Planet History

Das mediale Erbe der DDR

Echt stark, Frau

Es ist ein Film, der eine Frau wie mich – westdeutsch, zum Mauerfall 14 Jahre alt – beschämt zurücklässt. Weil mir nicht bewusst war, welch tiefe Wunden die deutsche Einheit bei meinen Geschlechtsgenossinnen im Osten geschlagen hat. Und weil mir nicht klar war, welche historische Chance alle deutschen Frauen 1990 verpasst haben. Es ist der Autorin und Regisseurin Sabine Michel zu verdanken, dass die Dokumentation „Wendeman(n)över – Frauen und die Wiedervereinigung“ endlich einen weiblichen Blick auf die Wendezeit wirft. Ideologiefrei, authentisch, mitreißend. Der Beitrag … „Echt stark, Frau“ weiterlesen

Erbe-Echo

„Journalismus ist wie eine Schrotladung“, hat mir einmal Volker Kluge gesagt, in der DDR Sportchef der Jungen Welt. „Man feuert und weiß nicht, wo die Kugeln einschlagen. Ab und zu aber meldet sich dann so eine Kugel“ (Meyen/Fiedler 2011: 201). Nach meinem Buch Das Erbe sind wir kann ich ergänzen: Wissenschaft funktioniert ganz ähnlich. Und: Das Publikum ist Inspiration und Quelle zugleich, zumindest wenn man über das Leben schreibt. Die Schrotladung Fast ein Jahr ist dieses Buch nun alt, etwas zu spät erschienen zum … „Erbe-Echo“ weiterlesen

Eine Alternativgeschichte der Mauer

Als die Berliner Mauer am 13. August 1961 hochgezogen wurde, saßen Heinz Keßler und Fritz Streletz in der ersten Reihe. 50 Jahre später schilderten die beiden ranghöchsten DDR-Militärs ihren Blick auf die Ereignisse und konterten damit die tradierte Lesart. „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“, lautet die These auf dem Cover des Buches, das zum 60. Mauerbau-Jubiläum ein Revival erlebte. Im Vorwort zur Neuauflage prophezeit Streletz „Geschichtsverdrehungen (…), die um den 13. August 2021 ganz gewiss in den deutschen Medien verbreitet werden.“ Der … „Eine Alternativgeschichte der Mauer“ weiterlesen

Auf Schatzsuche

DEFA-Filme sind jetzt über die Mediathek der ARD, des MDR, der Bundeszentrale für politische Bildung (Dokumentarformate) und filmfriend  (Zugang über Bibliotheken) verfügbar. Nie hätte ich gedacht, dass ich für alte DDR-Produktionen tagelang auf Netflix verzichten würde. Mein erster Glücksmoment: „Jugend ohne Gott“. Den Roman von Öden von Horvath habe ich vor vielen Jahren im Deutschunterricht gelesen. In der Rolle des Lehrers Rockstroh ist Ulrich Mühe zu sehen. Mich hat Mühe schon nach wenigen Minuten gekriegt. Ganz im Gegenteil zur sehr viel neueren Verfilmung des … „Auf Schatzsuche“ weiterlesen

Medienmensch Scherzer

Das habe ich mir schon immer gewünscht: Hans-Dieter Schütt als Mitarbeiter. Schütt hat ein buchlanges Interview mit Landolf Scherzer geführt, das wir unbesehen für das Projekt „Medienmenschen“ übernehmen können. Mit Fotos und allem Drum und Dran. Ganz nebenbei ist ein Stück deutsche Geschichte entstanden, das mitten im Krieg beginnt, bis in die Gegenwart reicht und die Brüche nicht auslässt, die DDR-Biografien mit sich bringen. Landolf Scherzer im Gespräch mit Hans-Dieter Schütt: Weltraum der Provinzen. Ein Reporterleben. Berlin: Aufbau 2021 Eine Rezension von Michael Meyen … „Medienmensch Scherzer“ weiterlesen

