Planet History

Kategorie: De rebus sinicis

Kulturgeschichte im Netz: das Blog weiter denken

Den dritten „Bloggeburtstag“ von de rebus sinicis (27.11.2015) beging ich in aller Stille. Denn eine tiefe Stille hatte sich in den Wochen davor über das Blog gelegt. “Anregende Abschweifungen in die Nachbarregionen Chinas” war der Arbeitstitel eines Mitte Oktober 2015 begonnenen, dann aber nicht weiter verfolgten Beitrags für de rebus sinicis. Nun ist die “Kulturgeschichte Chinas”, das Thema dieses  Blogs, als Forschungsfeld schon umfangreich genug – wozu bräuchte es da “Abschweifungen in die Nachbarregionen Chinas”? Sollte sich etwa der Blick dabei nach Südostasien richten, … Kulturgeschichte im Netz: das Blog weiter denken weiterlesen

190. Institutsseminar: Blogs in der Geschichtswissenschaft. Erfahrungen und Perspektiven (14. 12. 2015)

Am Montag, den 14. Dezember 2015, findet ab 17.15 Uhr im Hörsaal des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung das 190. Institutsseminar des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung statt. Zehn in Wien tätige Historikerinnen und Historiker sprechen…

“Geheimnisvolle Farbe” aus China? “Das Geheimnis der Farben” neu gelesen

Auf die Bedeutung von Farben für die Kulturgeschichte wurde auch auf de rebus sinicis schon wiederholt hingewiesen[1]. Victoria Finlays Das Geheimnis derFarben. Eine Kulturgeschichte[2] enthält über die zehn Kapitel – Ocker, Schwarz und Braun, Weiß, Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett – verstreut so manche Passage mit “China-Bezug”. Die Ausführungen über chinesische Tusche kreisen nicht nur um die Malerei, sondern auch um den Daoismus (S. 110-112). Auch über die Vorbereitungen zum Gebrauch der Tusche wird der Leser informiert: “In China erlebte ich, wie … “Geheimnisvolle Farbe” aus China? “Das Geheimnis der Farben” neu gelesen weiterlesen

Ein Telefon im Kaiserpalast (II)

Nachdem der Kaiserpalast in Beijing noch vor dem Ende des Kaiserreiches einen Telefonanschluss erhalten hatte[1], wollte der durch die Revolution von 1911 abgesetzte Xuantong-Kaiser Puyi (1906-1967; reg. 1908/09-1912), der auch nach der Errichtung der Republik bis ins Jahr 1924 im Palast wohnen durfte, einen privaten Telefonanschluss: The household, of course, received every conceivable objection to this proposal. They said, for example, that if it were publicly known that the emperor was on the telephone his enemies would make a practice of ringing him up … Ein Telefon im Kaiserpalast (II) weiterlesen

Brauchen Bücher Sonne?

Das „Lüften“ oder „Sonnen“ der Bücher (shaishu 曬書, pushu 曝書 oder auch liangshu 晾書), das sich ausgehend von China in ganz Ostasien verbreitete  und nicht nur im Namen der Privatbibliothek (Pushuting 曝書亭 „Pavillon zum Lüften der Bücher“ des Zhu Yizun 朱彝尊(1629-1709) in Wangdian 王店, Jiaxing 嘉興, Prov. Zhejiang) seinen Niederschlag fand, ist im Norden Chinas für den 7. Tag des 7. Mondmonats (im Jahr 2015 wäre dies übrigens der 20. August) vorgesehen. Der 7. Tag des 7. Monats wird im Zusammenhang mit dem Lüften … Brauchen Bücher Sonne? weiterlesen

Kulturgeschichte Chinas im Netz (XII): Virtual Collection of Asian Masterpieces

Die Virtual Collection of Asian Masterpieces entstand ursprünglich als Projekt von ASEMUS (The Asia Europe Museum Network). Mehr als 120 Museen haben bislang eine Auswahl aus ihren Meisterwerken dafür bereitgestellt. Der Relaunch der im Jahr 2007 erstellten Website erfolgte 2013. [1] Diese virtuelle Sammlung läßt sich nicht nur nach Sachgebieten/Art der Kunstgegenstände beziehungsweise nach dem geographischen Ursprung der Objekte durchsuchen, sondern auch nach einzelnen Sammlungen. Die Liste der an dieser Initiative beteiligten Sammlungen weist derzeit zwölf Museen aus der Volksrepublik China aus. Die Sammlung liefert … Kulturgeschichte Chinas im Netz (XII): Virtual Collection of Asian Masterpieces weiterlesen

