Planet History

Kategorie: Mind the gap(s)

Zum plötzlichen (?) Interesse an Karikatur

Der #JeSuisCharlie-Hype scheint am Abebben, die Zeit der aktionistischen Solidarisierungen ebenfalls, langsam werden differenziertere  Stimmen lauter (Hashtag #jenesuispascharlie), Stimmen, die Terror verurteilen, aber nicht unbedingt die Positionen von Charlie Hebdo teilen. [1]  Charlie Hebdo ordnet sich selbst dem politisch linken Spektrum zu, bewegt sich dann doch bei vielen Themen in der politischen Mitte.[2]. Charlie Hebdo ist radikal antiklerikalistisch und provoziert mit derber Satire.  Die Karikaturen sind reduziert, sie wirken durch energische Striche und kräftige Farbflächen ohne jede Schattierung.Die Botschaften sind direkt und wenig subtil. #JeSuisCharlie […]

Ikonographien von Solidarität und Widerstand: Karikaturen zum Anschlag auf ‚Charlie Hebdo‘

Der 7. Januar ist der erste Tag nach der Weihnachtspause … das übliche Programm: Post, nebenher Nachrichten und wie immer zur Einstimmung Karikatur/Karikaturistinnen/Karikaturisten-Feeds aus aller Welt und Daryl Cagles PoliticalCartoons.com. Die Themen sind wenig überraschend, die Tagespolitik läuft an. Charlie Hebdo hat (wie am 6.1. getwittert) Houellebecqs Soumission auf dem Titel[1]. Aber plötzlich ist alles anders. Ab Mittag überschlagen sich Nachrichten mit immer mehr Details zum Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo. Sondersendungen, Eilmeldungen, Live-Ticker … Kurz vor 13.00 twittert Joachim Roncin: pic.twitter.com/5hr2brBJQt […]

Das Jubiläumsjahr 2015

Zum Jahresanfang tauchen überall Listen von Jahrestagen, Jubiläen, Gedenktagen auf, die 2015 auf uns zukommen. Dabei kommt China nur selten vor – ein Anlass hier einige viertel-, halb- und ganz runde Jahrestage zur Geschichte Chinas in Erinnerung zu rufen … Vor 1900 Jahren (115) wurde Liù Bǎo 劉保 geboren, der als Hàn Shùn Dì 漢順帝 von 125 bis zu seinem Tod 144 regierte. Vor 1750 Jahren (265) starb Zhū Huánghòu  朱皇后[1], die Witwe nach Sūn Xiū 孫休,[2], dem  3. Kaiser von Wu [Dōng Wú東吳]. Und […]

China in Comics, Manga, Graphic Novels | Bibliographie (III)

Comics, Graphic Novels, Manga, manhua etc. zeichnen sehr spezielle Bilder von China – zwischen Exotik und Dämonisierung, zwischen Geschichtsdarstellung und Fantasy-Abenteuern mit Drachen und Dämonen.   Die graphischen Erzählungen spiegeln das Chinabild ihrer Entstehungszeit und master narratives der Wahrnehmung Chinas von außen und sind Indikatoren für veränderte Wahrnehmungen. Gleichzeitig zeigen die Darstellungen, wie nachhaltig einzelne Elemente sind und wie fest deren Verbindung mit China ist. Im ersten Teil der Bibliographie wurden überwiegend franko-belgische Titel zusammengefasst, im zweiten Teil kamen dazu auch Titel, die zuerst in […]

走為上策 *

Seit November 2012 brachte mind the gap(s) rund 120 Miszellen zu China-Bild(ern) im weitesten Sinn: zu Comics & Graphic Novels, zu frühen Stimmen über das Chinesische, zu kurios anmutenden Landkarten und zu Online-Sammlungen, zur China-Blogosphäre, zu trivialen Chinabildern etc. und Überlegungen zum Bloggen. mind the gap(s) ist ein Nischenblog, der sich mit einem randständigen Thema beschäftigt – und damit nicht ganz erfolglos ist, wenn man das  Erscheinen von Beiträgen  auf der de.hypotheses-Startseite als Erfolgsindikator nimmt.[1] Zu denken gibt,  dass aufwändige Beiträge den ‚Sprung‘ nicht […]

