Planet History

Das mediale Erbe der DDR

„Freies Land“ (2020): Buddy-Cops im Wilden Osten und keine Versöhnung in Sicht

Der Nachwendethriller „Freies Land“ (2020) versetzt den Zuschauer nach Mecklenburg-Vorpommern, ins Jahr 1992. Vor einer düsteren Kulisse, die sehr stark an Louisianas Sümpfe aus „True Detective“ erinnert, sind zwei Teenie-Schwestern spurlos verschwunden. Um den Fall aufzuklären, wird ein Ermittlerduo beauftragt, das noch vor drei Jahren nie zusammengekommen wäre: ein West- und ein Ostkommissar. Der Regisseur Christian Alvart, bekannt für Til-Schweiger-„Tatorte“ und die Netflix-Serie „Dogs of Berlin“, erzählt eine packende Krimigeschichte und berührt dabei Themen, über die man – zumindest im Film – ungern redet: … „„Freies Land“ (2020): Buddy-Cops im Wilden Osten und keine Versöhnung in Sicht“ weiterlesen

MDR entwickelt Online-Lehrbuch zur Deutschen Einheit

Das MDR-Schulprojekt “Eure Geschichte” wird fortgesetzt. Gemeinsam mit dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) startet der Sender zum Schuljahr 2020/21 ein multimediales Online-Lehrbuch rund um das Zustandekommen der Deutschen Einheit. Herzstück des digitalen Kompendiums sind Videos der frühen 1990er Jahre aus dem MDR-Archiv. Ein besonderes Anliegen des gemeinsamen Projektes von MDR und VGD sei, die ostdeutsche Sicht auf die Folgen der friedlichen Revolution und die ersten Jahre der Einheit zu transportieren und dabei ein differenziertes Bild zu zeichnen, jenseits von Vorurteilen wie “Jammer-Ossi” und … „MDR entwickelt Online-Lehrbuch zur Deutschen Einheit“ weiterlesen

Der kalte Atem des DDR-Diskurses

Das Cover macht Angst. Ein Plattenbau, grau, nass, ohne Anfang und ohne Ende. Aus diesem Haus kann niemand entkommen. In der Mitte hat die Fassade einen Knick, der auch die großen gelben Buchstaben des Buchtitels trifft. NACHWENDEKINDER. Johannes Nichelmann ruft nach Hilfe. Er will, dass seine Generation gehört wird. Dass endlich das Loch verschwindet, in dem er und seine Freunde nach sich selbst suchen. Ein Buch über eine Identitätskrise, die im hegemonialen DDR-Diskurs und damit in der Geschichtspolitik wurzelt. Johannes Nichelmann: Nachwendekinder. Die DDR, … „Der kalte Atem des DDR-Diskurses“ weiterlesen

“Ossi”-Schmähung ohne Schadenersatz

Urteil am Arbeitsgericht: Ein Mitarbeiter einer Zeitungsredaktion erhält keine Entschädigung aufgrund von Schmähungen wegen seiner ostdeutschen Herkunft. Der Redakteur sei in Redaktionssitzungen als dummer Ossi bezeichnet und mit Stasi-Mitarbeitern gleichgestellt worden. Bei seiner Klage gegen den Arbeitgeber hatte er sich auf das Antidiskriminierungsrecht berufen, nach dem Menschen nicht wegen ihrer Rasse, ihre sexuellen Identität, ihrer Religion oder eben ihrer ethnischen Herkunft benachteiligt werden dürfen. Die Richter wiesen das ab. In ihrem Urteil stellten die Arbeitsrichter fest, “dass Menschen ostdeutscher Herkunft nicht Mitglieder einer ethnischen … „“Ossi”-Schmähung ohne Schadenersatz“ weiterlesen

Lückenforschung: BMBF-Tagung zur DDR-Forschung

30 Jahre nach dem Mauerfall zieht der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk eine beunruhigende Bilanz: Der DDR-Diskurs zerfalle in zwei Großgruppen. Während die eine alles weiß malt und die DDR öffentlich mehr verteidigt, „als sie es untereinander am Biertisch wohl tatsächlich“ tut, geißelt die andere „noch den Kindergartennachttopf als ideologische Umerziehungsmaßnahme“ (Kowalczuk 2019: 205). Die gute Nachricht: Es geht auch anders, zumindest in der Wissenschaft. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert gerade 14 Forschungsverbünde zum Thema. Der Auftakt in Leipzig zeigt: „Grautöne“ und Erfahrungsräume, … „Lückenforschung: BMBF-Tagung zur DDR-Forschung“ weiterlesen