Diskriminierende Bestimmungen und ein mörderischer Plan aus dem 14. Jahrhundert

Die so genannte Pax Mongolica verlief für die Han-chinesische Bevölkerung Chinas alles andere als friedlich – zum ersten Mal eroberte eine Fremddynastie ganz China.[1] Als die Stabilität der mongolischen Yuan 元-Dynastie durch wiederholte Aufstandsbewegungen mehr und mehr erschüttert wurde, versuchte Bayan[2] – der einflussreichste Berater in den ersten Jahren der Regierung des elften und letzten Kaisers der Yuan (1333-1368) – die Identität der Mongolen durch drastische anti-chinesische Massnahmen zu bewahren. [3] Unter anderem wurde das 1313/1315 wieder eingeführte Prüfungssystem zur Rekrutierung von Beamten zwischen 1335 … Diskriminierende Bestimmungen und ein mörderischer Plan aus dem 14. Jahrhundert weiterlesen

Kulturgeschichte Chinas im Netz (XI): l’Agence photo de la Réunion des Musées nationaux et du Grand Palais

Jede Recherche nach Bildmaterial zur Kulturgeschichte Chinas sollte auch die Bilddatenbank der Agence photo de la Réunion des Musées nationaux et du Grand Palais berücksichtigen. Neben etwa 800.000 Fotos von Objekten, die in nationalen und regionalen Museen Frankreichs verwahrt werden, sind auch Fotos von Objekten aus internationalen Sammlungen verfügbar – im Zusammenhang mit der Kulturgeschichte Chinas ist unter diesen vor allem das Nationale Palastmuseum in Taipei (Pinyin: Taibei)[1] hervorzuheben. Unter den thematischen Präsentationen sind jene zum Daoismus,  zum Tee und seiner Rezeption in Europa … Kulturgeschichte Chinas im Netz (XI): l’Agence photo de la Réunion des Musées nationaux et du Grand Palais weiterlesen

Vom Essen und vom Trinken in China (VI): Tofu im Lexikon

Tofu – in der auch auf de rebus sinicis üblichen Pinyin-Umschrift doufu 豆腐 (dou 豆 = Bohne, fu 腐 = verfault, faul, geronnen, verdorben, verfallen, schlecht, verderbt) geschrieben – wurde,  nach den Einträgen in Enzyklopädien und Nachschlagewerken zu schließen, erst im 19. Jahrhundert im “Westen” wahrgenommen. In seinem in den Jahren 1815-1822 publizierten Chinesisch-Wörterbuch schrieb der in Diensten der London Missionary Society stehende Robert Morrison (1782-1834): “Tow foo 豆腐 a white jelly-like substance made from pulse.”[1] 1854 enthielt der “Wunder-Meyer” im fünften Supplement-Band einen Eintrag … Vom Essen und vom Trinken in China (VI): Tofu im Lexikon weiterlesen

Die alternativen Schreibungen chinesischer Zahlzeichen – ein Nachtrag

Die Verläßlichkeit von “ultimativen” Handbüchern ist offensichtlich immer wieder und bei jedem Detail zu hinterfragen. Jüngster Anlass für diese Feststellung: mein Beitrag über die alternativen Schreibungen chinesischer Zahlzeichen. Bei den im traditionellen China vor allem bei geschäftlichen Transaktionen verwendeten Zahlzeichen (mazi) sollten statt 碼字 die Schriftzeichen 碼子 stehen. Während bei Wilkinson[1] 碼字 steht, präsentiert Mathews[2] die Schreibung mazi 碼子. – Beide Formen – sowohl 碼子als auch 碼字 – werden vom Grand Dictionnaire Ricci verzeichnet: Unter  碼子 lesen wir: “1. Chiffre, numéro, numéro d’ordre; nombre. … Die alternativen Schreibungen chinesischer Zahlzeichen – ein Nachtrag weiterlesen