China im Kartenbild: Atlas Catalan – BNF Esp 30

Der sogenannte Atlas catalan[1] entstand um 1375 in der Werkstatt von Abraham und Jehuda Cresques und zeigt die damals bekannte Welt vom Atlantik bis nach China.   An (möglichen) Quellen  standen im späten 14. Jahrhundert einige (Reise-)Beschreibungen zur Verfügung, darunter die von Giovanni da Pian del Carpine; (um 1185-1252), Wilhelm von Rubruck (um 1220 – um 1270), Marco Polo (um 1254-1324) und Odorico da Pordenone (um 1286-1331). Dazu kommt der phantasievolle, aber fiktive Bericht des Jehan de Mandeville (fl. 1357-1371) Zur Darstellung Ostasiens nach […]

China in der Karikatur: Das Schicksal von „General Yeh“ (1858/59)

Yè Míngchēn (1807–1859) war die Verkörperung des Widerstands gegen den steigenden Druck Großbritanniens in Guǎngzhōu 廣州. Yè, der aus Húběi 湖北 stammte, hatte 1835 den Grad eines en Grad eines jìnshì  進士 erreicht und die klassische Beamtenlaufbahn eingeschlagen. Als Gouverneur und später als  liǎngGuǎng zǒngdū  兩廣總督 [Generalgouverneur der Guang-Provinzen] unternahm Yè alles, um die im Vertrag von Nánjīng 南京 [Nánjīng Tiáoyuē 南京條約] zugesicherte Öffnung des Hafens Guǎngzhōu 廣州 hinauszuzögern. Als Yè 1856 die Lorcha Arrow beschlagnahmen ließ, war das der Tropfen, der das Fass zum […]

China-News zur Plünderung und Zerstörung des ‚Sommerpalasts‘ im Herbst 1860

Die  Yùyuán 御园 [wörtl. „Kaiserliche Gärten“][1], die in Europa unter der Bezeichung ‚Alter Sommerpalast‘ bekannt bekannt sind,  wurden ab Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet. Zu der Anlage gehörte neben den Gärten eine kostbare Bibliothek.[2] In der Endphase des so genannten ‚Zweiten Opiumkriegs‘ wurden gefangen genommene französische und britische Abgesandte festgesetzt und gefoltert.  Als Vergeltungsmaßnahme wurden Paläste und Gärten von englischen und französischen Truppen geplündert und auf Befehl Lord Elgins die Yùyuán 御园 von englischen Truppen zerstört. Der französische Befehlshaber General Montauban, der sich persönlich […]

Zwischenruf: Im Dilemma

Bloggen macht Spaß, ist interessant und erhöht Sichtbarkeit. Aber … Bloggen ist – wenn es drauf ankommt – für Wissenschaftler_innen irrelevant, denn es gilt nicht als vollwertige Publikation. Bloggen ist Wissen teilen. Aber … Durch Bloggen einfach Wissen zu verschenken grenzt an Selbstzerstörung, wenn nur echte Publikationen zählen. Bloggen kann Erkenntnisse schnell öffentlich machen – Stichwort (Mikro-)Miszelle. Aber … Die Erkenntnis ist dann nicht mehr ’neu‘.  Promotions- und Habilitationsordnungen zeigen schnell  die ‚rote Karte‘. Und Verlage brechen auch nicht in Jubel aus. Bloggen lebt von high […]

Chinabild in Karikaturen: “A new rôle” (1898)

