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28. Februar 1622: Die Predigt vom Feigenbaum

Landtage boten üblicherweise die Bühne für die Auseinandersetzung zwischen dem Landesherrn und den Landständen. Eine klassische Situation, in der die Interessen beider Seiten abgewogen und in eine Balance gebracht werden mußten – was sich meist in vielfältigen Konflikten niederschlug. Gleichzeitig war ein Landtag aber immer auch die Bühne, um sich als politischer Akteur zu präsentieren und dabei seine Überzeugungen und Standpunkte unmißverständlich kundzutun. Genau dies passierte auf dem kursächsischen Landtag, der am 18. Februar 1622 in Torgau begann. Eröffnet wurde der Landtag mit einem … „28. Februar 1622: Die Predigt vom Feigenbaum“ weiterlesen

14. Februar 1622: Kursächsische Mahnungen zur Kaisertreue

So kritisch die Lage für die pfälzische Sache auch war, gab es doch immer wieder Versuche, weitere Verbündete für den geächteten Pfalzgrafen zu gewinnen und sie zu neuerlichen Aktionen zu mobilisieren. Dies tat auch der Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach, der sich Anfang 1622 mehrfach an den Kurfürsten von Sachsen wandte. Die markgräflichen Versuche, Kursachsen für die pfälzischen Anliegen zu begeistern, schlugen jedoch völlig fehl. Am 14. Februar 1622 wandte sich deswegen Kurfürst Johann Georg seinerseits an den Markgrafen Christian1. Die kursächsische Haltung blieb dabei … „14. Februar 1622: Kursächsische Mahnungen zur Kaisertreue“ weiterlesen

11. Februar 1622: Kurmainzer Beschwerden, oder: Wofür ist eigentlich die Ligaarmee da?

Die Ligaarmee operierte seit dem Herbst 1621 am Mittelrhein, befand sich also in unmittelbarer Nähe des kurmainzischen Gebiets. Allerdings fühlten sich die Ligisten keineswegs als Herren der Lage. Vielmehr herrschte große Unsicherheit angesichts der noch in der Kurpfalz stehenden Truppen des Feindes. Insbesondere rechnete man mit Aktivitäten Mansfelds. Am Mittelrhein operierten neben der Ligaarmee auch spanische Truppen unter dem Kommando Cordovas. Doch die Abstimmung zwischen den beiden Heeren, die ja prinzipiell verbündet waren, gestaltete sich schwierig1. Auch angesichts einer schwindenden Schlagkraft der eigenen Armee … „11. Februar 1622: Kurmainzer Beschwerden, oder: Wofür ist eigentlich die Ligaarmee da?“ weiterlesen

2. Februar 1622 Eine kaiserliche Hochzeit in Innsbruck

Seit 1616 schon war Ferdinand II. Witwer. Doch nun plante der Kaiser sich erneut zu verheiraten. Am 19. Januar 1622 brach er deshalb von Wien mit einigem Gefolge „gar stattlich“ auf und machte sich auf den Weg nach Innsbruck, wo die Hochzeit stattfinden sollte1. Am 1. Februar kam die kaiserliche Reisegesellschaft in Innsbruck an. Mit dabei war auch Christian von Anhalt-Bernburg, der als Parteigänger des Pfalzgrafen im Böhmischen Krieg gefangen genommen und an den kaiserlichen Hof gebracht, nun aber schon wieder in Gnaden aufgenommen … „2. Februar 1622 Eine kaiserliche Hochzeit in Innsbruck“ weiterlesen

23. Januar 1622: Jülich gibt auf

Seit September 1621 belagerten spanische Truppen die Festung Jülich, die von einer generalstaatischen Besatzung unter dem Kommando Frederik Pithans gehalten wurde1. Am 23. Januar 1622 machte nun die Nachricht die Runde, daß die Belagerten doch Verhandlungen suchten: So seien „3 Capitani zu Graf Heinrichen vom Berg geschickt“ worden2. Eine Stunde lang sollen die Parlamentäre mit dem Kommandeur Heinrich von dem Bergh, der die Belagerung leitete, verhandelt haben. Von dem Bergh benachrichtigte umgehend Spinola; bald darauf wurde ein „Anstand“ vereinbart, also eine Waffenruhe. Die Zeichen … „23. Januar 1622: Jülich gibt auf“ weiterlesen