Auftakt des Forschungsverbundes „Das umstrittene Erbe von 1989“

Am 29. und 30. November feierte der BMBF-Forschungsverbund Das umstrittene Erbe von 1989 seinen offiziellen Auftakt. Zur Veranstaltung an der Universität Leipzig war als Verbundpartner nicht nur die Universität Freiburg geladen. Aus ganz Deutschland kamen Forscher, um über das Erbe der DDR und der Wendezeit zu diskutieren. Die Veranstaltung zeigte: die Interpretation der Zeitgeschichte unterliegt auch in der Wissenschaft allzu häufig persönlichen Erfahrungen. Ein Erlebnisbericht von Mandy Tröger und Daria Gordeeva Der Forschungsverbund Das umstrittene Erbe von 1989. Aneignungen zwischen Politisierung, Popularisierung und historisch-politischer … „Auftakt des Forschungsverbundes „Das umstrittene Erbe von 1989““ weiterlesen

Geschichtstheater in Dresden

Früher war alles. Großartig, dieser Titel. Dirk Laucke erzählt am Staatsschauspiel Dresden „Geschichten von Träumen und Abwicklungen aus Freital“. Früher: Das ist die DDR. Und „alles“ ist das, was von da in die Gegenwart ragt. Die Kunst ist den Historikern voraus. Vielleicht weil sie da produziert wird, wo die Menschen wohnen. Dirk Laucke und Regisseur Jan Gehler stellen diese Menschen einfach auf die Bühne. Wie erzählt man heute Geschichte? Wie schafft man es, an einem nasskalten Novemberabend den Saal mit jungen Leuten zu füllen … „Geschichtstheater in Dresden“ weiterlesen

Wie Medien und Politik Deutschland weiter teilen

Ostbeauftragter, Ostwahlen, Ostarbeitslosigkeit: 30 Jahre nach dem Mauerfall lebt die deutsche Teilung in vielen Köpfen fort. Auch weil Politik und Medien immer noch gesondert auf sechs Bundesländer in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland blicken. Braucht es in Deutschland einen Abwanderungs- statt Ostbeauftragten? Mit gezielter Förderung von Regionen in ganz Deutschland? So einfach sei das nicht, meint Medienjournalist Jörg Wagner im Deutschlandfunk. Geboren zwei Jahre vor dem Mauerbau, in Ostberlin, moderiert er seit Jahren das Medienmagazin im RBB-Sender Radio Eins. Laut Wagner, wird die Ost-West-Sicht vielleicht … „Wie Medien und Politik Deutschland weiter teilen“ weiterlesen

Die Poesie des Ostens

Die Sehnsucht nach Freiheit hat „Ostrock“ hervorgebracht, meint Ostrock-Ikone Dirk Michaelis, der Kopf der DDR-Band Karussell, Komponist und Sänger der Wendehymne „Als ich fortging“. Am 10. November 1989 trat er im Palast der Republik auf: „Im Saal herrschte eine Mischung aus Hoffnung und dem unbezwingbaren Glauben, dass jetzt das Größte und Beste passiert, was wir uns vorstellen können: Beide Systeme werden einen Weg finden, das jeweils Beste herauszufiltern und zusammenzuführen. Wir dachten, wir würden jetzt das tollste Land der Welt.“ Michaelis gibt zu: Die … „Die Poesie des Ostens“ weiterlesen

DDR-Museum Dresden

“Die Welt der DDR” liegt in einem Einkaufszentrum, ein paar Meter weg vom Albertplatz. Gute Lage, sozusagen. Zehn Minuten bis zum Goldenen Reiter und nochmal zehn zur Frauenkirche, wo sich die Touristen drängen an diesem 1. November. Bei der DDR ist das Interesse überschaubar. Rolltreppe hoch und nicht zu Aldi oder Rossmann, sondern rechts abbiegen. Vier Euro Eintritt, und schon ist man mittendrin in einem Sammelsurium, das eher an einen Dachboden bei Oma und Opa erinnert als an ein Museum. Vermutlich geht es genau … „DDR-Museum Dresden“ weiterlesen

Gefeiert wurde nur im Westen

Das jedenfalls könnte man meinen, wenn man der Einladung von Fernsehmoderator Thomas Gottschalk gefolgt ist und am vergangenen Samstag seine große 80er-Jahre-Party mit ihm gefeiert hat. Gottschalks große 80er-Show lief Samstagabend um 20.15 Uhr, zur besten Sendezeit, im ZDF-Hauptprogramm. Dass die große Samstagabend-Show bei Jung und Alt immer noch ankommt, zeigen die Einschaltquoten: mit 4,91 Millionen Zuschauern erreichte die Sendung einen Marktanteil von 17,2 Prozent und wurde so klarer Prime-Time-Sieger (Sallhoff 2019). Fokus der von Spiegel-TV produzierten Show lag auf den musikalischen Highlights des … „Gefeiert wurde nur im Westen“ weiterlesen