Planet History

Das mediale Erbe der DDR

Ein bisschen gleicher

Ein Podcast des Mitteldeutschen Rundfunks beschäftigt sich mit Eliten in der DDR. Darunter ein Betriebsdirektor und ein Hochschullehrer. Vielleicht noch ein Parteisekretär und ein Richter. Medienmenschen sind bis dato nicht angekündigt. Da man aber durchaus davon ausgehen kann, dass etwa Journalisten Elitenstatus hatten, gibt der monatlich erscheinende Podcast einen Einblick in Arbeitsumfeld und Handlungsspielraum dieser Gesellschaftsschicht.  Den Anfang macht Bernd Sauer. Er war Betriebsdirektor der VEB Plaho in Steinach (Thüringen) und damit der Vorgesetzte für rund 1000 Menschen. Plaho steht für Plaste und Holz, … „Ein bisschen gleicher“ weiterlesen

Vermutlich grau

Die schwarze Version lautet: Die DDR war ein Stasi-Staat, alles und jeder wurde überwacht, man durfte niemandem trauen. Die weiße Version spricht von starkem Zusammenhalt, großer Hilfsbereitschaft und davon, dass man an der Stellung der Fernsehantenne erkannte, wem man was erzählen konnte. In der schwarzen Version waren auch einfache Mitarbeiter des MfS für den Stasi-Terror (mit)verantwortlich, während sie in der weißen Version einfach ihrer Arbeit als Friseure, Techniker oder Hausmeister nachgingen. In der Berliner Zeitung kam ein Vertreter dieser weißen Position zu Wort – … „Vermutlich grau“ weiterlesen

„Das ist DDR? Echt jetzt?“

Beim Rumgoogeln stößt meine 10-Jährige auf einen Film, den sie gerne sehen möchte: Alfons Zitterbacke. Daraufhin google ich rum, um rauszukriegen, ob der Streifen aus dem Jahr 2018 vielleicht auf dem von uns abonnierten Streaming-Kanal verfügbar ist. Und lerne, dass besagter Alfons in der DDR eine berühmte Kinderbuchfigur war (zu meiner Ehrenrettung sei auf meine urbayerische Herkunft verwiesen). Drei Klicks weiter lande ich bei einem Trailer der DEFA-Produktion aus dem Jahr 1966. Es folgt ein kleines Experiment. Ich schaue mir mit meiner Tochter zuerst … „„Das ist DDR? Echt jetzt?““ weiterlesen

Gefühlte Teilung

Sie wissen wenig bis nichts von der DDR. Aber sie wollen verstehen, warum Potsdam so ganz anders ist als München, warum sich ein Großteil der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse fühlt, warum die – finanzielle und soziale – Teilung immer noch spürbar ist. Journalismus-Studenten der niederländischen HU University of Applied Sciences Utrecht haben für das Deutschlandinstitut in Amsterdam einen Podcast erstellt, der vom Aufwachsen in Ostdeutschland nach dem Mauerfall handelt. Titel: „The Wall in our Heads“. Im Zentrum des Beitrags stehen zwei Medienmenschen, die … „Gefühlte Teilung“ weiterlesen

Andreas Dresen und die DDR-DNA

Wenn Hans-Dieter Schütt und Andreas Dresen aufeinandertreffen, ergibt sich eine Art „perfect match“. Ein Parteijournalist, dessen Karriere-Höhenflug mit dem Sturz der SED-Regierung endete, und ein Regisseur, dessen Berufsleben erst kurz nach dem Mauerfall begann. Schütt stellt neugierig Fragen, Dresen gibt ausführliche Antworten, die immer eine persönliche Note bekommen. Aus dieser Begegnung entsteht ein Gespräch über eine Gefühls- und Lebensart, bei der die DDR-DNA immer mitschwingt. Hans-Dieter Schütt: Andreas Dresen. Glücks Spiel. Porträt eines Regisseurs. Berlin: be.bra verlag 2020 Eine Rezension von Daria Gordeeva Im … „Andreas Dresen und die DDR-DNA“ weiterlesen