Im Kontext der Besetzung des Jiāozhōu 膠州-Gebiets und der Verhandlungen über einen Pachtvertrag (1897/1898) erschienen in den satirisch-humoristischen Blättern Europas zahlreiche Texte und Karikaturen, die den deutschen Kaiser als neuen ‘Kaiser von China’ darstellten. Zu den wohl bekannteren (und immer wieder verwendeten[1] Beispielen gehört eine Karikatur von Edward Linley Sambourne (1844-1910), die am 15. Januar 1898 im Punch erschien: “A new rôle!”[2] Der britische Militärattaché Sir James Moncrieff Grierson (1859-1914) berichtete über ein Gespräch mit dem Kaiser über diese Karikatur: “Dann fragte er mich, […]

Zur “Verewigung der Kriegsverrichtungen des Kaisers von China” (1766)

Am 24. Dezember 1766 brachte das Wienerische Diarium eine kurze Notiz, die für das Publikum ziemlich rätselhaft gewesen sein dürfte, wird doch über ein eigentlich geheimes Unternehmen berichtet … Frankreich wird nun die Ehre haben, zur Verewigung der Kriegesverrichtungen des Kaisers von China beyzutragen. Da die Chinesischen Geschichtsschreiber diese Thaten mit Hülfe des Drucks auf die Nachwelt bringen, so werden unsere Kupferstecher, welche sich mit ihrer Kunst so vielen Ruhm aus allen Theilen der Welt zugezogen haben, dasselbe durch ihren Griffel thun. Die letzten […]

#wbgavie | Wissenschaftliches Bloggen im SWOT-Check

IMein hypotheses-Blog mind the gap(s) gibt es seit knapp zwei Jahren, die (gemeinsam mit Georg Lehner betriebene) Bibliotheca Sinica 2.0 als Blog seit vier Jahren. ((Davor war die ‚Wiener China-Bibliographie‘ eine statische Website. S. dazu Bibliotheca Sinica 2.0.)) Es ist also an der Zeit Zeit, einmal (selbst-)kritisch zu fragen: Was bringt (mir) das? Lohnt es sich für Wissenschaftler_innen zu bloggen? Welche Chance bietet (mir) das Bloggen? Welche Herausforderungen gibt es? Und wo liegen die Risiken?

China-News: Über die Schreibung chinesischer Namen in deutschen Zeitungen (1916)

Bei der Beschäftigung mit China stellt die Wiedergabe chinesischer Eigennamen und Begriffe immer wieder eine Herausforderung dar, denn es ist im Grunde unmöglich, Schriftzeichen in lateinischen (oder kyrillischen) Buchstaben eindeutig wiederzugeben. Bevor sich das in den 1950ern eingeführte Hànyǔ Pīnyīn Fāng’àn 漢語拼音方案 [„Programm zur Fixierung der Laute im Chinesischen“][1] als Standard durchgesetzt hat, existierten zahlreiche Systeme nebeneinander – die jedoch primär in Fachtexten und Lehrbüchern verwendet wurden.[2] Besonders schwierig war (und ist) die Wiedergabe chinesischer Personennamen in Tageszeitungen und anderen Massenmedien. Die Autoren waren und […]

China-News: Yuan Shikai am Opfergelände des Himmels (1914/1915)

Das Opfergelände des Himmels (Tiāntán天壇) , in westlichen Darstellungen in der Regel vereinfachend und irreführend als “Altar des Himmels”/”Himmelsaltar” beziehungsweise “Himmelstempel” bezeichnet,[1] war der Ort, an dem die Kaiser drei der “großen Opfer” [dà sì 大祀] des Staatskultes vollzogen: im ersten Monat qígǔ 祈榖 [„Gebet für eine Reiche Ernte“], im vierten Monat yúsì 雩祀 [„Opfer der Bitte um Regen“] und im elften Monat dōngzhì 冬至 [„Wintersonnenwende“].[2] Das Ende der Qing-Dynastie 1912 bedeutete das Ende des Staatskults – und das Ende der Opferriten. In den Machtkämpfen, […]

