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Kolloquium über Abt Alois Wiesinger in Schlierbach

Abt Alois Wiesinger trug in einzigartiger Weise zum Missionswerk unter österreichischen Cisterciensern bei. Seine klösterliche Berufung war intensiv und von großer Ausstrahlung gesegnet; in seinem Stift Schlierbach leitete er einen regelrechten Eintritts-Boom ein, und zwar aus dem Geist strenger klösterlicher Disziplin, verbunden mit einem apostolischen Durst nach Seelen. Sein bescheidener familiärer Hintergrund verband ihn mit Arbeitern und ihren Sorgen; sein Studium in Innsbruck und seine Professorentätigkeit in Heiligenkreuz prägte ihn als Theologe und sein Feuer für die Mission hatte weitreichende Folgen für die Cistercienser in Lateinamerika bis zum heutigen Tag.
Vier Vorträge über zwei Tage (15./16. Okt. 2017) werden sich mit diesem großen Abt des 20. Jahrhunderts beschäftigen. Mehr hier und unter bildungszentrum@stift-schlierbach.at


Ordensgeschichte(n) überschneiden sich fast immer


Viele haben festgestellt, dass die Ordensgeschichte in einer zu „exklusiven“ Weise betrieben wird. Dominikanerhistoriker schreiben nur über die Dominikaner, Jesuiten nur über Jesuiten, Cistercienser nur über Cistercienser. Das ist bedauerlich, weil es immer schon viele Überschneidungen gab und es sie fast immer geben muss.

Ein bekanntes Beispiel ist der Einfluss des Jesuitenordens auf die darniederliegenden monastischen Orden. Jesuiten dienten teilweise sogar als Novizenmeister in den monastischen Noviziaten. 
Aber das ist nur ein Anfang der Untersuchungen: Priester aus den Bettelorden wurden als Betreuer von Friedhöfen verwendet (Schwarzspanier in Wien), wo sie bei Laienbeerdigungen dienten. Ebenso wurden Mendikantenbrüder in Stiften für Aufgaben in Garten und Küche engagiert. Das konnten sie mit Seelsorge kombinieren, wie etwa die zwei Franziskaner-Eremiten, die 1760 als Konventdiener in Heiligenkreuz aktiv waren und dadurch ihren Lebensunterhalt verdienten. Sie wohnten wahrscheinlich im Häuschen am Kreuzweg, etwa 10 Gehminuten von der Klosterpforte entfernt, und haben dort (auch) Pilger betreut. Im Stift Kleinmariazell war 1760 der Franziskanerbruder Simeon Klein als Sakristan eingesetzt. 
Verfasser: P. Alkuin Schachenmayr. Belegstelle: Diözesanarchiv Wien, Protokoll der im Erzbistum befindlichen Eremiten, ohne Paginierung [3. beschriftete Seite].

Bart-Dispens für Jerusalemwallfahrt

P. Jakobus Mühlböck, ein junger Priester aus dem Stift Schlierbach, durfte vom 5. bis 29. April 1910 am Dritten Oberösterreichischen Pilgerzug ins Heilige Land teilnehmen. Zu diesem Anlass ließ er sich einen Bart wachsen, was sonst Cistercienserpriestern verboten war. Er trägt am linken Arm eine Armbinde, die ihn wahrscheinlich als Mitglied der Pilgergruppe 318 identifzierte. Weil er sich damit porträtieren lässt, deutet es darauf hin, dass Pilger ihre Binden stolz als Abzeichen verstanden haben. Reisen ins Heilige Land von großen Gruppen aus Österreich-Ungarn waren seit 1900 beliebt. Für die Teilnehmer war es ein Meilenstein, ein religiöses Erlebnis, auf das man ein Leben lang dankbar zurückschauen wollte. 

Für die Cistercienserforschung ist ein Foto eines Stiftsmitgliedes aus dieser Generation mit Bart sehr selten; allerdings waren Jerusalemwallfahrten schon lang ein Anlass für Dispensen: P. Wilhelm Neumann kleidete sich während einer Palästinareise (40 Jahre davor) als Beduin. 
Diese Cistercienser setzten mit ihrer Jerusalem-Begeisterung eine alte Tradition fort; die Spiritualität ihrer Ordensväter war auf die Inkarnation Jesu Christi besonders bedacht, daher war alles, was mit dem irdischen Leben Jesu zu tun hatte, für sie faszinierend. Der Kreuzzug-Gedanke (die heiligen Stätte zu schützen) entsprang dieser Faszination. Bis weit ins 20. Jh. verstand man die Kreuzzüge als romantisches, hochherziges religiöses Ideal. Freilich sind inzwischen die Erfahrungen von Tourismus und Exotik dazugekommen.

Der Mönch auf Urlaub?

Letztes Jahr gab es in der Erzabtei St. Peter eine Ausstellung zum Thema Mönche auf Reisen. Die Exponate aus 11 Jahrhunderten (!) belegten reichlich, dass Mönche auf Reisen keine junge Entwicklung ist. Die Sensation der Ausstellung war ein Reiseführer für Rom aus dem 9. Jh.; andere Exponate zeigten, dass mehrere Mönche den Vesuv bestiegen hatten und das Erlebnis als ein Höhepunkt ihrer Biographie verstanden. Diese Reiseziele sind auf Bildung und Entdeckung aus und nennen sich evtl. auch Wahlfart. 

In einem Aufsatz aus dem Jahr 2011 über die Mobilität der Konventualen des barocken Benediktinerstiftes Melk hat Thomas Stockinger gezeigt, dass in den drei Jahren 1709-1712 540 Teilnahmen eines Mönches an einer Reise stattfanden. Das Reiseziel war allermeistens innerhalb von Niederösterreich, denn die Reisen waren (auch) aus verwalterischen bzw. seelsorgerlichen Ursachen erfolgt.

Wie aber geht die Ordensgeschichte mit dem modernen Begriff Urlaub um? Mönche der Frühen Neuzeit besuchten auch Kurorte und Bäder; für sie waren in der Stadt Baden (NÖ) eigene Bäder reserviert. Kurorte sind nocht nicht Urlaubsziele, aber damit kommen wir dem modernen Begriff etwas näher. Das Thema Ferien und Urlaub wäre im Rahmen der Ordensgeschichte durchaus ergiebig, ist aber bislang nur wenig erforscht. Welche Art Reisen galten zu welchen Zeiten als erholsam und erbaulich? Mönchspriester, die in ein abgelegenes Frauenkloster reisen, um dort am Vormittag dem Schwesternkonvent geistliche Vorträge zu halten und am Nachmittag zu wandern, gilt als Reformvorbild in einigen Epochen. Es gibt auch Mönchsreisen, die weniger erbaulich sind bzw. von Oberen ungern gesehen werden. Vergleiche von Mönchsurlaubszielen und Abwesenheitsdauer in diversen Epochen wäre ein gewinnbringendes Projekt.

Wo war das Archiv in mittelalterlichen Cistercen?


Der in die Höhe gestreckte Speicher an der nordwestlichen Ecke des Heiligenkreuzer Hallenchors (siehe Bild) könnte ein mittelalterliches Archivdepot sein. Der nur über eine Wendeltreppe zugängliche Raum im Bereich des Querhauses ist generell schwer zu erklären. Ein ähnlicher Raum in Maulbronn wird von Matthias Untermann als Kapelle verstanden (Matthias Untermann, Gestapelte Kapellen: zum Ostbau der Maulbronner Klosterkirche, in: Stratigraphie und Gefüge, Stuttgart 2008, S. 189-198), aber andere, etwa Clemens Kosch, verstehen den schwer zugänglichen Raum eher als Schatzkammer, Aufbewahrungsort oder eben Archivdepot.

Katinka Häret-Krug hat uns auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, dass es sich hier, wie in Eberbach, um einen Aufbewahrungsort für kostbare Objekte für den Gottesdienst handeln könnte. Dafür spricht u.a., dass die Eberbacher Räume tonnengewölbt sind. Gewölbe wurden in Fällen der Aufbewahrung gerne verwendet, da sie feuersicherer sind als Holzdecken.

Anräume an und in Cistercienserkirchen sind ein Thema, dem sich die Forschung intensiver widmen sollte, da sie wörtliche „Randzonen“ sind, und gerade dort sind oft spannende Ergebnisse zu erwarten.

NACHTRAG: Folgendes Photo von Loccum ist an die EUCist News Redaktion geschickt worden: Hier wäre eventuell der Archivspeicher ähnlich gelegen, allerdings in der südöstlichen Ecke des Querschiffs.

Analecta Cisterciensia 66 (2016) erschienen!