Seelenstriptease

Darüber reden bis es schmerzt. Sabine Michel und Dörte Grimm haben für ihr Buch „Die anderen Leben – Generationengespräche Ost“ Mütter, Väter, Wende-Töchter und Wende-Söhne aus der ehemaligen DDR an einen Tisch gebracht. Ein echter Seelenstriptease. Die Wendekinder fragen, klagen an, zeigen Verständnis, zollen Respekt. Die Eltern antworten, verteidigen sich, ringen mit sich, sind stolz. Ein Wessi wie ich fühlt sich an die Auseinandersetzungen erinnert, die es in der eigenen Familie gab, wenn es um die Rolle der Großeltern während der Nazi-Zeit ging. Auch … „Seelenstriptease“ weiterlesen

Die DDR bei Thomas Brussig

Unter einem Superlativ macht es der Fischer-Taschenbuchverlag nicht: „Thomas Brussig ist der einzige lebende deutsche Schriftsteller, der sowohl mit seinem literarischen Werk als auch mit einem Kinofilm und einem Bühnenwerk ein Millionenpublikum erreichte.“ Helden wie wir, die Sonnenallee natürlich, das Udo-Lindenberg-Musical. Thomas Brussig, geboren 1964 in Berlin, Hauptstadt der DDR, war früh ganz oben. Er schreibt trotzdem weiter, auch wenn ihm das Feuilleton nicht mehr hinterherläuft und die Leserzahlen kleiner geworden sein dürften. Thomas Brussig: Das gibt’s in keinem Russenfilm. Roman. Frankfurt am Main: … „Die DDR bei Thomas Brussig“ weiterlesen

Sand in die Augen gestreut

Im Rahmen der Vorlesungsreihe zum „medialen Erbe der DDR“ haben sich gleich drei Studentinnen mit einem Klassiker beschäftigt: dem Sandmännchen. Aus gutem Grund. Kein anderes Format hat es geschafft, die Zeit nach 1989 so unbeschadet zu überstehen. Trotz einiger Anpassungen funktioniert der „Abendgruß“ immer noch so wie vor über 60 Jahren und ist damit ein zentraler Bestandteil deutsch-deutscher Erinnerungskultur. Julia T. M. Melles hat sich mit dem soziologischen Gehalt des Sandmännchens beschäftigt und im Rahmen ihrer Recherchen auch mit dem „Sandmännchen-Papst“ Volker Petzold gesprochen. Der … „Sand in die Augen gestreut“ weiterlesen

Oertel-Hommage, natürlich mit Waldemar

„Legenden – ein Abend für Heinz-Florian Oertel“: Der MDR lässt am 17. Januar zur besten Sendezeit die Sport- und Unterhaltungswert der DDR auferstehen und aus dem Hier und Jetzt kommentieren. Zu Wort kommen unter anderem Marita Koch, Christine Errath, Jan Hoffmann und Kati Witt, Dirk Thiele, Klaus-Jürgen Alde und natürlich Waldemar Cierpinski. Wer Sonntagabend keine Zeit hat, findet dieses Schamkerl ab sofort bis Mitte Februar in der Mediathek. Für die Zeit danach folgt hier ein Interview, das Anke Fiedler und ich 2010 mit Heinz-Florian … „Oertel-Hommage, natürlich mit Waldemar“ weiterlesen

Mit Makarenko gegen Telefonsex

„Dieses Buch hat einen langen Weg hinter sich“, schreibt Katrin McClean auf der letzten Seite ihres „Ost-West-Romans“. Egal ob Agenturen oder Verlage: „nichts als Ablehnungen“, obwohl Aus dem Takt das „ehrlichste“ ihrer Bücher sei. Katrin McClean ist zu einem Print-on-Demand-Dienstleister gegangen und hat parallel zusammen mit Torsten Haeffner bei einem Newcomer-Verlag „64 Geschichten für eine wirkliche Wiedervereinigung“ veröffentlicht. Katrin McClean: Aus dem Takt. Ein Ost-West-Roman. Hamburg: tredition 2020 Katrin McClean, Torsten Haeffner (Hrsg:): Aufgewachsen in Ost und West. 64 Geschichten für eine wirkliche Wiedervereinigung. … „Mit Makarenko gegen Telefonsex“ weiterlesen