Geschichte Chinas im Bild (VIII): Chinese Pamphlet Digitization Project

Quasi Nachtrag zu Geschichte Chinas im Bild (VII): Propaganda-Poster eine weitere Sammlung von chinesischem Propaganda-Material aus der Zeit zwischen 1947 und 1954: das Chinese Pamphlet Digitization Project. Die digitalisierten Objekte stammen aus der Sammlung von Edward Hunter (1902-1978). Hunter hatte zunächst als Journalist gearbeitet hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Hunter radikaler Anti-Kommunist auf, sein bekanntestes Werk war Brain-washing in Red China: The calculated destruction of men’s minds (New York: Vanguard Press 1951). Das Center for Research Libraries digitalisiert Hunters Sammlung von Propagandamaterial aus […]

“An Epithalamium to the Emperor of China” (1886)

Am 26. Februar 1889 fanden in Běijīng 北京 die Feiern zur Hochzeit des Guāngxù 光緒-Kaisers Zǎitián 載湉 (1871-1908, regierte 1875-1908) statt – rechtzeitig, bevor der junge Kaiser selbst die Regierung übernehmen sollte. Drei Jahre zuvor, am 3. Juli 1886, erschien im Punch or London Charivari ein Epithalamion, das sich allerdings nicht an eine Braut auf dem Weg ins Brautgemach richtet, sondern “an den Kaiser von China”. “An Epithalamium to the Emperor of China”. Die sechs Strophen beschreiben, was auf die Braut zukommt. Oh, won’t there be noise, […]

Frühe Stimmen über das Chinesische: Adelung, Mithridates (1806)

Johann Christoph Adelung (1732-1806), der vor allem für sein Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (erste Aufl. 1774–1786)[1] bekannt ist, behandelt im ersten Band von  Mithridates, oder allgemeine Sprachenkunde[2], der in seinem Todesjahr 1806 erschien, die asiatischen Sprachen. Adelung erläutert selbst, warum er “Sinesisch” als erste der asiatischen Sprachen abhandelt: […] die Sprache, welche unter den einsylbigen die einfachste, folglich der ersten Srachbildung die nächste ist. Zwar ist sie nicht mehr blosser [sic!] ungeschlachter Vocal-Laut […] allein sie hat […] die höchste nur mögliche Einfachheit, […]

Schon aus den Startlöchern?

Beim Europeana Newspapers Project Information Day an der Österreichischen Nationalbibliothek kam immer wieder das Bild von Marathonläuferinnen und -läufern, die unmittelbar nach dem Startschuss die 42,195 km in Angriff nehmen – als Sinnbild für den Stand der Digitalisierung von periodischen Druckschriften. In den Vorträgen, die Europeana Newspapers vorstellten und in den Gesprächen am Rande wurde für mich wieder einmal sehr deutlich, dass Welten aufeinanderprallen, wenn bereitstellende Institutionen und Benützerinnen und Benützer zusammenkommen. Volltextsuche ist (theoretisch) wunderbar –  ‘unterwegs’ stolpert man immer wieder Spannendes, das […]

China-News: “Bei den Chinesen” (1873)

China beteiligte sich 1873 zum ersten Mal an einer Weltausstellung[1]. Am 15. Juni 1873 beschäftigte sich die “Weltausstellungs-Beilage” der Morgen-Post  unter dem Titel “Bei den Chinesen”[2] mit der eben eröffneten ‘chinesischen’ Ausstellung, die sich inder äußersten nordöstlichen Ecke der Industriehalle befand.  Der Bericht nimmt die Leserinnen und Leser auf einen Rundgang mit: Durch ein wunderliches Thor, mit seinem bunten, drachengeschmückten Sparrenwerk und seinen drei Stulpdächern schon an und für sich ein Ausstellungsobjekt, treten wir in das Land “der hundert Familien” ein.[3] Das “wunderliche Tor” […]

China-News: “Das erste Theeschiff aus China” (1866)

Das Ende des Teehandelsmonopols der East India Company  eröffnete in den 1830er Jahren den Wettbewerb auf den Teehandelsrouten. Um die (besonders profitable) erste Teeladung der neuen Ernte nach Europa zu bringen, wurden nun kleinere und schnellere Schiffe, die sogenannten Teeklipper gebaut. Ab den 1850ern wurden für die erste Ladung einer Ernte, die London erreichte, Prämien ausgelobt. Die Rennen wurde zunächst über die “Shipping Intelligence”-Kolumnen der Tageszeitungen verfolgt. In den 1860ern wurden die Berichte in englischen Tageszeitungen immer umfangreicher, mit täglichen Berichten und zum Teil […]