In diesem Jahr werden zwei Ausgaben erscheinen; die 66 ist ab sofort lieferbar und die 67 kommt zur Jahreswende. Ganz neu und nirgendwo anders bald in irgendeiner annähernden Qualität und Dichte zu finden ist P. Pius Maurers Beitrag über Generalabt Gregorio Bartolini (1818–1890), sein Leben und sein Wirken. Maurer ist ohne jeden Zweifel der kompetenteste Forscher über das Generalat im 19. Jh., d.h. die Führung der Allgemeinen Observanz (O.Cist.) in äußerst schwierigen Zeiten. 
Ebenso so epochal ist die wissenschaftliche Einführung in den weiblichen Zweig des Ordens von den Anfängen bis 1350. David Williams hat in seinem bisherigen langen Forscherleben zahlreiche Publikationen vorgelegt; bei seinem letzten großen Werk geht es um Cistercienserinnen, deren Erforschung aus vielen Gründen schwer und zeitaufwendig ist. 
Ferner stellt Georg Schrott einen atemberaubenden (nicht baulich ausgeführten) Idealplan des Stiftes Waldsassen vor: eine wohl 1737 entstandene Radierung des böhmischen Malers Anton Smichäus.
Hinzu kommt die übliche große Auswahl an Rezensionen, Tagungsberichten und Nachrufen. Bestellungen bitte über bestellung[at]klosterladen-heiligenkreuz.at

Die Prostratio, Fortsetzung

Der erste Blogartikel zu diesem Thema (31. Jan. 2017) hat soviel Interesse hervorgerufen, dass die Redaktion sich für eine Fortsetzung entschieden hat…


Der große Usus-Forscher P. Gregor Müller O.Cist. hat für die Cistercienser-Chronik einiges über die Prostratio-Gebräuche verfasst. Die Ritualbücher liefern schließlich keine genaue Beschreibung darüber, wie die Prostratio konkret aussieht – abgesehen davon, dass man dabei auf dem Fußboden liegt. Die vor der Brust gekreuzten Arme während dieser Prostration scheint die korrekte Form bei den Cisterciensern zu sein, so Müller in CistC 11 (1899) 216. War sie auch selten (sie fand fast nur in den Beerdingungs- und Professriten statt), so lassen sich trotzdem zahlreiche schriftliche Belege lassen finden, etwa in folgenden Ritualbüchern: Liber Usum, Rituale O.Cist., Rituel françois pour les Religieuses und auch im Reglement de la Trappe
Bei Exsequien kommt die Prostratio in folgender Weise vor: Im letzten Teil der Beerdigungsliturgie, nach der Versenkung des Verstorbenen ins Grab, kehrt die Mönchsprozession in die Kirche zurück; die Mönche stellen sich der Seniorität nach entlang der Altarstufe auf und prosternieren sich mit dem Kopf zum Altar. Ist der Konvent groß, bildet sich eine zweite Reihe, eine Körperlänge dahinter, die sich ebenso zu Boden wirft. Der Abt kehrt, nachdem er in der Sakristei die Messgewänder abgelegt hat, an die Stufe zurück und nimmt seinen Platz auf dem Boden ein, den die ältesten Mönche ihm freihielten. Aus: CistC 27 (1915) 218-221.

EUCist11 am 17./18. Okt. 2017: Volkskunde der Stifte und Klöster

Das Europainstitut für Cistercienserforschung veranstaltet am 17./18. Oktober 2017 im Stift Heiligenkreuz eine Tagung zur religiösen Volkskunde der österreichischen Prälatenklöster. Schwerpunkte der mehr als 10 Referate sind Seelsorge und Grundherrschaft der Stifte, sowie Aspekte von Zeremoniell, Repräsentation und Ökonomie. Alle Vorträge beziehen sich auf die Zeit von 1600 bis 1800.

Hier geht’s zu den geplanten Vorträgen.

Osterzettel: Beleg für Beichte und Kommunionempfang

Das Bild zeigt einen Stapel von (vermutlich nicht ausgehändigten) Osterzetteln aus der Heiligenkreuzer Pfarre Steinbruch (heute Burgenland). Diese wurden im Jahr 1872 an die Katholiken verteilt, die ihre jährliche Beichtpflicht erfüllt und am Ostersonntag die Kommunion empfangen hatten.
Dieser Zettelentwurf ist verhältnismäßig schlicht; im ähnlichen Zusammenhang wurden reich bebilderte Zettel verteilt, auf denen eine breite Auswahl von religiösen Motiven (etwa biblische Szenen und Darstellungen des Pfarrpatrons) zu finden ist. Die Zettel sind eine deutliche Aussage über die enge Verbindung von Beicht- und Altarsakrament, die inzwischen in Westeuropa weitgehend vergessen worden ist. Es gibt heute nicht wenige Pfarreien, die auch in der Karwoche keine Beichtzeiten anbieten.
Freilich haben die Zettel auch etwas Beengendes an sich: Der Aufdruck des Namens der Pfarre zeigt, dass die Beichte ausschließlich beim lokalen Pfarrklerus abgelegt werden durfte; in einem kleinen Dorf war daher die Anonymität für den Pönitenten selten garantiert.

Reformationsausstellung in ehemaliger Cisterce mit Playmobil-Luther

Die aktuelle Ausstellung in Kloster Maulbronn, „Es begann mit Luther“, nimmt die Form einer Playmobil-Exhibition. Wem das wie eine große Werbung der Firma Playmobil erscheint, soll zur Kenntnis nehmen, dass die Ausstellung mit Plastikfiguren, die Luthers Leben und Wirken darstellen, vom Evangelischen Kirchenbezirk Mühlacker initiiert wurde. Durch das Spielzeug und die eigens dazu verfassten Begleittexte wollen Stationen die Reformation „ganz im Sinne Luthers“ veranschaulichen und zu „Aha-Effekten“ führen.

Der „Thesenanschlag“

Das Lutherjahr erreicht Ausmaße, die sich die zynischsten Kritiker seinerzeit nicht zu träumen erlaubt hätten, als sie gegen ein Gedenkjahr 1517–2017 rieten. Inzwischen sind nicht nur Playmobile, sondern auch Luther-Kondome (mit dem Aufdruck: „Hier stehe ich und kann nicht anders“) auf den Markt gekommen, die eindeutig belegen, wie wenig begabt unsere Zeit für das passende  Gedenken an die große Spaltung des Christentums ist.

Manche Cistercienserforscher werden über die Playmobil-Ausstellung in Maulbronn überrascht sein, einfach aus museumsdidaktischen Gründen. Man sollte die Ausstellung nicht überbewerten – sie dauert nur knappe zwei Wochen –, doch ist einiges bezeichnend. Der Thesenanschlag, der seit 50+ Jahren allseits als Mythos entpuppt worden ist, soll scheinbar an eine junge Generation als Mythos weitergereicht werden. Wozu solche Märchen weitertradieren? In der Auslegung der Geschichte ist man nicht so historisch-kritisch wie in der Auslegung der Bibel.

Da die Ausstellung Luther „nicht nur als Reformator, sondern auch als Familienvater“ zeigt, stellt sich die Frage, ob man bis 4. Mai 2017 auch eine Playmobil-Nonne Namens Katharina von Bora im Maulbronner Kreuzgang finden kann. Entsprechend dem Märchen, dass die zwei sich in der Klausur kennengelernt und aus heißer Liebe wenige Tage nach der Klosterflucht geheiratet hätten. Auch das sieht historisch-kritisch anders aus: Es hat zwei Jahre (und eine Absage von einem anderen Mann) gedauert, bis sie Luther zur Verehelichung überreden konnte.

Our Lady of Dallas: Beautiful Drama of Light in New Crypt

The Crypt

Our Lady of Dallas has gained another beautiful sacred space in keeping with the architectural success of the abbey Church built in 1992. The new crypt now nearing completion makes a clear statement about the resurrection of the dead by allowing a major slab of light to shine in and reach out toward the monks‘ coffins. Strong, clean and powerful forms assembled harmoniously in natural light are a hallmark of medieval Cistercian architecture; this style has lost none of its appeal. Even in our age the famous Modernist architect Le Corbusier stated: “Architecture is a learned game, correct and magnificent, of forms assembled in the light.” We can only congratulate the confreres in Dallas for continuing what was so auspiciously begun with their new abbey church 25 years ago. When finished in late April, 2017, a crucifix will be affixed to the rear wall of the crypt and a simple altar will stand there as well. It is designed to be a place of burial for 96 monks who will await their resurrection there.

Our Lady of Dallas: Beautiful Drama of Light in New Crypt

The Crypt

Our Lady of Dallas has gained another beautiful sacred space in keeping the with the architectural success of the abbey Church built in 1992. The new crypt now nearing completion makes a clear statement about the resurrection of the dead by allowing a major slab of light to shine in and reach out toward the monks‘ coffins. Strong, clean and powerful forms assembled harmoniously in natural light are a hallmark of medieval Cistercian architecture; this style has lost none of its appeal. Even in our age the famous Modernist architect Le Corbusier stated: “Architecture is a learned game, correct and magnificent, of forms assembled in the light.” We can only congratulate the confreres in Dallas for continuing what was so auspiciously begun with their new abbey church 25 years ago. When finished in late April, 2017, a crucifix will be affixed to the rear wall of the crypt and a simple altar will stand there as well. It is designed to be a place of burial for 96 monks who will await their resurrection there.

Reisen zum Generalkapitel um 1600


Das Generalkapitel der Cistercienser ist eine der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale der Frühphase des Ordens, später wird ein jährliches Treffen in beinahe allen Orden zur Selbstverständlichkeit. Der regelmäßige Austausch und die dadurch ermöglichte europaweite Kommunikation waren geniale Neuerungen im Mittelalter. In der Frühen Neuzeit entsteht sogar eine eigene Textgattung dazu: Berichte über die Reise nach Cîteaux. Der älteste Reisebericht einer bayerischen Cisterce ist aus 1501. Eine der berühmtesten ist von P. Conrad Tachler, der in Raitenhaslach Kämmerer und Archivar war. Er vertrat 1605 und 1613 die die bayerische Ordensprovinz am Generalkapitel.

Die Reise von Bayern nach Burgund galt als beschwerlich und gefährlich, sie war ebenso recht teuer, denn man war mit Pferd (evtl. auch Kutsche) unterwegs und brauchte Begleitpersonen. Faszinierende Details aus der Alltagsgeschichte tauchen in Tachlers Bericht auf: Er trug einen schwarzen Umhang über seinem Ordensgewand, um wie ein Handelsreisender zu erscheinen, weil Mönche nicht reiten sollten. Männer hoch zu Ross galten als Mitglieder der überlegenen Klasse; das war für mittelalterliche und frühneuzeitliche Mönche, die sich zur Demut verpflichtete fühlten, peinlich.