17. Januar 1622: Der Reichshofrat gutachtet zur Oberpfalz

Militärisch war die Sache längst erledigt: Der geächtete Pfalzgraf hatte nach Böhmen längst auch die Oberpfalz verloren, jetzt ging es nur noch um die Kontrolle über die rheinpfälzischen Stammlande. Doch was sollte mit der Oberpfalz geschehen? Zu der Frage äußerte sich der Reichshofrat am 17. Januar 1622 in einem Gutachten für Ferdinand II.1. Die Frage nach dem Schicksal der Oberpfalz war auf den ersten Blick sehr einfach zu beantworten. Denn der Besitz eines Geächteten fiel automatisch an den obersten Lehensherrn zurück, wäre also tatsächlich … „17. Januar 1622: Der Reichshofrat gutachtet zur Oberpfalz“ weiterlesen

Januar 1622: Endlich Frieden mit Siebenbürgen

Der Sieg über die Böhmen am Weißen Berg Ende 1620 hatte keineswegs für eine dauerhafte Beruhigung an der Südostflanke der Habsburger gesorgt. Stets bildete Bethlen Gabor, der Fürst von Siebenbürgen, eine Gefährdung für den Herrschaftsanspruch Ferdinands II. Vor allem die Kontrolle über Ungarn war den Habsburgern weitestgehend entglitten. So hatte sich Bethlen Gabor sogar zum König von Ungarn aufgeschwungen – die Habsburger waren nicht imstande gewesen, dies zu verhindern. Im Laufe des Jahres 1621 erlahmte der militärische Fortschritt des Siebenbürgers, die kaiserliche Seite stabilisierte … „Januar 1622: Endlich Frieden mit Siebenbürgen“ weiterlesen

3. Januar 1622: Eine Ächtung aller Feinde des Kaisers?

Das neue Jahr 1622 begann aus Sicht des Feldherrn Tilly nicht sonderlich verheißungsvoll. Ihn erreichten Nachrichten über mehrere Bedrohungsszenarien. Wie es sich für einen guten Offizier gehörte, berichtete er darüber seinem Dienstherrn Maximilian von Bayern. Sein Schreiben vom 3. Januar 1622 wies zunächst auf ein hausgemachtes Problem hin1. So war dem Generalleutnant „fuehren mit gellt“ angekündigt worden. Grundsätzlich eine wunderbare Sache, reagierte Tilly in dem Fall jedoch skeptisch, denn nach Vorabinformationen, die er erhalten hatte, handelte es sich bei dem Geld vor allem sog. … „3. Januar 1622: Eine Ächtung aller Feinde des Kaisers?“ weiterlesen

25. Dezember 1621: Ein weihnachtlicher Scharfmacher

Am Weihnachtstag, so erwartet man es, herrscht gemeinhin eine entspannte und versöhnliche Atmosphäre vor. Für die katholische Seite im Heiligen Römischen Reich sollte man dies für das Weihnachtsfest 1621 auch annehmen können. Aus Rom allerdings kamen zu dieser Zeit schärfere Töne. Vom 25. Dezember 1621 datiert ein Schreiben, das Papst Gregor XV. an die drei geistlichen Kurfürsten und damit die drei Ligastände Kurmainz, Kurköln und Kurtrier hat abgehen lassen1. Natürlich freute sich auch die Kurie über die Waffenerfolge, die die Katholische Liga über den … „25. Dezember 1621: Ein weihnachtlicher Scharfmacher“ weiterlesen

12. Dezember 1621: Hessische Sorgen vor dem Krieg

Bereits im Frühherbst hatte Landgraf Moritz von Hessen-Kassel mit den Landständen seines Territoriums über die Bewilligung von Geldern für den Unterhalt von Truppen gestritten1. Das Thema war im Oktober keineswegs beigelegt, und so war die Frage der Truppenfinanzierung auch zum Jahresende wieder auf der politischen Agenda. Schon Anfang November 1621 hatte Landgraf Moritz die Stände zusammenrufen lassen. Entgegen den üblichen ständischen Vorstellungen war es kein allgemeiner hessischer Landtag, sondern ein sog. „Landkommunikationstag“2. In dieser Situation waren aber auch die Stände keineswegs dazu aufgelegt, verfahrensbezogene … „12. Dezember 1621: Hessische Sorgen vor dem Krieg“ weiterlesen