Geschichte Chinas im Bild (VII): Propaganda-Poster

‘Geschichte Chinas im Bild’ bisher: I, II, III, IV, V, VI. Eines der wichtigsten Elemente der Propaganda[1] waren (und sind) Poster, die die jeweilige politische Linie propagieren und die Bevölkerung indoktrinieren und mobilisieren. Die Poster widmen sich den unterschiedlichsten Themen: Gesundheitsvorsorge, Landwirtschaft, Alphabetisierung, Industrialisierung, Weltraumprogramme – vor allem aber den Kampagnen der Kommunistischen Partei Chinas. Die Poster wurden in Massen produziert wurden – aber sie waren Wegwerfprodukte, die für den Moment gemacht waren. chineseposters.net Poster aus der Sammlung von Stefan Landsberger (Univ. Leiden), der […]

Yellowface im Variété: ‘Chinesische’ Illusionisten

Im späten 19. Jahrhunder tauchte auf den Bühnen der Vereinigten Staaten ein chinesischer Magier auf, der das Publikum mit ungewöhnlichen Kunststücken faszinierte. Zhu Liankui 朱連魁 (1854-1922), einer der bedeutendsten Magier Chinas, der unter dem Künstlernamen Ching Ling Foo 金陵福 [Jīn Língfú] auftrat, kam 1898 für das “chinesische Dorf” bei der Trans-Mississippi and International Exposition in Omaha (Nebraska) in die USA.[1] Der Autor (und Amateur-Illusionist/Magier/Zauberer) Henry Ridgely Evans (1861-1949) räumt in The old and the new magic (1906) zwar den Erfolg beim Publikum ein, äußert […]

“Groß-Peking” (1892) – Überlegungen zum Chinabild

Für ihr Gschnas am 29. 2. 1892 gab die Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens das Motto “Groß-Peking” aus – das Künstlerhaus verwandelte sich in ‘chinesische’ Festräume, als Rahmen, um die Verhältnisse in Wien heiter und satirisch zu kommentieren. Dazu gab es eine Gedenkmedaille, ein Handbuch für Reisende, Beiträge in satirisch-humoristischen Periodika und in ‘normalen’ Tageszeitungen. Aus all dem lassen sich Schlüsse auf das Chinabild der 1890er ziehen: Was ist typisch für diese “uralt[e] Cultur […], die, ins Meer der Zeiten versunken, seit Jahrtausenden in […]

“Groß-Peking” (1892): Ein Bilderbogen im “Floh”

Das Gschnas der Genossenschaft der Bildenden Künstler Wiens bildete einen der Höhepunkte des Wiener Faschings und wurde dadurch auch Thema in satirisch-humoristischen Periodika. Der größte Teil beschränkt sich auf kurze Wortspiele und Anspielungen auf die ‘Chineser’ in Wien. Eine Ausnahme gibt es:  Der Floh widmete dem Gschnas die Doppelseite “Skizzen vom Künstlerfest 1892″[1] – eine Collage aus ‘chinesischen’ Typen und Karikaturen der Attraktionen des “Fests in Groß-Peking”. Betrachtet man die Seite ohne Wissen um den Kontext wirken die einzelnen Elemente wie wenig originelle Versatzstücke […]

“Groß-Peking” (1892): Ein Handbuch für Reisende

Für ihr Gschnas am 29. 2. 1892 gab die Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens das Motto “Groß-Peking” aus – das Künstlerhaus verwandelte sich in ‘chinesische’ Festräume, als Rahmen, um die Verhältnisse in Wien heiter und satirisch zu kommentieren. Neben einer Medaille zum Fest gab es auch ein ‘Handbuch’ für Reisende unter dem Titel Seine Umgebung und Gross-Peking. Ein Handbuch für Reisende am 29. Februar 1892. Hrsg. von dem Verein für interessirten Fremdenverkehr. Das Bändchen entspricht in der Aufmachung den Baedeker-Reiseführern des späten neunzehnten Jahrhunderts: roter […]