Tachler und andere berichten über die sakralen Sehenswürdigkeiten, die sie unterwegs besichtigten und vom Abenteuer, das beim Reisen leicht zur Realität wird. Zum Beispiel war die Steinplatte, auf der die Leiche des hl. Bernhard gewaschen wurde, ein besonders beliebtes Verehrungsobjekt. Ebenso schätzten die Reisenden-bzw.-Pilger die Möglichkeit, die Hl. Messe am Grab des hl. Bernhard zu feiern und dabei „seine“ Kasel zu tragen.

Gründlich aufgearbeitet in: Klaus Wollenberg, Auf dem Weg nach Cîteaux. Erlebnisse und Ausgaben bayerischer und fränkischer Zisterziensermönche auf ihren Reisen zu den Generalkapiteln im 16. und 17. Jahrhundert, in Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 61 (1998) 255-294, besonders 274-194.

Schreibkunst im Stift Lambach

Die Werkstatt in Lambach

Im Mittelalter erlangte das oberösterreichische Benediktinerstift Bekannheit durch seine künstlerischen Handschriften und Klosterschule. Unter Abt Babo VIII. (1167-1194) gingen aus der Schreiberschule des Stifts einige ihrer schönsten Werke hervor, unter anderem das älteste Lambacher Nekrologium. Von den vielen kostbaren Handschriften wurden Anfang des 20. Jh.s einige veräußert. Erhalten sind jedoch u.a. die beiden “Lambacher Rituale” (in Lambach) und der “Lambacher Williram” von ca. 1175 mit einer Darstellung der Marienverkündigung (heute in Berlin).
Im 18. Jh. war Lambach ein Zentrum einer zum Jansenismus neigenden Gelehrsamkeit. Der 1764 indizierte Kanonist und Universitätslehrer P. Benedikt Oberhauser (1719-1786),  Stiftsbibliothekar P. Amand Greth (1724-1804) und schließlich Pater Comicus P. Maurus Lindemayr (1723-1783) waren alle provokante Denker.
Ganz im Sinne dieser gelehrten Tradition bietet das Stift für Schulgruppen eine „Schreibwerkstatt“ an, in welcher Jugendliche in die Welt der Kalligraphie eingeführt werden; sie erfahren dort über die Textproduktion des Mittelalters. In einem Zeitalter der Digitalisierung, in welchem Kursivschreibung mancherorts nicht mehr unterrichtet wird, Kinder nur mehr Blockbuchstaben verwenden können und Computertastaturen die Schreibkunst ruinieren, sind solche klösterliche Initiativen sehr zu begrüßen.
Anfragen über einen Besuch in Lambachs Bibliothek können an Dr. Christoph Stöttinger gerichtet werden (archiv@stift-lambach.at).

Bernhard und das Salve Regina

Das Gnadenbild im Dom zu Speyer 

Die Autorenschaft von marianischen Antiphonen ist besonders schwer festzustellen, weil das Mittelalter die Kategorie Autorenschaft nicht kennt. Wir haben im 21. Jh. immer noch unsere Probleme damit: Was ist schon geistiges „Eigentum“? Und wenn es geistlich ist, ist der Begriff Eigentum ganz verfehlt. Kann man die göttlich gegebene Inspiration juristisch festmachen?
Die zwei berühmten musikalischen Dichtungen, die Bernhard von Clairvaux zugeschrieben werden, sind das Jesus dulcis memoria (O liebster Jesu denk ich dein) und den Jubelzusatz zur Antiphon Salve Regina: o clemens, o pia, o dulcis virgo Maria! Beide Zuschreibungen sind (nach dem Urheberrecht zu schlussfolgern) unwahrscheinlich, doch die Überlieferungen sind für sich genommen wertvoll und vielsagend.
Die Legende vom Salve Regina meint zu wissen, dass als Bernhard zu Weihnachten 1146 in seiner Funktion als Legat im Dom zu Speyer den Kreuzzug predigte, er während des Singens des Salve Regina in Entzückung geriet. Er brach in Jubelrufen an Maria aus. Nach o clemens! sprang er 30 Fuß im Schiff in Richtung Altarraum, nach o dulcis! wieder, usw. Diese Stellen wurden im Dom mit drei Rosenzeichnungen im Fußboden gekennzeichnet.
Andere Überlieferungen, dass er sich alle 30 Fuß niederkniete, wären mindestens im Kontext der cisterciensischen Ritualgeschichte leichter einzuordnen, denn die benediktinische Professliturgie sieht vor, dass der Mönch sich dabei in drei langen Wegabschnitten dem Abt nähert, und bei jeder der drei Etappen den Ruf Suscipe me …! wiederholt. Dabei kam es in lokalen Abweichungen zu verschiedenen Körperhaltungen. Die Tradition kennt eine stehende mit entspannten Armen, eine mit den Armen in Kreuzesform ausgebreitet und eine kniende. Die Speyerer Legende zum Salve Regina könnte eine Verballhornung der monastischen Jubelrufe aus der Professliturgie sein.

Die Prostratio

Die Prostratio, sich im Altarraum mit dem Gesicht zu Boden ausstrecken, gilt als dramatisches Zeichen der Demut und Hingabe. Mit der Geste kann auch eine innige Bitte um Gebetserhöhrung zum Ausdruck kommen. Die Prostratio gibt es (heute) für den Mönch im Verlauf des üblichen Kirchenjahres nur einmal, und zwar bei der Kreuzverehrung am Karfreitag. Andere Anlässe sind seltener und mit der Übernahme gravierender Verantwortung verbunden, etwa die Abts-, Priester- und Diakonenweihe, wie auch die Feierliche und Zeitliche Profess, und auch (im privaten Kreis) während der Einkleidungszeremonie. In der heutigen Liturgie gibt es nie eine gemeinsame Prostratio, an der die ganze Klostergemeinschaft geschlossen teilnehmen würde.

Die Abbildung (oben) aus einer österreichischen Zeitung des späten 19. Jahrhunderts zeigt eine popularisierende Darstellung eines Trappistenkonventes, der die Prostratio gemeinsam ausübt. Die Frage stellt sich, ob die Abbildung nicht romantisierend zur Karikatur tendiert, oder ob die Trappisten diesen Brauch so ausübten. Was machten die Mitbrüder, die in der hinteren Reihe der Stallungen standen? Und was war der Anlass? Man beachte, dass in dieser Zeichnung aus der Romantik die Hände der Mönche vor der Brust gefaltet sind und nicht in der Kreuzigungsform ausgestreckt, wie man es heute gelegentlich sieht. 

Houellebecq begegnet während Kloster auf Zeit dem Mönch von Heisterbach

EUCist Leser, die Michel Houellebecqs vieldiskutierten Roman Unterwerfung lesen, werden darüber überrascht sein, dass eine Schlüsselszene des Romans im Benediktinerkloster Ligugé stattfindet. 

Der 44-jährige François, Professor für Literatur an der Pariser Sorbonne, hat sich auf Dekadenz spezialisert: Sein Forschungsschwerpunkt bildet seit mehr als 20 Jahren der Autor Joris-Karl Huysmans (1848-1907); über ihn hat er eine beinahe 800 Seiten starke Dissertation verfasst. Der Beamte Huysmans wäre heute so etwas wie ein pornosüchtiger Aktenschieber, der in einer sexuell-dekadenten Fantasiewelt lebt …. bis er 1892 das erste Mal „Kloster auf Zeit“ in der weltberühmten Benediktinerabtei Ligugé macht. Er bekehrt sich und wird Laienbruder.

Houellebecqs Erzähler François zieht sich auch nach Ligugé zurück, aber der Bekehrungseffekt bleibt aus. Damit schildert der Roman ein dumpfe Hoffnungslosigkeit, die in Richtung Islamkonversion geht, und macht somit einen Kommentar über Islams düstere Zukunft in Europa als Religion des apathischen Niedergangs.

Huysmans hat sich existentiell als Laienbruder für Buße und Sühne entschieden. Das Christentum gab ihm neues Leben; mit den Kategorien von Sünde und Heil konnte er neue Orientierung finden. Der gelehrte François, aber, bleibt auf der Oberfläche: Er empfindet die Klausur als Gefängnis, weil er dort nicht rauchen kann. Sogar die Sakrallandschaft ist hin: Im Garten rauscht der TGV vorbei. Die ihm als lectio divina empfohlenen Werke von Dom Jean-Pierre Longeat ekeln ihn an. Nach drei Tagen verlässt er das Kloster und kehrt zurück an die Sorbonne, die inzwischen zu einer muslimischen Uni umgepolt worden ist, von Saudi-Geld großzügig subventioniert, aber François steht nun vor der Bedingung, Muslim werden zu müssen, wenn er seinen Posten (mit verdreifachtem Gehalt) behalten will.

Der Katholizismus kommt in Houellebecqs Roman eigentlich nur am Rand vor, aber die Klosterszenen zeigen den sonst zynisch und sittlich heruntergekommenen François in einem neuen Licht. Die Schilderung des Mönches, der ihn einquartiert, ist eine einzige Lobeshymne auf die Vorteile klösterlicher Askese. Bruder Joël ist um die 50 aber viel gesünder als der Lebemann François und, was den Literaten „vollkommen verdutzt“: Joël kann sich an François‘ ersten Aufenthalt in Ligugé vor 20 Jahren erinnern. Die Schilderung ihrer Begegnung an der Klosterpforte ist eine zeitgenössische Version von Caesarius von Heisterbachs Mönch, der durch den Wald wandert und bei der Rückkehr zur Vesper feststellt, dass inzwischen 300 Jahre vergangen sind. Dem Herren ist ein Tag wie tausend Jahr.