Tod im Stasi-Sumpf

Franziska Stünkel möchte die Todesstrafe in der DDR im kollektiven Gedächtnis verankern und bringt die Geschichte der letzten vollstreckten Hinrichtung auf die Leinwände. Nahschuss ist der Titel und die Stasi ein verseuchter Sumpf, der jeden verschluckt, der hineinwatet. Franz Walter (Lars Eidinger) kann sein Glück kaum fassen: Traumfrau, Traumwohnung, Traumjob. Als junger Post-Doc darf er bald eine Wirtschaftsprofessur an der Berliner Humboldt-Universität übernehmen. „Es wird uns wahnsinnig gut gehen“, sagt Franz zu seiner Verlobten Corina (Luise Heyer). Aus den Plattenspielerboxen in ihrer neuen, schick … „Tod im Stasi-Sumpf“ weiterlesen

Ostberliner auf der Flucht, lebenslang

„Ich bin inzwischen tief eingetaucht“ in dieses Buch, schrieb mir kurz nach Ostern Sigrid Hoyer, eine Leipziger Journalistik-Dozentin, die Alexander Osang in den 1980er Jahren als Student erlebt hat. Dazu gab es ein Lob („es flankiert auf wundersame Weise Ihr Buch!“) und wenig später eine Leseaufforderung: „Mich würde schon interessieren, wie Sie die Sache sehen“. Nun, liebe Frau Hoyer: Meine Dankbarkeit ist grenzenlos. Die Stunden, die ich mit Alexander Osang verbringen durfte, gehören zu den schönsten in den letzten Jahren. Alexander Osang: Fast hell. … „Ostberliner auf der Flucht, lebenslang“ weiterlesen

„Reaktive Substanz“ als Erbe der DDR

Detlef Stapf spricht mir in vielen Punkten aus der Seele. Das Erbe der DDR, so lässt sich sein Buch zusammenfassen, liegt dem größeren Deutschland schwer im Magen. Ausgang ungewiss. In die Leitmedien hat es Stapf mit diesen Thesen nicht geschafft. So ein Text über „ein rein innerdeutsches Phänomen“ (S. 33) hat es schwer in diesen Tagen, erst recht, wenn er „Haltungsjournalismus“ (S. 56) oder „Nachrichtenkartelle“ attackiert (S. 122) und „die überwiegende Westsozialisierung der Journalisten“ (S. 70) dafür verantwortlich macht, dass die Redaktionen Kritik aus … „„Reaktive Substanz“ als Erbe der DDR“ weiterlesen

Von sich selbst berauscht

Die ARD setzt den Initiatoren der Leipziger Protestbewegung aus dem Herbst 1989 ein filmisches Denkmal. Die „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ ist ein Beitrag zum Erinnerungsdiskurs – allerdings ein mutloser, der dem Zuschauer wenig abverlangt. Die Rollen sind schnell verteilt (die Hippie-Umweltaktivisten sind die Guten, opportunistische Parteibonzen und der – natürlich – schmierige Stasi-Offizier die Bösen), für Zwischentöne ist wenig Platz. Die Feel-Good-Wir-retten-die-Welt-Story atmet den Geist der Fridays for Future Bewegung, der gerechte Kampf verkommt stellenweise zur Party. Ein Verdienst des Films: Er zeichnet … „Von sich selbst berauscht“ weiterlesen

Kommunikatives Gedächtnis verfilmt

Wer nach Filmen über die DDR sucht, stößt beim Stöbern im DOK.fest-Programm auf Heimatkunde (2021). Regisseur Christian Bäucker weckt seine alte Schule im brandenburgischen Bärenklau aus dem „Dornröschenschlaf“. Ehemalige Schüler und Lehrer füllen das Gebäude mit Leben. Sie reden, lachen, weinen, denken nach, lauschen alten Schallplatten, blättern in Lehrbüchern und Schulheften, verfallen der Nostalgie oder der Empörung. Ihre Erinnerungen sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Der Film zeigt: Um spannend und differenziert über die Vergangenheit zu erzählen, braucht es weder einen gemeinsamen … „Kommunikatives Gedächtnis verfilmt“ weiterlesen

So geht Aufarbeitung heute

Jetzt also auch auf Instagram. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – im Gründungsjahr 1998 erschien der etwas sperrige Name angesichts wenig ausgeprägter Internet-Aktivitäten wohl durchaus adäquat- hat ein neues Social-Media-Angebot etabliert. Auf dem „Bildungskanal ddr_verstehen finden sich gut recherchierte und modern gestaltete Posts“, „ebenso kurzweilig wie anschaulich“ bekommen junge Menschen zwischen 16 und 29 Informationen über die DDR. Selbst wenn man nicht (mehr) zur primären Zielgruppe gehört, lohnt es sich, einen Blick zu riskieren. Der Instagram-Ansatz hat nämlich durchaus seinen Charme, wenngleich der … „So geht Aufarbeitung heute“ weiterlesen