Ein Erbe für alle

Da ist eine junge Frau aus dem Westen, die die DDR lange Zeit nur mit der Mauer verband und sich ehrlicherweise nie für diesen “Stasi-Staat“ interessierte. Bis sie Good Bye Lenin sah. Und da ist eine ältere Frau, die ihre Kindheit in der DDR verbrachte, sie in Good Bye Lenin wiederentdeckte – und die DVD des Films einfach nicht wegschmeißen mag, obwohl sie gar kein Abspielgerät mehr dafür hat. Die ältere Frau gibt der jungen Frau die DVD für ihr Studienprojekt. Die junge Frau setzt sich mit … „Ein Erbe für alle“ weiterlesen

Der kleine Held der Arbeiterklasse

Zipfelmütze, Bart, immer ein Lächeln auf den Lippen. Putzig. Aber das Sandmännchen ist nicht nur ein sympathischer Medienstar, der die Kinder abends auf unterhaltsame Art und Weise ins Bett schickt. In dem Männchen steckt auch ein Pädagoge. Franziska Herz hat einen genaueren Blick auf die Funktion der Sendung geworfen und stellt fest, dass der Sandmann zu DDR-Zeiten einen festen Platz bei der kindgerechten Aufbereitung des real existierenden Sozialismus hatte. Etwa beim Besuch im Palast der Republik oder auf Weltraumtour mit dem Volkshelden Sigmund Jähn. … „Der kleine Held der Arbeiterklasse“ weiterlesen

Zensur-Detektor

Journalisten in der DDR waren Teil des politischen Systems – und hervorragend ausgebildete Medienprofis, die ihr Handwerk beherrschten. Hört sich für westliche Ohren nach einem Widerspruch an. Laura Feijóo wollte es genau wissen: Was bedeutete es, in der DDR als Journalist zu arbeiten? Welchen Einfluss hatten ZEK-Anweisungen und Zensur? Wie erlebten DDR-Journalisten den politischen Umbruch, wie nehmen sie die Medienlandschaft heute wahr, etwa im Hinblick auf die Berichterstattung über Ostdeutschland? Antworten bekam die Autorin von einer Frau, die noch am berühmten „Roten Kloster“ der … „Zensur-Detektor“ weiterlesen

Alles Doping, oder was?

DDR Sportler haben allein zwischen 1968 und 1988 bei Olympischen Spielen 192 Gold-, 165 Silber- und 162 Bronzemedaillen gewonnen – über doppelt so viele wie westdeutsche Athleten im selben Zeitraum. Doch diese Erfolge erscheinen heute angesichts der Berichterstattung über exzessives Doping und menschenverachtende Trainingsmethoden vielfach schal. Sophia Michaela Berner wollte einen Blick hinter die massenmedialen Kulissen werfen und befragte einen ehemaligen DDR-Bürger, der in seiner Jugend ein erfolgreicher Turner war. Seine Perspektive liefert auch positive Aspekte, etwa den Zusammenhalt im Verein, die finanzielle Unterstützung … „Alles Doping, oder was?“ weiterlesen

Wessis, hört die Signale

Was der Osten war oder ist, sagen uns vor allem Westdeutsche, in den Medien, in der Politik, in der Wissenschaft. Die westdeutsche Diskurshoheit hat direkten Einfluss auf die Art und Weise, wie wir uns an die DDR erinnern, welchen Stellenwert sie in unserer Geschichte einnimmt. Die Dominanz des Diktatur-Narrativs führt zu einer Abwertung ostdeutscher Lebensleistung und wirkt bis heute nach – nicht zuletzt im Zuge erstarkter rechtsnationaler Kräfte. 30 Jahre nach dem Mauerfall haben sich junge Ostdeutsche zusammengetan, um Sprechräume zu schaffen, die ein … „Wessis, hört die Signale“ weiterlesen