5. Dezember 1621: Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft

Mehr als ein Jahr nach der Schlacht am Weißen Berg nahm die Geschichte für Christian II. von Anhalt-Bernburg eine gute Wendung. Bei den Kämpfen am 8. November 1620 war er, der für die böhmische Sache zwei Regimenter in die Schlacht geführt hatte, schwer verwundet in kaiserliche Gefangenschaft geraten. Doch am 5. Dezember ist der anhaltische Prinz aus dem „arrest naher Wien aus befehlch Jhrer Kayserlichen Mayestät durch herrn Commissarium Maximilian Berchtold geführt worden“. So beschrieb Christian es selbst in seinem Tagebuch, das genau zu … „5. Dezember 1621: Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft“ weiterlesen

November 1621: Nachrichten über die Belagerung Jülichs

Während sich die Kämpfe zwischen der kaiserlichen und der pfälzischen Partei immer mehr in die Kurpfalz und an den Mittelrhein verlagerten, hatte sich ein neuer Konfliktherd im Rheinland ausgebildet. Mit dem Ablauf des Zwölfjährigen Waffenstillstands zwischen Spanien und den Generalstaaten waren auch hier die Zeichen auf Krieg gesetzt; im Rheinland rückte sofort die Festung Jülich in den Mittelpunkt des Geschehens. Seit 1610 unter generalstaatischer Kontrolle, wurde Jülich seit September 1621 durch ein Kontingent von 7.000 Mann des für die spanische Krone kämpfenden Heinrich von … „November 1621: Nachrichten über die Belagerung Jülichs“ weiterlesen

22. November 1621: Unterstützung für den Schwiegersohn

Das Verhältnis zwischen König Jakob und Friedrich von der Pfalz war nicht ungetrübt. Aus Sicht des englischen Königs war der Pfälzer mit dem Griff nach der böhmischen Krone zu weit gegangen. In den Korrespondenzen verweigerte Jakob deswegen auch Friedrich die Anrede als König von Böhmen. Doch fallenlassen konnte er Friedrich, der auch sein Schwiegersohn war, nicht. Am 22. November fertigte der englische König ein Schreiben an Kaiser Ferdinand II. aus, mit der er ein weiteres Mal eine Beilegung des pfälzischen Problems ausloten wollte1. Der … „22. November 1621: Unterstützung für den Schwiegersohn“ weiterlesen

14. November 1621: Spanische Vorwürfe gegenüber Tilly

Eigentlich hätte alles viel einfacher gehen müssen. Denn mit dem Eintreffen der Ligaarmee auf dem pfälzischen Kriegsschauplatz sollte es im Verbund mit den dort schon operierenden Truppen der Spanier ein Leichtes sein, die Kontrolle über die Kurpfalz zu gewinnen. Doch es kam anders. Noch Anfang November 1621 ging Maximilian von Bayern mit einiger Selbstverständlichkeit davon aus, daß es möglich sein würde, „dem feindt abbruch zehtun vnd noch vor dem Winter die vnder Pfalz zu Jhren kaÿ: Maÿ: deuotion vnd gehorsam zebringen“1. Er ging von … „14. November 1621: Spanische Vorwürfe gegenüber Tilly“ weiterlesen

3. und 4. November 1621: Huldigungen in Breslau

Im Laufe des Sommers hatte sich die Lage in Schlesien zugunsten des Kaisers weiter stabilisiert. Zwar gab es immer noch Befürchtungen, daß Markgraf Johann Georg von Jägerndorf als Parteigänger der geächteten Pfälzers in die schlesischen Lande einfallen würde1. Neben militärischen Gegenmaßnahmen war es aber auch wichtig, die schlesischen Lande formal wieder an die Seite ihres Landesherrn, Kaiser Ferdinands II., zu führen. Dazu beauftragte Wien erneut den Kurfürsten von Sachsen. Er hatte ja bereits zuvor die Lausitzen unter die erneute Botmäßigkeit des Kaisers gebracht. Und … „3. und 4. November 1621: Huldigungen in Breslau“ weiterlesen