Die DDR in „Ku’damm 63“

Nach „Ku’damm 56“ und „Ku’damm 59“ nimmt die dritte Staffel der ZDF-Saga das Publikum mit ins Jahr 1963. Die Emanzipationsgeschichte der Schöllack-Schwestern wird mit neuen Herausforderungen gefüllt, und auch ihre Ehemänner müssen einiges durchmachen. Mitten durch die Stadt läuft die Mauer und trennt seit zwei Jahren Kudammer von Pankowern. Der erfolgreiche junge Anwalt Wolfgang von Boost verlässt West-Berlin in Richtung Osten. Freiwillig. Wagt das ZDF einen neuen Blick auf die DDR? Weit gefehlt. Fünf Minuten grün-grau Nicht einmal fünf Minuten spielt der viereinhalbstündige Dreiteiler … „Die DDR in „Ku’damm 63““ weiterlesen

Frohes Jugendleben, abrupt beendet

Nadja Klier erzählt eine Geschichte, die im Schatten der Mauer spielt und im Dunstkreis der Opposition. Es ist ihre eigene Geschichte – so aufgeschrieben, als ob sie noch ganz frisch ist und nicht schon ferne Erinnerung. Wir sehen hier die Hauptstadt der DDR durch die Brille eines Mädchens, das gerade zur Frau wird und sich mehr für Diskotheken, Jungs und Freundschaften interessiert als für all das, was die zeitgeschichtliche Literatur mit dem Namen Klier verbindet. Nadja Klier: 1988. Wilde Jugend. Berlin: Okapi 2019 Eine … „Frohes Jugendleben, abrupt beendet“ weiterlesen

Die Platte rappt

Seit seinem Album #DIY ist er nicht mehr aus der deutschen Hip Hop Szene wegzudenken. Er hat Erfolg – obwohl oder gerade, weil er anders ist als seine Kollegen. Das mag auch mit seiner Herkunft zu tun haben. Stefan Richter alias Trettmann ist 1973 geboren. In Karl-Marx-Stadt. Er wächst in bescheidenen Verhältnissen auf, bringt sich selbst das Tanzen und das Singen bei, engagiert sich in der Jugendarbeit und jobbt am Bau, um sich den Traum von der Musikkarriere zu finanzieren. Trettmanns Sozialisation – das zeigt Luigi … „Die Platte rappt“ weiterlesen

Werner Lindemann: Ein Leben in zwei Büchern

Werner Lindemann hat einen Weg gefunden, die DDR zu überleben. Sohn Till ist so berühmt, dass Texte des Vaters auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod öffentliches Interesse erregen. Eigentlich brauchen diese Texte den Glanz von Rammstein gar nicht. Sie erzählen vom Anfang und vom Ende des ostdeutschen Staates und stehen dabei paradigmatisch für das mediale Erbe der DDR. Werner Lindemann: Beichte. Ein Lebensbericht. Herausgegeben von Carsten Gansel. Berlin: Okapi 2020 Werner Lindemann: Mike Oldfield im Schaukelstuhl. Notizen eines Vaters. Mit einem Nachwort … „Werner Lindemann: Ein Leben in zwei Büchern“ weiterlesen

Ost-Miminnen

„Starke Frauen aus Ostdeutschland“ heißt die neue Staffel der ZDF Kultur Reihe „FilmFrauen“. Vier Damen kommen in dem mit Einspielern durchsetzten Interview-Format zu Wort: Claudia Michelsen, Katrin Sass, Maria Ehrich und Carmen-Maja Antoni. Es geht um DDR- und Wende-Erfahrungen, persönliche Enttäuschungen, das Frauenbild in Ost und West und – natürlich – Corona bzw. den Stellenwert der Kultur in dieser Zeit. Erhellend ist vor allem der direkte Vergleich zwischen Ehrich (Jahrgang 1993) und Antoni (Jahrgang 1945): die eine jung, schön, glatt, die andere in ihren … „Ost-Miminnen“ weiterlesen