Neue Helden braucht das Land

Die Schriftstellerin Monika Maron ist ein ostdeutscher Medienmensch, ein prominenter noch dazu. Das macht sie und ihr Werk für uns interessant. In ihrem jüngsten Roman „Artur Lanz“ stellt sie eindeutige Bezüge zu ihrer DDR-Vergangenheit her. Die Ich-Erzählerin ist so wertvoll für den namensgebenden (Anti-)Helden des Buches, weil sie über Erfahrungen verfügt, die er nicht hat. Erfahrungen mit Propaganda, Zensur, Rädelsführern, Mitläufern, Denunziantentum, Ausgrenzung, Unterdrückung. Da ist er, der Ost-Blick, der nicht selten nüchterner, analytischer und ehrlicher ist als die durch den Anspruch an Haltung … „Neue Helden braucht das Land“ weiterlesen

Diskursive Einheitskämpfe

Titel und Setting sind leicht irreführend. Wenn ein Buch „Umbruchserfahrungen“ heißt, „Geschichten des deutschen Wandels von 1990 bis 2020“ verspricht und ausdrücklich als reines Ostprodukt daherkommt, dann erwarte ich eigentlich Persönliches. Herausgeber Michael Hofmann wirbt stattdessen mit der „Kompetenz“ seines Autorenteams, mit „methodischer Exaktheit“ sowie mit „Sensibilität und Sachkenntnis“ (S. 7). Wissenschaft pur sozusagen – verbunden mit der Frage, was die biografische Brille aus den Stoffen macht. Michael Hofmann (Hrsg.): Umbruchserfahrungen. Geschichten des deutschen Wandels von 1990 bis 2020. Münster: Westfälisches Dampfboot 2020 Eine … „Diskursive Einheitskämpfe“ weiterlesen

Tanz um das sozialistische Kalb

Opfer, Opportunistin, Lebenskünstlerin, Genie. Die Tänzerin Gret Palucca ist eine schillernde Persönlichkeit, die durch ihr Wirken einen nachhaltigen Beitrag zum „medialen Erbe der DDR“ geleistet hat. Mara Heckmann hat sich mit der Frau beschäftigt, die sich gegen ein Leben im Westen und für eine Karriere im Osten Deutschlands entschied. Die durch geschicktes Taktieren ihrer Palucca Hochschule für Tanz Dresden das Überleben sicherte. Und die einen ganz eigenen Tanzstil entwickelte, der bis heute gelehrt und bewundert wird. Dabei war Ausdruckstanz in der DDR eigentlich verpönt – war … „Tanz um das sozialistische Kalb“ weiterlesen

Flashback per Mausklick

Musik ist ein zeitgeschichtliches Dokument – und ein Teil des kollektiven Gedächtnisses. Sie kann spontane Erinnerungen und Gefühle auslösen, die rational kaum zu erschließen sind. Lukas Joas beleuchtet diesen affektiven Effekt von DDR-Hits als Beitrag zum „medialen Erbe der DDR“. Materialbasis sind Nutzerkommentare unter YouTube-Videos bekannter Bands. Die inhaltsanalytische Herangehensweise erlaubt eine Kategorisierung. Joas unterscheidet Kommentare, die historische Details liefern, nostalgische Gefühle auslösen oder die Erfahrungen mit Unterdrückung und Zensur thematisieren. Es zeigt sich, dass die Kommentare authentische Einblicke in das Leben und Denken … „Flashback per Mausklick“ weiterlesen

Das DDR-Stigma

Man kennt sie nicht, man sieht sie nicht, man liest nichts über sie. Nur selten spielen DDR-Künstler im Diskurs eine Rolle und wenn, dann werden sie auf bekannte Narrative reduziert. Sogar von den eigenen Kollegen. Auftragskunst, Staatskunst, Diktaturkunst. Kein Beitrag zur politischen Veränderung. Mut- und kraftlos. Ohne Wert für heute. Ein ewiges Stigma. Dominik Bingger will das so nicht stehen lassen. Er beschäftigte sich deshalb im Rahmen der Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ mit DDR-Kunst und DDR-Künstlern und fand deutliche Bezüge zum monotonen … „Das DDR-Stigma“ weiterlesen