Die alternativen Schreibungen chinesischer Zahlzeichen

In meinem Beitrag zum Ursprung der chinesischen Zahlzeichen habe ich einige Zugänge zur Etymologie der chinesischen Zahlzeichen präsentiert. Dabei habe ich lediglich die allgemein gebräuchlichen Formen der Zahlzeichen vorgestellt. Obige Tabelle zeigt neben diesen allgemein gebräuchlichen Schreibweisen (xiaoxie 小寫) der Zahlzeichen auch alternative Schreibungen: Die “Langformen”  (daxie 大寫) der Zahlzeichen sollten vor allem im wirtschaftlichen/geschäftlichen Bereich dazu dienen, Zahlen und Beträge “fälschungssicher” zu machen. Die Tabelle zeigt zudem auch die mazi 碼字, die auch unter der Bezeichnung  guanzi  官字 bekannt sind.[1]. Diese mazi, auch … Die alternativen Schreibungen chinesischer Zahlzeichen weiterlesen

Das Jahr des Schafes

Am 19. Februar 2015 beginnt nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender das Jahr des Schafes/das Jahr der Ziege. Der 19. Februar ist zugleich der spätestmögliche Termin[1] für „Chinesisch-Neujahr“ (zuletzt 1996, das nächste Mal wieder 2034).[2] Wenn man in diesen Tagen sowohl vom „Jahr des Schafes“ als auch vom „Jahr der Ziege“ lesen kann, dann liegt das daran, dass in China zwischen „Schaf und Ziege […] normalerweise kein Unterschied gemacht“[3] wird. Das Schaf ist das achte Tier des chinesischen Tierkreises und symbolisiert kindliche Pietät, „da es […]

„Der Sinn, der sich aussprechen läßt, ist nicht der ewige Sinn …“ | #wbhyp

Die Frage(n) nach dem Nutzen oder gar nach dem Wert von Blogs drängte(n) sich mir beim Start von de.hypotheses im Frühjahr 2012 auf. Welchen Nutzen oder gar welchen Wert könnte es haben, nach eigenem Gutdünken, zwanglos und in (neuen?) Formen, die sich einfachen Definitionen entziehen, möglichst regelmäßig zu publizieren? Einige Monate später – wohl in den Tagen bevor de rebus sinicis dann an den Start ging – war für mich die Antwort gefunden. Das Blog sollte eine Art „Schaufenster“ sein. Ob, inwiefern und in […]

Überlegungen zur Arbeit an den „chinesischen Dingen“ und Versuch eines Ausblicks

Der von mindthegap(s) präsentierte Ausblick auf das „Jubiläumsjahr 2015“ – also auf die im Jahr 2015 im Zusammenhang mit China zu gewärtigenden Jahrestage – zeigt, dass da kulturhistorisch nicht nur noch einiges zu holen sondern (und vor allem) noch mehr zu tun ist. Die Weihnachtstage und die Tage rund um den Jahreswechsel boten unter anderem im Hinblick auf die weitere Arbeit an de rebus sinicis Gelegenheit, die Arbeit am Blog zu überdenken und die Arbeit am damit begleiteten Buchprojekt ein wenig voranzutreiben. Damit die […]

Achtung Digitalisat! Oder: Wie man vom Bloggen abgehalten werden kann …

Wenn – wie üblich – am Mittwochnachmittag das Verfassen des wöchentlichen Beitrags für „de rebus sinicis“ auf dem Programm steht, sollte nichts dazwischen kommen. Durch den Blick in die mittlerweile umfangreichen Notizen zur Kulturgeschichte Chinas drängt sich das Thema für den nächsten Beitrag gleichsam (fast) von selbst auf … Auch diese Woche war für Mittwoch wieder entsprechend Zeit eingeplant. Doch dann – Mind the gap(s) sei Dank – war alles anders! Der Hinweis auf die Digitalisate einer ebenso aufschlussreichen wie im Zusammenhang mit der […]