30. Oktober 1621: Landgraf Moritz streitet mit Ständen und Räten

Die Verlagerung des Kriegsgeschehens ins Reich hinein bereitete einigen Reichsständen Kopfzerbrechen. Gerade Landgraf Moritz von Hessen-Kassel machte sich Sorgen, daß die Kämpfe auf sein Territorium übergreifen könnten. Bereits zum Ende des Winters 1620/21 hatte er mit seinen Landständen über eine weitere Finanzierung der angeworbenen Truppen verhandelt1. Über die folgenden Monate waren keine weiteren Verhandlungen zwischen dem Landgrafen und den Landständen angesetzt. Doch Ende August drängte Moritz darauf, die Stände einzuberufen; immerhin intensivierten sich nun auch die Kriegshandlungen in der Pfalz. Uneins war sich der … „30. Oktober 1621: Landgraf Moritz streitet mit Ständen und Räten“ weiterlesen

27. Oktober 1621: Hilfe für den Bundesgenossen

Entgegen der Hoffnung, daß Mansfeld eine vertragliche Übereinkunft mit der kaiserlichen Seite anstrebte, marschierte der Feldherr zügig in Richtung Kurpfalz. Auf dem Weg dorthin kamen die mansfeldischen Truppen auch durch kurmainzisches Gebiet. Die dortige Reaktion auf das Auftauchen der Mansfelder war helles Entsetzen. Aus dem Umfeld des bayerischen Fürsten gelangte ein alarmierter Bericht an den ligistischen Feldherrn Tilly. Demzufolge seien die Mansfelder bis zum Odenwald vorgestoßen und hätten „die Vnderthanen daselbst, […] überfallen, alles spolirt, vil heüser verbrent: vnd thails Vnderthanen erbärmblicher weiß vmbs … „27. Oktober 1621: Hilfe für den Bundesgenossen“ weiterlesen

21. Oktober 1621: Jammerei wegen eines Krautkopfes

Wo immer auch Kriegsvolk auftauchte, gab es Übergriffe des Militärs, Ausschreitungen und Zusammenstöße mit der Bevölkerung. Letztere reagierte durchweg mit großem Wehklagen über all das, was sie von den Söldnern zu erdulden hatte. Doch waren diese Klagen angemessen? Oder waren es haltlose Übertreibungen? Die unterschiedlichen Blickweisen auf das, was sich zwischen Militär und Bevölkerung abspielte, spiegelte ein kurzer Briefwechsel im Oktober 1621. Zu dieser Zeit waren die Truppen der Katholischen Liga in die Oberpfalz eingerückt, doch auch fränkische Territorien gerieten ebenfalls in den Schlagkreis … „21. Oktober 1621: Jammerei wegen eines Krautkopfes“ weiterlesen

10. Oktober 1621: Mansfeld kann die Oberpfalz nicht halten

Die Armee der Liga war im September in die Oberpfalz eingerückt; ein Kontingent befehligte Tilly, ein zweites, kleineres stand unter Maximilians Kommando. Dem koordinierten Vormarsch dieser überlegenen Truppenmacht hatte Mansfeld nicht viel entgegenzusetzen. Jedenfalls scheute er den direkten Kampf und zog sich zurück. Gegenüber der pfälzischen Regierung in Heidelberg, die für ihn zuständig war, erläuterte er seine Maßnahmen. Mansfeld tat dies in einem Schreiben aus Neumarkt am 10. Oktober1. Er verwies auf das militärische Ungleichgewicht und das Problem, daß ihn seit geraumer Zeit keine … „10. Oktober 1621: Mansfeld kann die Oberpfalz nicht halten“ weiterlesen

Anfang Oktober 1621: Hilfe für die Pfalz?

Nicht nur in der Oberpfalz bahnte sich eine Entscheidung zwischen der Liga und Mansfelds Truppen an. Auch in der Rheinpfalz, dem eigentlichen Herrschaftsmittelpunkt Friedrich von der Pfalz, gingen die Kämpfe weiter. Zeitungsmeldungen berichteten von spanischen Fortschritten und den unzureichenden Bemühungen der Verteidiger. „Auß der Vndern Pfaltz“ kamen Berichte über die Fortschritte der Spanier: Kaiserslautern sei eingenommen worden, auch „das veste Hauß“ Landstuhl, Neustadt1 und „Obernheim“2; die Kämpfe um die Festung Frankenthal dagegen dauerten noch an. Hier versteifte sich auch der Widerstand: „die in der … „Anfang Oktober 1621: Hilfe für die Pfalz?“ weiterlesen