Die Nachwendekinder und der Helmut

Der Titel macht Sinn, ist aber erklärungsbedürftig. Der Ost-West-Podcast von Friederike Schicht (Ost) und Jule Wasabi (West) heißt „KOHL KIDS“. Kids, na ja. Wasabi und Schicht sind Ende 20 (sprechen aber jünger und gendern Gast in Gästin). Sie wurden nach dem Mauerfall geboren. Und deshalb auch der Kohl. Es ist nicht das Gemüse gemeint, sondern Helmut Kohl. Der Kanzler der Einheit, der mit den blühenden Landschaften. Der Kanzler der Nachwendekinder. Abgesehen vom Titel (schöne Alliteration, vermutlich wichtiger als ein weniger umständlicher Bezug) ist vom … „Die Nachwendekinder und der Helmut“ weiterlesen

Gegen die Okkupation der Geschichte

Zwei Bilder gibt es in diesem Buch. Zweimal Wolfgang Mattheuer. Vorn „Der Jahrhundertschritt“, hinten „Was nun?“ (S. 8, 400). Damit ist der Rahmen gesetzt für den zweiten Versuch von Gunnar Decker, der DDR über ihre intellektuelle Produktion auf die Spur zu kommen. Nach „1965“ (vgl. Decker 2015) geht es diesmal um das Ende. Gunnar Decker: Zwischen den Zeiten. Die späten Jahre der DDR. Berlin: Aufbau 2020 Eine Rezension von Michael Meyen So „ein mitteldickes Buch“, sagt Gunnar Decker auf Seite 401, müsse einfach ganz … „Gegen die Okkupation der Geschichte“ weiterlesen

Weniger „Wir sind wir“, mehr „Honigfrauen“

Sara Ritterbach Ciuró hat keine Beziehung zur ehemaligen DDR. Wie das im Osten heute so ist, kann sie nur schwer beurteilen. Aber die Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ hat ihr Interesse geweckt. An „Ost“-Liedern und an den Menschen aus dem Osten. An ihren Gefühlen, ihren Erinnerungen und ihren Blick auf Wende und Wiedervereinigung. Deshalb suchte die Studentin das Gespräch mit einer heute 50-jährigen ehemaligen DDR-Bürgerin. Und revidierte schließlich ihr ganz persönliches DDR-Bild – teilweise. Der Osten zweimal anders: in der Musik und der … „Weniger „Wir sind wir“, mehr „Honigfrauen““ weiterlesen

Der Sandmann und der kalte Krieg

Der Sandmann und der kalte Krieg Das Sandmännchen ist ein Klassiker. Für Kinder gemacht, avancierte die Vorabendsendung in den 1950er Jahren zum Politikum. Denn die Redakteurin, die das „Abendlied“ – den Vorläufer des Sandmännchens – ins DDR-Radio gebracht hatte, trieb einige Jahre nach ihrem Wechsel vom Berliner Rundfunk (Ost-Teil der Stadt) zum Sender Freies Berlin (SFB, West-Teil der Stadt) die Entwicklung eines ähnlichen Formats in Westdeutschland voran. Es kam zu einem Wettrennen, das die DDR-Fernsehleute für sich entschieden: Das Sandmännchen ging im Osten am … „Der Sandmann und der kalte Krieg“ weiterlesen

Der bessere DDR-Unterricht

Die DDR stand im Westen (und später auch in den neuen Bundesländern) selbstredend auf dem gymnasialen Stundenplan. Als Negativbeispiel für kommunistische Unterdrückung und ineffiziente Planwirtschaft. Daten und Fakten zur Wiedervereinigung. Dann in der 10. Klasse die Fahrt nach Berlin. Da bekam Sophie Engelhart erstmals ein Gefühl für die Vergangenheit, für das geteilte Deutschland. Viel hilfreicher waren die Gespräche der Autorin mit der Zeitzeugen in der eigenen Familie, der Großmutter, die kurz vor dem Mauerbau noch fliehen konnte. Ihre Erzählungen machten den in der Schule … „Der bessere DDR-Unterricht“ weiterlesen