“Groß-Peking” (1892): Eine ‘chinesische’ Medaille

Zum alljährlichen Gschnas des Künstlerhauses wurde eine zum Thema passende ‘chinesische’ Medaille aufgelegt. Im Jahr 1892, zu “Groß-Peking“, wurde diese von Anton Karl Rudolf Scharff (1845-1903), einem der bedeutendsten Medailleure der Zeit,[1] gestaltet. Die Beschreibung der Medaille  im “Reiseführer” ist kurz: Einheits-Münze ‘Künstler – Foo-hund’[2] für den Preis-Courant, Werth = 3 fl. (sprich Floh). […] Geschnitten von Anton Scharff.”[3]. Die Medaille ist in der Form der kǒngfāng xiōng 孔方兄, der “Münzen mit einem quadratischen Loch” gestaltet, sie hat einen Durchmesser von 45 Millimeter, das […]

Ein ‘chinesisches’ Wien: “Groß-Peking” (1892)

Für ihr Gschnas am 29. 2. 1892 gab die Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens das Motto “Groß-Peking” aus – das Künstlerhaus verwandelte sich in ‘chinesische’ Festräume, als Rahmen, um die Verhältnisse in Wien heiter und satirisch zu kommentieren. In mehreren Beiträgen soll das China-Bild, das sich in den Publikationen zu dieser und über diese Veranstaltung manifestiert, herausgearbeitet werden. Das  Gschnas der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, das jeweils am Faschingmontag [Rosenmontag]  im Künstlerhaus stattfand, war einer der Höhepunkte des Wiener Faschings des späten 19. […]

China im Kartenbild: John Speed: The Kingdome of China (1626)

In den 1620ern entstand die Karte “The Kingdome of China. Newly augmented […]“  des John Speed (1552-1629)[1] – eine der frühesten englischen Chinakarten überhaupt[2] The kingdome of China / newly augmented by I.S. 1626. By John Speed [Public domain], via Wikimedia Commons Die Karte ist in A prospect of the most famous parts of the world, viz, Asia, Africa, Europe, America, with these empires and kingdoms (London 1676)[3]  die Nr. 19 und enthält auf der Rückseite “The description of the Kingdom of China, p. 38-39″. […]

Frühe Stimmen über das Chinesische: “Über die Chinesische Schriftsprache” (1813)

In China besteht noch jetzt alle Gelehrsamkeit in der Kenntniß der Sprache. Um zu den höchsten Staatsämtern zu gelangen, braucht man durchaus nichts weiter zu verstehen. Die Candidaten aller Staatsämter in China werden nur hierinn äusserst scharf examinirt. […] Nicht sowohl wegen der Natur der Chinesischen Schriftsprache selbst sind in China noch alle gelehrten Fertigkeiten auf die Kenntniß der Sprache beschränkt[1] Der Aufmerksame, eine Beilage zur Grazer Zeitung brachte am 20. März 1813 den Beitrag “Ueber die Chinesische Schriftsprache”, in dem die Besonderheiten der […]

Ein “chinesisches” Porträt des Großen Kurfürsten und andere “Curiosa” [1685]

Unter den Ostasiatica-Digitalisaten der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz findet sich unter der Signatur Libri sin. 19-2  ein “[Konvolut aus Holzschnittabdrucken], 1685″, das fünf Blätter enthält: zwei Exemplare von  大和貨重武圖像, ein Blatt mit chinesischen Zahlen und zwei Exemplare des “ 往生淨土呢” [Gebet der Reinen Land Sekte für die zukünftigen Leben“ zusammen mit Abbildungen von Männer- und Frauenkleidung. 大和貨重武圖像 [dàhéhuózhòngwǔ túxiàng] zeigt Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), den Großen Kurfürsten – eine Abbildung, die (je nach Blickwinkel) zu den Zimelien oder zu den Kuriositäten gezählt […]