Kulturgeschichte und chinesische Medizin

„Die Tradition der Chinesen dürfte in der ganzen Welt ohne Beispiel sein, den berühmtesten Ärzten in den größeren Städten des Landes überall Tempel zu erbauen, um die Erinnerung an sie wachzuhalten und sie zu verehren. In diesen „Tempeln der Medizinkönige“ sind ihre Namen auf Tafeln verzeichnet, und die Menschen gingen bis zu Anfang dieses [d.i., des 20.] Jahrhunderts in die Hallen und brachten den Geistern der Ärzte Opfergaben.“ (yaowangmiao [藥王廟])[1] Dieser Satz aus Manfred Porkerts Die chinesische Medizin regt dazu an, sich mit den […]

Vom Essen und vom Trinken in China (V): Tausendjahr-Eier – und was dahinter steckt …

Eine der kulinarischen Besonderheiten Chinas stellen zweifelsohne die so genannten „Tausendjahr-Eier“ dar. Diese werden bisweilen auch als „faule Eier“ bezeichnet. Die chinesischen Bezeichnungen reichen von pidan 皮蛋 („Leder-Eier“) über biandan 變蛋 (etwa „(sich) wandelnde Eier“) bis zu songhua 松花 („Kiefernblüten“) und songhua dan 松花蛋 („Kiefernblüten-Eier“). Alle diese Bezeichnungen spiegeln bestimmte Aspekte der Zubereitung wieder: „[…] Tausendjahr-Eier, welche in Wirklichkeit etwa zwei Monate alt sind, eingelegt in einer Mischung aus Lehm, Asche, Salz, manchmal Teeblättern. Die Stoffe dringen durch die Schale ein, konservieren und würzen das […]

Kulturgeschichte Chinas im Netz (X): Digitale Münzsammlungen

Die Wechselwirkungen zwischen Kultur und Ökonomie finden in der Geschichte des Geldes ihren wohl deutlichsten Ausdruck. Die Vielfalt der chinesischen Geldgeschichte – Geldzeichen, Münzen, Papiergeld – lässt sich mittlerweile auch auf digitalem Wege sehr gut nachverfolgen. Die wohl kürzestmögliche Beschreibung der Geschichte der Zahlungsmittel in China ist unter der Rubrik „Münzen der Welt“ der Staatlichen Münzsammlung München zu finden : „In China entwickelte sich das Geld vom Muschel- und Gerätegeld über an Schnüren aufgereihte Münzen (Chien) zu Barren und Papiergeld.“[1]. Deutlich ausführlicher informiert das […]

#wbgavie | Ein Blog als Weg zum Buch. Erfahrungen aus zwei Jahren “de rebus sinicis”

Die folgenden Zeilen sind die ausformulierte Fassung der Notizen für meinen Vortrag beim Workshop “Bloggen in Geschichtswissenschaft und Archivwensen” (Wien, 10.11.2014). Sowohl Name als auch URL meines Blogs weisen in groben Zügen auf die thematische Ausrichtung hin. “de rebus sinicis” – also “von chinesischen Dingen” – ist unter Historikern quasi selbsterklärend. Mit wenhua 文化 (wenhua.hypotheses.org), dem modernen chinesischen Begriff für “Kultur”, soll auf die bewusst breite thematische Ausrichtung des Blogs hingewiesen werden.[1] Der zeitliche Schwerpunkt liegt dabei auf dem spätkaiserlichen China, womit in diesem […]

Das Opfergelände der Erde (Ditan 地壇)

Das in Reiseführern und populären Darstellungen meist in verkürzter Form als “Erdaltar” bezeichnete Opfergelände der Erde (Ditan 地壇) in Beijing wurde 1530 – im neunten Jahr der Ära Jiajing 嘉靖 – angelegt.[1] Dieses Opfergelände lag knapp außerhalb des nördlichen Teils der um die Innere Stadt (neicheng  内城) errichteten Stadtmauer (in der Nähe des Anding-Tores (Andingmen 安定門). Die gesamte Anlage ist als “Gegenstück” des in der Südlichen bzw. “Äußeren Stadt” (waicheng 外城) gelegenen Opfergeländes des Himmels zu sehen. Im Unterschied zu letzterem basiert die Gestaltung […]