Ende September 1621: Verfrühte Freude über einen Vertragsabschluß

Die Truppen der Liga rückten zwar schon in die Oberpfalz ein, doch dies verhinderte nicht Verhandlungen zwischen Mansfeld und Maximilian von Bayern. Ende September glaubte man auf bayerischer Seite, endlich eine tragfähige Einigung erreicht zu haben. Die Kämpfe zwischen Mansfeld und Tilly über den Sommer waren für beide Seiten verlustreich gewesen, und so stand die ligistische Kriegsleitung vor der Frage, welche militärischen Herausforderungen man zu erwarten hatte, wenn man die Oberpfalz tatsächlich in harten Kämpfen würde erobern müssen. Verhandlungen schienen deswegen ein probates Mittel. … „Ende September 1621: Verfrühte Freude über einen Vertragsabschluß“ weiterlesen

21. September 1621: Maximilian erhält die Kurwürde, heimlich

Die Sache war schon lange ausgemacht: Maximilian von Bayern würde für seine Hilfsleistung im Böhmischen Krieg zugunsten der Habsburger die Kurwürde des nun geächteten Friedrichs von der Pfalz übertragen bekommen1. Im September 1621 war es soweit. Doch konnte dies keineswegs mit großem Pomp inszeniert, ja der Vorgang an sich durfte nicht einmal öffentlich werden. So erläuterte es Ferdinand II. in einem Brief vom 21. September an „mein[en] herr[n] brueder“, wie er Maximilian von Bayern anredete2. Schon Ende August hatte der Kaiser sowohl die Kurübertragung … „21. September 1621: Maximilian erhält die Kurwürde, heimlich“ weiterlesen

11. September 1621: Unordnung und Konfusion

Während die Armee der Katholischen Liga kurz davor stand, in die Oberpfalz einzurücken, blieb die Situation im habsburgischen Machtbereich weiterhin kritisch. Ein ausführlicher Bericht aus Wien kritisierte viele Mißstände: „Betreffendt vnsern Khriegsstandt, ist in warheit solcher also beschaffen, daß Jch vnd Jedtwederer ehrlicher Soldat, sich scheuhen solle daruon zu schreiben, dann das maiste vnnter werckh ist vnordtnung vnd Confusion“ – so der Auftakt des Schreibens1. Im Weiteren wurden die Probleme umrissen, die das kaiserliche Militär damals hatte. Allgemein beklagte Hanrädl, der wahrscheinliche Absender, die … „11. September 1621: Unordnung und Konfusion“ weiterlesen

8. September 1621: „diß werde ohne vngelegenheit nit abgehn können“

Es ist besser, man spricht im Vorhinein eine Warnung aus: Genauso verfuhr Maximilian von Bayern, als er sich am 8. September 1621 an die Landstände der Oberpfalz wandte. Er kündigte den bewaffneten Einfall in dieses Territorium an und stellte deswegen fest, „diß werde ohne vngelegenheit nit abgehn können / auch die vnschuldigen etwan leiden müssen / wie wir dann für vnser Person / mit der Obern Pfaltz in vngutem nicht zuthun“, vielmehr habe er stets „mit den vnschuldigen allenthalben ein trewlichs mittleiden getragen“. Dies … „8. September 1621: „diß werde ohne vngelegenheit nit abgehn können““ weiterlesen

29. August 1621: Der bayerische Kriegsrat beschließt den Einfall in die Oberpfalz

Nachdem die Frage schon mehrfach kontrovers diskutiert wurde, kam es am 29. August 1621 ein weiteres Mal zu einer „sehr starke[n consultation“ unter den Räten Maximilians von Bayern. Am Ende stand der Beschluß, „daß man nit weiters stillsitzen, sonndern dem verschantzten Feindt, dem Manßfelder mit aller Macht solchergestalt entgegenziechen solle“. Damit war klar, daß die Armee der Liga in die Oberpfalz einrücken und damit in einer militärisch festgefahrenen Situation die Initiative an sich reißen würde. Die Geheimen und Kriegsräte hatten es sich mit ihrer … „29. August 1621: Der bayerische Kriegsrat beschließt den Einfall in die Oberpfalz“ weiterlesen