Frühe Nachrichten über China: Seide, die vom Baum gekämmt wird …

Kostbare Seidenstoffe waren in Europa seit langem bekannt und begehrt, Herkunft und Gewinnung der Seide aber blieben ein gut gehütetes Geheimnis, [1] was zu zum Teil abenteuerlichen Erklärungsversuchen führte. Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm heißt es unter “Seide“: “das gespinnst des seidenwurms, als noch unverarbeitetes naturerzeugnis: die seyden, sericum, bombyx Maaler 371c”. Der Beitrag verweist auf den Eintrag “Seide”  in Die teütsch Spraach[2] von Josua Maaler (1529-1599)) aus dem Jahr 1561. Weiter heißt es im Wörterbuch der Gebrüder Grimm: […] ahd. Seres sizzent hina verro […]

“Twin Sisters” 姊妹花 (1933)

Zǐmèihuā 姊妹花 (“Geschwister Blumen”[1], “Twin Sisters”, 1933), erzählt die Geschichte von zwei Schwestern zwischen Tradition und Modernisierung.[2] Zǐmèihuā war der kommerzielle erfolgreichste Film von  Zheng Zhengqiu 鄭正秋. Zheng (eigentlich Zheng Fangze 鄭芳澤,1889-1935) hatte sich als Theaterkritiker und Dramatiker einen Namen gemacht und war 1913 von Zhang Shiquan 張石川 zur Asia Film Company geholt worden. 1922 gründeten die beiden zusammen mit einigen Partnern die Filmgesellschaft Mingxing (Míngxīng yǐngpiàn gōng 明星影片公司)  gegründet, die bis 1937 eines der bedeutendsten Studios bleib. Der Film Zǐmèihuā erzählt von Zwillingsschwestern, die in […]

Ein Bild sagt mehr …: Das “Alte Observatorium von Beijing” vom 17. Jh. bis ins 21. Jh.

Der aktuelle Header von mind the gap(s) basiert auf einem Foto, das im September 2011 in Beijing entstand: Das Bild blickt vom Straßenniveau hinauf auf das Běijīng gǔ guānxiàngtái 北京古觀象台, auf das “Alte Observatorium von Beijing”, genauer: zu den Instrumenten auf dem Beobachtungsturm dieses Observatoriums. Dieser Beobachtungsturm  stammt aus der Ming明-Dynastie 1442, doch schon in der Yuan 元-Zeit befande sich in dem Bereich ein Observatorium. Das Observatorium wurde laufend erneuert und seine Ausstattung verbessert, zuletzt im siebtzehnten und achtzehnten Jahrhundert durch Jesuitenmissionare, die für […]

Chinabilder 2014: “Manche mögen Reis”

Chinabilder in der Belletristik (im weitesten Sinne) sind ein sehr weites Feld zwischen  Karl Mays Kong-Kheou, das Ehrenwort,  Sax Rohmers Dr. Fu Manchu,  Hergés Le lotus bleu, Romanen von Pearl S. Buck und Han Suyin, Robert van Guliks Richter Di-Reihe, Pixi-Büchern wie Petzi fährt nach China, Krimis von Christopher West und Peter May, Petra Häring-Kuans Chinesisch für Anfänger, Richard Masons Suzie Wong und Gene Luen Yangs Boxers & Saints – eine zufällige und willkürliche Auswahl, die die Bandbreite nur andeuten kann: Unterhaltungsliteratur, Kriminalromane und Thriller, […]

China im Kartenbild: Exacta et accurata delineatio (1595)

