo. Schade vor allem um diese Chance, deutsch-deutsch zu erinnern. Ein Ausrufezeichen haben die Macher in den Filmtitel hineingemogelt, aber „Lindenberg! Mach dein Ding“ erzählt dann doch nur eine ganz normale Aufsteigergeschichte West, mit Mama-Papa-Kitsch und ganz viel Schnaps. Es gibt die DDR in diesem Film, ein paar Minuten wenigstens. Udo besoffen auf einem Parkplatz unterm Fernsehturm. Petra. Eine verrauchte Wohnung, mit den Tapeten, die sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, mit Nachbarn und Freunden und genauso viel Alkohol wie … „Mädchen aus Ost-Berlin“ weiterlesen

Presselandschaft in Ostdeutschland: Wenn überall das Gleiche steht

Zur Demokratie gehört ein dichtes Netz aus Meinungsvielfalt und Pressevielzahl. Im Osten Deutschlands wird das seit Jahren dünner, schreibt die tageszeitung. Die Mitteldeutsche Zeitung wandert zur Bauer Media Group, die mit der Volksstimme die zweite große Tageszeitung in Sachsen-Anhalt besitzt. „Synergieeffekte“ ist das Stichwort. Wie die aussehen, so die tageszeitung, konnte man zuletzt in Thüringen sehen. Dort hat der Funke-Verlag die drei größten Tageszeitungen gekauft und zusammengeführt. So erscheinen in Thüringen nun drei Tageszeitungen, in denen im Großen und Ganzen dasselbe steht, sie unterscheiden sich … „Presselandschaft in Ostdeutschland: Wenn überall das Gleiche steht“ weiterlesen

„Freies Land“ (2020): Buddy-Cops im Wilden Osten und keine Versöhnung in Sicht

Der Nachwendethriller „Freies Land“ (2020) versetzt den Zuschauer nach Mecklenburg-Vorpommern, ins Jahr 1992. Vor einer düsteren Kulisse, die sehr stark an Louisianas Sümpfe aus „True Detective“ erinnert, sind zwei Teenie-Schwestern spurlos verschwunden. Um den Fall aufzuklären, wird ein Ermittlerduo beauftragt, das noch vor drei Jahren nie zusammengekommen wäre: ein West- und ein Ostkommissar. Der Regisseur Christian Alvart, bekannt für Til-Schweiger-„Tatorte“ und die Netflix-Serie „Dogs of Berlin“, erzählt eine packende Krimigeschichte und berührt dabei Themen, über die man – zumindest im Film – ungern redet: … „„Freies Land“ (2020): Buddy-Cops im Wilden Osten und keine Versöhnung in Sicht“ weiterlesen

MDR entwickelt Online-Lehrbuch zur Deutschen Einheit

Das MDR-Schulprojekt “Eure Geschichte” wird fortgesetzt. Gemeinsam mit dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) startet der Sender zum Schuljahr 2020/21 ein multimediales Online-Lehrbuch rund um das Zustandekommen der Deutschen Einheit. Herzstück des digitalen Kompendiums sind Videos der frühen 1990er Jahre aus dem MDR-Archiv. Ein besonderes Anliegen des gemeinsamen Projektes von MDR und VGD sei, die ostdeutsche Sicht auf die Folgen der friedlichen Revolution und die ersten Jahre der Einheit zu transportieren und dabei ein differenziertes Bild zu zeichnen, jenseits von Vorurteilen wie “Jammer-Ossi” und … „MDR entwickelt Online-Lehrbuch zur Deutschen Einheit“ weiterlesen

Der kalte Atem des DDR-Diskurses

Das Cover macht Angst. Ein Plattenbau, grau, nass, ohne Anfang und ohne Ende. Aus diesem Haus kann niemand entkommen. In der Mitte hat die Fassade einen Knick, der auch die großen gelben Buchstaben des Buchtitels trifft. NACHWENDEKINDER. Johannes Nichelmann ruft nach Hilfe. Er will, dass seine Generation gehört wird. Dass endlich das Loch verschwindet, in dem er und seine Freunde nach sich selbst suchen. Ein Buch über eine Identitätskrise, die im hegemonialen DDR-Diskurs und damit in der Geschichtspolitik wurzelt. Johannes Nichelmann: Nachwendekinder. Die DDR, … „Der kalte Atem des DDR-Diskurses“ weiterlesen

“Ossi”-Schmähung ohne Schadenersatz

Urteil am Arbeitsgericht: Ein Mitarbeiter einer Zeitungsredaktion erhält keine Entschädigung aufgrund von Schmähungen wegen seiner ostdeutschen Herkunft. Der Redakteur sei in Redaktionssitzungen als dummer Ossi bezeichnet und mit Stasi-Mitarbeitern gleichgestellt worden. Bei seiner Klage gegen den Arbeitgeber hatte er sich auf das Antidiskriminierungsrecht berufen, nach dem Menschen nicht wegen ihrer Rasse, ihre sexuellen Identität, ihrer Religion oder eben ihrer ethnischen Herkunft benachteiligt werden dürfen. Die Richter wiesen das ab. In ihrem Urteil stellten die Arbeitsrichter fest, “dass Menschen ostdeutscher Herkunft nicht Mitglieder einer ethnischen … „“Ossi”-Schmähung ohne Schadenersatz“ weiterlesen

Lückenforschung: BMBF-Tagung zur DDR-Forschung

30 Jahre nach dem Mauerfall zieht der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk eine beunruhigende Bilanz: Der DDR-Diskurs zerfalle in zwei Großgruppen. Während die eine alles weiß malt und die DDR öffentlich mehr verteidigt, „als sie es untereinander am Biertisch wohl tatsächlich“ tut, geißelt die andere „noch den Kindergartennachttopf als ideologische Umerziehungsmaßnahme“ (Kowalczuk 2019: 205). Die gute Nachricht: Es geht auch anders, zumindest in der Wissenschaft. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert gerade 14 Forschungsverbünde zum Thema. Der Auftakt in Leipzig zeigt: „Grautöne“ und Erfahrungsräume, … „Lückenforschung: BMBF-Tagung zur DDR-Forschung“ weiterlesen

Auftakt des Forschungsverbundes „Das umstrittene Erbe von 1989“

Am 29. und 30. November feierte der BMBF-Forschungsverbund Das umstrittene Erbe von 1989 seinen offiziellen Auftakt. Zur Veranstaltung an der Universität Leipzig war als Verbundpartner nicht nur die Universität Freiburg geladen. Aus ganz Deutschland kamen Forscher, um über das Erbe der DDR und der Wendezeit zu diskutieren. Die Veranstaltung zeigte: die Interpretation der Zeitgeschichte unterliegt auch in der Wissenschaft allzu häufig persönlichen Erfahrungen. Ein Erlebnisbericht von Mandy Tröger und Daria Gordeeva Der Forschungsverbund Das umstrittene Erbe von 1989. Aneignungen zwischen Politisierung, Popularisierung und historisch-politischer … „Auftakt des Forschungsverbundes „Das umstrittene Erbe von 1989““ weiterlesen