21. August 1621: Neuigkeiten von der ungarischen Front

Neben den zermürbenden Kämpfen an der oberpfälzisch-böhmischen Grenze war es auch an der ungarischen Grenze und in Schlesien unruhig. Eine Zeitung aus Wien vom 21. August 1621 versammelte einige Nachrichten aus dieser Region1. Zunächst gab es Meldungen, die über einige Truppenbewegungen auf kaiserlicher Seite berichteten. So wurden in Schlesien kaiserliche Kontingente in Richtung Mähren in Marsch gesetzt; vor allem waren hier „Spinolische“ genannt, also Truppen der spanischen Krone, die gegen Ungarn ins Feld ziehen sollten (21. August 1621). Auf ungarischer Seite, d.h. bei den … „21. August 1621: Neuigkeiten von der ungarischen Front“ weiterlesen

18. August 1621: Ein Gnadenerweis und ein Himmelfahrtskommando

Es waren hektische Tage gerade auch in der bayerischen Kanzlei. Am 18. August ließ Maximilian von Bayern allein drei Briefe an Tilly abgehen. Einmal wies der Herzog seinen Feldherrn an, weitere Angriffsvorbereitungen auf die Oberpfalz zu stoppen; ein zweiter Brief thematisierte die offenkundig schwierige Neubesetzung eine vakanten Oberstencharge1. Und in einem dritten Schreiben tauchte das ewig aktuelle Thema soldatischer Ausschreitungen und entsprechender Strafmaßnahmen auf. Die Sachlage war in dem Fall eindeutig. Es ging um drei Reiter aus der Kompagnie des Rittmeisters Stollberg, mit Namen … „18. August 1621: Ein Gnadenerweis und ein Himmelfahrtskommando“ weiterlesen

August 1621: Nachrichten aus dem Krieg

Erstaunlicherweise haben sich aus dem Jahr 1621 nicht so viel Zeitungsdrucke erhalten wie aus anderen Jahren, jedenfalls sind die Lücken in der Überlieferung recht groß. Sicher hat es vielerlei Ausgaben gegeben, doch erhalten haben sich nur wenige Exemplare. Für die Monate Mai, Juni und Juli finden sich keine Zeitungen, und auch im September besteht eine Lücke. Im August hingegen findet sich eine Relation aus Nürnberg, ihr Druckdatum ist der 21. August 1621, und sie berichtete „Was in jetzigem Bohemischen kriegßwesen dieser Zeit fürgelauffen“. Die … „August 1621: Nachrichten aus dem Krieg“ weiterlesen

7. August 1621: Die Bürger von Elbogen wollen nicht zahlen

Die Eroberung der nordböhmischen Städte vor allem durch ligistische Truppen lag nun schon einige Wochen zurück. Mitte Mai 1621 wurde Elbogen als letzter wichtiger Stützpunkt der Mansfelder in Böhmen von der Armee der Liga eingenommen und mit einer Garnison besetzt. Hier traten nun in der Folge derartige Spannungen auf, daß sich auch Tilly – eigentlich längst mit anderen Operationen befaßt – damit beschäftigen mußte. Am 7. August oder etwas später äußerte sich jedenfalls der ligistische Generalleutnant ausführlich zu Vorwürfen über Exzesse der Ligatruppen. Vor … „7. August 1621: Die Bürger von Elbogen wollen nicht zahlen“ weiterlesen

Juli/August 1621: Kämpfe bei Waidhaus/Roßhaupt

In der zweiten Julihälfte des Jahres 1621 intensivierten sich die Kämpfe zwischen den Truppen Mansfelds und Tillys. Ersterer hatte bei Waidhaus Position bezogen, während Tilly bei Roßhaupt in Stellung gegangen war. Eine Handelsstraße, die Nürnberg und Prag verband, führte genau hier über den Paß, das Gelände war insgesamt bergig und schwierig1: Mansfeld nutzte daher die geographischen Gelegenheiten und verschanzte sich am Grenzpaß, so gut es eben ging. Tillysche und Mansfeldische Einheiten waren in ziemlicher Nähe zueinander postiert und immer wieder in Kämpfe verwickelt. Dabei … „Juli/August 1621: Kämpfe bei Waidhaus/Roßhaupt“ weiterlesen