Die “Acht Klänge” – zur traditionellen Einteilung der Musikinstrumente

In China wurden die Musikinstrumente nicht nach der Art der Tonerzeugung sondern nach dem Material, aus denen das Instrument hergestellt wurde, eingeteilt. In diesem Sinne kennt die traditionelle chinesische Instrumentalmusik “Acht Klänge” (ba yin 八音; bisweilen auch mit “acht Klangkategorien” wiedergegeben). Diese acht Kategorien sind[1]: Metall: verschiedenste Glocken und “Gongs” Stein (oder Jade): das bisweilen als “Klangstein” und bisweilen als “Stein- oder Jadeglockenspiel” (bianqing 編磬) bezeichnete Instrument  Seide: Saiteninstrumente (u.a. die Wölbbrettzither Qin 琴 oder die Pipa  琵琶) Bambus: verschiedene Arten von Flöten Holz: […]

Die chinesische Schrift … und was angehende Historiker/innen darüber wissen sollten

Die Möglichkeit, im Rahmen der in der Studieneingangs- und Orientierungsphase (BA Geschichte) vorgesehenen Vorlesung “Theorien und Geschichte schriftlicher Quellen und Medien” in 60-70  Minuten die Geschichte der chinesischen Schrift zu präsentieren (Universität Wien, 29. 10. 2014), stellt zumindest in zweifacher Hinsicht eine Herausforderung dar: einerseits soll ein einführender Längsschnitt durch die Geschichte der chinesischen Schriftkultur geboten werden, andererseits muss auch der politisch-kulturelle Hintergrund (Orakelwesen in der chinesischen Antike, Vereinheitlichungen und “Reformen” der chinesischen Schrift, Einflüsse von Konfuzianismus und Buddhismus auf die Entwicklung von Schriftkultur, […]

Kulturgeschichte Chinas im Netz (IX): Die “Thematic Essays” der Heilbrunn Timeline of Art History

Begibt man sich auf die Suche nach Bildmaterial zur Kulturgeschichte Chinas, so laden die Thematic Essays der Heilbrunn Timeline of Art History auf den Seiten des Metropolitan Museum of Art zu längerem Verweilen ein.[1] Die Liste mit den Kaisern – zumindest was einige Transkriptionen der Regierungsdevisen[2] für die späte Kaiserzeit betrifft – nicht ganz fehlerfrei[3] – mit Vorsicht genossen mag die Liste allerdings als erste Orientierung dienen. In zeitlicher Hinsicht spannt sich der Bogen der Darstellung von den neolithischen Kulturen auf dem Gebiet des […]

Barbaren (V): In allen Himmelsrichtungen

Vor allem in der chinesischen Antike wurden die nicht-chinesischen Ethnien (“Barbaren”) auch nach den vier Himmelsrichtungen eingeteilt (die “fünfte” Himmelsrichtung – die Mitte – war ja für die Chinesen selbst reserviert). Mit dem Osten verband man die yi 夷, mit dem Süden assoziierte man die man 蠻, mit dem Westen die rong 戎 und mit dem Norden die di 狄.[1] Während die rong und die di bald aus dem Bewusstsein und damit auch aus den Quellen verschwunden waren, machten die Begriffe man 蠻 und […]

Kulturgeschichte Chinas im Netz (VIII): Tradition and Transformation of China

Die Seite Tradition and transformation of China, die im Herbst 2007 einen gleichnamigen Kurs[1]  an der Harvard University begleitete, bietet im Bereich “educational tools” neben einer allgemeinen Zeittafel zur Geschichte Chinas (Zeitraum: 5000 v. Chr.  bis 1989) auch Karten zur Topographie, zu den Verwaltungseinheiten, zur historischen Entwicklung Chinas und zu den “cultural regions” des Landes. Zu Informationen über die einzelnen “cultural regions” gelangt man über den Menüpunkt “Cultural China”. Unter “Tutorials” finden sich dann mehrere Module zu ausgewählten Aspekten der chinesischen Kultur(geschichte), so etwa […]