Bibliotheks-Schätze in Zwischenkriegszeit verkauft

In den Jahren 1925 und 1926 wurde mehr als ein Drittel des Heiligenkreuzer Inkunabelbestandes verkauft, dazu kamen viele frühneuzeitliche Drucke. In einem spannenden neuen Aufsatz von Katharina Kaska (Angaben unten) wird beschrieben, wie zu dieser Zeit Händler wie Goldmann, Rosenthal und andere aus München, London und New York geradezu über die österreichischen Stifte herfielen. In Händlerkreisen hatte sich herumgesprochen, dass man dort leicht an wertvolles Material komme. 
Die ersten Heiligenkreuzer Verkäufe liefen direkt über Mitbrüder, die zwar die Erlaubnis ihres Abtes dazu hatten, nicht aber die Genehmigung von offiziellen Stellen wie Bundesdenkmalamt oder Nationalbibliothek. Auf ernsthafte Widerstände stieß man in Heiligenkreuz erst, als Patres versuchten, Handschriften zu verkaufen. Dem Historiker und Bibliothekar Ottokar Smital (1885-1932), Leiter der Handschriftensammlung der Nationalbibliothek, gebührt Anerkennung für seine Sorge um Heiligenkreuz: Er hat besonders kritische Verkäufe aus dem Wienerwaldkloster verhindert. Die Lage der Heiligenkreuzer Bibliothek (wo schließlich „nur“ drei Handschriften verkauft wurden) ist im Vergleich zu anderen Stiften verhältnismäßig gut verlaufen; die Verluste anderer Klöster waren viel schmerzlicher. Heute noch muss man beobachten, wie auf den Markt geratene Klosterhandschriften (etwa Lambachs Cml XVIII) für sechstellige Eurobeträge von Christie’s versteigert werden, wobei sie in den 1920ern von Stiften für einen Bruchteil dessen verkauft wurden. Das Schlimmste an der Angelegenheit ist, dass die Verkaufspreise damals so lächerlich gering waren und den Klöstern in ihrer wirtschaftlichen Not keine langfristige Hilfe darstellten. 
Siehe: Katharina Kaska, Also muss die Bibliothek dran glauben. Versuchte und gelungene Handschriften- und Inkunabelverkäufe des Stifts Heiligenkreuz in der Zwischenkriegszeit, in:
Mitteilungen aus dem Niederösterreichischen Landesarchiv / NÖLA 17 (2016) 387-417.

Barocke Festkultur: Abt von Heiligenkreuz tauft Muslime

Zur Feier seines fünfzehnten Wahltags taufte der Heiligenkreuzer Abt Gerhard Weixelberger im Jahr 1720 während eines feierlichen Pontifikalamtes in der Stiftskirche vier Muslime: Jeder bekam eine Reihe von neuen Vornamen, der erste war stets Carolus, bezogen auf den regierenden Kaiser, der sich in absentia als Taufpate zur Verfügung gestellt hatte. Die Konvertiten erhielten auch deutsche Familiennamen: Der erste hieß vor seiner Taufe Ibrahim Constantinopolitanus und danach Carolus Joseph Gerhard Weixelberger. Die anderen Familiennamen lassen sich in Bezug auf Heiligenkreuz bzw. Türkenklischees der damaligen Zeit erklären: Kreutzberger, Heylberger und Mohrenberger. Zur Gabenbereitung wurden die neuen Christen in Alben gekleidet und dienten dem Abt am Altar als Ministranten.

500 Mönchsgräber in Fountains gefunden – Journalisten verblüfft: Mönche glaubten offenbar an Auferstehung des Fleisches

In der berühmten, seit 1539 mehr oder weniger ruinösen nordenglischen Cistercienserabtei Fountains sind mehr als 500 Mönchsgräber gefunden worden. Besonders beachtenswert ist die Lagerung der unüberschaubaren Schar von Leichen in symmetrisch zusammengestellten, unterirdischen Steingehäusen, die bis zu vier Leichen in der Art von Lagerbetten übereinander stellten. Jüngste Technologie war bei dem Fund ausschlaggebend: Man hat mit geophysischen Messgeräten die genaue Aufstellung der Gräberreihen identifiziert. Sie erstrecken sich österlich der Abteikirche auf ein Areal von 60 m x 80 m.
Tragisch an der Berichterstattung in den englischen Medien ist der Hinweis in vielen Zeitungsberichten, dass der Fund den Auferstehungsglauben der Mönche bestätige. In einem Bericht hieß es: „Moderne christliche Theologie erwartet zwar die Auferstehung der Seele, nicht aber des Leibes. Islam und Judentum erwarten eine leibliche Auferstehung“. Zur Entschuldigung der theologischen Ignoranz der britischen Journalisten sei auf die erlaubte und immer populärere Urnenbestattung hingewiesen. Welche Religion, die an die Auferstehung des Fleisches glaubt, würde  die Verbrennung von Leichen erlauben?
Fountains gehört mit seinen mehr als 300.000 jährlichen Einzelbesuchern zu den meistfrequentierten Objekten des National Trust. Was erzählt man den Touristen über den Glauben, der zur Errichtung der atemberaubend schönen Bauten geführt hat? Scheinbar wenig.

Klösterliche Grabsteine und -kreuze

Klösterfriedhöfe sind eine Sonderkategorie, weil sie im Vergleich zu den meisten Friedhöfen länger bestehen und innerhalb einer stabilen Verwaltungsstruktur bleiben. Dazu kommt die Pietät der lebenden Mönche gegenüber ihren Vorgängern, auch wenn sie die Toten gar nicht kannten. Die Gräber werden traditionell sehr gut gepflegt und wohl etwas häufiger besucht als das der Fall ist in einem kommunalen Friedhof. Da alle Gräber in der Verantwortung des Konventes liegen, können einheitliche Entscheidungen getroffen werden, die für alle gelten. So können alle Grabsteine einheitlich und streng gestaltet werden, wie in diesem Beispiel aus dem größten Benediktinerkloster der Welt (St. John’s Abbey).

Hier fehlen bewusst Familienname und Lebensdaten

Verlgleichbare Gräberfelder sind auch in strengen europäischen Klöstern bekannt. In manchen Klöstern gibt es gar keine Grabsteine, sondern nur Holzkreuze, die bald wieder verschwinden. Die österreichischen Stifte machen einen Kompromiss: Der Klosterfriedhof ist gepflegt und symmetrisch angelegt, aber die Grabkreuze sind ganz unterschiedlich. Da lohnt es sich, jedes näher zu betrachten und sich von den verschiedenen Ebenen der Schriftlichkeit erbauen zu lassen, wie in den folgenden Beispielen aus Kremsmünster.

Neuerscheinung: Sterben, Tod und Gedenken in Prälatenklöstern

P. Alkuin Schachenmayrs Habilitationsschrift, Sterben, Tod und Gedenken in den österreichischen Prälatenklöstern der Frühen Neuzeit ist soeben im Be&Be Verlag erschienen. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem für uns oft befremdlichen Umgang barocker Mönche mit dem Tod und den Toten. In intensiver Quellenarbeit ist der Verfasser dem Thema in zahlreichen österreichischen Stiftsarchiven nachgegangen.


Die Mönche fürchteten die Majestät des Todes, doch suchten sie zugleich Vertrautheit mit ihm: Er war ihnen Herrscher und Freund, Bedrohung und Trost zugleich. Das Buch führt in die klösterliche Sachkultur rund um das Thema Tod ein: vom Tod des Mönches als weltliche Rechtspersönlichkeit bei der Einkleidung über das Meditatorium, in die Infirmarie, an das Sterbebett und in die Gruft.
Ebenso schildert der von der Theaterwissenschaft kommende Verfasser die reiche Gedächtniskultur der Klöster mit ihren Prozessionen, Kerzenordnungen und feierlichen Todesanzeigen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der gewöhnliche Mönch aus der Sicht der Frömmigkeits- und Observanzgeschichte.

Direkte und unkomplizierte Bestellung unter: bestellung(at)klosterladen-heiligenkreuz.at

Bibliographische Angaben:
363 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Hardcover 24,5 x 17,0
Gewicht: 860 g
Be&Be-Verlag: Heiligenkreuz 2016
ISBN 978-3-903118-16-4
Preis: 39,90 €

Lizentiat "Monastische Studien" – Planungen beginnen!

In naher Zukunft soll es in Heiligenkreuz die Möglichkeit geben, einen Lizentiatsstudiengang in Monastischen Studien zu absolvieren. Diese theologische Fachrichtung beschäftigt sich mit allen Facetten des kontemplativ-klösterlichen Lebens. Schwerpunkte bestehen in der Regelforschung, der monastischen Exegese und Predigt, des Ordensrechtes und natürlich allen Dimensionen der Ordensgeschichte, wo es um Mönche und Nonnen geht. Der Akzent in Heiligenkreuz wird auf dem benediktinisch-cisterciensischen Erbe liegen. Das Studium umfasst 4 Semester und wird mit einer wesentlichen Forschungsarbeit abgeschlossen.
Da es wenige vergleichbare Studiengänge im deutschsprachigen Raum gibt und weil die Ordensforschung sich in den letzten Jahren dramatisch verändert hat, laden wir Fachleute ein, curriculare Vorschläge oder Wünsche einzusenden. Es gibt viele neue Themen, die vor 50 Jahren wenig bekannt waren; da denke man nur an die Entdeckung der Wirtschaftsgeschichte, das Eingestehen „lokaler“ Klostertraditionen, die tiefere Auseinandersetzung mit Cistercienserinnen u.v.m.
Emails bitte an: alkuin.schachenmayr@hochschule-heiligenkreuz.at

Geheimtüren in Bücherschränken

In sehr vielen Klosterbibliotheken gibt es kaschierte Räume hinter vorgetäuschten Bücherwänden. Dahinter können sich weitere Fächer, aber auch Türen zu unsichtbaren Räumen und Stiegen befinden. Die zwei Bilder rechts zeigen einen geheimen „Türhebel“ (man drückt auf den Buchrücken und die Tür eröffnet sich). Die leicht geöffnete Tür wird im unteren Bild sichtbar.