Vertontes Rollenbild

Kinderlieder sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Sie transportieren gesellschaftliche Idealtypen und Wertvorstellungen auf eingängige Weise. Ein DDR-Kinderlied, das für das weibliche Rollenbild durchaus einflussreich gewesen sein dürfte, ist „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“. Die Werktätigkeit der Frau im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstatt war ein zentrales Identitätsmotiv, das bis heute nachwirkt, auch in unseren Medienmenschen. West-sozialisierte Ohren verstört der Text dagegen bisweilen. Eine Annäherung. Wenn Mutti früh zur Arbeit geht,Dann bleibe ich zu Haus.Ich binde eine Schürze umUnd feg die Stube aus. Das Essen … „Vertontes Rollenbild“ weiterlesen

Ein bisschen gleicher

Ein Podcast des Mitteldeutschen Rundfunks beschäftigt sich mit Eliten in der DDR. Darunter ein Betriebsdirektor und ein Hochschullehrer. Vielleicht noch ein Parteisekretär und ein Richter. Medienmenschen sind bis dato nicht angekündigt. Da man aber durchaus davon ausgehen kann, dass etwa Journalisten Elitenstatus hatten, gibt der monatlich erscheinende Podcast einen Einblick in Arbeitsumfeld und Handlungsspielraum dieser Gesellschaftsschicht.  Den Anfang macht Bernd Sauer. Er war Betriebsdirektor der VEB Plaho in Steinach (Thüringen) und damit der Vorgesetzte für rund 1000 Menschen. Plaho steht für Plaste und Holz, … „Ein bisschen gleicher“ weiterlesen

Vermutlich grau

Die schwarze Version lautet: Die DDR war ein Stasi-Staat, alles und jeder wurde überwacht, man durfte niemandem trauen. Die weiße Version spricht von starkem Zusammenhalt, großer Hilfsbereitschaft und davon, dass man an der Stellung der Fernsehantenne erkannte, wem man was erzählen konnte. In der schwarzen Version waren auch einfache Mitarbeiter des MfS für den Stasi-Terror (mit)verantwortlich, während sie in der weißen Version einfach ihrer Arbeit als Friseure, Techniker oder Hausmeister nachgingen. In der Berliner Zeitung kam ein Vertreter dieser weißen Position zu Wort – … „Vermutlich grau“ weiterlesen

„Das ist DDR? Echt jetzt?“

Beim Rumgoogeln stößt meine 10-Jährige auf einen Film, den sie gerne sehen möchte: Alfons Zitterbacke. Daraufhin google ich rum, um rauszukriegen, ob der Streifen aus dem Jahr 2018 vielleicht auf dem von uns abonnierten Streaming-Kanal verfügbar ist. Und lerne, dass besagter Alfons in der DDR eine berühmte Kinderbuchfigur war (zu meiner Ehrenrettung sei auf meine urbayerische Herkunft verwiesen). Drei Klicks weiter lande ich bei einem Trailer der DEFA-Produktion aus dem Jahr 1966. Es folgt ein kleines Experiment. Ich schaue mir mit meiner Tochter zuerst … „„Das ist DDR? Echt jetzt?““ weiterlesen

Gefühlte Teilung

Sie wissen wenig bis nichts von der DDR. Aber sie wollen verstehen, warum Potsdam so ganz anders ist als München, warum sich ein Großteil der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse fühlt, warum die – finanzielle und soziale – Teilung immer noch spürbar ist. Journalismus-Studenten der niederländischen HU University of Applied Sciences Utrecht haben für das Deutschlandinstitut in Amsterdam einen Podcast erstellt, der vom Aufwachsen in Ostdeutschland nach dem Mauerfall handelt. Titel: „The Wall in our Heads“. Im Zentrum des Beitrags stehen zwei Medienmenschen, die … „Gefühlte Teilung“ weiterlesen