Rock hinter der Mauer

Der Verlag hat ganze Arbeit geleistet. Ein Titel, der Enthüllungen verspricht oder wenigstens ein bisschen Nervenkitzel („Wie die Westmusik ins Ostradio kam“), ein Cover, das DDR und weite Welt versöhnt, eine dpa-Rezension und Werbe-Interviews mit Autor Wolfgang Martin (Radio eins, Antenne Brandenburg). Für den Historiker ist das Buch einerseits enttäuschend (weil Distanz und Reflexion fehlen), andererseits aber zugleich eine Quelle, wenn man sich für den Hörfunk in der DDR interessiert oder ganz generell für das Musikgeschäft. Wolfgang Martin: Wie die Westmusik ins Ostradio kam. … „Rock hinter der Mauer“ weiterlesen

„Kummer“ über das Ostdeutsch-Sein

Kann ein (fast) Nach-Wende-Geborener Teil des „medialen Erbes der DDR“ sein? Ja. Felix von den Hoff zeigt anhand der Texte des Chemnitzer Künstlers „Kummer“ – Jahrgang 1989 – wie stark das Ostdeutsch-Seins das Bewusstsein einer ganzen Generation junger Bundesbürger geprägt hat. Wie sie darunter leiden und trotzdem ihre Heimat lieben. Wie sie um Akzeptanz kämpfen und gegen die unübersehbaren Fliehkräfte in ihrer eigenen Mitte. Im Fokus der Analyse stehen zwei Songs aus Kummers Debütalbum: „Schiff“ und „9010“. Beides Beispiele für „populäre Geschichtsrepräsentation“. Und dafür, … „„Kummer“ über das Ostdeutsch-Sein“ weiterlesen

Absturz auf Ostdeutsch

Episch. Prosaisch. Thilo Krause lässt sich Zeit für die Entwicklung seines Plots. Investiert viele Zeilen in die Beschreibung des trockenen ostdeutschen Sommers, die reifenden Himbeeren, die staubigen Straßen in der sächsischen Schweiz, die Festung über der „Stadt-die-keine-ist“, den Dreck der Wismut. Er arbeitet sich ab an der innerdeutschen, der innerdörflichen und der innermenschlichen Zerrissenheit und findet in der Szenerie allenthalben Metaphern zur nicht gelingen wollenden deutsch-deutschen Vereinigung. Schon zu Beginn heißt es: „Ich sehe den Putz nicht bröckeln an der westlichen Wand“, und später: … „Absturz auf Ostdeutsch“ weiterlesen

Eine Hymne, die Erinnerungen weckt

Zu DDR-Zeiten war Ostrock Kult, ein Medium leiser Systemkritik und Ausdruck einer ganz großen Sehnsucht – nach der Wende krähte (fast) kein Hahn mehr danach, nur wenige ostdeutsche Künstler konnten an die alten Erfolge anknüpfen. Dabei ist Musik ein wesentlicher Teil des kollektiven Gedächtnisses. Zum 30. Jubiläum des Mauerfalls hat die Band „Hardy and Heroes“ den Titel „im Osten geboren“ herausgebracht. Für Autorin Theresa Lang ein wichtiger Beitrag zum medialen Erbe der DDR. Sie selbst hat zwar keinen Bezug zur DDR, ihre Familie lebt … „Eine Hymne, die Erinnerungen weckt“ weiterlesen

Der Think Tank Yana Milev

Im Schatten der historischen Forschung an Universitäten und Leibniz-Instituten entsteht ein monumentales Werk, das die hegemonialen Narrative über die Zeit der Teilung, über die Wiedervereinigung und damit auch über die deutsch-deutsche Gegenwart herausfordert. Pünktlich zum runden Jubiläum hat Yana Milev ihre Trilogie „Ostdeutschland seit 1989/90“ fertiggestellt. Yana Milev: Entkoppelte Gesellschaft – Ostdeutschland seit 1989/90. Drei Bände: Anschluss, Umbau, Exil. Berlin: Peter Lang 2019, 2020 Eine Rezension von Michael Meyen Vor diesem Werk muss jeder Rezensent schrumpfen. Yana Milev kippt eine Unmenge an Material vor … „Der Think Tank Yana Milev“ weiterlesen