Was verbarg sich dahinter? Sehr oft eine Stiege zur Empore, auf die nur der Bibliothekar steigen konnte bzw sollte. In manchen Klöstern hat man (so die mündliche Überlieferung) die geheimen Schränke als literarische Giftschränke verwendet: Dort verstaute man die von der Glaubenskongregation verbotenen Bücher.

Geheime Fächer sind eine beliebte Spielerei im Barock, aber sie sind nie ganz außer Mode gekommen. Die unteren Bilder zeigen Geheimtüren aus Privatbibliotheken in Wohnhäusern der Gegenwart. Derlei findet man selten in modernen öffentlichen Bibliotheken – sie sind scheinbar nüchterner geworden.

Beichtzettel und Zulassung zur Kommunion

Wer heute noch nach der Beichte einen Zettel durch das Gitter geschoben bekommt, nimmt es dankbar als Gebetsanregung an, denkt aber nicht daran, dass er es jemals vorweisen müsste. Der Ursprung des Beichtzettels (heute meist ein frommes Bildchen mit Bibelspruch) liegt aber im sakramentenrechtlichen Denken des 18. und 19. Jahrhunderts, als man den Ausweis brauchte, um zur Osterkommunion zugelassen zu werden. Das erste Bild (oben) zeigt einen Vordruck von Osterbeicht-Zeugnissen aus der Heiligenkreuzer Stiftpfarre.
Dann kommt ein ähnlich nüchternes Zeugnis aus der Jahrhundertwende. Das letzte Bild ist aus der Zeit, als der Beichtzettel schon vom Aussterben bedroht war: ein Exemplar aus den 1960er Jahren. Es möchte Katechese (der Sünder meditiert darüber, wie seine Sünden Jesus ans Kreuz geschlagen haben) mit der Ausweisfunktion (siehe Jahreszahl 1961 als Datierung) verbinden.

Beichtzettel und Zulassung zur Kommunion

Wer heute noch nach der Beichte einen Zettel durch das Gitter geschoben bekommt, nimmt es dankbar als Gebetsanregung an, denkt aber nicht daran, dass er es jemals vorweisen müsste. Der Ursprung des Beichtzettels (heute meist ein frommes Bildchen mit Bibelspruch) liegt aber im sakramentenrechtlichen Denken des 18. und 19. Jahrhunderts, als man den Ausweis brauchte, um zur Osterkommunion zugelassen zu werden. Das erste Bild (oben) zeigt einen Vordruck von Osterbeicht-Zeugnissen aus der Heiligenkreuzer Stiftpfarre.
Dann kommt ein ähnlich nüchternes Zeugnis aus der Jahrhundertwende. Das letzte Bild ist aus der Zeit, als der Beichtzettel schon vom Aussterben bedroht war: ein Exemplar aus den 1960er Jahren. Es möchte Katechese (der Sünder meditiert darüber, wie seine Sünden Jesus ans Kreuz geschlagen haben) mit der Ausweisfunktion (siehe Jahreszahl 1961 als Datierung) verbinden.

Warum ich Cistercienser schreibe

Duden 1903
Erstens: Angefangen mit dem Ordenskürzel „O.Cist.“ bis hin zur Schreibung im Französischen, Englischen und in jeder anderen europäischen Sprache, überwiegt die C-Schreibung. 

Zweitens: Führende Historiker des 20. Jahrhunderts bis in unsere Zeit (etwa Pater Gregor Müller, Abt Ambrosius Schneider, oder der Mediävist Gerd Melville) ziehen die C-Variante vor.
Drittens: Die Z-Schreibung ist national-ideologisch gefärbt: Erst die Duden Auflage zum Jahr 1903 ging vom Cistercienser zum Zisterzienser über, ohne freiliech davor eine Stellungnahme vom Orden einzuholen. Die Duden-Redaktion verstand ihre Aufgabe wenig später als „Abrundung und Vertiefung des historischen und geistesgeschichtlichen Bildes des Nationalsozialismus.“ 

Viertens: Ich schreibe Cistercienser, weil ich modern sein will, wie zum Beispiel die Verwaltung des Amberger Congress Centrums

… und die Stadtmütter der Hansestadt Hamburg…

… und Tausende von anderen. Die Geschichte der Germanistik zeigt zwar, dass die Rechtschreibnormierung als nachvollziehbares Desiderat der Neuzeit auftritt, dennoch oft gescheitert ist. Der Schrei nach einheitlichen deutschen Sprachregelungen im frühen 20. Jh. ist nicht in jedem Punkt gelungen und sollte nicht als sakrosankt gelten. Es gibt heute noch Ernährungswissenschaftler, die statt Pommes den „rein-deutschen“ Ausdruck frittierte Kartoffelstäbchen verwenden, aber wer nimmt sie ernst? Der post-nationalistische Duden ist selbstverständlich nach 1945 bald wieder zu Pommes zurückkehrt. 

Bibliotheksrecherchen – global gesehen – ergeben exponentiell mehr Suchergebnisse für Cisterc* als Zisterz*. Das Argument, dass die Z-Schreibung einheitlicher wäre, ist schwer zu vertreten. Wer wirklich ein internationales Publikum vor Augen hat, kommt mit der C-Schreibung viel weiter.

Klösterliche Taubenhäuser

Das Bild links zeigt das Taubenhaus in der ehemaligen Cistercienserabtei Loccum. Diese inzwischen selten gewordene Konstruktion, auch Taubenschlag genannt, war im Mittelalter und der Frühen Neuzeit sehr weit verbreitet. Adelsresidenzen und Klöster errichteten sie, weil sie für die Kanzlei Brieftauben brauchten. Taubenpost ist heute nur mehr als Hobby bekannt, war aber bei gewissen militärischen Einsätzen noch im Zweiten Weltkrieg in Verwendung und davor recht häufig. Man darf sie nicht unterschätzen: Die Brieftaube kann mehr als 1.000 km fliegen, freilich nur in eine Richtung: Nach Hause, also immer an denselben Empfänger.

Ein anderer Grund für die Taubenzucht lag im gastronomischen Zweck. Taubenverzehr war weit verbreitet, natürlich auch in Klöstern. Am Generalkapitel der Cistercienser im Jahr 1601 wurden 18 junge Tauben verzehrt (und – unter anderem – 18 Gänse, 6 Fasanen, 30 Hasen und 3 Schafe…). Taubengerichte sind in deutschsprachigen Ländern selten geworden, in Frankreich und Spanien sind sie heute noch beliebt. Auch in Asien werden Tauben gerne gegessen und sind ein wesentlicher Teil der Fleischproduktion.

Mehr zum Taubenhaus hier.

Die Schreibmaschine: Relikt vergangener Schriftkultur

Die Schreibmaschine entwickelte sich im großen Stil in der Zeit um 1880, als die Massenherstellung von den kleinen Druckern möglich wurde. Bis zum ersten Weltkrieg gelangte das Werkzeug zur Verwendung in allen (schriftlichen) Bereichen der westlichen Gesellschaft, von Kanzlei zu Kloster.

Berühmte Schritte in der Entwicklung der Maschine kamen durch die Elektrizität und dann in den 1960er Jahren, als IBM die Golfball-Mechanik einführte. Das Schreibmaschinen-Design erreichte einen letzten Höhenflug mit der Firma Olivetti, deren Valentine Produkt im Jahr 1970 etwas von den Träumen der Raumfahrt vermittelte.

In Klöstern wurde die Schreibmaschine genauso häufig verwendet, wie anderswo. Sie erreichte dort vielleicht sogar eine höhere Bedeutung, weil das Tippen in Klosterschulen unterrichtet wurde und viele Patres diverse private und berufliche Anlässe zur Verwendung von Schreibmaschinen hatten.

Weil in Klöstern das Werkzeug wie heiliges Altargerät betrachtet werden soll (RB 31,10) und die Schreibmaschinen meist nicht gewerblich verwendet wurden, kam es nie zu den pauschalen Entsorgungen und Neuanschaffungen, die in Firmen üblich sind. Und da man in Klöstern Dinge nicht gern wegwirft, kam es zur (ungeplanten) Bildung von exzentrischen Sammlungen, wie diese Anhäufung von aus dem Verkehr genommenen Schreibmaschinen am Gang eines Benediktinerklosters zeigt.

Äbte spendeten Priesterweihe bis ins 18. Jh.

Das spätmittelalterliche Kirchenrecht kennt einige Fälle, in denen Äbte mit dem päpstlichen Privileg ausgestattet wurden, die höheren Weihen zu spenden.

Papst Bonifaz IX. verlieh in der Bulle Sacrae religionis (1. Feb. 1400 | DH 1145) dem Abt des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Osyth in Essex (Diözese London) und seinen Nachfolgern die Vollmacht, den Professen des Klosters die Weihe zum Subdiakon, Diakon und Priester zu spenden. Das Privileg wurde auf Intervention des Ortsbischofs drei Jahre später durch die Bulle Apostolicae Sedis wieder zurückgenommen, aber diese sagte nichts über die Gültigkeit der inzwischen erteilten Weihen: Sie galten.