Andreas Dresen und die DDR-DNA

Wenn Hans-Dieter Schütt und Andreas Dresen aufeinandertreffen, ergibt sich eine Art „perfect match“. Ein Parteijournalist, dessen Karriere-Höhenflug mit dem Sturz der SED-Regierung endete, und ein Regisseur, dessen Berufsleben erst kurz nach dem Mauerfall begann. Schütt stellt neugierig Fragen, Dresen gibt ausführliche Antworten, die immer eine persönliche Note bekommen. Aus dieser Begegnung entsteht ein Gespräch über eine Gefühls- und Lebensart, bei der die DDR-DNA immer mitschwingt. Hans-Dieter Schütt: Andreas Dresen. Glücks Spiel. Porträt eines Regisseurs. Berlin: be.bra verlag 2020 Eine Rezension von Daria Gordeeva Im … „Andreas Dresen und die DDR-DNA“ weiterlesen

Seelenstriptease

Darüber reden bis es schmerzt. Sabine Michel und Dörte Grimm haben für ihr Buch „Die anderen Leben – Generationengespräche Ost“ Mütter, Väter, Wende-Töchter und Wende-Söhne aus der ehemaligen DDR an einen Tisch gebracht. Ein echter Seelenstriptease. Die Wendekinder fragen, klagen an, zeigen Verständnis, zollen Respekt. Die Eltern antworten, verteidigen sich, ringen mit sich, sind stolz. Ein Wessi wie ich fühlt sich an die Auseinandersetzungen erinnert, die es in der eigenen Familie gab, wenn es um die Rolle der Großeltern während der Nazi-Zeit ging. Auch … „Seelenstriptease“ weiterlesen

Die DDR bei Thomas Brussig

Unter einem Superlativ macht es der Fischer-Taschenbuchverlag nicht: „Thomas Brussig ist der einzige lebende deutsche Schriftsteller, der sowohl mit seinem literarischen Werk als auch mit einem Kinofilm und einem Bühnenwerk ein Millionenpublikum erreichte.“ Helden wie wir, die Sonnenallee natürlich, das Udo-Lindenberg-Musical. Thomas Brussig, geboren 1964 in Berlin, Hauptstadt der DDR, war früh ganz oben. Er schreibt trotzdem weiter, auch wenn ihm das Feuilleton nicht mehr hinterherläuft und die Leserzahlen kleiner geworden sein dürften. Thomas Brussig: Das gibt’s in keinem Russenfilm. Roman. Frankfurt am Main: … „Die DDR bei Thomas Brussig“ weiterlesen

Sand in die Augen gestreut

Im Rahmen der Vorlesungsreihe zum „medialen Erbe der DDR“ haben sich gleich drei Studentinnen mit einem Klassiker beschäftigt: dem Sandmännchen. Aus gutem Grund. Kein anderes Format hat es geschafft, die Zeit nach 1989 so unbeschadet zu überstehen. Trotz einiger Anpassungen funktioniert der „Abendgruß“ immer noch so wie vor über 60 Jahren und ist damit ein zentraler Bestandteil deutsch-deutscher Erinnerungskultur. Julia T. M. Melles hat sich mit dem soziologischen Gehalt des Sandmännchens beschäftigt und im Rahmen ihrer Recherchen auch mit dem „Sandmännchen-Papst“ Volker Petzold gesprochen. Der … „Sand in die Augen gestreut“ weiterlesen

Oertel-Hommage, natürlich mit Waldemar

„Legenden – ein Abend für Heinz-Florian Oertel“: Der MDR lässt am 17. Januar zur besten Sendezeit die Sport- und Unterhaltungswert der DDR auferstehen und aus dem Hier und Jetzt kommentieren. Zu Wort kommen unter anderem Marita Koch, Christine Errath, Jan Hoffmann und Kati Witt, Dirk Thiele, Klaus-Jürgen Alde und natürlich Waldemar Cierpinski. Wer Sonntagabend keine Zeit hat, findet dieses Schamkerl ab sofort bis Mitte Februar in der Mediathek. Für die Zeit danach folgt hier ein Interview, das Anke Fiedler und ich 2010 mit Heinz-Florian … „Oertel-Hommage, natürlich mit Waldemar“ weiterlesen