21. Juli 1621: Ein Rebell wehrt sich gegen Fake News

Militärisch und politisch stand es sehr schlecht um die böhmische Sache: Nun kamen auch noch Gerüchte in Umlauf, die über das Schicksal der vertriebenen Anhänger des geächteten Pfalzgrafen und exilierten Königs von Böhmen viel Unwahres berichteten. Grund genug für Heinrich Matthias von Thurn, einen der Köpfe der böhmischen Opposition gegen das Haus Habsburg, sich dagegen zu Wehr zu setzen. In einem ausführlichen Schreiben an einen österreichischen Adligen („Landherrn“) bemühte er sich daher, die Dingen klarzustellen und dabei den vielfältigen „Vnwarheiten / Cavillationes, vnnd Lästerungen“ … „21. Juli 1621: Ein Rebell wehrt sich gegen Fake News“ weiterlesen

13. Juli 1621: „Fürchtet Gott, ehret den König!“

Nichts war wichtiger als die gute Ordnung wiederherzustellen, gerade nach einem Krieg. So wurde es von einer Obrigkeit erwartet, und klare Verhältnisse zu schaffen war ganz im Sinne des Kurfürsten von Sachsen. Er hatte zugunsten des Kaisers in den böhmischen Krieg eingegriffen und für diese Parteinahme die Oberlausitz als Pfandbesitz erhalten. Zur Realisierung dieser Ansprüche gehörte auch, daß er sich von den Landständen dieses Territoriums huldigen ließ. Anders als in Schlesien war die militärische Situation längst bereinigt, in der Oberlausitz gab es auch keinen … „13. Juli 1621: „Fürchtet Gott, ehret den König!““ weiterlesen

10. Juli 1621: Der Tod eines Feldherrn

Prominente Militärs fanden nicht unbedingt in den großen Schlachten einen spektakulären Heldentod; oft waren es die kleinen Gefechte, die ganz furchtbar schief liefen. So auch am 10. Juli 1621, als der kaiserliche Feldherr Bucquoy die nun schon seit einigen Wochen belagerte Festung Neuhäusel inspizieren wollte1. So berichtete eine Flugschrift den Vorfall, derzufolge der Feldherr mit 50 bis 60 Mann zum „recognosciren“ ausritt2. Die im Dienst des Siebenbürgers Bethlen Gabor stehende Besatzung – die Flugschrift spricht von „Vngern“, also Ungarn – machte daraufhin einen Ausfall. … „10. Juli 1621: Der Tod eines Feldherrn“ weiterlesen

Ende Juni 1621: Was macht eigentlich Mansfeld?

Die Korrespondenz zwischen Maximilian von Bayern und seinem Generalleutnant Tilly war auch im Juni 1621 gespickt mit Details über die allfälligen Schwierigkeiten der Armeeverwaltung: die Unterversorgung der Truppen, ausgefallene Offiziere, auch pflichtvergessene1, und die üblichen Ausschreitungen. Neben diesen Punkten drängte ein weiteres Thema in den Mittelpunkt: Was machte eigentlich der Feind? Konkret ging es um die Schritte, die Mansfeld weiter plante. Seit Anfang Mai, ungefähr kurz nach dem Fall Elbogens, entspann sich „eine Periode informeller Waffenruhe“ zwischen den Truppen Mansfelds und Tillys2. Beruhigen konnte … „Ende Juni 1621: Was macht eigentlich Mansfeld?“ weiterlesen

Juni 1621: Wie geht es weiter mit dem Feldzug?

Die Unruhe des Generalleutnants war schon Mitte Juni 1621 spürbar. Seit Wochen operierte die Armee der Katholischen Liga im Nordwesten Böhmens, erzielte dort auch einige Erfolge. Doch ein entscheidendes Vorankommen war nicht zu erkennen. Entsprechend dringlich fielen die Mahnungen an Maximilian von Bayern aus. Am 16. Juni stellte Tilly fest, daß seine Armee „feyret“ (also weitestgehend unbeschäftigt im Feld lag), das böhmische Gebiet noch weiter durch die Truppeneinquartierung belastet sei und überhaupt die Unkosten für die Truppen steigen würden, der Feind allerdings „vntardirt“ bleibe1: … „Juni 1621: Wie geht es weiter mit dem Feldzug?“ weiterlesen