Einen ähnlichen Fall stellt die Bulle Gerentes ad vos (16. Nov. 1427 | DH 1290) dar, in der Papst Martin V. dem Abt des Cistercienserklosters Altzelle in der Diözese Meißen „auf einen Zeitraum von fünf Jahren hin“ erlaubte, „einzelnen Mönchen ebendieses Klosters und Personen, die Dir als Abt untergeben sind, auch alle heiligen Weihen zu spenden, ohne dass dafür die Erlaubnis des Ortsbischofs erforderlich wäre und die Apostolischen Konstitutionen und Anordnungen sowie die übrigen gegenteiligen (Verlautbarungen) in irgendeiner Weise entgegenstünden“. 

Ein drittes bekanntes Beispiel stammt ebenfalls aus dem Cistercienserorden. Innozenz VIII. erteilte mit der Bulle Exposcit tuae devotionis (9. Apr. 1489 | DH 1435) den Äbten von Cîteaux und den vier Primarabteien La Ferté, Pontigny, Clairvaux und Morimond das Vorrecht für die Spendung der Subdiakonats- und Diakonatsweihe eigener Professen, „damit die Mönche […] nicht gezwungen werden, für den Empfang der Weihen […] außerhalb des Klosters hierhin und dorthin zu laufen“. Dieses Vorrecht wurde bis ins späte 18. Jh. in Anspruch genommen. Im Rituale Cisterciense war lange Zeit der Ordo der Subdiakonats- und Diakonatsweihe zu finden.
Im Hintergrund steht das dogmatische Problem der Sakramentalität der Bischofsweihe, das lange Zeit nicht gelöst war. Die Frage nach der Stellung des Bischofsamtes im Unterschied zum Priesteramt blieb bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil ungeklärt (vgl. Lumen gentium 21). Ob der Priester außerordentlicher Spender der Priesterweihe sein kann – bei der Firmung ist das möglich – wurde bis heute nicht eindeutig beantwortet.

Erarbeitet von Johannes Lackner. Vgl. Anton Lässer, Die Beziehung von Bischofs- und Priesteramt aus der Sicht des Bußsakramentes (Dissertation Rom 2006) 49-118.

Die Primizkrone – Symbol geistlicher Vermählung

Primiziant, 1926

Die Krone wird verstanden als Zeichen für den Eintritt in einen dauernden Zustand, in dieser Hinsicht ist die Primizkrone vergleichbar mit einer Hochzeits- und Totenkrone. Weitere Deutungen der Priesterkrone sehen in ihr ein Zeichen der Jungfräulichkeit. Ein Gedicht aus der Mitte des 19. Jh.s fragt voll Bewunderung: „Wer bist du, Jüngling, mit dem Blütenkranze, jungfräulich um dein junges Haupt gewunden?“ Die Krone ist zu besagter Zeit in bayerischen und österreichischen Bistümern gut belegt (erste Spuren finden sich bereits um 1530) und hält sich bis in die Mitte des 20. Jh.s.
Die liturgische Verwendung der Krone war verschieden. Mal trug der Neupriester sie während des Einzugs (evtl. setzte die Mutter ihrem Priestersohn die Krone am Kirchenportal auf), mal trug ein Mädchen – die „Primizbraut“ – in der Prozession die Krone auf einem Kissen, mal trug der Neomyst sie während der gesamten Messfeier am Haupt. Die Beschaffenheit der Krone war von lokalem Brauch abhängig; erhaltene Exponate aus dem 19. Jh. sind meist etwa 12 cm hoch, bestehen aus Draht, sind je nach Anlass (z. B. zur Sekundiz) grün, silber oder gold gehalten und dekoriert mit Kunstblumen, -ähren oder -trauben.
Vgl. Monika Kania, Geistliche Hochzeit (Würzburg 1997) 165-168.

Gratulationsschreiben II. Teil: Akrostichon

Wir setzen unsere Sammlung von klösterlichen Buchstabenspielen fort mit einem Akrostichon aus 1790. 
Bei dieser literarischen Form ergeben die Anfangsbuchstaben, -silben oder -wörter der einzelnen Verszeilen hintereinander gereiht ein Wort oder mehrere. Der Terminus Akrostichon entspringt der griechischen Sprache und setzt sich aus akros (Spitze) und stichos (Vers) zusammen. Akrosticha stellten in der antiken, mittelalterlichen und barocken Dichtung ein beliebtes Schreibspiel und rhetorisches Stilmittel dar. Zudem gibt es zahlreiche Beispiele von Akrosticha in der jüdischen Literatur. Der hebräische Urtext des Alten Testamentes enthält etwa in Psalm 96 vier Verszeilen, deren Anfangsbuchstaben hintereinander gelesen den Gottesnamen JHWH ergeben (Ps 96,11).
Akrosticha finden sich in lyrischen Werken oder Liedern. Teilweise werden sie eingesetzt, um verschlüsselte Botschaften weiterzugeben. Die Anfangsbuchstaben können andererseits durch besondere Gestaltung künstlerisch hervorgehoben werden, sodass das Akrostichon optisch deutlicher hervortritt. Dies ist der Fall in einem Gratulationsschreiben an Abt Marian Reutter anlässlich seiner Wahl zum Abt von Heiligenkreuz im Jahr 1790. 
Marian, / der im Herzen milde ist, / im Eifer brennend, / im Geiste fromm, / in der Arbeit untadelig, / in der Gemeinschaft leutselig, / in der Wissenschaft herausragend, / in der Seele vortrefflich, / er soll führen… / in das Mysterium der Religion / zum gesteigerten Ruhm des Ordens / zum Wachstum der Gemeinschaft / zur Stärkung des Volkes / zum Bündnis der Freundschaft.

Europäische Nonnenklöster und der Loskauf afrikanischer Sklaven im 19. Jh.

Die online-Stellung von kirchlichen Matriken auf www.matricula-online.eu hat eine auffällige Taufe aus den Büchern des Salzburger Domes ans Licht gebracht. Die afrikanischen Mädchen Petronilla und Xaveria (beide ohne Nachnamen eingetragen) wurden am 30. Mai 1857 in den „stillen Hallen“ eines Salzburger Frauenklosters getauft; wahrscheinlich war es ein Ursulinen- oder Benediktinerinnenkloster. Von beiden Orden im Umfeld von Salzburg weiß man, dass sie durch Vermittlung des genuesischen Paters Nicolò Olivieri losgekaufte Sklavenkinder aufgenommen haben und vermutlich den Loskauf rückfinanziert haben. Olivieri hatte Petronilla (13 Jahre alt) und Xaveria (jünger) in Konstantinopel aus der Sklaverei freigekauft. Seit 1854 brachte Olivieri losgekaufte Sklavinnen in Österreich und Deutschland unter, sehr oft in Frauenklöstern. Seine Tätigkeit war ganz auf die Taufe und katholische Erziehung der Ex-Sklavinnen ausgerichtet. In einem Frauenkloster fand er die für seine Zwecke passende Kombination von Öffentlichkeit und Diskretion.

Die klösterliche Subvention seines Wirkens sollte andere Katholiken motivieren, ähnlich zu handeln. In diesem Sinne stellte Olivieri Ex-Sklaven bei einem Aufenhalt in Salzburg zur Schau; er ging mit jungen Afrikanern werbend durch die Stadt; in den Klöstern, wo sie untergebracht und getauft wurden, mussten sie sich über Tage hinweg der Bevölkerung zur Schau stellen. „Es lohnte sich: Sie bekamnen Geldgeschenke, Wäsche und neue Kleidungsstücke“ (Küppers-Braun 152).

Petronilla und Xaveria waren Analphabetinnen und nicht in der Lage, den Klosterfrauen in Salzburg Angaben über ihre Heimat zu machen; der klösterliche Chronist tippte auf Sudan oder Zambia als Herkunftsland. Sie waren zwei „der mehr als 800 Mädchen, die zwischen 1847 und 1864 von Pater Nicolò Olivieri und seine Helfer aus den Sklavenmärkten in Kairo und Alexandria freigekauft und zur Erziehung nach Europa gebracht wurden, um – enstprechend dem Missionsziel der Zeit – ihre Seelen zu retten“ (vgl. Zunker).

Die meisten Kinder starben nach weniger als drei Jahren in Europa. Todesursachen waren schwerwiegende Kinderkrankheiten aus ihrer traumatischen Vergangenheit, aber auch die Ansteckung durch europäische Viren, gegen die sie nicht immun waren und wofür es keine Impfungen gab; dies sind klassische Migrationsschicksale früherer Zeiten.

Der im 19. Jh. weit verbreitete, christlich motivierte Loskauf von andersgläubigen Sklaven ist selten erforscht worden, weil es in dem Fall nicht um den atlantischen Sklavenhandel geht. Der Sklavenverkehr über den Atlantik wird seitens nordamerikanischer Forschung intensiv untersucht. Der Sklavenhandel im östlichen Zentralafrika, dahingegen, ist noch nicht systematisch bearbeitet worden. Ebenso wenig bekannt ist die vorkoloniale Missionstätigkeit im östlichen Zentralafrika, die überwiegend von habsburgischen Ländern und Italien ausging (Küppers-Braun 143). Allein in Wien gab es eine Reihe von Kongregationen, die in regelmäßig erscheinenden (aber heute schwer auffindbaren) Missionszeitschriften ihren Sponsoren über die afrikanische Missionsarbeit berichtet haben.

* Ute Küppers-Braun, P. Niccolò Olivieri und der (Los-)Kauf afrikanischer Sklavenkinder in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte 105 (2011) 141-166.
* Maria Magdalena Zunker, Drei „arme Mohrenkinder“ in der Benediktinerinnenabtei St. Walburg, Eichstätt. Eine Spurensuche, in: SMGB 114 (2003) 481-532.
* Archiv der Erzdiözese Salzburg, Pfarrmatriken, Salzburg-Dompfarre, Taufbuch XII S. 68f.