Mit Makarenko gegen Telefonsex

„Dieses Buch hat einen langen Weg hinter sich“, schreibt Katrin McClean auf der letzten Seite ihres „Ost-West-Romans“. Egal ob Agenturen oder Verlage: „nichts als Ablehnungen“, obwohl Aus dem Takt das „ehrlichste“ ihrer Bücher sei. Katrin McClean ist zu einem Print-on-Demand-Dienstleister gegangen und hat parallel zusammen mit Torsten Haeffner bei einem Newcomer-Verlag „64 Geschichten für eine wirkliche Wiedervereinigung“ veröffentlicht. Katrin McClean: Aus dem Takt. Ein Ost-West-Roman. Hamburg: tredition 2020 Katrin McClean, Torsten Haeffner (Hrsg:): Aufgewachsen in Ost und West. 64 Geschichten für eine wirkliche Wiedervereinigung. … „Mit Makarenko gegen Telefonsex“ weiterlesen

Ein Erbe für alle

Da ist eine junge Frau aus dem Westen, die die DDR lange Zeit nur mit der Mauer verband und sich ehrlicherweise nie für diesen “Stasi-Staat“ interessierte. Bis sie Good Bye Lenin sah. Und da ist eine ältere Frau, die ihre Kindheit in der DDR verbrachte, sie in Good Bye Lenin wiederentdeckte – und die DVD des Films einfach nicht wegschmeißen mag, obwohl sie gar kein Abspielgerät mehr dafür hat. Die ältere Frau gibt der jungen Frau die DVD für ihr Studienprojekt. Die junge Frau setzt sich mit … „Ein Erbe für alle“ weiterlesen

Der kleine Held der Arbeiterklasse

Zipfelmütze, Bart, immer ein Lächeln auf den Lippen. Putzig. Aber das Sandmännchen ist nicht nur ein sympathischer Medienstar, der die Kinder abends auf unterhaltsame Art und Weise ins Bett schickt. In dem Männchen steckt auch ein Pädagoge. Franziska Herz hat einen genaueren Blick auf die Funktion der Sendung geworfen und stellt fest, dass der Sandmann zu DDR-Zeiten einen festen Platz bei der kindgerechten Aufbereitung des real existierenden Sozialismus hatte. Etwa beim Besuch im Palast der Republik oder auf Weltraumtour mit dem Volkshelden Sigmund Jähn. … „Der kleine Held der Arbeiterklasse“ weiterlesen

Zensur-Detektor

Journalisten in der DDR waren Teil des politischen Systems – und hervorragend ausgebildete Medienprofis, die ihr Handwerk beherrschten. Hört sich für westliche Ohren nach einem Widerspruch an. Laura Feijóo wollte es genau wissen: Was bedeutete es, in der DDR als Journalist zu arbeiten? Welchen Einfluss hatten ZEK-Anweisungen und Zensur? Wie erlebten DDR-Journalisten den politischen Umbruch, wie nehmen sie die Medienlandschaft heute wahr, etwa im Hinblick auf die Berichterstattung über Ostdeutschland? Antworten bekam die Autorin von einer Frau, die noch am berühmten „Roten Kloster“ der … „Zensur-Detektor“ weiterlesen

Alles Doping, oder was?

DDR Sportler haben allein zwischen 1968 und 1988 bei Olympischen Spielen 192 Gold-, 165 Silber- und 162 Bronzemedaillen gewonnen – über doppelt so viele wie westdeutsche Athleten im selben Zeitraum. Doch diese Erfolge erscheinen heute angesichts der Berichterstattung über exzessives Doping und menschenverachtende Trainingsmethoden vielfach schal. Sophia Michaela Berner wollte einen Blick hinter die massenmedialen Kulissen werfen und befragte einen ehemaligen DDR-Bürger, der in seiner Jugend ein erfolgreicher Turner war. Seine Perspektive liefert auch positive Aspekte, etwa den Zusammenhalt im Verein, die finanzielle Unterstützung … „Alles Doping, oder was?“ weiterlesen

Wessis, hört die Signale

Was der Osten war oder ist, sagen uns vor allem Westdeutsche, in den Medien, in der Politik, in der Wissenschaft. Die westdeutsche Diskurshoheit hat direkten Einfluss auf die Art und Weise, wie wir uns an die DDR erinnern, welchen Stellenwert sie in unserer Geschichte einnimmt. Die Dominanz des Diktatur-Narrativs führt zu einer Abwertung ostdeutscher Lebensleistung und wirkt bis heute nach – nicht zuletzt im Zuge erstarkter rechtsnationaler Kräfte. 30 Jahre nach dem Mauerfall haben sich junge Ostdeutsche zusammengetan, um Sprechräume zu schaffen, die ein … „Wessis, hört die Signale“ weiterlesen