21. Juni 1621: Das Blutgericht zu Prag

Am Morgen des 21. Juni 1621, „als es der Teutschen Vhr nach vor 5 gewesen / hat man zu Prag am Himmel zween schöne Regenbogen / so Creutzweise vber einander geschrenckt gewesen / gesehen“1. Wie man das Zeichen zu deuten habe, „ist Gott bekandt“, die Zeitgenossen waren sich hier nicht einig. Dabei war es genau der Tag der „Pragerischen Execution“2, an dem auf dem Altstädter Ring in Prag die verurteilten böhmischen Rebellen hingerichtet wurden. Damit wurde ein Verfahren abgeschlossen, das bereits Monate zuvor begonnen … „21. Juni 1621: Das Blutgericht zu Prag“ weiterlesen

11. Juni 1621: Ein oberpfälzischer Amtmann zwischen den Fronten

Im Frühjahr 1621 wurden die Truppen Mansfelds immer weiter aus Nordböhmen abgedrängt, sie zogen sich seit dem Verlust der Stadt Pilsen und anderer Orte immer mehr in die Oberpfalz zurück1. Diese rückte spätestens im Laufe des Mai in den Mittelpunkt der militärischen Operationen – und das bekamen auch die auf regionaler Ebene tätigen Verwaltungsbeamten zu spüren. So wandte sich am 11. Juni 1621 Wolf Dionys Haller von Raitenbuch, kurpfälzischer Pfleger aus Bärnau, an Tilly2. Thema war ein Zwischenfall, bei dem mansfeldische Reiter das zum … „11. Juni 1621: Ein oberpfälzischer Amtmann zwischen den Fronten“ weiterlesen

28. Mai 1621: Eine Warnung an die Feinde des Kaisers

Während Ferdinand II. seine anderen Erbländer immer besser unter Kontrolle brachte, blieb es in Schlesien unruhig. Zwar hatte der sog. Dresdner Akkord Ende Februar 1621 viele Landstände auf die Seite Habsburgs zurückgebracht, doch Markgraf Johann Georg von Jägerndorf blieb ein Parteigänger des geächteten Pfälzers. Er hatte sich im April 1621 im Fürstentum Neiße festgesetzt, wo er immer noch über einige Truppen verfügte. Ende Mai aber erging namens der Schlesischen Landstände, allesamt wieder gut kaiserlich, ein „Warnungs Patent“1. Es richtete sich an „alle[.] vnd jede[.] … „28. Mai 1621: Eine Warnung an die Feinde des Kaisers“ weiterlesen

19. Mai 1621: Kaiserliche Post für Köln

Als sich die Kölner Ratsversammlung am Mittwoch, den 19. Mai 1621, zusammenfand, stand ganz oben auf der Agenda ein Schreiben aus Wien. In ihm wandte sich Kaiser Ferdinand II. an die Reichsstadt am Rhein. Auch Monate nach der faktischen Niederschlagung der böhmischen Aufstand ging es immer noch um die Verfolgung der böhmischen „Rebellen“1. In diesem „Kay: Schreiben Jr Maytt Rebellen betr.“2 verwies der Kaiser auf die Erklärung der Reichsacht und verlangte von der Reichsstadt, daß die Bestimmungen der Achtserklärung befolgt werden („daß die gebuer … „19. Mai 1621: Kaiserliche Post für Köln“ weiterlesen

17. Mai 1621: Berichtspflichten eines Feldherrn

Im Frühjahr 1621 operierte die Armee der Katholischen Liga immer noch in Nordwestböhmen. Viele Berichte des Generalleutnants dokumentierten die Fortschritte dieser militärischen Aktionen. Meist ging es dabei um die üblichen Schwierigkeiten, die sich in jedem Feldzug ergaben. So berichtete Tilly am 16. Mai „wegen Mangel der Victualien“, aber vor allem über Verhandlungen mit den Lothringischen Reitern, die abgedankt werden sollten, aber noch erhebliche Soldrückstände geltend machten1. Noch am selben Tag sah sich der Generalleutnant veranlaßt, ein zweites Schreiben an seinen Kriegsherrn zu schicken: diesmal … „17. Mai 1621: Berichtspflichten eines Feldherrn“ weiterlesen