Wenn Ost-Radio Kult wird – von DT64 und MDR Sputnik

West-Sender hören. Das war in der DDR verpönt, zum Teil gefährlich – und damit für die Jugend hochattraktiv. Der staatliche DT64 galt bei vielen als zweitbeste Alternative. Zu viel Propaganda, zu wenig angesagte Musik. Nach der Wende stand der Sender vor dem Aus. Und wurde schließlich wiederentdeckt. Denise Prodell hat sich im Rahmen der Vorlesung zum „medialen Erbe der DDR“ mit dem Medium Radio als Teil der Jugendkultur beschäftigt. In Gesprächen mit Zeitzeugen und jungen Menschen aus dem Osten erlebte sie, wie Radio Identität … „Wenn Ost-Radio Kult wird – von DT64 und MDR Sputnik“ weiterlesen

Deutsch-Deutsches durch die Brille der Werbung

„Der Westen verostet“ – und das schon 2007. Die Werbeagentur Fritzsch & Mackat hat damals zusammen mit der Superillu nach dem „deutsch-deutschen Geheimnis“ gesucht und dabei eine „Ost-Identität“ gefunden, die vieles von dem zu verstehen hilft, was seitdem passiert ist. Vielleicht sogar die Dankbarkeit (oder die Ergebenheit), mit der dieses Land auf die „angekündigte Krise“ reagiert hat, die durch ein Virus getriggert wurde (Schreyer 2020). Normalerweise ignoriert die akademische Sozialwissenschaft die Werbefuzzis. Alles Blendwerk, heißt das Vorurteil. Bunte Folien, die verdecken sollen, dass man … „Deutsch-Deutsches durch die Brille der Werbung“ weiterlesen

Von „Jammer-Wessis“ und Einheits-Vorreitern

Wissenslücken in Sachen DDR schließen und erkunden, was die Vergangenheit mit der Gegenwart zu tun hat: Seit knapp zwei Jahren fördert das BMBF dafür 14 Forschungsverbünde. Jetzt trägt diese Initiative erste Früchte. Das Mainzer Projekt zur psychischen Gesundheit hat eine Studie vorgelegt, die zeigt, wie sich die Bewertung der deutschen Einheit seit 1990 verändert hat und welche Rolle die Binnenmigration beim Zusammenwachsen spielen könnte (Heller et al. 2020). Elmar Brähler, Jahrgang 1946, der den Mainzer Verbund leitet, ist selbst so ein Binnenmigrant: Abitur in … „Von „Jammer-Wessis“ und Einheits-Vorreitern“ weiterlesen

Mensch Lippi

Lippi, natürlich. Komisch, dass mir das nicht sofort eingefallen ist, als ich begonnen habe, nach Medienmenschen aus der DDR zu suchen. Wolfgang Lippert, der erste gesamtdeutsche TV-Star, ein Mann, der schon vor der Wende ganz regulär im Westfernsehen auftreten durfte. Noch besser: Er hat ein Buch geschrieben über seinen Aufstieg und über seinen Fall und damit auch über die Schwierigkeiten mit der deutschen Einheit. Wolfgang Lippert: Wetten dass … Erna kommt?! Mein buntes Leben – schwarz auf weiß. Unter Mitarbeit von Karin Weingart. Berlin: … „Mensch Lippi“ weiterlesen

Es war einmal in Weissensee und in Deutschland 83… So oder anders.

Die Autorin ist lange nach dem Fall der Mauer geboren. Aber sie hat einen Fernseher und einen Laptop. Und natürlich geht sie ins Kino. Sie hat eine ganze Reihe von Filmen über die DDR gesehen, sie kennt das „mediale Erbe“. Sie sucht nach dem „Alten“ (Erbe) im „Neuen“ (Medien) und versucht Realität von Fiktion zu trennen, zum Beispiel im Hinblick auf Szenenbild, Ausstattung und Kostüme. Deshalb hat Sarah Thonig im Rahmen der Vorlesung zum medialen Erbe der DDR die Profis hinter den Kulissen befragt: … „Es war einmal in Weissensee und in Deutschland 83… So oder anders.“ weiterlesen