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25. Februar 1621: Der beraubte Hauptmann

Hauptleidtragende der soldatischen Exzesse im Krieg war die Bevölkerung. Doch immer wieder kam es auch unter den Militärs selbst zu gewalttätigen Übergriffen und Ausschreitungen. Am 25. Februar 1621 wandte sich daher der Hauptmann Christian Hübner an den Generalleutnant der Liga Tilly, damit er ihm, Hübner, „hochrumbliche Justicien [..] vnd gnad“ werde erweisen1. Konkret ging es dem Hauptmann darum, daß er die Güter zurückerstattet haben wollte, die ihm geraubt worden seien. Unstrittig war auch, wer dies zu verantworten hatte: Es war der ligistische Oberst Bauer, … „25. Februar 1621: Der beraubte Hauptmann“ weiterlesen

Februar 1621: Ein Scherz zur Faßnacht

Karneval oder Fasnacht wird immer gefeiert, auch zu Kriegszeiten. Im Dreißigjährigen Krieg war es nicht anders. Besonders lustig war es im Jahr 1621, zumindest wenn man nicht Anhänger der Pfälzischen Sache war. Denn die völlige Niederlage Friedrichs V. von der Pfalz, die im Verlust der böhmischen Königskrone, der Kurwürde und sämtlicher Territorien resultierte und in seiner Ächtung gipfelte, bot für die Sieger Anlaß zu hemmungslosem Spott. Dies wurde deutlich beim „Palatini Khönigreich in der Faßnacht“1. Ein eher kurzes, schmuckloses – bis auf das Titelblatt … „Februar 1621: Ein Scherz zur Faßnacht“ weiterlesen

8. Februar 1621: Ein neuer Streit um die Festung Udenheim

Vor dem Ausbruch der böhmischen Unruhen gab es mehrere Krisenherde im Reich. Einer davon war das Städtchen Udenheim, das der Speyrer Fürstbischof zur befestigten Residenz ausbauen wollte. Seine fortifikatorischen Bemühungen lösten bei den Ständen der Union große Befürchtungen aus, und letztlich setzte die Union Truppen in Marsch, die im Juni 1618 die Udenheimischen Befestigungen in Schutt und Asche legten1. Für den Speyrer Bischof Philipp Christoph von Sötern war die Sache damit keineswegs erledigt. Er wartete nur darauf, daß er die Befestigungen erneuern könnte. Den … „8. Februar 1621: Ein neuer Streit um die Festung Udenheim“ weiterlesen

1. Februar 1621: Ein publizistischer Streit unter den Siegern

Wer die Schlacht am Weißen Berg verloren hatte, war unzweideutig. Doch war wer ihr Sieger? Zumindest über die Anteile an dem Zustandekommen des Schlachtenerfolgs oder auch über die Fehler, die den Erfolg zwar nicht verhindert, aber doch erschwert hatten, wurde gestritten. Auslöser war „ain Relation, so mir von Mailandt zuegeschickht worden“, wie Maximilian von Bayern an seinen Feldherrn schrieb. In diesem Brief vom 1. Februar 1621 macht der bayerische Herzog seinem Ärger Luft1. Denn mit dieser Druckschrift, die er als Anlage beifügte, werde, wie … „1. Februar 1621: Ein publizistischer Streit unter den Siegern“ weiterlesen

22. Januar 1621: Die Ächtung des Pfalzgrafen

Nach Monaten intensiver juristischer Beratungen und langer Verhandlungen, auch mit den verbündeten Reichsfürsten wie Johann Georg von Sachsen und Maximilian von Bayern, war es im Januar 1621 soweit1. Am 22. Januar – so weisen es die Dokumente aus – wurden die Achterklärungen unterzeichnet, am 29. Januar dann erfolgte die öffentliche und feierliche Verhängung der Reichsacht in Wien. Über die Szenerie gibt es eine kurze Beschreibung, offenbar aber keine Abbildung2: Der Vorgang geschah in der Ritterstube, wo Ferdinand II. auf dem „Kayserl. Thron“ Platz nahm. … „22. Januar 1621: Die Ächtung des Pfalzgrafen“ weiterlesen

16. Januar 1621: Kaiserliche Gnade für Mähren?

Während sich in Prag die kaiserliche Macht weiter stabilisierte, war noch unklar, welches Schicksal Mähren zu erwarten hatte. Noch gab es auch Truppen, die unter dem Kommando der mährischen Stände standen. Welche Möglichkeiten hatten die Mähren, was konnten sie jetzt noch tun? In dieser Situation wandte sich am 16. Januar 1621 Graf Thurn an die mährischen Stände1. Er hatte kurz zuvor Bethlen Gabor, den Fürsten von Siebenbürgen und König von Ungarn (als der er sich anstelle des Habsburgers sah), getroffen. Diese Zusammenkunft und die … „16. Januar 1621: Kaiserliche Gnade für Mähren?“ weiterlesen