Kulturgeschichte Chinas im Netz (VII): The Chinese Experience

The Chinese Experience – angesiedelt auf den Seiten der University of Maine at Farmington und betrieben von Marilyn Shea (Department of Psychology) – bietet schon durch eine reichhaltigen Bibliographien (China Bibliography. Collections of Resources) weiterführende Informationen zur Kulturgeschichte Chinas: Die Themen Buddhismus, Kunst, Kunst und Gesellschaft, Kalligraphie  werden ebenso berücksichtigt, wie der Bereich Stadt und Urbanisierung. Ein weiterer – reich bebilderter – Bereich der Seite orientiert sich an den geographischen Gegebenheiten Chinas. Vor allem die Große Mauer (Great Wall, Great Wall Pictures), Beijing (Historic […]

Kulturgeschichte Chinas im Netz (VI): Das China Online Museum

Trotz der sehr dürftigen Angaben unter Impressum/Kontakt bietet das China Online Museum zumindest einführende Bemerkungen zu den verschiedenen Gebieten der chinesischen Kunst(geschichte), etwa in Bronzekunst, Kalligraphie, Malerei, Keramik und Schnitzkunst. Orientieren sich die Texte an den Informationen aus dem Nationalen Palastmuseum in Taipei, aus der Encyclopaedia Britannica (!) und Wikipedia (!!!) so stammen die Bilder aus mehreren Museen der Volksrepublik China und der Republik China (Taiwan) sowie aus amerikanischen und japanischen Museen.[1] Die Präsentation der Bronzegefäße erfolgt nach einer Einleitung in chronologischer Ordnung: a) […]

Was ein Pinguin mit der Umschrift des Chinesischen zu tun hat …

Wie bei der Eröffnung dieses Blogs angekündigt, sollen neben digitalen auch analoge “Fundstücke” nicht zu kurz kommen. Ein solches “Fundstück” bietet ein Absatz des Artikels “Schriftreform” im Lexikon des gesamten Buchwesens: Typische Beispiele [für Schriftreformen] sind im 20. Jh. der von Kemal Atatürk in der Türkei eingeführte Übergang von der arab. zur lat. Schrift, die Einführung der kyrill. Schrift in den ursprünglich arab. schreibenden Teilen der Sowjetunion, die z. T. nach dem Verfall dieses Staates rückgängig gemacht wurde, sowie die Bemühungen der Volksrepublik China […]

Acht Regeln: “gutes Benehmen” (kultur)historisch betrachtet

In Krisenzeiten sowie in Zeiten des Umbruchs wurden im Laufe der letzten hundert Jahre wiederholt “Acht-Punkte-Programme” formuliert, die die jeweilige Situation zum Besseren wenden sollten. Der chinesische Intellektuelle Hu Shi (1891-1962), der eine entscheidende Rolle in der “Revolution der Literatur” im Jahrzehnt nach der 1912 erfolgten Gründung der Republik China spielte, formulierte 1916 sein “Achtfaches Nein” (babuzhuyi 八不主意): Verwende keine Klassizismen. Verwende keine alten, konventionellen Wendungen. Verwende keine Parallelismen. Vermeide nicht einfache Ausdrücke und vulgäre Wendungen. Achte auf grammatikalisch klaren Ausdruck. Dies alles betrifft […]

Unsterblichkeit (II): Die “Acht Unsterblichen der Weinschale”

Der in der Zeit der Tang-Dynastie lebende Dichter Du Fu 杜甫 (712-770)[1] setzte in einem seiner Werke den “acht Unsterblichen der Weinschale” (yin zhong baxian 飲中八仙) – allesamt Dichter und Kalligraphen im China des 8. Jh. n. Chr. – ein literarisches Denkmal.[2] Ohne hier weiter auf die Kulturgeschichte alkoholischer Getränke in China einzugehen, soll  lediglich bemerkt werden, dass “das, was traditionell mit Wein übersetzt wird, von der Art der Herstellung her Bier” war.[3] Hier nun die Informationen, die sich aus dem Gedicht über die […]