Europäische Nonnenklöster und der Loskauf afrikanischer Sklaven im 19. Jh.

Die online-Stellung von kirchlichen Matriken auf www.matricula-online.eu hat eine auffällige Taufe aus den Büchern des Salzburger Domes ans Licht gebracht. Die afrikanischen Mädchen Petronilla und Xaveria (beide ohne Nachnamen eingetragen) wurden am 30. Mai 1857 in den „stillen Hallen“ eines Salzburger Frauenklosters getauft; wahrscheinlich war es ein Ursulinen- oder Benediktinerinnenkloster. Von beiden Orden im Umfeld von Salzburg weiß man, dass sie durch Vermittlung des genuesischen Paters Nicolò Olivieri losgekaufte Sklavenkinder aufgenommen haben und vermutlich den Loskauf rückfinanziert haben. Olivieri hatte Petronilla (13 Jahre alt) und Xaveria (jünger) in Konstantinopel aus der Sklaverei freigekauft. Seit 1854 brachte Olivieri losgekaufte Sklavinnen in Österreich und Deutschland unter, sehr oft in Frauenklöstern. Seine Tätigkeit war ganz auf die Taufe und katholische Erziehung der Ex-Sklavinnen ausgerichtet. In einem Frauenkloster fand er die für seine Zwecke passende Kombination von Öffentlichkeit und Diskretion.

Die klösterliche Subvention seines Wirkens sollte andere Katholiken motivieren, ähnlich zu handeln. In diesem Sinne stellte Olivieri Ex-Sklaven bei einem Aufenhalt in Salzburg zur Schau; er ging mit jungen Afrikanern werbend durch die Stadt; in den Klöstern, wo sie untergebracht und getauft wurden, mussten sie sich über Tage hinweg der Bevölkerung zur Schau stellen. „Es lohnte sich: Sie bekamnen Geldgeschenke, Wäsche und neue Kleidungsstücke“ (Küppers-Braun 152).

Petronilla und Xaveria waren Analphabetinnen und nicht in der Lage, den Klosterfrauen in Salzburg Angaben über ihre Heimat zu machen; der klösterliche Chronist tippte auf Sudan oder Zambia als Herkunftsland. Sie waren zwei „der mehr als 800 Mädchen, die zwischen 1847 und 1864 von Pater Nicolò Olivieri und seine Helfer aus den Sklavenmärkten in Kairo und Alexandria freigekauft und zur Erziehung nach Europa gebracht wurden, um – enstprechend dem Missionsziel der Zeit – ihre Seelen zu retten“ (vgl. Zunker).

Die meisten Kinder starben nach weniger als drei Jahren in Europa. Todesursachen waren schwerwiegende Kinderkrankheiten aus ihrer traumatischen Vergangenheit, aber auch die Ansteckung durch europäische Viren, gegen die sie nicht immun waren und wofür es keine Impfungen gab; dies sind klassische Migrationsschicksale früherer Zeiten.

Der im 19. Jh. weit verbreitete, christlich motivierte Loskauf von andersgläubigen Sklaven ist selten erforscht worden, weil es in dem Fall nicht um den atlantischen Sklavenhandel geht. Der Sklavenverkehr über den Atlantik wird seitens nordamerikanischer Forschung intensiv untersucht. Der Sklavenhandel im östlichen Zentralafrika, dahingegen, ist noch nicht systematisch bearbeitet worden. Ebenso wenig bekannt ist die vorkoloniale Missionstätigkeit im östlichen Zentralafrika, die überwiegend von habsburgischen Ländern und Italien ausging (Küppers-Braun 143). Allein in Wien gab es eine Reihe von Kongregationen, die in regelmäßig erscheinenden (aber heute schwer auffindbaren) Missionszeitschriften ihren Sponsoren über die afrikanische Missionsarbeit berichtet haben.

* Ute Küppers-Braun, P. Niccolò Olivieri und der (Los-)Kauf afrikanischer Sklavenkinder in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte 105 (2011) 141-166.
* Maria Magdalena Zunker, Drei „arme Mohrenkinder“ in der Benediktinerinnenabtei St. Walburg, Eichstätt. Eine Spurensuche, in: SMGB 114 (2003) 481-532.
* Archiv der Erzdiözese Salzburg, Pfarrmatriken, Salzburg-Dompfarre, Taufbuch XII S. 68f.

Ph.D. Grants available for Research on Bernard and Origen

A proposed research project in England focuses on the theological anthropology of Bernard of Clairvaux (1090-1153). Bernard was firmly embedded in the Augustinian theological tradition, but Origen’s ideas also seem to have influenced Bernard’s views on human freedom, e.g., via his optimistic Christology and doctrine of justification. 

The project thus aims, first, to detect the influences of Origen on Bernard’s anthropology. Second, it will distil the impact of Bernard’s theology on later debates. Candidates should be willing to work at the Centre of Early Christianity and Its Reception at the University of Kent (England). Knowledge of Greek and Latin will be an advantage. Main supervisor will be Professor Dr. Karla Pollmann, who can be contacted for further information via k.f.l.pollmann@kent.ac.uk.

Doktorandenkolloquium EUCist10 fand in Heiligenkreuz statt


Die 10. EUCist-Tagung am 4.-5. März 2016 hatte wie 2010, 2012 und 2014 das Anliegen, eine offene Diskussion über Dissertationen im Bereich der Cistercienserforschung zu ermöglichen.

PETRA BEISEL-AUTENRIETH (Heidelberg) referierte über die nichtliturgischen Lesungen verschiedener Cistercienserklöster insbesondere im 12. und 13. Jahrhundert. Für die Forschung werden jene Klöster herangezogen, deren Bibliotheksbestand im fraglichen Zeitraum weitgehend gesichert ist. Die für Lesungen verwendete Texte seien durch das von den Cistercienser verwendete Interpunktionssystem, zum Zwecke der Vereinheitlichung der Vorträge, identifizierbar. Ziel sei es, auf der einen Seite die Gründe, auf der anderen Seite die Folgerungen im Hinblick auf historische, theologische und spirituelle Aspekte herauszuarbeiten.

Unter dem Titel „Mittelalterliche Schriftkultur. Schriftlichkeit und Buchproduktion in den Oberpfälzer Cistercienserklöstern bis zu ihrer Aufhebung im 16. Jahrhundert“ boten JIŘÌ PETRÁŠEK und CHRISTIAN MALZER (Regensburg) einen kurzen Erfahrungsbericht über eine an der Universität Regensburg abgehaltene Paläographie-Übung, die sich mit einer spätmittelalterlichen Sammlung von Farbrezepten aus der Cistercienserabtei Waldsassen befasst hatte. Aus der Lehrveranstaltung ging im Sommer 2015, in Kooperation mit der Staatlichen Bibliothek Amberg, eine mit Studierenden erarbeitete Ausstellung hervor, die sich in vergleichender Perspektive mit dem Schriftbetrieb der Ordenshäuser Waldsassen, Walderbach, Seligenporten und Pielenhofen befasste. Die Referenten stellten in ihrem Vortrag die zentralen Ergebnisse ihrer Recherchen vor und präsentierten zugleich die zweite, leicht erweiterte Auflage des Begleitbandes (ISBN: 978-3-9817968-1-0), der ausgehend von den genannten Fallbeispielen die Schriftkultur in mittelalterlichen Cistercienserklöstern behandelt.

IRENE RABL (Wien) präsentierte ihre Dissertation „‚Ite ad Joseph‘. Chrysostomus Wieser und die Lilienfelder Erzbruderschaft des Hl. Joseph“ (approbiert 2014 an der Universität Wien, publiziert 2015). Diese stellt den Lilienfelder Abt Chrysostomus Wieser (reg. 1716-1747), der ein reformerisches Wirken entfaltete, was sich in seinen Predigten, in der barocken Einrichtung der Lilienfelder Stiftskirche, die auf ihn zurückgeht, und in seiner Verbindung zur 1653 in Lilienfeld gegründeten Josephsbruderschaft zeigte.

Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten führt THOMAS BÜTTNER eine „Kulturlandschaftsinventarisation“ des Steigerwaldes zur Erfassung von historischen Kulturlandschaftselementen durch. Für die Siedlungsentwicklung, Landnutzungsformen und die Waldwirtschaft sei insbesondere die 1127 im nördlichen Steigerwald gegründete Cistercienser-Abtei Ebrach maßgeblich gewesen. Dasselbe gelte für landschaftsprägende Elemente wie Kirchen und Kapellen, Amts- und Wirtschaftshöfen, Altstraßen, Wüstungen u.v.m. Ziel des Projektes sei es das cisterciensische Wirken in seinem ganzen Facettenreichtum aufzuzeigen, auch europaweit zusammen mit anderen Projekten und so ein Europäisches Kulturerbe-Siegel oder gar einen UNESCO-Weltkulturerbe-Titel zu erlangen.

Bei ELENA VANELLIs Referat ging es um die Entstehung der Cistercienserinnen, die in einer frühen Phase als mulieres religiosae auftraten. Nach einem Überblick über das religiöse Panorama am Anfang des 13. Jahrhunderts wurden zwei bereits ausgewählte italienische Fallbeispiele, S. Giovanni della Pipia in Cremona und S. Cristoforo in Pavia, vorgestellt, als Ausgangspunkt der Studien. Es wurden auch mehrere Fragestellungen zum Institutionalisierungsprozess von locker gefügten religiösen Frauengemeinschaften thematisiert. Von Deutschland ausgehend wurden der Wunsch und die Möglichkeit eines Vergleiches zwischen den verschiedenen Gebieten Europas zum Schluss geäußert.