Jan Huygen van Linschoten (1563-1611) hatte in seiner Zeit als Sekretär des João Vicente da Fonseca (um 1530-c.1530 -1587), des Erzbischofs von Goa, auch Zugang zu Kartenmaterial und Informationen über die portugiesischen Handelswege in Asien. Nach seiner Rückkehr nach Europa verkaufte er die Informationen dem Amsterdamer verleger Cornelis Claesz, der sie 1596 unter dem Titel  Itinerario: Voyage ofte schipvaert van Jan Huyghen van Linschoten naar Oost ofte Portugaels Indien … 1579-1592[1] veröffentlichte. Das Werk, das einen wesentlichen Beitrag zur kolonialen Expansion der Niederlande in […]

Geschichte Chinas im Bild (VI): Sammlungen chinesischer Kunst online

Die ersten Teile der Reihe ‘Geschichte Chinas im Bild’ stellten Foto-Sammlungen (I, II, III, IV) und chinesische Kupferstiche, Bildrollen, Kalligraphien (V) vor. Dieser Teil führt zu Online-Präsentationen chinesischer Kunst in Museen. The British Museum | Collection online: Sir Percival David Foundation of Chinese Art [Sammlung chinesischer Karamik aus der Song, Yuan, Ming und Qing-Zeit (10.-18. Jh.), die 1950 (zusammen mit einer Bibliothek zur chinesischen Kunst an die University of London ging und im British Museum ausgestellt ist.] The Metropolitan Museum of Art: Chinese Art […]

Geschichte Chinas im Bild (V)

Die ersten vier Teile der (losen) Reihe ‘Geschichte Chinas im Bild’ (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4) stellten Foto-Sammlungen/Archive zusammen. In diesem Teil geht es um Holzschnitte, Kupferstiche etc., die in China entstanden und in Sammlungen in aller Welt gelandet sind. Japan Center for Asian Historical Records (JACAR) & The British Library: “The Sino-Japanese War of 1894-1895 : as seen in prints and archives” [235 Drucke aus den Sammlungen der British Library  zum Chinesisch-Japanischen Krieg 1894/95 – der Großteil sind japanische Holzschnitte […]

Die sogenannte ‘Hunnenrede’ im Spiegel satirisch-humoristischer Blätter. Eine Materialsammlung

Am 27. Juli 1900 verabschiedete Wilhelm II. das deutsche Ostasiatische Expeditionskorps mit einer Ansprache, die schon bald unter der Bezeichnung “Hunnenrede” Gegenstand hefitger Debatten wurde.[1]  Die wohl bekanntesten Zitate aus dieser Rede lauteten: Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wie vor tausend Jahren die Hunnen … sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen […]

Zwei Sammlungen von China-Karikaturen (1900)

Die militärische Intervention zur Unterdrückung der Yihetuan 義和團-Bewegung (1900/01) war (wie an anderer Stelle ausgeführt) in den Zeitungen Europas das Thema des Sommers  des Jahres 1900, in allgemeinen Zeitungen, aber auch in satirisch-humoristischen Blättern – es ist daher wenig überraschend, dass schon zeitnah Sammlungen von China-Karikaturen erschienen. Zwei dieser Sammlungen sollen in diesem Beitrag vorgestellt werden. Vermutlich Ende1900 gab der Journalist und Kunsthistoriker John Grand-Carteret (1850-1927) eine Sammlung von China-Karikaturen heraus. Der Titiel – Chinois d’Europe et chinois d’Asie : documents illustrés pour servir […]

Ein Bild sagt mehr … (XXII): “The Germans to the Front” in zwei Karikaturen (1900, 1915)

Der Ausspruch “The Germans to the front” wurde im Sommer 1900 dem britischen Admiral Sir Edward Hobart Seymour (1840-1929) zugeschrieben. Seymour hatte im Juni 1900 versucht, von Tianjin aus auf Beijing vorzurücken, um die belagerten Gesandtschaften zu befreien, musste diesen Vorstoß jedoch abbrechen und nach Tianjin zurückkehren. Daraufhin soll er deutsche Soldaten vorgeschickt haben – eben mit der Aufforderung: “The Germans to the front!” Der Ausspruch wurde bald zum geflügelten Wort, Anspielungen darauf finden sich (nicht nur) in satirischen Blättern immer wieder. Zwei Beispiele […]