Buddhas Fußsohlen

An zahlreichen buddhistischen Stätten finden sich Darstellungen der Fußsohlen Buddhas (fozushi 佛足石1 beziehungsweise foji 佛跡, i.e. „Buddha-Spur“).2 Im indisch beeinflußten Kulturraum ist die Spur oder der Abdruck von Buddhas Fuß seit alter Zeit ein wichtiges Symbol, das stellvertretend für Buddha selbst steht. In seiner Fußspur bleibt Buddha den Gläubigen wie in einer Reliquie gegenwärtig, während er ansonsten in das Nirwana, in das “Erlöschen”, eingegangen ist. In diesem kann er nicht mehr angerufen werden. Eine ähnliche Ikonographie des zurückbleibenden Fußabdruckes findet sich auch in der […]

Barbaren (IV): “Fremde Teufel”

Zumindest ab dem späten 18. Jahrhundert berichteten europäische Besucher Südchinas, dass sie von den Chinesen als guizi 鬼子 (Teufel, Dämonen)1  bezeichnet wurden. So schrieb Johann Christian Hüttner (1766-1847), einer der Teilnehmer an der britischen Gesandtschaft, die sich 1793 in China aufhielt: [Man] verachtet sie [= die Europäer] und gibt ihnen den Namen Quitse, d. i. Teufel, weil die Chinesen auf ihren Bühnen die Teufel mit engen Kleidern vorstellen, welche wir tragen […].2 Der Ursprung dieser Bezeichnung blieb den Ausländern jedoch rätselhaft. In Things Chinese […]

Barbaren (III): Großnasen/Langnasen

Bei der Recherche nach Ursprung und Verwendung des Begriffs “Großnasen” ergibt sich nicht unbedingt ein einheitliches Bild.1 Die im Folgenden gesammelten Zitate können lediglich ein Ausgangspunkt für weitere diesbezügliche Forschungen sein: Endymion Wilkinson schreibt kurz und bündig: “chang bizi 長鼻子, da bizi 大鼻子, gaobi 高鼻 (the long, big, or high noses): Arabs, Europeans, or Americans.”2 Im einleitenden “Warnhinweis” zu ihrem Buch Die Langnasen. Was die Chinesen über uns Deutsche denken schreiben Yu-Chien Kuan und Petra Häring-Kuan: Der Begriff ‘da bize’ [sic!], wörtlich übersetzt: große […]

Unsterblichkeit (I): Fünf Klassen von Unsterblichen

Als Übersetzung für den Begriff xian 仙 hat sich im Deutschen der Begriff “Unsterbliche” eingebürgert.1 Zum Phänomen der “Unsterblichen” schreibt Wolfram Eberhard: Chinesische Heilige [!] sind Männer oder Frauen, die übernatürliche Fähigkeiten erlangt haben und nach ihrem Tod zur Gottheit erklärt wurden. Es gibt hunderte und aberhunderte von ihnen, im Gebirge K’un-lun oder auf den Inseln des Ostens sollen sie ein glückliches, nie endendes Leben führen; hienieden ist der Kult meist an einen bestimmten Ort gebunden.2 Im Erklärenden Wörterbuch zum chinesischen Buddhismus wird der […]

Vom Essen und vom Trinken in China (IV): “Alles, was man essen kann”

In „Alles, was man essen kann“ ging Waverly Root (1903-1982) wiederholt auf Nahrungsmittel und auf Speisen ein, die entweder aus China stammen oder hauptsächlich mit China assoziiert werden.1 Die folgende Zusammenstellung entsprechender Bemerkungen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gemüse Zum Chinakohl und seinem “Verwandten” Pak-Choy schreibt Root: “[…] ersterer ist ein Kopfkohl mit wirsingähnlicher Blattstruktur, doch von länglicher Form und von zartgelber bis weißlicher Farbe, letzterer ein Blätterkohl mit weißen, fleischigen Stengeln und hell- bis tiefgrünen Blättern von weicher und glatter Struktur.” (S. 172). […]

Altern wie Konfuzius?