16. Januar 1621: Eine Königin in Küstrin

Seit dem 8. Dezember 1620 befand sich Elisabeth von der Pfalz in Küstrin1. In der brandenburgischen Landesfestung war die Königin einigermaßen sicher – außerhalb der Territorien der böhmischen Krone, in denen nun die Sieger vom Weißen Berg mehr und mehr ihre Position festigten. Friedrich selbst hatte seine Gemahlin zur Weiterreise gedrängt: „Vous ne scauries estre nulle part mieux qu’à Custrin“2. In Küstrin sollte Elisabeth einige Wochen bleiben. Ein Grund dafür war sicherlich die unklare politische Situation. Friedrich selbst war bereits vorausgereist; er wollte nach … „16. Januar 1621: Eine Königin in Küstrin“ weiterlesen

rex hibernus – der Winterkönig

Friedrich V. von der Pfalz gehört zu den unglücklichen Gestalten des Dreißigjährigen Kriegs. Man kann mit Berechtigung fragen, ob er durch politisches Ungeschick oder auch Unvermögen nicht selbst viel dazu beigetragen hat. Verfestigt hat sich sein Bild in der historiographischen Tradition vor allem durch den Begriff des „Winterkönigs“. Der Terminus „Winterkönig“ ist derart fest mit der Person Friedrichs verwoben, daß sich selbst die aktuelle Geschichtsschreibung nicht von ihm lösen kann. So verwendet der jüngste monographische Versuch ohne Wenn und Aber den Titel „Winter King“1. … „rex hibernus – der Winterkönig“ weiterlesen

Kursachsen und der Dreißigjährige Krieg – eine Tagung zu einem Desiderat

Noch bevor mit der Schlacht am Weißen Berg das Königtum Friedrichs von der Pfalz vor dem Aus stand, war mit der Eroberung Bautzens Anfang Oktober 1620 die Entscheidung in der Oberlausitz gefallen: Kurfürst Johann Georg von Sachsen konnte sich als erster Sieger in diesem Feldzug präsentieren1. Nach eigenem Dafürhalten hätte für ihn der Krieg jetzt auch schon zuende sein können – eine Einschätzung, die er mit Maximilian von Bayern teilte. Dabei sollte er den Krieg noch bis zum Ende miterleben und vor allem mitgestalten: … „Kursachsen und der Dreißigjährige Krieg – eine Tagung zu einem Desiderat“ weiterlesen

7. Dezember 1620: „warres are not ended with one bataille“

Als der erste Schock über die Prager Katastrophe vorbei war, bemühte sich nicht nur Friedrich von der Pfalz, wieder aktive Politik zugunsten seines Königtums und seiner Herrschaft zu machen1. Auch seine Frau Elisabeth blieb nicht untätig. Natürlicherweise fiel ihr die Aufgabe zu, die Kontakte zur englischen Krone zu aktivieren. Noch aus Breslau wandte sich die Königin am 23. November an ihren Vater König Jakob. Im Bewußtsein, daß die Nachricht von der Prager Niederlage bereits an den englischen Königshof gelangt war, kam sie unumwunden zum … „7. Dezember 1620: „warres are not ended with one bataille““ weiterlesen

Erfunden und doch glaubwürdig, ja unterhaltsam: Die Geschichte des Kaspar Geißler

Seit Monaten schon zeichnet der dk-blog die Geschehnisse rund um den Böhmischen Krieg nach, kulminierend in der Schlacht am Weißen Berg. Während dies auf der Grundlage historischer Zeugnisse geschieht, kann man nun auch einen historischen Roman lesen, der die Ereignisse aus der Perspektive eines einfachen Mannes nachvollzieht: „Rosenegg. Der Weiße Berg“ heißt das Buch, das ich im Folgenden kurz vorstellen möchte und durchweg empfehlen kann1. Die Geschichte orientiert sich an dem Einzelschicksal Kaspar Geißlers – eine fiktive Gestalt, die der Autor 1601 als Sohn … „Erfunden und doch glaubwürdig, ja unterhaltsam: Die Geschichte des Kaspar Geißler“ weiterlesen

November und Dezember 1620: Die Sieger in Prag

Wenn die Schlacht gewonnen ist, kommt der Moment, den Sieg auszukosten: die Söldner können nun Beute machen. Nach der Schlacht am Weißen Berg war dies die Situation, vor der auch Prag stand. Tatsächlich waren die wallonischen Söldner schon dabei die Mauern zu überwinden und in die Stadt einzufallen1. Doch sowohl der kaiserliche Feldherr Bucquoy als auch Herzog Maximilian sorgten dafür, daß ein unkontrollierter Einbruch der Truppen in die Stadt unterblieb. Der Einmarsch der kaiserlichen wie der ligistischen Einheiten in Prag erfolgte dementsprechend in großer … „November und Dezember 1620: Die Sieger in Prag“ weiterlesen

21. November 1620: salus Euangelicorum communis suprema lex

Das böhmische Königspaar war nach dem Desaster am Weißen Berg aus der Prager Residenz geflohen: zuerst nach Breslau, wo Friedrich und Elisabeth am 17. November ankamen. In Schlesien wollte der König neue Kräfte für den Widerstand gegen Habsburg sammeln. Entsprechend strebte Friedrich Beratungen mit den schlesischen Fürsten an1. Darüber hinaus entfaltete der geflohene König eine Reihe von weiteren Aktivitäten. So suchte er den Kontakt zu Kursachsen, dann aber auch zu Maximilian von Bayern. Vor allem aber bemühte er sich die Mährer weiter zu mobilisieren … „21. November 1620: salus Euangelicorum communis suprema lex“ weiterlesen