Im Dissertationsprojekt von ALEXANDER MARX (Wien), das im Zuge der Tagung vorgestellt wurde, geht es um die Kreuzzüge im späteren 12. Jh. und frühen 13. Jh. mit besonderem Fokus auf dem Dritten Kreuzzug (1187-92). Vor allem gehe es um die Geschehnisse im Vorfeld des Kreuzzuges also die Predigt und Mobilisierung und damit die kulturell-religiös verankerten Vorstellungen und Erwartungen, die tausende historische Akteure zu dieser gefährlichen, entbehrungsreichen Reise motivierten. Insbesondere berücksichtigt würden die Texte der Cistercienser (z. B. Garnerius von Clairvaux oder Heinrich von Albano). Im Zuge des Vortrags wurden zwei offene Punkte angesprochen; erstens diverse Problemstellungen rund um das Quellengenre der Predigt sowie zweitens die Entwicklung eines neuen methodisch-analytischen Ansatzes, der darin besteht die Kreuzzugsquellen mit der zeitgenössischen Exegese in Verbindung zu bringen, um biblische Bausteine in Kreuzzugsquellen zu verstehen und zu diskutieren.

Gegenstand der Forschung von MONIKA MICHALSKA sind die mittelalterlichen Gründungsüberlieferungen der drei Cistercienserklöster in Schlesien: Leubus, Heinrichau, und Grüssau. Das Ziel sei, die Gründungsüberlieferungen der oben genannten Klöster darzustellen als in der Zeit evolvierenden Prozess eines durchdachten Auswahlverfahrens ausgewählter Elemente aus der frühesten Geschichte der Klöster, die einer kontinuierlichen Überarbeitung und Bewertung unterzogen wurden. Die Gründungsüberlieferung sei in jedem Fall auf die aktuellen Bedürfnisse des Konvents, insbesondere angesichts der wirtschaftlichen, politischen und internen Krisen eingestellt worden.
Ihre Forschung führt Michalska auf vier Ebenen durch. Die erste Ebene hängt mit der Stiftung als historischer Prozess zusammen, die zweite kreist um das Thema Klostergründung als eine literarische Kreation, und die dritte ist den Erinnerungen der lokalen Gemeinschaft an den Ursprung der Cistercienser gewidmet. Die letzte Ebene gelte für die Transmission der Stiftungstradition, sowohl im Inneren der Klostergemeinschaft, wie auch nach draußen. Das Ergebnis der Forschung der vier oben genannten Aspekte werde darstellen, wie die Mönche die Bestände der Gründungsüberlieferung für den Aufbau einer Gruppenidentität, eines Bildes der Gemeinde, der Handlungsmuster und Verhaltensweisen ausnutzten.

Die Referate wurden im Plenum unter der Leitung von den Professoren Jörg Oberste (Regensburg) und P. Alkuin Schachenmayr O.Cist. (Heiligenkreuz) besprochen. Der Austausch an Forschungserfahrungen brachte den Teilnehmern viel, wie auch die Eindrücke vom Leben in einer Cistercienserabtei der Gegenwart. cp

Leontius Hervay, accomplished Cistercian Scholar and Librarian, dies at 98

Hervay in 2010
Francis Hervay was born Januar 7, 1919 in Pozsony, Hungary (today Bratislava, Slovakia). He began elementary school in Debrecen and continued in Pécs, where he attended the Cistercian School from 1929 to 1937. After graduation he entered the Cistercian Monastery of Zirc and received the old Hungarian name Levente, which corresponds to Leontius in Latin. After three years of philosophy and theology in Zirc, he continued studies in history and geography at the Royal University of Budapest. He took solemn vows in 1944 and was ordained priest on May 16, 1944 by Cardinal Mindszenty, still bishop of Veszprém at the time. Before finishing his teaching internship in Budapest, the last months of the Second World War forced him to return to Zirc, where he was assistant novice master, assistant cellarer and inspector of the forests. From 1946 until the confiscation of the Catholic schools in 1949 he taught at the Cistercian School of Eger. His ministry for those three years turned him into a legend among the school’s alumni. When he learned of his death, one student of his from 1946-49 wrote, “If there was a saint among the Cistercians in Eger, that was Fr. Levente.” In addition to teaching he headed up the boarding school, served as Form Master and was a prominent leader of the Boy Scouts of Eger. When removed from the school, he became assistant pastor at the Cistercian School until 1952. 

Increasing Communist persecution eventually made it impossible for him to work as a priest. In the years 1953-55 he was a menial laborer in the forests of the Eger region. In 1959-60 he was librarian at the Eger archdiocesan library, and was then forced to work in local forests again. During these years he undertook the intensive and secret pastoral activity of teaching religion in families’ homes. However, he was discovered, arrested and sentenced to four and a half years of imprisonment. Due to Communist efforts to “normalize” relations with the Holy See, he was granted amnesty in 1963 and released. Thereafter, at the intervention of Professor Mezey, one of his earlier teachers of history, he was granted a research position with the Hungarian Academy of Sciences. His main work was at the National Széchényi Library in Budapest, where he was part of a research team studying ancient Hungarian prints and publications. His outstanding contributions to a series of publications on Hungarian libraries produced innovations in the field and brought him international recognition.

In 1990, when the monastery of Zirc was reopened, Fr. Levente was among the first to return to the Abbey and worked hard on rebuilding and refurnishing the monastery. In spite of his advanced age, he worked as cellarer and subprior, established a library for the young monks and participated in every feature of community life.

Although with regrettable interruptions, Fr. Levente worked for sixty years on an international Cistercian bibliography. When he was finally allowed to travel abroad, he visited more than 400 locations searching for remnants of Cistercian monastery libraries all over Europe, from Norway to Sicily and from Ireland to Poland. He wrote several hundred articles for various lexica. In his major work, Repertorium Historicum Ordinis Cisterciensis in Hungaria, he published the history of all Cistercian monasteries from the earliest medieval monasteries in the Kingdom of Hungary. For his work in Hungarian church history, he received the Fraknói Award in 2001, and in 2011 the Ferenc Széchényi Award, presented to him by the President of the Republic of Hungary.

He died on February 9, 2016 and was buried in Zirc on February 12. He was 98 years old.

Analecta Cisterciensia 65 (2015) erschienen!

Die jüngste Ausgabe, die zehnte unter Herausgeber P. Alkuin Schachenmayr, ist nun über den Buchhandel und direkt beim Be&Be Verlag erhältlich. Die unten angegeben Titel sind Kurzfassungen.

P. Alkuin Schachenmayr, Wirtschaftsgeschichte und Cistercienserforschung, 3
Werner Rösener, Die Cistercienser und die Wirtschaft, 14
Martin Schröter, Besitzgeschichte des Klosters Reinfeld, 33
Jörg Oberste, Das Verschuldungsproblem im mittelalterlichen Cistercienserorden, 53
Katja Hillebrand, Das Klosterbuch für Schleswig-Holstein und Hamburg, 73
Simon Sosnitza, Loccums natürliche Ressourcennutzung, 92
Sebastian Slawik, Die Kleidung der Cistercienser im Mittelalter, 134
Peter Wiesflecker, Die textile „Mitgift“ von (adeligen) Nonnen, 152
Immo Bernhard Eberl, Das Mönchtum in der Betrachtung Martin Luthers, 206
Leonhard Scherg, Die Generalprokuratoren des Cistercienserordens, 246
Jörg Sonntag, Der Regelkommentar aus Pontigny, 257
P. Paul Verdeyen, Wilhelm von Saint-Thierry, 268
P. Pius Maurer, Lebenslauf Generalabt Maurus Esteva Alsina (1933-2014), 433
P. Francisco Rafael de Pascual, Die Märtyrer von Viaceli, 452
Simon Haupt, Burganlagen als Basis für cisterciensische Klostergründungen, 462
…. und Tagungsberichte und Rezensionen

Äbtissinnen mit Pontifikalien

In der Diskussion über die Frauenweihe ist überraschend wenig die Rede von Äbtissinnen und der Auswahl an Privilegien, die ihnen in manchen Epochen und Klöstern verliehen wurden. Die kanonistische Dissertation von Josemaria Escriva de Belaguer behandelt den berühmtesten Fall der Neuzeit: Las Huelgas. In den links und rechts stehenden Aufnahmen aus Las Huelgas im 20. Jh. erkennt man die Fortsetzung des Privilegs, nicht nur Stab sondern auch eine Diakonissinnenstola zu tragen. Die Äbtissin durfte bzw. musste bei feierlichen Vigilien das Evangelium verkünden können, daraus ergab sich die Stola. Die Homilie hielt sie allerdings, wie die meisten Äbte des Mittelalters auch, im Kapitelsaal außerhalb der Messe; dafür brauchte sie keine Stola.

Auf einer der EUCist-News Redaktion bislang unbekannten spanischen Homepage werden weitere Beispiele von Äbtissinnengewandung im Cistercienserorden gezeigt. Ein sehr seltener Fall besteht in der Erweiterung der Kukulle zur Schleppenlänge, wie im Bild rechts. Weitere Entfaltungsmöglichkeiten sind bis heute durch Pontifikalhandschuhe gegeben.

Eine der berühmtesten Äbtissinnen von Las Huelgas war María Ana de Austria (1568-1629), die sich allerdings ohne Pontifikalien porträtieren ließ. In ihrem Porträt unten steht sie in verhältnismäßig schlichter Haltung, ohne Brustkreuz aber (vielleicht stattdessen) mit einer Art Rosenkranz um den Hals, dem Stab in Händen und schwarzen Ärmeln. Cisterciensische Porträtur aus dieser Epoche, sei sie männlich oder weiblich, betont den dezenten, fast nur für Insider erkennbaren dünnen Rand des Skapuliers am unteren Kukullensaum.