子曰: 吾十有五,而志于學 三十而立 四十而不感 五十而知天命 六十而耳順 七十而從心所欲,不踰矩 “Konfuzius sprach: ‘Als ich fünfzehn war, war mein ganzer Wille aufs Lernen ausgerichtet. Mit dreißig Jahren stand ich fest. Mit vierzig hatte ich keine Zweifel mehr. Mit fünfzig kannte ich den Willen des Himmels. Als ich sechzig war, hatte ich ein feines Gehör, um das Gute und das Böse, das Wahre und das Falsche herauszuhören. Mit siebzig konnte ich den Wünschen meines Herzens folgen, ohne das Maß zu überschreiten.”1 Dieser von Ralf Moritz vorgelegten Übersetzung aus den […]

Barbaren (II): Roh oder gekocht?

Im ersten Beitrag (“Barbaren (I): die “Haarigen”) zu chinesischen “Barbaren”-Diskursen beschäftigten wir uns mit Beschreibungen europäischer beziehungsweise ‘westlicher’ “Barbaren”. Seit ältester Zeit spiegeln – nicht nur die chinesischen – Barbaren-Diskurse Vorstellungen von angeblichen Abstufungen kultureller/zivilisatorischer Errungenschaften wider. Eine der chinesischen Perspektiven unterschied zwischen “inneren” (neiyi 内夷) beziehungsweise “gekochten” Barbaren (sh(o)ufan 熟番) auf der einen Seite und “äußeren” (waiyi 外夷)  beziehungsweise “rohen” Barbaren (shengfan 生番) auf der anderen Seite.1 Das Begriffspaar roh/gekocht wurde von den Chinesen im Zusammenhang mit als “Barbaren” betrachteten Ethnien zumindest seit […]

Barbaren (I): die “Haarigen”

Chinesische Bezeichnungen für andere ethnische Gruppen nehmen wiederholt auf (angebliche) körperliche Merkmale Bezug. Eine Reihe dieser in der Regel abschätzigen Bezeichnungen, die für Europäer beziehungsweise “Westler” gebraucht wurden, enthält den Begriff mao 毛 (“Haar”). Seit dem frühen 17. Jahrhundert scheinen die NIederländer in chinesischen Berichten als hongmao yi 紅毛夷 oder hongmao fan 紅毛番 (beides bedeutet “rothaarige Barbaren”) auf – mit den Varianten hongyi 紅夷 (“die roten Barbaren”), hongmao 紅毛 (“die Rothaarigen”) und Xiyang hongmao 西洋紅毛 (“die Rothaarigen vom Westlichen Ozean”) wurden im weiteren Verlauf […]

Joch, Säulenzwischenraum, Säulenweite … ? Zum Grundmaß der traditionellen chinesischen Architektur

In der chinesischen Architektur spielten Säulen eine “tragende” Rolle – ruhte doch auf Ihnen die in der Regel sehr ausgeklügelte Dachkonstruktion. Angaben zur Größe eines Gebäudes basierten meist auf der Anzahl der von jeweils vier Säulen umschlossenen Flächen: “Die Größeneinheit für chinesische Bauten ist ein jian [間], was dem von vier Säulen eingefassten Quadrat oder Rechteck entspricht (ähnlich dem Joch im europäischen Kirchenbau). Die Anzahl der jian ist immer ungerade, denn einem jian in der Mitte werden immer zu beiden Seiten gleich viele jian […]

Unterschiede zwischen Nord und Süd (II)

Im ersten Teil dieser losen Serie (Unterschiede zwischen Nord und Süd (I)) wurden Differenzierungen zwischen Nord- und Süchina betrachtet, die in der chinesischen Sprache gleichsam zu stehenden Wendungen geworden sind. Der chinesische Literaturwissenschaftler Jiang Kanghu 江亢虎 (1883-1954), der unter anderem 1930-1933 an der kanadischen McGill University tätig war, widmete sich in seiner 1935 erschienenen Einführung in die Geschichte der chinesischen Kultur1 den Unterschieden zwischen Nord- und Südchina. Jiang schrieb, dass diese Unterschiede schon im Wesen der Menschen deutlich zutage treten würden. Während die Bevölkerung Nordchinas […]