Neue Helden braucht das Land

Die Schriftstellerin Monika Maron ist ein ostdeutscher Medienmensch, ein prominenter noch dazu. Das macht sie und ihr Werk für uns interessant. In ihrem jüngsten Roman „Artur Lanz“ stellt sie eindeutige Bezüge zu ihrer DDR-Vergangenheit her. Die Ich-Erzählerin ist so wertvoll für den namensgebenden (Anti-)Helden des Buches, weil sie über Erfahrungen verfügt, die er nicht hat. Erfahrungen mit Propaganda, Zensur, Rädelsführern, Mitläufern, Denunziantentum, Ausgrenzung, Unterdrückung. Da ist er, der Ost-Blick, der nicht selten nüchterner, analytischer und ehrlicher ist als die durch den Anspruch an Haltung … „Neue Helden braucht das Land“ weiterlesen

Diskursive Einheitskämpfe

Titel und Setting sind leicht irreführend. Wenn ein Buch „Umbruchserfahrungen“ heißt, „Geschichten des deutschen Wandels von 1990 bis 2020“ verspricht und ausdrücklich als reines Ostprodukt daherkommt, dann erwarte ich eigentlich Persönliches. Herausgeber Michael Hofmann wirbt stattdessen mit der „Kompetenz“ seines Autorenteams, mit „methodischer Exaktheit“ sowie mit „Sensibilität und Sachkenntnis“ (S. 7). Wissenschaft pur sozusagen – verbunden mit der Frage, was die biografische Brille aus den Stoffen macht. Michael Hofmann (Hrsg.): Umbruchserfahrungen. Geschichten des deutschen Wandels von 1990 bis 2020. Münster: Westfälisches Dampfboot 2020 Eine … „Diskursive Einheitskämpfe“ weiterlesen

Tanz um das sozialistische Kalb

Opfer, Opportunistin, Lebenskünstlerin, Genie. Die Tänzerin Gret Palucca ist eine schillernde Persönlichkeit, die durch ihr Wirken einen nachhaltigen Beitrag zum „medialen Erbe der DDR“ geleistet hat. Mara Heckmann hat sich mit der Frau beschäftigt, die sich gegen ein Leben im Westen und für eine Karriere im Osten Deutschlands entschied. Die durch geschicktes Taktieren ihrer Palucca Hochschule für Tanz Dresden das Überleben sicherte. Und die einen ganz eigenen Tanzstil entwickelte, der bis heute gelehrt und bewundert wird. Dabei war Ausdruckstanz in der DDR eigentlich verpönt – war … „Tanz um das sozialistische Kalb“ weiterlesen

Flashback per Mausklick

Musik ist ein zeitgeschichtliches Dokument – und ein Teil des kollektiven Gedächtnisses. Sie kann spontane Erinnerungen und Gefühle auslösen, die rational kaum zu erschließen sind. Lukas Joas beleuchtet diesen affektiven Effekt von DDR-Hits als Beitrag zum „medialen Erbe der DDR“. Materialbasis sind Nutzerkommentare unter YouTube-Videos bekannter Bands. Die inhaltsanalytische Herangehensweise erlaubt eine Kategorisierung. Joas unterscheidet Kommentare, die historische Details liefern, nostalgische Gefühle auslösen oder die Erfahrungen mit Unterdrückung und Zensur thematisieren. Es zeigt sich, dass die Kommentare authentische Einblicke in das Leben und Denken … „Flashback per Mausklick“ weiterlesen

Das DDR-Stigma

Man kennt sie nicht, man sieht sie nicht, man liest nichts über sie. Nur selten spielen DDR-Künstler im Diskurs eine Rolle und wenn, dann werden sie auf bekannte Narrative reduziert. Sogar von den eigenen Kollegen. Auftragskunst, Staatskunst, Diktaturkunst. Kein Beitrag zur politischen Veränderung. Mut- und kraftlos. Ohne Wert für heute. Ein ewiges Stigma. Dominik Bingger will das so nicht stehen lassen. Er beschäftigte sich deshalb im Rahmen der Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ mit DDR-Kunst und DDR-Künstlern und fand deutliche Bezüge zum monotonen … „Das DDR-Stigma“ weiterlesen